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Mike and Dave Need Wedding Dates

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kritiken.de Redaktion 01.09.2016
Mike and Dave Need Wedding Dates© Fox Deutschland
A ca. 1344 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Mike and Dave Need Wedding Dates als Komödie über Verantwortung, Maskenspiel und Männlichkeitsrituale

Einleitung

Mike and Dave Need Wedding Dates ist mehr als ein weiterer Eintrag in der Flut anspruchsloser Studiokomödien der 2010er Jahre; der Film markiert den Versuch, konventionelle Spaßformeln mit einer Reflexion über Selbstinszenierung und erwachsen werden zu koppeln. An der Oberfläche steht die ausgelassene, oft derbe Komik, doch das Interesse liegt weniger in einzelnen Gags als in der Frage, wie komödiantische Überzeichnung dabei hilft, soziale Erwartungen an Geschlechterrollen und Verantwortung zu entblößen. Die Popularität des Stoffes fußt auf einem gesellschaftlich vertrauten Ausgangspunkt - einem viralen Fundstück aus dem Internet - und damit auf dem Spannungsverhältnis zwischen Authentizität und medialer Performance.

Regisseur Jake Szymanski, der aus der Welt der Kurzformen und digitalen Comedy kommt, bringt eine Arbeitshaltung mit, die sich an schnellen Tonwechseln, set-piece-Orientierung und einem Blick für populäre Zuspitzungen orientiert. Innerhalb seines Schaffens steht der Film für die Überführung eines viralen Alltagsereignisses in die klassische Hollywood-Struktur: Exposition, Eskalation, kathartische Auflösung. Dabei bleibt die filmische Sprache weniger auf erzählerische Subtilität als auf rhythmische Präzision und die Ausnutzung von Schauspielergesten und Tempo bedacht.

Im weiteren kulturellen Kontext spiegelt Mike and Dave Need Wedding Dates das Geschäft der 2010er-Jahre wider, in dem Studios nach kostengünstigen, publikumswirksamen Konzepten suchten, die sich durch einprägsame Prämissen und Social-Media-Resonanz verkaufen lassen. Gleichzeitig steht die Komödie in einer Linie mit einer Generation von Filmen, die das Bild des jungen Mannes als ewigen Kindskopf thematisieren und ihn vor die Frage nach Reife und Bindung stellen. Der Film tritt damit in einen Dialog mit zeitgenössischen Debatten über Männlichkeit, Verantwortung und die Ökonomie von Hochzeit und Beziehungsperformanz.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Jake Szymanski, dessen Arbeitsschwerpunkt zuvor in der kurzformatigen, oft bewusst provokativen Online-Comedy lag. Diese Herkunft ist in der Inszenierung spürbar: kurze, punktgenaue Szenen, ein Hang zu überdrehten Situationen und eine Präferenz für rhythmisch getimte Scherze prägen den Film. Szymanski übersetzt die Mechanik von Sketches in die Länge eines Spielfilms, was die Struktur in episodische Höhepunkte teilt.

Der Film entstand als Studioproduktion mit Blick auf ein breites Kinopublikum; er nutzt die vertraute Ausstattung und Farbpalette großer Komödien, um eine heitere, leicht konsumierbare Oberfläche zu schaffen. Als Produktion der großen Studios ist das Projekt auf Zugänglichkeit ausgelegt, mit einem R-Rating, das explizite Witze erlaubt, ohne jedoch die Pflicht zur narrativen Klarheit aufzugeben. In Szymanskis Werk nimmt Mike and Dave Need Wedding Dates die Rolle eines kommerziellen Experiments ein: die Verfilmung eines viralen Alltagsphänomens zu einem Studiofeature.

Innerhalb des Gesamtwerks des Regisseurs lässt sich der Film als konsolidierender Schritt lesen, der seine Fähigkeit zeigt, komödiantische Energie in langfristigere Formen zu überführen. Er steht weniger als radikaler Bruch denn als praktische Anwendung einer Formensprache, die von Kurzformaten herrührt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Zac Efron und Adam DeVine übernehmen die titelgebenden Brüder und bringen damit zwei unterschiedliche, aber komplementäre Starsignaturen in die Komödie. Efron, vormals als Musiksensation und romantischer Leading Man bekannt, durchläuft seit einiger Zeit eine bewusste Umorientierung zu raubeiniger Komik, die sein Image erweitert. Adam DeVine spielt die Variante des gewohnheitsmäßigen Chaoten mit einer körperlichen Nervosität und einem Talent für improvisatorische Steigerung, das seine bisherigen Rollen in Sitcoms und Nebentätigkeiten auszeichnet.

Anna Kendrick fungiert als eine Art Gegenpol, deren präzise, sprachlich geschulte Spielweise in der Komödie häufig als Anker dient. Ihre Persona des halb-skeptischen, halb-seltsamen Gegenstücks erlaubt subversive Zwischentöne, gerade wenn die Handlung in grobe Komik abrutscht. Aubrey Plaza bringt ihre charakteristische Deadpan-Ästhetik und eine unterschwellige Anarcho-Ladung ein, die das Figurenfeld destabilisiert und dem Film eine zweite, dunklere Komikschicht verleiht. Unterstützung erhalten sie durch eine Reihe erfahrener Charakterdarsteller wie Kumail Nanjiani und Stephen Root, die mit kleinen, prägnanten Noten zur Textur des Films beitragen.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Prämisse ist einfach und funktional: Zwei junge Männer, deren Hang zur Exzentrik und ihre Unreife in Konflikt mit familiären Erwartungen kommen, versuchen, durch ein medienwirksames Arrangement Kontrolle zu gewinnen. Die Komödie setzt auf eine Reihe von Eskalationen, bei denen private Grenzen verwischt und öffentliche Selbstdarstellungen auf die Probe gestellt werden. Zentrale Figuren sind die beiden Brüder, die Frauen, die als ihre Gegenpartien fungieren, und ein Ensemble von Nebenfiguren, das als Katalysator für immer neue Verwicklungen dient.

Ton und Atmosphäre pendeln zwischen slapstickhafter Überdrehtheit und Momenten relativer Nachdenklichkeit. Der Ort der Handlung, ein inszenierter Ferien- oder Hochzeitskontext, bietet eine Bühne, auf der Kontrolle und Chaos gegeneinander ausgespielt werden. Der dramatische Konflikt kreist um die Frage, ob und wie die Protagonisten aus dem Paradigma des ewigen Kindseins entkommen können, ohne ihre Identität vollständig zur Disposition zu stellen.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films steht das Thema der Performativität - nicht nur als Gagquelle, sondern als kritischer Impuls. Wie sehr sind Beziehungen Bühnen, auf denen Identitäten ausgehandelt werden? Welche Rolle spielt Öffentlichkeit für intime Entscheidungen? Die Hochzeit als Kulturereignis fungiert hier als Amplifikator sozialer Normen und Konsumlogik; sie erlaubt es dem Film, über die Komik hinaus Fragen nach Authentizität, Erwachsenwerden und der Ökonomie von Gefühlen zu stellen.

Ein weiteres Motiv ist die Reibung zwischen Freiheit und Verantwortung. Die Brüder repräsentieren eine Form von Freiheit, die sich gegen gesellschaftliche Erwartungen stemmt, zugleich aber an den eigenen Bindungen scheitert. Die weiblichen Figuren konterkarieren dieses Modell, indem sie performative Strategien nutzen, die sowohl subversiv als auch adaptiv sind. Psychologisch gesehen arbeitet der Film mit Archetypen des Trotzkopfes und der Vernunft, die in komischer Form aufeinanderprallen, und verdeutlicht so, dass Komödie als soziales Ventil fungiert, um Unsicherheiten über Geschlechterrollen und Reife zu verhandeln.

Filmkritik von Peter Osteried

Wenn Mike und Dave Wedding Dates brauchen, dann bleibt man besser zuhause!

Humor ist, wenn man trotzdem lacht? Wenn es aber rein gar nichts zu lachen gibt? Dann kann man nur noch mit dem Kopf schütteln und hoffen, dass dieser filmische Albtraum bald enden mag. Genau das empfindet man bei Mike and Dave Need Wedding Dates, eine Komödie, bei der Fremdschämen großgeschrieben wird. Dafür sind die Gags klein und nichtig ausgefallen.

Die Brüder Mike (Adam Devine) und Dave (Zac Efron) sind Chaoten, aber sie machen jede Party zum Knaller. Bei Familienfesten sind sie jedoch gefürchtet, da es immer im Chaos endet. Da nun ihre Schwester Jeanie heiratet, werden sie aufgefordert, sich für das Ereignis ein paar nette Begleitungen zu suchen. Die Zwei geben also eine Anzeige auf, um nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Mit Alice (Anna Kendrick) und Tatiana (Aubrey Plaza) geht es dann nach Hawaii, aber Chaos ist vorprogrammiert, denn die zwei Mädchen sind die weiblichen Pendants zu Mike und Dave.

Mit Zac Efron und Anna Kendrick hat man zwei namhafte Stars. Man muss sich aber schon fragen, was die Zwei daran interessiert haben könnte, bei dieser Travestie eines Films mitzuwirken. Allerdings muss man schon anmerken, dass sie sich dem flachen Drehbuch angepasst haben. Ihre Darstellung ist nicht der Rede wert. Oder eigentlich schon, denn beide übertreiben maßlos. Besonders gilt dies für Kendrick, die ein paar Szenen trägt, welche jeder Beschreibung spotten.

Aber auch das übrige Ensemble bekleckert sich nicht mit Ruhm. Adam Devine chargiert ungebremst, während Aubrey Plaza sich ganz und gar auf ihr Aussehen verlässt. Das mag bei einem Werk wie diesem aber auch gerechtfertigt sein.

Der Humor ist durchweg frei von jedwedem Niveau. Hier gibt es infantile Schenkelklopfer, die selbst dann nicht funktionieren, wenn man einfach nur einen dummen Partyfilm erwarten würde. Denn gerade in dieser Kategorie gibt es deutlich besseres, das es dann auch versteht, Humor mit Herz zu verbinden. Hier jedoch gibt es nur eine Nummernrevue ausgelutschter Gags, die von peinlich bis überaus peinlich reichen. Als Zuschauer kann man da nur den Kopf schütteln, auch und gerade, weil man nicht versteht, wie die an sich guten Mimen so etwas überhaupt spielen konnten.

Die Lacher kann man an einer Hand abzählen – selbst wenn man früher mal in einem Sägewerk gearbeitet haben sollte. Irgendwann ist dieses filmische Zugunglück aber auch vorbei. Nur ziehen sich die Minuten bis zum erlösenden Finale, das dann Kendrick und Efron noch singen lässt. Für einen Moment fühlt man sich an Pitch Perfect oder High School Musical erinnert, und egal, wie gut oder schlecht man diese Filme fand, die Erinnerung ist im Vergleich zu dem, was Mike and Dave Need Wedding Dates bietet, unendlich besser.

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