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Planet der Affen 3: Survival

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kritiken.de Redaktion 03.08.2017
Planet der Affen 3: Survival© Fox Deutschland
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Planet der Affen 3: Survival - Anthropozän, Moral und die Zäsur einer neuen Tierpolitik im Kino

Einleitung

Planet der Affen 3: Survival tritt nicht allein als unterhaltender Abschluss einer Blockbuster-Trilogie auf, sondern als ein filmisches Statement über Gewalt, Verantwortung und die Keskaft menschlicher Gesetzmäßigkeiten im Zeitalter ökologischer und moralischer Erschütterungen. Die Relevanz des Films liegt weniger in spektakulären Setpieces als in der konsequenten Fortführung einer erzählerischen Frage, die seit dem Wiederbeginn der Reihe offensteht: Wie formen Traumata und Machtstrukturen Gemeinschaften - gleich ob menschlich oder nicht?

Als dritter Teil einer Reboot-Reihe bildet der Film das dramaturgische Finale der Caesar-Erzählung und wählt dabei eine Tonlage, die weniger auf Exploitation als auf Tragik und Reflexion setzt. In dieser Hinsicht bedient sich der Film der Konventionen des Populärkinos, um größere gesellschaftliche Debatten zu spiegeln - über Militarismus, Vergeltung und die fragile Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei.

Die Produktion erscheint zudem als kulturelles Dokument einer Zeit, in der Fragen nach Umweltzerstörung, politischer Radikalisierung und der Zerbrechlichkeit von Institutionen in das Genre-Kino eingegangen sind. Dieser Zeitgeist prägt die Bildsprache und die Dramaturgie - ein Kino, das Actionsequenzen nicht von ethischer Gewichtung trennt, sondern beides miteinander verwebt.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Matt Reeves, der bereits mit dem zweiten Teil der Reihe eine nüchterne, psychologisch fokussierte Handschrift etablierte. Reeves' Regie zeichnet sich durch eine Präferenz für ruhige, formal durchdachte Szenen aus, in denen Körperhaftigkeit und Mimik - vermittelt durch moderne Performance-Capture-Techniken - zentrale Erzählfunktionen übernehmen. Sein Interesse gilt weniger dem Spektakel um seiner selbst willen als der Frage, wie Bild und Bewegung Empathie für nichtmenschliche Figuren erzeugen.

Hinter dem Projekt stand ein großes Studio-Setting mit erheblichem technischem Aufwand: visuelle Effekte, Motion-Capture und aufwändige Make-up- und Kostümarbeiten sind integraler Bestandteil der Produktionsästhetik. Die visuellen Effekte dienen hier nicht nur der Illusion, sondern der Schaffung einer sinnlich erfahrbaren Perspektive auf Tiere als handelnde Subjekte. Das Budget und die Studioressourcen erlaubten eine ambitionierte Umsetzung, die den filmischen Anspruch, gesellschaftliche und ethische Fragen im Populärkino zu verhandeln, sichtbar macht.

Im Kanon der Reihe nimmt dieser Teil die Rolle des resoluten Abschlusses ein - er bündelt Motive und Kontraste der Vorgänger und versucht, die persönliche Odyssee des Protagonisten zu einem thematisch kohärenten Ende zu führen. Damit steht er exemplarisch für Reeves' Projekt, Blockbusterästhetik mit intimer Charakterarbeit zu verbinden.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Andy Serkis, dessen Performance-Capture-Arbeit die emotionale Achse des Films bildet. Serkis hat in den vergangenen Jahren maßgeblich die Debatte über die Ausdrucksmöglichkeiten digitaler Schauspielerei geprägt, und hier trägt seine Darstellung die filmische Empathie. Seine Caesar-Figur bleibt eine komplexe Gestalt - Anführer, Familienvater und getriebener Verfechter kollektiver Sicherheit.

Woody Harrelson verkörpert die gegensätzliche Kraft - eine militärische Figur, deren Rigide Vorstellungen von Ordnung und Sicherheit den Konflikt zuspitzen. Harrelson bringt eine kantige, politisch aufgeladene Präsenz in die Handlung, die den moralischen Gegenpol zu Caesars Fürsorge bildet. Steve Zahn liefert eine markante Nebenleistung als eine durch Eigenheiten geprägte Affenfigur, die humorvolle und zugleich tragische Akzente setzt, während Karin Konoval als vertraute, körperlich eingesetzte Begleiterin der affeninternen Gemeinschaft die kontemplativere Ebene des Films stützt.

Die junge Amiah Miller steht für die ambivalente Schnittstelle zwischen den Spezies - ihre Rolle symbolisiert das verletzliche Potenzial einer nächsten Generation, die in einem zerstörten Ökosystem zurechtkommen muss. Judy Greer, Gabriel Chavarria und weitere Darstellerinnen und Darsteller ergänzen das Ensemble und formen ein Wechselspiel zwischen individuellen Schicksalen und kollektiven Dynamiken.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne ins Detail zu gehen, lässt sich die Handlung als eine zweigleisige Reise beschreiben: Zum einen folgt der Film der Gemeinschaft der Affen unter der Führung ihres Anführers, deren Existenz von der Notwendigkeit des Überlebens und dem Schutz der eigenen Mitglieder bestimmt ist. Zum anderen zeichnet er das eskalierende Aufeinandertreffen mit einer militärisch organisierten menschlichen Kraft nach, die ihre eigene Vorstellung von Ordnung aggressiv durchsetzt.

Der erzählerische Motor ist ein moralischer Konflikt - der Zwiespalt zwischen Rache und Gerechtigkeit, zwischen persönlicher Verantwortung und dem Gemeinwohl. Zentrale Figuren tragen persönliche Verluste mit sich, die ihre Entscheidungen prägen und die Handlung in Richtung Konfrontation treiben. Tonal bleibt der Film eher düster, getränkt von einer melancholischen Grundstimmung, die durch karge Landschaften und reduzierte Farbpaletten unterstrichen wird.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen nach der Natur des Führens, nach den psychologischen Kosten von Krieg und nach der Ethik des Schutzes gegenüber dem Andersartigen. Er fragt, wie Traumata weitergegeben werden und wie Gewalt als politisches Instrument nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter deformiert. Dabei operiert die Geschichte nicht als bloße Allegorie - sie nutzt die Figur des affenbasierten Subjekts, um die Grenzen von Empathie und Identität zu befragen.

Philosophisch öffnet der Film einen Raum, in dem Menschsein und Tiersein sich nicht mehr entlang klarer Hierarchien sortieren lassen. Stattdessen verhandelt er die Idee, dass Moral und Vernunft nicht exklusiv menschliche Attribute sind. Ökologisch gelesen, reflektiert er die Konsequenzen menschlicher Übergriffigkeit und wissenschaftlicher Hybris, die den Boden für die gegenwärtigen Konflikte bereitet haben. Psychologisch interessiert sich der Film für die Mechanismen kollektiver Trauer und für die Art, wie Führungspersönlichkeiten persönliche Verluste in politische Entscheidungen übersetzen.

Formaler und motivischer Schwerpunkt liegt auf Körperlichkeit und Schweigen - Bewegung, Blick und kleine Gesten ersetzen oft verbale Erklärungen. Diese filmische Ökonomie macht die Auseinandersetzung mit Andersheit und Gewalt unmittelbar erfahrbar und fordert das Publikum auf, die eigene Position gegenüber den im Bild gezeigten Konflikten zu reflektieren.

Filmkritik von Peter Osteried

„Planet der Affen: Survival“: Grandioser Abschluss der Trilogie

Es ist ein Kriegsfilm, den Matt Reeves, mit Planet der Affen: Survival präsentiert. Das ist die konsequente Fortführung dessen, was gekommen ist, zugleich aber auch eine ganz andere Art von Film. Diese Reihe erfindet sich mit jedem Teil neu, weswegen sie auch so frisch und aufregend ist. Ganz zu schweigen von den grandiosen Effekten, die mittlerweile eine Qualität erreicht haben, die es erlaubt, die Affen mehr denn je in den Fokus zu rücken.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Kobas Angriff auf die Menschen den Krieg ausgelöst hat. Seitdem sind Soldaten aus dem Norden unter dem Kommando des Colonels gekommen, die in den Wäldern nach Caesar suchen. Caesar lässt derweil nach einer neuen Heimat für sein Volk suchen, während er gegenüber menschlichen Soldaten Gnade zeigt und hofft, dass dadurch ein Frieden möglich wird. Doch daran hat der Colonel kein Interesse. Als er erbarmungslos zuschlägt, brandet in Caesar Hass auf. Er will den Menschen töten.

Es gibt keinen Moment in diesem Film, an dem man zweifeln würde, echte Lebewesen vor sich zu sehen. Hinzu kommt, dass das Schauspiel großartig ist. Hier ist die perfekte Synthese aus Schauspiel und FX-Zauber entstanden, was alleine schon ein Spektakel wäre, aber dieser dritte Teil der Affen-Saga kann auch inhaltlich punkten. Weil er sehr stringent fortsetzt, was bisher gekommen ist, und das sowohl auf kleiner als auch großer Ebene.

Einerseits hat man den Kampf der Affen gegen die Menschen, wobei letztere immer verzweifelter werden, was mit einer Entwicklung zu tun hat, die schon im ersten Film begonnen hatte. Andererseits hat man Caesar, der droht, wie Koba zu werden. Koba, den Caesar in Planet der Affen: Revolution besiegt hat, konnte nicht vergessen und vergeben, was die Menschen ihm angetan hatten. Er wollte Rache. Nicht anders verhält es sich nun bei Caesar, was in einer besonders starken Szene mit Maurice gipfelt.

Aber in Caesar gibt es mehr als nur Hass. Es gibt auch Barmherzigkeit, selbst im Angesicht des allergrößten Feindes. Hier zeigt der Affe eine Menschlichkeit, mit der ihm Menschen nur selten begegnet sind. Damit wird die Metaphorik dieser Filme noch deutlich unterstrichen, dass der Affe es sich erlauben kann, menschlicher sein als der Mensch – und dass es vielleicht nur der natürliche Weg der Evolution ist, dass der Affe den Menschen ersetzt, so wie der Mensch sich einst vom Affen abspaltete und zur dominanten Spezies wurde.

Das kombiniert Planet der Affen: Survival mit einer starken Hommage an Apocalypse Now, die sich nicht nur, aber vor allem in Woody Harrelsons Figur manifestiert. Er ist Colonel Kurtz, was Harrelson auch bewusst so angelegt hat. Seine Figur hat nur einen echten Moment, nur einen Monolog, in dem sie sich erklärt, aber das ist eines der Highlights dieses Films.

Sehr schön ist die Verbeugung vor der alten Filmreihe, etwa die Einführung einer neuen Nova oder der Verweis auf den Alpha-Omega-Kult, aber das geschieht nie aufdringlich, sondern funktioniert innerhalb dieser neuen Geschichte sehr organisch.

Planet der Affen: Survival ist der Abschluss einer großen Geschichte. Er fühlt sich wie das Ende an, weil die Entwicklung der Menschen voranschreitet, wie sie es nun mal tut, und weil man den Mut hat, auch personell ein Ende einzuleiten, aber natürlich gibt es Möglichkeiten, noch mehr von diesem Planeten der Affen zu erzählen. Angesichts dieser Qualität wäre das nur wünschenswert.

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