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Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman

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kritiken.de Redaktion 27.02.2014
Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman© Twentieth Century Fox of Germany GmbH
A ca. 1510 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman - Intelligenz, Zeitreise und familiäre Komödie im Animationsgewand

Einleitung

Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman tritt an als eine sorgsam kalkulierte Verbindung aus klassischer Cartoontradition und zeitgenössischem Familienkino. Auf der Oberfläche präsentiert der Film die vertraute Maschinerie einer Zeitreisekomödie, darunter farbenprächtige Historienvisiten und slapsticknahe Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten. Tiefer liegend aber verfolgt die Produktion Ambitionen, ein modernes Bild von Familie, Bildung und Identität zu zeichnen, das über bloße Gags hinausweist.

Die Relevanz des Films liegt nicht allein in seiner Herkunft aus einem bekannten Markenbestandteil der amerikanischen Popkultur der 1960er Jahre, sondern in seiner Funktion als Spiegel aktuellen Studioschaffens: das Verwerten nostalgischer Figuren für ein Publikum, das mit digitalen Bildern und pädagogischen Diskursen aufgewachsen ist. Indem er eine adoptive Vater-Sohn-Beziehung in den Mittelpunkt rückt, spricht der Film Transformationen familiärer Normalität an, die im 21. Jahrhundert stärker sichtbar und diskutiert sind.

Als Produkt einer großen Animationsmaschine ist Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman zugleich Ausdruck eines filmischen Zeitgeistes, in dem Humor, historische Leichtigkeit und pädagogische Anknüpfungspunkte zusammenspielen. Der Tonfall bleibt zugänglich, doch die Inszenierung versucht, mit referenzieller Dichte und einem gewissen intellektuellen Augenzwinkern das erwartete Familienpublikum herauszufordern.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Rob Minkoff, ein Filmemacher, der sich bereits mit The Lion King einen Platz in der Animationsgeschichte erarbeitet hat und später bei familienorientierten Stoffen wie Stuart Little Regie führte. Minkoffs Handschrift ist weniger experimentell denn klassisch narrativ: klare Figurenführung, ökonomische Bildsprache und ein Sinn für die Balance zwischen emotionaler Nähe und komödiantischer Distanz prägen auch dieses Projekt.

Die Produktion entstand unter dem Dach eines großen US-Animationsstudios, das an dem jungen, etablierten Franchisemodell arbeitet, und zeichnet sich durch die typische High-Budget-3D-Animation jener Dekade aus. Technisch setzt der Film auf polierte CGI-Ästhetik, mit einem besonderen Augenmerk auf historische Kulissen, die sowohl als Bühne für Gags als auch als visuelle Lehrstücke fungieren. Die Adaption einer ursprünglich kurzen TV-Sketch-Vorlage in einen Spielfilm erforderte strukturelle Erweiterungen: Neben der Wiederbelebung vertrauter Charaktere musste ein tragfähiges emotionales Zentrum geschaffen werden.

Im Gesamtwerk des Regisseurs markiert der Film eine Rückkehr zur handwerklich souveränen Großproduktion, die sich weniger an formalen Innovationen als an erzählerischer Präzision orientiert. Sein Platz im Genre ist jener eines soliden Vertreteres des modernen Animationskinos, das Tradition und Gegenwart verbindet.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Das Ensemble vereint Stimmen, die sowohl aus Film- und Fernsehkomödie als auch aus dem seriellen Schauspiel stammen. Ty Burrell bringt die markante Komik und den affektfreien Ton eines rationalen Familienoberhaupts in die Rolle des sprechenden, intellektuellen Hundes und verleiht der Figur eine nüchterne Warmherzigkeit. Ariel Winter erscheint als die altersgleichen Kontraperson, deren Selbstbewusstsein und Skepsis den emotionalen Gegenpol bilden.

Stimmen wie die von Stanley Tucci, Allison Janney, Leslie Mann und Patrick Warburton bereichern die Nebenrollen durch profiliertes Timing und scharf gezeichnete Charaktere, ohne in sentimentale Tiefe zu driften. Stephen Colbert und andere namhafte Stimmen bringen zusätzliche komödiantische Schärfe und mediale Präsenz in das Projekt. Insgesamt arbeitet der Cast mit zwei Ebenen: Einerseits besteht die Aufgabe darin, humoristische Pointen zu tragen; andererseits müssen die Sprecher die emotionale Logik einer ungewöhnlichen Vater-Sohn-Beziehung glaubhaft machen.

Handlung (spoilerfrei!)

Im Zentrum steht die Beziehung zwischen einem außergewöhnlichen, hochintelligenten Haustier und seinem menschlichen Schützling. Die bündige Prämisse verbindet familiäre Alltagsdynamik mit dem Abenteuermotiv der Zeitreise: Historische Schauplätze werden zu Kulissen, in denen Fragen von Zugehörigkeit, Stolz und Sozialisation verhandelt werden. Der dramatische Konflikt ist dabei zweigeteilt: Auf der einen Ebene geht es um das außen stehende Paar, das sich gegen gesellschaftliche Vorurteile behaupten muss; auf der anderen Ebene wachsen aus unbedachten Handlungen in der Vergangenheit unmittelbare Gefahren für die Gegenwart.

Die zentralen Figuren bleiben klar strukturiert: Die Vaterfigur fungiert als Mentor und Rationalist, der Junge als impulsives Zentrum, das für Empathie und Unberechenbarkeit steht. Weitere Figuren übernehmen die Rollen von Freunden, Rivalen und historischen Abbildern, die jeweils einen Spiegel für die inneren Entwicklungen der Protagonisten bilden. Die Atmosphäre des Films bleibt überwiegend leicht und optimistisch, wechselt aber immer wieder zu Momenten von Spannung und moralischer Erkenntnis, ohne in düstere Register zu kippen.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt grundlegende Fragen nach der Natur von Familie, Besitz und Erziehung. Er thematisiert, wie gesellschaftliche Normen familiäre Bindungen bewerten und wie Bildung - hier in Form von Neugier und historischem Wissen - zum Mittel der Selbstbehauptung werden kann. Aus philosophischer Perspektive spielt die Idee der Zeitreise eine doppelte Rolle: Sie ist einerseits Quelle für komische Verwicklungen, andererseits ein Modell, um Verantwortung über Generationen hinweg zu denken.

Psychologisch interessiert sich der Film für Identitätsbildung in nicht-traditionellen Familienmodellen. Die Differenz zwischen Intellektualität und emotionaler Intelligenz wird wiederholt ausgelotet: Rationales Wissen schützt nicht automatisch vor zwischenmenschlichen Missverständnissen. Gesellschaftlich reflektiert die Produktion den Trend, klassische Figuren zu revalorisieren und zugleich aktuelle Diskurse über Diversität und Anerkennung von Familienbildern aufzunehmen.

Als Ganzes bietet Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman eine Mischung aus leichtem Unterhaltungsversprechen und reflektiertem Statement. Der Film verteilt seinen intellektuellen Anspruch nicht moralisierend, sondern als Teil eines familienfreundlichen Erzählmodus, der sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregen will. In dieser Balance liegt seine spezifische kulturelle Leistung: Er konserviert eine nostalgische Figur, während er gleichzeitig deren Sinn für die Gegenwart neu deutet.

Filmkritik von Orlindo Frick

„Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ - Ein Hund macht „Meh“

Über die Filme von DreamWorks Animations kann man geteilte Meinung sein. Erfrischende und gut erzählte Filmperlen wie „Drachenzähmen leicht gemacht“ oder „Kung Fu Panda“ wechseln sich mit Konfektionsware von der Animationsstange wie „Bee Movie“ oder „Turbo“ ab. Nicht zu vergessen die obligatorischen DreamWorks-Sequels der Marke „Shrek 1-4“, „Madagascar 1-3“ oder „Kung Fu Panda 1-3“. Die Produktionspolitik des Studios ist klar: Drei Filme pro Jahr und somit der Konkurrenz um einen Film voraus sein. Zumindest quantitativ. Im Falle von Pixar sogar drei Filme, da die „Toy Story“-Macher aufgrund Qualitätssicherungsmaßnahmen sich dazu entschlossen haben, 2014 keinen Film heraus zu bringen. Ein Schritt, der bei DreamWorks undenkbar wäre. Nicht, dass deren „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ sich zu versteckend bräuchte. Sowohl technisch als auch inhaltlich bieten der Film souveräne, humorvolle Animationskost. Wenn er nur nicht so unsäglich belanglos wäre...

Doch der Reihe nach: Als Vorlage für „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ dienten Regisseur Rob Minkoff („Der König der Löwen“, „Stuart Little“) die berühmten, gleichnamigen Figuren aus den 1950er- und 60er Jahren, die erstmal in der „The Rocky and Bullwinkle Show” auf der Bildfläche erschienen sind. Den ersten Versuch einer Verfilmung unternahm der Regisseur mit seiner Produktionsfirma anno 2003, damals noch mit dem Vorsatz, aus Mr. Peabody und Sherman einen Realfilm zu machen, in dem Schauspieler und computeranimierten Figuren aufeinander treffen, ähnlich wie er es bereits mit seinen beiden “Stuart Little” Filmen 1999 und 2002 vormachte. Jedoch ohne Erfolg, das Projekt versandete. Erst als sich Minkoff 2006 den DreamWorks Animations Studios anschloss, nahm der Film langsam Gestalt an.

Der Regisseur ist ein Mann der alten Schule und lernte sein Handwerk in den 80ern als Animator in den Walt Disney Studios. Entsprechend klassisch ist seine Art Filme zu erzählen und aufzulösen. So frech und pointiert Mr. Peabody und sein Adoptivkind im Script auch angelegt sein mögen, so modern ihre Zeitmaschine auch umgestaltet (für die Kenner der Trickfilmserie nicht wiederzuerkennen) und so hyperaktiv die zahlreichen Actionsequenzen auch anmuten, so konservativ schlägt das Herz in der Brust des Films. Um wirklich viel geht es in „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ ohnehin nicht, aber die wenigen Themen, die der Film behandelt, bleiben nur an der Oberfläche angekratzt. Andersartigkeit, Patchworkfamilien, Adoption, pädagogische Verantwortung. Letztendlich geht es aber doch nur um einen eingebildeten Aristokraten-Hund, der trotz aller Intelligenz erst lernen muss, Gefühle zu zeigen und ein „normales“ Kind, das Schwierigkeiten hat, sich in der Abnormalität seines Lebens selbst zu finden. Klingt auf dem Papier spannender, als es im Film umgesetzt wurde. Leider.

Nicht bloß wegen dem Zeitreiseplot und dem ähnlich gelagerten Look des Films drängen sich häufig Assoziationen zu Disneys „Triff die Robinsons“ auf. Auch Komponist Danny Elfman, der bei beiden Filmen federführend war, unterstreicht diesen Eindruck. Doch glücklicherweise sind Sherman und sein Ziehhund bei weitem nicht so nervtötend und wirr wie die futuristische Familie, deren Film bis heute zu den unglücklichsten, computeranimierten Animationsversuchen eines großen Hollywoodstudios gezählt wird. Sherman und sein Hund sind einfach nur etwas...meh. „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ ist bei aller Herzlichkeit ein belangloses, aus Versatzstücken recyceltes Stück Animationsfilm. "From the Creators of How To Train Your Dragon und the Director of Lion King" wollen einem der Trailer und die Filmposter weismachen. „Bee Movie“ und „Die Geistervilla“ träfe des Peabodys Kern aber wohl genauer.

Anstelle des angekündigten Kurzfilms „Rocky & Bullwinkle“ wurde übrigens im Vorprogramm ein zum Kurzfilm zusammengeschnittene Auszug aus dem übernächsten Animationsfilm von DreamWorks „Home – Endlich zu Hause“ gezeigt. Ein Film über eine Alienrasse, die sichtlich Mühe hat, einen neuen, friedlichen Heimatplaneten zu finden – bis sie auf einen ominösen Planeten namens Erde stößt. Ein lustiger, kleiner Appetizer, dem das gewisse „Meh“-Gefühl aber ebenfalls anhaftet. Bleibt also noch „Drachenzähmen leicht gemacht 2“, der vor der Alieninvasion im Sommer bei uns in die Kinos kommen wird. Neben „Die Boxtrolle“ und „The Lego Movie“ der dritte Hoffnungsträger für das bislang triste Animationsjahr 2014.

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