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Pompeii 3D

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kritiken.de Redaktion 27.02.2014
Pompeii 3D© Constantin Film Verleih
A ca. 1394 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Pompeii 3D: Historisches Spektakel als Monument der visuellen Überwältigung

Einleitung

Pompeii 3D nähert sich dem antiken Stoff nicht als archäologisches Lehrstück, sondern als moderne Versuchsanordnung für Kino als Erlebnismaschine. Der Film wurde prominent als Event beworben - nicht allein wegen seiner 3D-Kinematographie, sondern weil er eine altbekannte Katastrophengeschichte mit dem Vokabular des gegenwärtigen Actionkinos zusammenführt. In einer Zeit, in der historische Stoffe vermehrt als Projektionsflächen für gegenwärtige Ängste und Sehgewohnheiten dienen, ist Pompeii deshalb relevant: Es zeigt, wie populäres Kino Geschichte in Monument und Spektakel übersetzt.

Für das Publikum des Jahres 2014 bedeutete Pompeii 3D zugleich eine Vermessung des Geschmacks: Epische Formen aus der Stummfilm- und Hollywoodklassik werden mit digitaler Bildbearbeitung, CGI und stereoskopischer Tiefe neu montiert. Das Ergebnis spricht von einem Kino, das an der Schnittstelle von Nostalgie und technologischer Geltung entsteht - und damit auch von den Ambitionen des Studios, internationale Märkte mit sichtbaren, leicht kommunizierbaren Reizen zu bedienen.

Innerhalb dieses Kontextes ist der Film weniger eine Rekonstruktion als eine Interpretation. Er rekonstruiert Atmosphären, nicht unbedingt historische Plausibilität - und setzt das antike Pompeji als Bühne ein, auf der Fragen von Klassen, Gewalt und persönlichem Überleben in bilderstarken Tableaus verhandelt werden. Die Relevanz liegt somit weniger in wissenschaftlicher Genauigkeit als in der Reflexion über das moderne Zuschauerinteresse an Zerstörung als Form ästhetischer Katharsis.

Kurzüberblick zur Produktion

Pompeii 3D stammt aus der Hand eines Regisseurs, der für seine Vorliebe für genretypische Setpieces und für eine ästhetische Überhöhung bekannter Stoffe bekannt ist. Paul W. S. Anderson, der das Projekt inszenierte, hat seine Karriere mit actionorientierten Adaptionen und Blockbuster-Formeln aufgebaut - ein Stil, der sich durch klare Bilddramaturgien, emphatische Musikuntermalung und eine Vorliebe für physische Präsenz auszeichnet. In Pompeii manifestiert sich seine Handschrift vor allem in der choreografierten Gewalt und in der Präferenz für großformatige Bilder.

Die Produktion wurde als mittlerer bis großer Studioproduktionsaufwand konzipiert - versehen mit umfangreichen visuellen Effekten, praktischen Kulissen und dem expliziten Einsatz von 3D-Technik, um räumliche Tiefe und Katastrophenszenen zu akzentuieren. Diese Produktionsentscheidungen verorten den Film in der Tradition des kommerziellen Hollywoodkinos, das auf internationale Attraktivität setzt. Innerhalb des Regisseurs Gesamtwerks nimmt Pompeii eine Rolle als Versuch ein, das genretypische Actionkino mit historischer Imagination zu koppeln - weniger eine Kehrtwende als eine konsequente Fortführung seiner filmischen Prioritäten.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung verbindet etablierte und aufstrebende Namen, deren Karrieren bereits bestimmte Typen etabliert haben. Kit Harington, bekannt geworden durch seine Rolle in einer großen Fernsehserie, übernimmt die zentrale Identifikationsfigur - einen existentiellen Außenseiter und körperlich imponierenden Protagonisten, dessen Schicksal die Handlung trägt. Emily Browning, mit Erfahrungen in sowohl arthausaffinen als auch genreorientierten Produktionen, bildet das emotionale Zentrum als aristokratische Gegenfigur - eine Frau, deren Privilegien und innere Freiheit in Konflikt geraten.

Carrie-Anne Moss bringt eine Distanz und Souveränität mit, die in ihrer Karriere oft Rollen mit moralischer Komplexität geprägt haben. Kiefer Sutherland, routiniert in der Darstellung dominanter Autorfiguren, fungiert als Antagonist - die Machtperson, deren Entscheidungen das dramatische Gefüge forcieren. Jared Harris und Adewale Akinnuoye-Agbaje fügen dem Ensemble Nuancen von Alter, Erfahrung und physischer Präsenz hinzu - erste als bedächtiger Gegenpol, letzterer als gestählte, unmittelbare Kraft. Die restlichen Ensemblemitglieder vervollständigen das Panorama einer Gesellschaft am Rande des Zusammenbruchs, wobei ihre Typenbildung den narrativen Fokus auf Klassen- und Machtverhältnisse schärft.

Handlung (spoilerfrei!)

Pompeii 3D erzählt von einer Gruppe individueller Schicksale, die sich vor der drohenden Naturkatastrophe verdichten. Im Zentrum stehen ein zum Kämpfen gezwungener Außenseiter und eine Angehörige der römischen Oberschicht - ihre Begegnung bildet den emotionalen Kern des Films. Parallel dazu entfaltet sich ein Netz aus politischen und persönlichen Spannungen: rivalisierende Interessen, private Loyalitäten und das drängende Bedürfnis nach Flucht oder Rettung. Der dramatische Konflikt entsteht aus der Kollision dieser Intimgeschichten mit einem anrückenden, unaufhaltsamen Naturereignis.

Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen archaischer Schwere und modernen Actionkonventionen. Die bedrückende Intimität von Sklavendasein und Machtmissbrauch wechselt mit Momenten monumentaler Bildgewalt, in denen das natürliche Element als finale Instanz in Erscheinung tritt. Die Erzählung bleibt dabei auf das Erlebnis des einzelnen Zuschauers zugeschnitten - sie setzt auf Anteilnahme, nicht auf historische Ausweitung.

Zentrale Themen und Motive

Der Film verhandelt mehrere übergreifende Fragen - über die Vergänglichkeit von Macht, über die Anfälligkeit sozialer Ordnungen und über die Moral von Entscheidungen in Extremsituationen. Pompeii setzt Naturkatastrophe als Metapher für das Plötzlichkeit und Unkontrollierbarkeit in menschlichen Beziehungen ein - die Zerstörung funktioniert hier nicht nur als spektakuläre Kulisse, sondern als erzählerischer Katalysator, der verborgene Wahrheiten offenbar macht.

Philosophisch lässt sich die Frage nach dem Sinn individuellen Handelns in Zeiten kollektiver Gefahr erkennen - was bedeutet Würde, wenn politische Strukturen zusammenbrechen? Gesellschaftlich reflektiert der Film ein modernes Bedürfnis, Geschichte als Terrain für aktuelle Konflikte zu lesen - Klassenunterschiede, die Instrumentalisierung von Gewalt und die Suche nach persönlicher Integrität bleiben Themen, die aus dem antiken Kontext in zeitgenössische Debatten hineinwirken. Psychologisch interessiert sich Pompeii für die Mechanismen von Bindung und Entfremdung - wie Nähe in Extremsituationen zur Rettung ebenso werden kann wie zur moralischen Prüfung.

Filmkritik von Orlindo Frick

„Pompeii 3D“ - Partikel, Pathos und Peinlichkeiten

James Cameron hatte es mit seiner Titanic vorgemacht. Man nehme einer wahren, bildgewaltigen Tragödie, die die Welt bis heute fasziniert, verwebe diese mit historisch verbürgten Details, einer unschuldigen Liebesgeschichte dargestellt von zwei aufstrebenden Jungschauspielern und fertig ist der milliardenschwere Filmerfolg. So mag Regisseur Paul. W.S. Anderson (Resident Evil-Filmreihe) gedacht haben und kopierte die Formel für seine Pompeji-Verfilmung. Als wollte er auf Nummer sicher gehen, fügte er seinem feurigen Eintopf noch eine großen Portion Gladiatoren- und Katastrophenkitsch der Marke Ridley Scott und Roland Emmerich hinzu. Quasi drei Blockbuster in einem. Theoretisch ein sichere Sache, praktisch macht „Pompeii 3D“ vor allem mit den Attributen von sich reden, mit den sich bereits der Vesuv in die Geschichtsbücher schrieb. Viel Rauch und heiße Luft.

Eigentlich ist es faszinierend zu beobachten, was „Pompeii 3D“ aus seinen Versatzstücken macht, wenn es nicht so markerschütternd stupide wäre. Die erste Stunde gleicht einem Gladiator für Arme mit „dem Kelten“, einem Mini-Verschnitt von Russell Crowes „Spanier“. Eine der längsten Kinostunden, die wir Zuschauer je ertragen mussten. Man fleht den Vesuv regelrecht an, Feuer und Lava zu spucken damit das Trauerspiel endlich sein Ende finden kann. Doch der Berg trotzt dem Klagelied des Publikums und wartet bis zum letzten Drittel mit seinem Ausbruch. Vielleicht liegt darin die Gnade, denn tatsächlich entpuppt sich das Darauffolgende - als sich der Film vom römischen Schmalspurepos zur räudigen Roland Emmerich Raubkopie, die einem erst wieder die Tugenden des deutschen Regisseurs vor Augen führt. Emmerich ist zumindest ein Dirigent des Krawallkinos, dessen Substanz und Figuren zwar ebenso flach wie austauschbar sind, aber zumindest die Form Eindruck hinterlässt. Aber wenn ein Anderson anfängt, Meister der Zerstörung nach zu äffen, sorgt das nur für eines: Ein willkürliches Bildgewitter, das lediglich durch akzentuierte Peinlichkeiten des Drehbuchs unterbrochen wird. Peinlichkeiten, die sich von der ersten Minute weg durch den gesamten Film ziehen und ihren Höhepunkt in Dialogzeilen wie „Du fühltest dich als Frau“ finden. Oder in Intrigen, die mehr an amerikanische Soapoperas als an römische Intrigen erinnern. Die stilistische Handschrift des Regisseurs ist unverkennbar, bestehend aus 3D-Spielereien, Zeitlupeneinstellungen und einer „dynamischen“ Kameraführung, die im nirgendwo mündet. Und in grenzenloser Einfältigkeit.

Als wäre es nicht genug, wechselt der Regiemaestro gegen Ende nochmals das Genre und eifert im Showdown James Camerons „Titanic“ Prinzip nach. Junge Liebe im Kampf gegen Naturgewalten und Intrigen. Aber auch hier bleibt „Pompeii 3D“ nur ein fades Abbild seiner eigenen Götzen. Ohne Leo, ohne Kate, nur mit zwei bemühten, aber gegen die endlose Effektpartikelflut gnadenlos unterlegenen Schauspielern. Mit Kit „Du weiß gar nichts, Jon Snow“ Harrington und Emily „Duckface“ Browning wurden zwar zwei kampf- und VFX-erprobte Jungschauspieler gecastet , doch ihre nicht vorhandene Chemie würde selbst den Vesuv zum Erlöschen bringen. Kiefer Sutherland mimt ein weiteres Mal den bösen Buben, Adewale Akinnuoye-Agbaje den muskelbepackten Hünen. Einzig Jarred Harris durchbricht sein eigenes Rollenstereotyp und zeigt sich nicht als intriganten, machthungrigen oder sadistischen Antagonist, sondern als liebevolles Familienoberhaupt. So banal seine Rolle, so erfrischend seine Besetzung.

Um diese Kritik nicht mit fast ausnahmsloser Ablehnung abzuschließen, soll gesagt sein, dass die Abwesenheit der Regisseurengattin und Filmkampfamazone Milla Jovovich einem Segen gleichkommt. Ob sich die Dame zu alt für die Haupt- und zu jung für die Mutterrolle fühlte oder es tatsächlich Paul W.S. Anderson zu verdanken ist, dass das Publikum nicht noch mehr Zeitlupenfratzen seiner Angetrauten ertragen musste, sei dahin gestellt. Zumindest in dieser einen Hinsicht wurde dem Zuschauer Gnade gewährt. Jämmerlich zu Grunde geht er im pyroklastischen Strom des Films trotzdem.

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