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I, Frankenstein

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kritiken.de Redaktion 24.01.2014
I, Frankenstein© Splendid Film GmbH
A ca. 1241 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

I, Frankenstein - Zwischen gotischer Mythologie und postmoderner Actionornamentik

Einleitung

I, Frankenstein tritt an als ein Produkt zweier filmischer Bedürfnisse: die Wiederbelebung klassischer Schauerfiguren und die Lust am großformatigen Effektspektakel. Der Film verhandelt nicht nur Mary Shelleys ikonische Ausgangssituation neu, sondern versucht zugleich, den Koloss aus Moral und Metapher in die visuelle Logik des kommerziellen Fantasykinos des frühen 21. Jahrhunderts zu überführen. In dieser Kopplung liegt seine kulturpolitische Relevanz: Die Urfrage nach Schöpfung und Verantwortung wird gegen die Kulisse digitaler Bildgewalt erneut verhandelt.

Für den Regisseur Stuart Beattie markiert I, Frankenstein einen bewussten Schritt in ein Genre, das von Autoren und Studios gleichermaßen verführerisch gefunden wird. Beattie, primär bekannt als Drehbuchautor, sucht hier die Inszenierungsform für ein narrative Konzept, das aus dem Graphic-Novel-Milieu stammt und filmisch vor allem über Tempo, Bildlichkeit und Mythologisierung funktioniert.

Der Film ist außerdem ein Spiegel seiner Entstehungszeit. In einer Ära, die von Franchise-Denken, visueller Überladung und der Verschmelzung von Horror-Ikonen mit Actionkonventionen geprägt ist, zeigt I, Frankenstein das Bemühen, literarische Motive in ein zeitgenössisches Pop-Kanon zu integrieren. Die Reanimation der Frankenstein-Figur wird damit auch zu einem Fallbeispiel dafür, wie Klassiker heute als Ausgangspunkt für Fragen nach Identität, Technologie und kollektiver Erinnerung genutzt werden.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Stuart Beattie, der vor allem als Drehbuchautor Bekanntheit erlangte und mit I, Frankenstein eine inszenatorische Auseinandersetzung mit großem visuellen Anspruch versucht. Seine Handschrift bleibt in der stark strukturierten, erzählerisch geradlinigen Anlage des Films spürbar: ein klares Plotgerüst, das auf archetypische Motive zurückgreift und sie mit Genrekonventionen des Actionkinos kombiniert.

Die Produktion ist eine australisch-amerikanische Koproduktion, realisiert mit einem mittleren bis gehobenen Budget, das vor allem in umfangreiche VFX-, Set- und Kostümkosten floss. Sichtbar ist dies in der konsequenten Ausgestaltung eines urban-gotischen Kosmos, in dem reale Locations und digitale Bildwelten miteinander verschmolzen werden. I, Frankenstein steht damit exemplarisch für einen Produktionsmodus, der auf internationale Finanzierungsstrukturen, Kooperationen verschiedener Effekthäuser und die Nutzung globaler Drehorte setzt.

Im Gesamtwerk des Regisseurs bleibt der Film ein Statement in Richtung Genre-Entertainment: kein intimes Autorenkino, sondern eine Ambition, literarische Traditionen mit zeitgenössischen Unterhaltungsmechanismen in Einklang zu bringen. Als solche Positionierung nimmt I, Frankenstein eine Sonderrolle ein zwischen kommerziellem Spektakel und dem Versuch eines eigenständigen Mythos-Pop-Statements.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Aaron Eckhart in der Titelrolle als das unsterbliche Geschöpf Frankensteins. Sein Spiel trägt die filmische Konstruktion der Figur als tragischer, zugleich stoischer Protagonist, dessen innere Zerrissenheit zwischen Menschlichem und Monströsem das dramaturgische Zentrum bildet. Eckharts Darstellungsansatz setzt eher auf ruhige, kontemplative Präsenz als auf expressive Überzeichnung.

Bill Nighy übernimmt die Rolle einer instanzienhaften, mythischen Autoritätsperson innerhalb der übernatürlichen Hierarchien, eine Figur, die mit Distanz und ironischem Unterton die Kontrolle über traditionelle Mythen repräsentiert. Yvonne Strahovski tritt als die menschliche Bezugsperson auf, deren wissenschaftliche und moralische Perspektive dem Protagonisten einen zeitgenössischen Anker gibt und damit die Verbindung zwischen Alltag und Übernatürlichem herstellt.

Miranda Otto, bekannt für ihre nuancierten Charakterarbeit, bringt in ihrer Rolle die ambivalente Würde einer Figur ein, die zwischen Führungsanspruch und der Bürde antiker Verpflichtungen oszilliert. Ergänzt wird das Ensemble durch eine Reihe australischer Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Kevin Grevioux, der als Miturheber der Vorlage auch in der Besetzung eine Brücke zwischen Quelle und Adaption schlägt.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne die zentralen Wendepunkte zu verraten: I, Frankenstein erzählt die Geschichte eines wiederbelebten Wesens, das sich im modernen urbanen Raum wiederfindet und bald in einen Konflikt gerät, der weit über seine persönliche Existenz hinausweist. Der dramatische Konflikt entfaltet sich aus dem Zusammenprall verschiedener übernatürlicher Fraktionen, die unterschiedliche Deutungen von Macht, Ordnung und Heilsversprechen vertreten.

Die zentralen Figuren sind das Geschöpf selbst als Perspektivträger, Vertreterinnen und Vertreter menschlicher Rationalität und Wissenschaft sowie mythische Instanzen, die alte Ordnungen verteidigen oder deren Auflösung anstreben. Die Erzählung bewegt sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen individueller Selbstfindung und kollektiven Kämpfen um Deutungshoheit.

Ton und Atmosphäre balancieren auf einer Linie zwischen gotischer Düsternis und pulsierender Actiondynamik. Bildsprache und Sounddesign zielen auf Monumentalität; die Szenerie ist urban, nachtszenisch und häufig in ein kaltes, kontrastreiches Licht getaucht, das die Verortung alter Legenden in der Gegenwart betont.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt der Film Fragen nach Identität und Autonomie: Was bedeutet Schöpfung jenseits des Autors oder Schöpfers? Wem gehört das Leben, wenn es durch menschliche Technik oder Übergriff entstanden ist? Diese ethischen Grundfragen sind in der Figur des Unsterblichen konzentriert, der zugleich Opfer, Täter und Zeuge ist.

Darüber hinaus verhandelt der Film das Thema der Zeitlichkeit. Die Existenz des Geschöpfes spannt einen Bogen zwischen Vergangenheit und Jetzt und macht sichtbar, wie mythische Narrative in modernen Gesellschaften weiterleben und instrumentalisiert werden. Die Begegnung von Religion, Mythos und Technik wird zum Prüfstein: Althergebrachtes trifft auf wissenschaftliche Rationalität, beides ringt um Legitimation in der Gegenwart.

Auf einer weiteren Ebene führt I, Frankenstein die Diskussion um die Menschlichkeit des Anderen. Der filmische Umgang mit Monströsität - nicht zuletzt durch Gestik, Mimik und Körperlichkeit der Titelfigur - lädt dazu ein, das Monströse nicht nur als Gegner, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Ängste zu lesen. So öffnet der Film eine Reihe philosophischer und psychologischer Linien, ohne sie vollständig abzuschließen, und lässt die Frage nach Verantwortung und Empathie als offenes Problem im Raum stehen.

Filmkritik von Peter Osteried

Ich bin Frankenstein – und das ist gut so

Könnten Filme Kinder kriegen, dann wäre I, Frankenstein aus der innigen Beziehung von Van Helsing und Underworld heraus entstanden. Er wäre wie seine Titelfigur ein wenig missgestaltet, weil der unfreiwillige Humor des einen und die auf Action ausgerichtete Geschichte des anderen nicht so richtig miteinander harmonieren wollen. Führt man die Analogie weiter, dann wäre I, Frankenstein im Grunde aber nur der Bastard der zwei genannten Filme, denn weder an Aufwand noch an Ambition kommt er beiden gleich. Vielmehr erinnert er fatal an eine andere räudige Comic-Verfilmung: Dylan Dog.

Vor 200 Jahren wurde er geboren: Adam (Aaron Eckhart), das aus Leichen gefertigte Monstrum des berühmt berüchtigten Dr. Victor Frankenstein. Er fristet sein Dasein in der Stadt Darkhaven, einem dunklen Ort, dessen Bewohner er vor den Kreaturen der Nacht beschützt. Doch nun findet er sich inmitten einer Schlacht wieder, die zwischen zwei verfeindeten Dämonen-Clans abläuft. Auf der einen Seite steht Leonore (Miranda Otto) mit ihren Gargoyles, auf der anderen Naberius (Bill Nigh) mit seinen Dämonen. Dazwischen steht Adam, der sich mit Hilfe der Wissenschaftlerin Terra (Yvonne Strahovski) dafür einsetzt, die Menschheit zu retten.

Die Grundlage des Films stellt Kevin Grevioux‘ gleichnamiger Comic dar. Der war schon nicht besonders aufregend, in der filmischen Umsetzung von Stuart Beattie erleidet er jedoch ganz und gar Schiffbruch. Die Inszenierung gibt sich betont ernst, wo ironische Brechung der Geschichte, aber auch den nach Schema F gestalteten Figuren ungemein geholfen hätte. Sollte ein Film wie dieser im Rahmen seiner Möglichkeiten an Schauwerten reich sein, so präsentiert sich I, Frankenstein wie ein mager budgetierter Fernsehfilm, dessen Monster in keinster Weise beeindruckend sind. Die bittere Wahrheit ist. Schon vor Jahrzehnten konnte man in Fernsehserien besser und glaubwürdiger gestaltete Kreaturen sehen. Damit einher gehen laue Spezialeffekte, wie es sie bei Produktionen dieser Größenordnung in dieser Dimension nicht geben dürfte.

Aber darüber könnte man sogar hinwegsehen. Das Überhören der ungemein hohlen Dialoge ist hingegen vollkommen unmöglich. Kaum zu glauben, dass die Schauspieler sich einen Rest Würde bewahrt haben, während sie mit bedeutungsschwangerem Ton und ernster Miene ihre Texte zum Besten geben. Aber man sieht ihnen schon an, dass es unangenehm ist. Mehr noch, dass sie wissen, mit welchem Zelluloidmüll sie sich gerade für die Ewigkeit empfehlen, auch wenn diese Ewigkeit hauptsächlich im Fortbestehen in der DVD-Krabbelkiste und im Spätprogramm von Nischensendern manifestiert sein wird.

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