Plan B - Scheiss auf Plan A: Komödie als Überlebensstrategie in postmodernen Lebensentwürfen
Einleitung
Mit dem Veröffentlichungsdatum 08.06.2017 tritt Plan B - Scheiss auf Plan A in eine Reihe zeitgenössischer deutscher Komödien, die weniger auf harmlose Unterhaltung als auf die Darstellung existenzieller Umbrüche setzen. Der Titel signalisiert schon eine Haltung: Entschlossenheit zur Improvisation dort, wo soziale und persönliche Pläne scheitern. Insofern gewinnt der Film Relevanz nicht nur als kommerzielles Produkt, sondern als Spiegel einer Befindlichkeit, die für viele Zuschauer der späten 2010er Jahre vertraut sein dürfte.
Die konkrete Regieangabe fehlt in den vorliegenden Informationen; dennoch lässt sich der Film inhaltlich und stilistisch in einen Kontext einordnen: eine Generation von deutschen Regisseurinnen und Regisseuren, die Komödie als Vehikel benutzen, um soziale Unsicherheiten, Migrationserfahrungen und prekäre Berufsrealitäten zu beleuchten. Hier wird die komische Form nicht allein zur Erheiterung eingesetzt, sondern bietet einen Raum, in dem Versagen, Anpassung und Neuanfang zugleich inszeniert werden.
Zeitgeistlich reflektiert Plan B - Scheiss auf Plan A einen Moment, in dem traditionelle Lebensentwürfe an Relevanz verlieren und Alternativen improvisiert werden müssen. Die Besetzung, die Namen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten vereint, verweist auf eine Gesellschaft in Bewegung; die Komödie fungiert als Instrument, um Spannungen zu entladen und zugleich sichtbar zu machen. Tonal bleibt der Film im Bereich der leichten Satire und boulevardesken Verquerung, ohne sich dessen zu entziehen, was er kommentiert.
Kurzüberblick zur Produktion
Obgleich die Regie nicht näher bezeichnet ist, zeigt die Handschrift des Films typische Merkmale eines Ensembles, bei dem Figurenkonstellationen und situative Dynamik das dramaturgische Gewicht tragen. Die Inszenierung scheint auf Tempo und Wendigkeit zu setzen, auf eine Montage, die komische Rhythmen aus Timing und Wiederholung schöpft, sowie auf eine Bildsprache, die Alltägliches als Bühne für überzeichnete Charaktere nutzt.
Produktionstechnisch ordnet sich Plan B - Scheiss auf Plan A in den Bereich der mittleren deutschen Filmproduktionen ein, die mit begrenzten Budgets arbeiten, aber die Freiheit haben, Genregrenzen zu spielen. Solche Produktionen erlauben oft eine experimentellere Mischung aus Mainstream-komödiantischen Versatzstücken und sozialkritischem Unterton. Die filmische Ausstattung bleibt funktional, die Kinematographie konzentriert sich auf Figuren- und Ensembleaufnahmen, um Beziehungen und Konflikte unmittelbar erfahrbar zu machen.
Im Gesamtwerk eines Regisseurs oder einer Regisseurin würde dieser Film vermutlich die Tendenz zur komödiantischen Sozialbeobachtung markieren. Als Teil eines zeitgenössischen Schaffens zeigt er, wie populäres Kino mit gesellschaftlicher Reflexion verschränkt wird, ohne vollständig in Zwangsanalysen zu verfallen.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Das Ensemble von Plan B - Scheiss auf Plan A vereint junge wie erfahrene Schauspielerinnen und Schauspieler. Namen wie Can Aydin, Jennifer Bischof und Eugene Boateng deuten auf Nachwuchskräfte hin, die in solchen Produktionen oft die unmittelbare, lebensnahe Energie liefern, während etabliertere Kollegen wie Gedeon Burkhard und Julia Dietze als verlässliche Charakterträger fungieren. Die Präsenz internationaler Namen wie Cha-Lee Yoon und Heidi Moneymaker trägt zur Vielfalt des Ensembles bei und verweist auf interkulturelle Erzählstränge.
Die Auswahl der Darsteller legt nahe, dass der Film auf Ensemblearbeit setzt: Figuren werden nicht als eindimensionale Karikaturen angelegt, sondern als Typen mit Bruchstellen, die komödiantisch überzeichnet und zugleich menschlich bleiben. Die schauspielerische Aufgabe besteht darin, die Gratwanderung zwischen Slapstick und psychologischer Plausibilität zu meistern - ein Merkmal, das das Publikum für diese Art von Komödie erwartet.
Handlung (spoilerfrei!)
Plan B - Scheiss auf Plan A erzählt von Menschen, deren ursprüngliche Pläne ins Stocken geraten und die gezwungen sind, Alternativen zu erproben. Zentral ist die Erfahrung des Scheiterns und die Notwendigkeit zur Improvisation; daraus erwachsen komische Konstellationen, die soziale Rollen und Erwartungshaltungen in Frage stellen. Der dramatische Konflikt entsteht aus der Spannung zwischen individuellen Wünschen und äußeren Zwängen, zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Mut zur Veränderung.
Die Figuren agieren in einem urbanen Umfeld, das als multipler Hintergrund fungiert: mal Arbeitsplatz, mal Privaträume, mal Schauplätze spontaner Begegnungen. Der Ton bleibt insgesamt heiter bis bissig; die Atmosphäre pendelt zwischen schnellem Situationswitz und Momenten, die Verletzlichkeit erlauben. Trotz des komödiantischen Zugangs ist der Einsatz von Konflikt und Missverständnis so angelegt, dass er ernste Fragen anschneidet, ohne die Erzählung zu überfrachten.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Planbarkeit und Zufall, nach Identität und Anpassung. Was bedeutet es, wenn der sorgfältig entwickelte Plan A scheitert? Welche Ressourcen - humoristische, soziale, zwischenmenschliche - stehen zur Verfügung, um ein Plan B zu entwerfen? Der Film lotet die ethischen und pragmatischen Antworten auf diese Fragen aus, indem er das Scheitern nicht nur als Misserfolg, sondern als produktive Quelle für Umdenken und Umorientierung darstellt.
Gesellschaftlich eröffnet der Film eine Auseinandersetzung mit ökonomischer Prekarität, kultureller Diversität und der Suche nach Zugehörigkeit. Psychologisch interessiert er sich für die Mechanismen, mit denen Menschen ihre Selbstbilder stabilisieren oder neu justieren. Formal arbeiten Komik und Dramaturgie zusammen, um Motive wie Improvisation, Maskenspiel und Rollentausch zu wiederholen und zu variieren. Die komische Oberfläche dient dabei als Prisma, durch das tiefer liegende Unsicherheiten gebrochen und sichtbar gemacht werden.
In der Summe positioniert sich Plan B - Scheiss auf Plan A als eine Komödie, die nicht nur unterhalten will, sondern auch die Reflexion über Gegenwart und Selbstverständnis provoziert. Sie nutzt Genremechanismen, um die Frage zu stellen, wie man in Zeiten begrenzter Sicherheiten leben und dennoch Handlungsfähigkeit gewinnen kann.
Filmkritik von Bianka Piringer
Berliner Schnitzeljagd mit Martial Arts
Dies ist die Geschichte von vier Berliner Freunden, die zum Film wollten und stattdessen in einem realen Krimi landen. Can (Can Aydin), Phong (Phong Giang) und Cha (Cha-Lee Yoon) sind gute Martial-Arts-Kämpfer und ihr Freund und Manager U-Gin (Eugene Boateng) hat endlich einen Castingtermin für sie bekommen. Aber leider verwechselt er die Hausnummer und so klopft das Quartett bei Gangstern an, die Phong gleich als Geisel nehmen und die anderen zwingen, auf Schatzsuche zu gehen. Sie sollen den Safe eines Gangsterbosses auftreiben, in dem es kompromittierendes Material über mächtige Leute gibt, das dem Besitzer unermesslichen Reichtum garantiert. Can, Cha und U-Gin beginnen eine Schnitzeljagd, die sie in lauter brenzlige Situationen führt. Die flotte Komödie huldigt dem Action- und dem Martial-Arts-Genre der 1980er und 1990er Jahre und bietet entsprechend ausführliche Kampfszenen.
Dass die Hauptfiguren die gleichen Vornamen haben wie ihre Darsteller, verweist auf Parallelen vor und hinter der Kamera. Can Aydin, Phong Giang und Cha-Lee Yoon sind Stuntmen und Actionchoreographen in Berlin und haben bereits an großen Produktionen wie „Cloud Atlas“ und „Hitman: Agent 47“ mitgewirkt. Aber nun wollten sie selbst die Hauptrollen in einem Film spielen, das Gesicht zeigen, das zu den fliegenden Fäusten und Fußkicks gehört. Die beiden Debütregisseure Ufuk Genç und Michael Popescu überließen die Inszenierung der Actionszenen denn auch gleich Can Aydin, der auch schon mit Jackie Chan zusammenarbeitete.
Das Ergebnis beweist, dass es keine schlechte Idee ist, in einem Actionfilm gleich die Stuntleute spielen zu lassen. Martial-Arts-Fans kommen ausgiebig auf ihre Kosten. Und auch die Komik überzeugt immer wieder, denn Can, Cha und U-Gin ziehen als naive Kerle um die Blöcke, die von den Ereignissen überrumpelt werden. Einmal greift U-Gin zu einer List, um ein türkisches Café zu leeren, und alle Männer rennen hinaus, um Can und Cha zu verprügeln. Die laufen und laufen bis ihnen einfällt, dass sie das gar nicht nötig haben. Mit den verschiedenfarbigen Bikerjacken sieht das Trio auch richtig cool aus.
Allerdings ist die Coolness dieser Helden eine zweischneidige Sache, denn es fehlt ihnen die Aufregung. Man blickt nicht in entsetzte Gesichter, hört sie nicht ängstlich lamentieren, findet nicht die Emotion, die mitfiebern ließe. So gerät der Film zwischen den Actioneinlagen nicht so spannend, wie es mit einer besseren Charakterzeichnung möglich gewesen wäre. Auch die krasse Sprache wirkt am Ende nicht mehr so originell wie am Anfang. Mit dem Polizistenduo Schulz (Gedeon Burkhard) und Kopp (Laurent Daniels) weht ein Hauch von Film noir durch die Handlung, der allerdings nicht intensiviert wird. Der grimmige Kopp ist seit Jahren davon besessen, den Gangsterboss zu schnappen. Aber der muskelbepackte ältere Mann sitzt die meiste Zeit nur herum, ohne wie Liam Neesons Charakter in „96 Hours“ ordentlich zuschlagen zu dürfen.
Die Action wird mit üppiger, lauter Musikuntermalung geradezu triumphal gefeiert. Das kann als ironischer Kommentar zum Genre verstanden werden, oder nur daran liegen, dass Regisseur Popescu, der auch als Musikproduzent tätig ist, die Filmmusik selbst verantwortete. Insgesamt aber ist diese Actionkomödie, zumal für einen deutschen Film, doch recht ansehnlich geraten und zeugt vom Talent ihrer Darsteller und Macher.

