Baywatch - Sommerkörper, Kapital und Komik: Hollywoods Tribut an Oberflächen, Mechaniken und Inszenierung
Einleitung
Die Verfilmung der populären Fernsehserie Baywatch aus dem Jahr 2017 tritt an, nicht primär eine nostalgische Wiederbelebung zu leisten, sondern das Bild einer Ikone der 1990er Jahre in die raue Gegenwartskomödie des 21. Jahrhunderts zu überführen. In einem Kinojahr, das von Reboots, Franchisepflege und der Neubewertung bekannter Marken geprägt ist, fungiert Baywatch als Prüfstein dafür, wie Hollywood mit kollektiver Erinnerung, Körperästhetik und der Ästhetik des Spektakels umgeht. Die Relevanz des Films liegt weniger in seiner Plotlogik als in seiner Performance als kulturelles Artefakt: er zeigt, wie populäre Bilder umgedeutet, sexualisiert und ökonomisiert werden.
Regisseur Seth Gordon, der mit dokumentarischen Wurzeln begann und sich später dem breiten Spielfilmkommentar zuwandte, bringt eine Handschrift mit, die zwischen kamerafreudiger Komödie und präziser Szenenmontage oszilliert. Die Herausforderung besteht darin, die serienhafte Lässigkeit der Lifeguards mit dem Tempo einer modernen Komödie zu verbinden, ohne in reines Fan-Service zu verfallen. Im Kontext von Gordons Werk lässt sich Baywatch als Versuch lesen, dokumentarische Beobachtungsgabe und massentaugliche Komik zusammenzubringen: das Ergebnis reflektiert die Ambivalenz, mit der Mainstreamkino heute Erinnerungsstoffe recycelt.
Der Film ist zugleich ein Spiegel zeitgenössischer Debatten über Körperbilder, Geschlechterrollen und mediale Inszenierung. In einer Ära, in der Social Media die Präsentation von Identität hyperbolisiert und der Markt nach klarer Markenführung verlangt, zeigt Baywatch, wie komödiantische Formate diese Mechaniken spiegeln und gleichzeitig reproduzieren. Die Strandkulisse wird zur Projektionsfläche ökonomischer und ästhetischer Interessen: Sonne, Muskulatur und Tempo verbinden sich mit einer Ironieschicht, die oft ambivalent bleibt.
Kurzüberblick zur Produktion
Seth Gordon übernahm das Projekt in einem Umfeld, das von großen Studios, merkantilen Erwartungen und der Suche nach einem Ton für eine R-Rated-Strandkomödie geprägt war. Der Film entstand in der Tradition der Hollywood-Blockbusteradaptionen populärer Fernsehformate und wurde in der Größenordnung eines mittleren Studiospektakels produziert, mit einem Budget, das die Balance zwischen aufwendigen Stunts, Prominentenbesetzung und hochglanzpolierter Bildästhetik erlaubte.
Die Produktionsumstände reflektieren den Pragmatismus moderner Studios: ein hohes Maß an Markenbewirtschaftung, die Verpflichtung namhafter Schauspieler und der Versuch, durch visuelle Effekte und dynamische Kameraführung dem Setting neue Energie zu verleihen. Auffällig ist der Einsatz der filmischen Mittel, um Stadiumcharakter zu schaffen: Slow-Motion, nahende Wellen und choreographierte Rettungssequenzen sind weniger reale Rettungsarbeit als performative Setpieces, die auf die ikonische Ästhetik der Serie verweisen und sie zugleich überhöhen.
In der Reihenfolge von Gordons Arbeiten markiert Baywatch ein kommerzielles Kapitel, in dem dokumentarischer Blick und massenkompatible Comedy aufeinandertreffen. Der Film steht damit exemplarisch für die Konstellation moderner Hollywoodprojekte, die Altbekanntes in einen neuen Ton überführen wollen und dabei sowohl Nostalgie als auch ironische Distanz einsetzen.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Im Zentrum steht Dwayne Johnson als Mitch Buchannon, dessen Karriere zwischen Action-Blockbustern und selbstironischer Selbstdarstellung oszilliert. Johnson bringt die Mischung aus physischer Präsenz und markenbewusster Persönlichkeit mit, die ihn zum modernisierten Helden der Strandkulisse macht. Seine Interpretation des erfahreneren Lifeguards fungiert als stabilisierendes Element gegenüber dem hektischen Ton der Komödie.
Zac Efron, der als ehemaliges Teenieidol einen Wandel zum erwachsenen Schauspieler durchlaufen hat, verkörpert den konkurrierenden Neuankömmling Matt Brody. Seine Rolle spielt bewusst mit dem Bild des noblen Egozentrikers, der zwischen Athletik und Selbstdarstellung pendelt. Alexandra Daddario tritt als Summer Quinn auf, deren Rolle die Schnittstelle zwischen Objekt und Subjekt markiert: sie ist zugleich Mittel des Begehrens und Figur mit agency im Geschehen.
Priyanka Chopra übernimmt eine antagonistischer angelegte Rolle, die Elemente von Glamour und kalkulierter Macht verbindet, während David Hasselhoff als kulturelle Referenz fungiert und die Serie-zu-Film-Konversion historisch verankert. Kelly Rohrbach, Ilfenesh Hadera und weitere Ensemblemitglieder bilden ein Team, das die heterogene Besetzung nutzt, um unterschiedliche Facetten von Geschlecht, Ethnizität und Körperlichkeit zu thematisieren. Die Besetzungsgestaltung ist bewusst darauf ausgerichtet, vertraute Typen zu zeigen und zugleich ihre Ambivalenzen zu betonen.
Handlung (spoilerfrei!)
Baywatch folgt dem narrativen Muster einer Buddy-Komödie, die mit Elementen von Action und Krimi angereichert ist. Ein erfahrenes Rettungsteam sieht sich mit internen Spannungen, neuen Rekruten und einer äußeren Bedrohung konfrontiert, die über die reine Rettungsarbeit hinausgeht. Die Dramaturgie nutzt die Struktur von Trainings-, Rivalitäts- und Rettungssequenzen, um eine Abfolge von Setpieces zu organisieren, die sowohl komödiantische Eskalation als auch physische Gefährdung zeigen.
Im Zentrum steht der Konflikt zwischen Bewahrung und Wandel: traditionelle Rollen und Rituale der Strandwache prallen auf extrinsische Interessen und die Selbstdarstellung der Protagonisten. Die tonale Mischung aus Slapstick, dialogischer Spitzen und Inszenierungsfantasie schafft eine Atmosphäre, die gleichermaßen sonnig wie aufgeladen wirkt. Die Figuren sind klar codiert, die Konflikte fungieren als Motor für eine Serie von Begegnungen, die weniger auf psychologische Tiefe als auf performative Spannung setzen.
Zentrale Themen und Motive
Der Film stellt Fragen nach der Ökonomie der Aufmerksamkeit, der Inszenierung von Körpern und der Ambivalenz von Nostalgie. Als Medium der Komödie verhandelt Baywatch, wie Ästhetik und Kapital zusammenwirken: Der Strand als Arbeitsort wird gleichzeitig zur Bühne von Branding, Selbstdarstellung und ökonomischem Kalkül. Körper werden sowohl als Instrument der Rettung als auch als Ware dargestellt, was den Film in die Nähe aktueller Debatten über Körperpolitik und Medienrepräsentation rückt.
Weiterhin reflektiert der Film Dynamiken von Männlichkeit und Teamethik. Die Figuren navigieren zwischen heroischer Selbstdarstellung und kollektiver Verantwortung, was das Motiv der Solidarität gegen individualistische Performance akzentuiert. Zugleich bleibt die Komödie ambivalent im Umgang mit Gender: Objektifizierung und Empowerment laufen nebeneinander, wodurch der Film als Diskussionsstück über die Grenzen hollywoodischer Selbstironie dienen kann.
Formal arbeitet Baywatch mit Wiederholungsmotiven wie Slow-Motion, Close-Ups auf Körper und einem Sounddesign, das die Popularmusik der Zeit in Szene setzt. Diese Mittel verstärken das Thema der Inszenierung: Alles ist zugleich Darstellung und Kommentar auf Darstellung. In dieser Doppelschicht liegt die produktive Spannung des Films, dessen Bedeutung weniger in narrativer Originalität als in der Analyse seiner Bild- und Bedeutungsmechaniken liegt.
Filmkritik von Peter Osteried
„Baywatch“: Dagegen ist die alte Serie reinstes Entertainment-Gold!
Sommer, Sonne, Strand und schöne Frauen – das war von jeher die Erfolgsformel von Baywatch. Damit zog man vor allem auch ein jugendlich-männliches Publikum an. Beim Film scheint man dies vergessen zu haben, denn das Hauptaugenmerk liegt auf Dwayne Johnson und Zac Efron, die natürlich Vorzeigekörper haben. Aber die Baywatch-Babes treten da doch sehr stark in den Hintergrund.
Mitch (Dwayne Johnson) sucht neue Rekruten für Baywatch aus. Aufs Auge drückt man ihm dabei Matt (Zac Efron), ein Olympia-Schwimmer, der jedoch in Ungnade gefallen ist. Hier soll er sich nun bewähren, und das zusammen mit einigen anderen Anwärtern. Die weiß Mitch auch gleich einzuspannen, denn er hütet nicht nur den Strand und sorgt für Sicherheit auf dem Wasser, sondern sieht sich auch als eine Art Freizeit-Polizist und macht sich mit seinem Team daran, Drogenschmugglern auf die Pelle zu rücken.
Die alte Serie mit David Hasselhoff war ernst gemeint, auch wenn sie gerade aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch ist. Der Ansatz, daraus nun aber eine zotige Komödie zu machen, bei der der Humor vor allem unter die Gürtellinie abzielt, ist kurios – und ging auch nach hinten los. Denn in den USA hat sich Baywatch mit einem enttäuschenden Startwochenende als Flop etabliert. Ob da das internationale Einspiel etwas rausreißen kann? Wenn ja, dann wohl noch am Ehesten in Deutschland, denn hier liebt man The Hoff. Und der ist hier immerhin auch dabei, obschon in einer Rolle, die substanzlos ist, weil sie auch keinerlei Sinn ergibt.
Er ist der Mitch von früher, aber wieso heißt Johnsons Figur dann genauso? Da wäre es ja noch smarter gewesen, aus dem Johnson-Mitch einfach den Mitch-Sohn Hobie zu machen. Während des Abspanns gibt es den Hoff dann nochmal zu sehen. Hier ist er er selbst, der mit Johnson darüber spricht, wie man ihn im Sequel einbauen könnte. Gedanken darüber muss man sich nun aber wohl keine mehr machen.
Das Busenwunder Pamela Anderson hat hier auch einen Auftritt, der ist aber noch armseliger als der von David Hasselhoff. Am Ende taucht sie auf – in Zeitlupe und mit wehendem Haar – und darf noch nicht mal einen Satz sagen. Dafür macht man einen Witz auf ihre Kosten. Da kann man für Pamela Anderson nur hoffen, dass sie sich diesen Auftritt zumindest gut hat bezahlen lassen.
Der Film leidet an einer minimalen Handlung, die nur schleppend in die Gänge kommt und immer wieder absäuft. In dümmlichen Gags, in albernen Zoten, in grauenhafter Selbstdarstellung. Der pubertäre Humor tut ein Übriges, um dieses Projekt entgültig entgleisen zu lassen.
Dwayne Johnson ist sympathisch, aber auch das kann den Film nicht retten. Bei Efron dominiert vor allem die blonde Haartolle, und die weiblichen Stars sind nur Staffage. Zusammen mit dem Schwanzhumor hat man damit einen Film, der sich in die Riege erfolgloser Serien-Adaptionen wie Das A-Team oder Starsky und Hutch einreiht.

