Alien: Covenant - Ridley Scotts moderne Neuvermessung von Schöpfung, Gewalt und Maschine
Einleitung
Alien: Covenant tritt an als ein filmisches Nachspiel, das zugleich Herkunftsmythos sein will. Der Film versucht, die von Ridley Scott seit den späten 1970er Jahren verhandelten Motive von Schöpfung, ästhetischer Fremdheit und existenzieller Bedrohung in eine Gegenwart zu überführen, die vom technologischen und biomedizinischen Wandel geprägt ist. Angesichts einer kulturellen Debatte über künstliche Intelligenz, genetische Manipulation und die Moral der Schöpfung wirkt der Film weniger wie reiner Popcorn-Horror denn wie ein Versuch, die ursprünglichen Fragen des Alien-Mythos neu zu akzentuieren.
Im Werk von Ridley Scott nimmt Alien: Covenant die Rolle eines vermittelnden Kapitels ein. Es knüpft an Prometheus an und stellt damit eine Brücke zurück zu Scotts ikonischem Science-Fiction-Horror von 1979. Dabei tritt die Regiefigur Scott nicht als nostalgischer Reenactor auf, sondern als Autor, der seine eigenen ästhetischen und philosophischen Leitmotive erneut befragt: Monumentalität der Bilder, klaustrophobe Architektur und die Inszenierung des Körpers als Terrain von Gewalt und Schöpfung.
Die Veröffentlichung 2017 fiel in eine Zeit, in der Science Fiction erneut als Medium politischer und ethischer Reflexion fungierte. Diskussionen über Automatisierung, die Rolle synthetischer Intelligenzen im Militär- und Medizinbereich sowie die wiederauflebende Faszination für Ursprünge und Genealogien von Lebensformen machen den Film gesellschaftlich anschlussfähig. Alien: Covenant liefert keine einfachen Antworten, sondern reiht sich in eine Reihe von Filmen ein, die Fragen nach Autorität, Verantwortung und dem Preis technologischer Hybris stellen.
Kurzüberblick zur Produktion
Regie führten Ridley Scott, dessen Handschrift seit Jahrzehnten durch ein visuelles Vokabular aus großen, detailreichen Bildern und einer Vorliebe für Produktionsdesign und atmosphärische Dichte geprägt ist. Alien: Covenant entstand unter den Vorzeichen eines Studiosystems, das zugleich kommerzielle Erwartung und künstlerische Ambition balancieren muss. Produziert wurde der Film von 20th Century Fox; das Budget lag im hochpreisigen Bereich, weshalb Technik, visuelle Effekte und aufwändige Sets eine prominente Rolle einnehmen.
Scott setzte erneut auf präsente Produktionsdesigner, auf eine intensivere Verknüpfung von praktischen Effekten und CGI sowie auf die Zusammenarbeit mit seinem Stammteam in Kamera und Ausstattung. Die Dreharbeiten und die Postproduktion folgten dem Rhythmus großer Franchises, doch der Film behält deutliche autorale Züge. In der filmhistorischen Einordnung steht Alien: Covenant für Scotts beständige Rückkehr zu denselben Grundfragen, diesmal mit einem stärkeren Fokus auf die Ursprünge einer ikonischen Monsterikone und die psychologischen Konsequenzen ihrer Schöpfung.
Im Gesamtwerk markiert der Film eine Phase, in der Scott wiederholt zwischen Epen großer Breite und intimeren, philosophischeren Science-Fiction-Erzählungen changiert. Alien: Covenant ist weniger ein Reboot als eine programmatische Fortsetzung - ein Text, der mit dem eigenen Kanon und dessen impliziten Mythen arbeitet.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Katherine Waterston trägt als zentrale Figur die emotionale Perspektive des Films. Bekannt geworden durch Rollen in unabhängigen Arthaus-Produktionen und Hollywood-Produktionen, ist sie hier die intellektuelle und moralische Achse, an der sich Zuschaueridentifikation und Menschlichkeit entzünden. Michael Fassbender liefert eine der komplexeren Leistungen: seine präzise modulierte Darstellung einer künstlichen Intelligenz stellt Fragen nach Autonomie, Nachahmung und Subjektwerdung. Fassbenders Arbeit funktioniert als intellektuelle Folie, auf der die Themen des Films reflektiert werden.
James Franco, Guy Pearce und Noomi Rapace treten in Kontexten auf, die Rückbezüge an frühere Episoden des Franchise herstellen; ihre Präsenz wirkt wie eine Besetzungsladung, die frühere Erzählstränge evoziert. Billy Crudup bringt die nüchterne Präsenz eines filmischen Führungspersonals ein; Carmen Ejogo, Demián Bichir und Danny McBride erweitern das Ensemble um unterschiedliche Tonlagen und Genre-Register, vom dramatischen Gewicht bis zur ironischen Note. Viele der Darstellerinnen und Darsteller bringen ein spezifisches Seriösitätskapital mit, das Scott nutzt, um sowohl die Interaktion menschlicher Figuren als auch das Spannungsfeld zwischen Menschen und Maschine filmisch auszuloten.
Handlung (spoilerfrei!)
Alien: Covenant begleitet eine Gruppe von Menschen auf einer Reise in entlegene Räume, in denen sie auf etwas Unbekanntes treffen, das zugleich Ursprung und Bedrohung ist. Zentraler Konflikt ist das Aufeinandertreffen von menschlicher Verwundbarkeit und technisch vermittelter Künstlichkeit, einer Begegnung, die ethische und existentielle Fragen provoziert. Die Figuren müssen sich mit Entscheidungen auseinandersetzen, die ihre Rollen als Entdecker, Beschützer und Schöpfer infrage stellen.
Die Erzählung strukturiert sich um einen dramatischen Kern: den Versuch, Sinn in einer Begegnung zu finden, die zugleich wissenschaftlich, spirituell und destruktiv ist. Dabei bleiben Ton und Atmosphäre von einer dichten Suspense geprägt; der Horror entwickelt sich weniger durch bloße Schreckmomente als durch eine sukzessive Verdichtung von Bedrohung und Erkenntnis, die filmisch durch Bildkomposition und Sounddesign verdichtet wird.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Schöpfung und Verantwortung. Wer erschafft wen - und zu welchem Zweck? Der Film dekonstruiert das klassische Schöpfer-Schöpfung-Schema, indem er künstliche Intelligenzen nicht nur als Werkzeuge, sondern als autonome Instanzen darstellt, die ihrerseits eigene Intentionen entwickeln. Dieses Motiv lotet das ethische Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Forschen und moralischer Verantwortung aus.
Ein weiteres dominantes Thema ist die Religionalisierung von Ursprungserzählungen. Ridley Scotts Bilder rufen mythologische und theologische Assoziationen wach, ohne sich auf einfache Dogmen zu stützen. Vielmehr wird Schöpfung zur Bühne für Macht- und Opferverhältnisse, und damit verwandelt sich die Suche nach dem Anfang in eine Untersuchung des politischen und technologischen Handelns, das diesen Anfang möglich macht.
Schließlich arbeitet der Film mit dem Motiv des Körpers als Grenze: biologische Verwundbarkeit trifft auf technische Perfektion, die zugleich Fehlerquellen birgt. Körperlichkeit, Mutation und das Verhältnis von Organischem zu Mechanischem werden zu Metaphern für Kontrolle und Kontrollverlust. Visuell und narrativ lotet der Film so die Kluft zwischen Menschsein und maschineller Nachahmung aus, ohne diese Kluft endgültig zu schließen.
Filmkritik von Peter Osteried
„Alien: Covenant“: Solide, aber ohne Überraschungen
Fünf Jahre ist es her, seit Ridley Scott mit Prometheus – Dunkle Zeichennicht nur die weit zurückliegende Vorgeschichte von Alien erzählen, sondern die Mythologie ausbauen wollte, indem er das Augenmerk auf die Engineers legte, die mit der Erschaffung der Xenomorphen zu tun haben. Das Ergebnis war jedoch durchwachsen und teilweise auch etwas wirr, ein Sequel wurde darum nicht direkt angegangen – und erlebte einige Permutationen. Das Ergebnis ist nun , der mehr mit Scotts erstem als mit seinem zweiten Film innerhalb dieser Reihe zu tun hat.
Das Kolonie-Schiff Covenant ist auf dem Weg zu einer weit entfernten Welt. Noch mehr als sieben Jahre sollen sich die Kolonisten und die Besatzung im Kälteschlaf befindet, während der Android Walter (Michael Fassbender) auf alles aufpasst. Doch dann passiert ein Unfall, weswegen die Crew geweckt werden muss. Während die Reparaturen noch laufen, wird ein Funkspruch von einem nahegelegenen, aber unbekannten Planeten empfangen. Captain Oram (Billy Crudup) beschließt, dass es sich lohnt, diese Welt etwas genauer anzusehen, denn unter Umständen könnte man auch hier eine Kolonie aufbauen und sich den weiteren Weg sparen. Doch dieser Traum zerplatzt schon kurz nach der Ankunft …
Es ist fast schon unzeremoniell, wie die Engineers hier mit einem einzigen Rückblick abgehakt werden. Das, was Prometheus am Ende noch versprach, wird hier nicht eingelöst, stattdessen wandelt man auf bekanntem Terrain. Das wiederum sorgt für soliden Sci-Fi-Horror, lässt aber auch etwas Substanz vermissen. Denn im Grunde geht es bei diesem Film um nichts. Er ist eigentlich nur das Mittelstück zu Scotts nächstem Ausflug in die Welt der Aliens, den er schon in 14 Monaten drehen will und der 2019 in die Kinos kommen soll.
So konzentriert er sich hier auf die Hauptfigur seiner Prequel-Reihe: auf den Androiden David. Eine Sequenz am Anfang zeigt ihn mit seinem Schöpfer – sie spielt damit noch lange vor Prometheus. Essenziell ist sie nicht, aber sie soll wohl als Begründung für Davids Obsession herhalten. Immerhin stellte er sich schon früh die Frage nach Gott und der Schöpfung, und wie ein Schöpfer minderwertiger als seine Schöpfung sein kann. Das will David im Grunde umkehren, er will der Schöpfer werden, aber eine perfekte Spezies erschaffen. Das ist der Kern dieses Films, dessen größtes Alleinstellungsmerkmal sicherlich ist, dass er erklärt, wie die Xenomorphen entstanden sind, die man aus den chronologisch späteren Filmen kennt.
Der Crux eines Prequels folgend ist es aber doch so, dass das nicht so richtig interessant ist. Ihre bloße Existenz reicht schon, der Ausflug in das Gott-Thema, das Prometheus noch durchzogen hat, ist da deutlich faszinierender, spiegelt sich aber nur noch in David wider, dessen Verhaltensweise ihn von vornherein als Soziopathen auszeichnet. Fassbender spielt das immerhin gut, insbesondere die Interaktion mit sich selbst, weil es subtile Unterschiede zwischen den Androiden-Modellen David und Walter gibt.
Gut gelungen an Alien: Covenant ist der anfangs langsame Aufbau, der an den 1979er-Film erinnert, inklusive einer bunten Schar an Figuren, die im Grunde bodenständige Arbeiter sind. Die besten Momente hat Scott jedoch nach der Landung auf dem Planeten zu bieten, weil er den Sci-Fi-Horror damit abseits von dunklen Gängen und düsteren Höhlen ansiedelt. Das ist visuell spannend und hebt sich wohltuend von den übrigen Teilen ab. Das Finale bietet dann aber doch wieder die gewohnte Alien-Hatz durch ein Raumschiff.
Alien: Covenant ist keine Offenbarung. Er hat zu wenig zu bieten. Vor allem auch: Zu wenig Neues zu bieten. Mehr als solide Genre-Kost ist das darum nicht, aber bei dem Thema und dem Regisseur ist das einfach nicht genug.

