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Homefront

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kritiken.de Redaktion 23.01.2014
Homefront© Universum Film GmbH
A ca. 1744 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Homefront - Zwischen häuslicher Ordnung und eruptiver Gewalt: Ein Psychogramm der amerikanischen Provinz

Einleitung

Homefront tritt in eine lange amerikanische Tradition von Actionthrillern, die sich weniger durch spektakuläre Setpieces als durch die Verknüpfung von Privatheit und Gewaltrisiko definieren. Der Film erscheint in einer Zeit, in der das Genre sich wieder verstärkt auf körperlich präsente Hauptfiguren stützt und zugleich Fragen nach Verantwortlichkeit, Schutz und territorialer Zugehörigkeit in den Vordergrund rückt. Die Entscheidung, den Film Anfang 2014 in den Markt zu bringen, liest sich als Statement eines Genres, das sich nach der hyperkinetischen Phase der 2000er wieder auf reduzierte, fast klassisch-tragische Motivlagen besinnt.

Innerhalb des Werkes von Gary Fleder, einem Regisseur, der sich seit den späten 1990er Jahren als Vertrauter des psychologischen Thrillers etabliert hat, bildet Homefront keinen Bruch, wohl aber eine Variation bekannter Themen: die Balance zwischen Ruhe und aufbrechender Bedrohung, die Analyse moralischer Kompromisse und die Fokussierung auf Figuren, die zwischen Gesetz und persönlicher Ethik stehen. Fleder, dessen frühere Arbeiten das Spannungsfeld zwischen öffentlicher Wahrheit und privaten Abgründen ausloten, zieht diese Linie hier in eine rustikalere, amerikanische Provinz-Topografie.

Die Relevanz des Films liegt weniger in der Erneuerung des Actionkinos als in seiner Diagnose zeitgenössischer Unsicherheiten. Homefront funktioniert als Spiegelbild einer Öffentlichkeit, die den Rückzug ins Private nicht mehr als sicheren Hafen begreift und in der ökonomische Spannungen, ruraler Niedergang und die Attraktivität illegaler Wirtschaftszweige ein Klima erzeugen, in dem Gewalt zur Option wird. In dieser Perspektive interessiert der Film nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturelles Dokument jener Fragen, die um Schutz, Identität und soziale Ordnung kreisen.

Kurzüberblick zur Produktion

Homefront ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Chuck Logan. Das Drehbuch stammt von Sylvester Stallone, der sich hier hinter der Konstruktion eines handfesten, gradlinigen Spannungsbogens als Autor wiederfindet. Regie führte Gary Fleder, dessen Handschrift sich in der stringenten Inszenierung von Bedrohung und in der Betonung psychologischer Details zeigt. Die Produktion ordnet sich in das Segment der mittleren Studios-Produktionen ein - kein hochbudgetiertes Blockbuster-Event, sondern ein auf Schauspielpräsenz und atmosphärische Dichte rechnendes Actiondrama.

Die Dreharbeiten orientieren sich an gängigen Konventionen des Mainstream-Thrillers: begrenzte Schauplätze, ein klares Gefüge von Protagonist und Antagonist und ein Erzählrhythmus, der lange Spannungsräume aufbaut, um dann auf prägnante Gewaltexplosionen zuzusteuern. Diese Produktionsentscheidungen sind Ausdruck einer Kalkulation, die auf unmittelbare Wirksamkeit hofft und zugleich auf eine Story, die im Kleinen verhandelt, was im Großen bedroht ist. Im Oeuvre Fleder's verzeichnet Homefront eine Fortsetzung des Interesses an Figuren, die mehr über den erlebten Druck als über heroische Gesten definiert werden.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Jason Statham übernimmt die Rolle des ruhigen, körperlich präsenten Protagonisten. Bekannt geworden durch physisch fordernde Actionrollen in Reihen wie The Transporter und Crank, tritt Statham hier in einen Modus, der weniger Showkämpfe als eine geerdete Vaterschaft und zurückgenommene Entschlossenheit verlangt. Seine Präsenz fungiert als Ruhepol und als latent gefährliche Kapazität, die das Gefüge des Films trägt.

James Franco bildet das Gegenstück als charismatischer, unberechenbarer Antagonist. Franco, dessen Bandbreite von unabhängigen Arthouse-Projekten bis zu konventionellen Hollywoodproduktionen reicht, bringt eine ambivalente Energie in die Rolle, die den Konflikt zwischen persönlichem Narzissmus und krimineller Skrupellosigkeit markiert. Winona Ryder, als Nachbarin und emotionaler Gegenpol, verweist auf eine andere Filmtradition: ihre Karriere reicht von Kultklassikern wie Beetlejuice bis zu psychologisch aufgeladenen Charakterstudien, und sie übernimmt hier die Rolle der Figur, die häusliche Normalität verkörpert und zugleich von Ereignissen destabilisiert wird.

Nebenrollen von Rachelle Lefèvre, Kate Bosworth, Frank Grillo und Clancy Brown fügen dem Ensemble unterschiedliche Facetten hinzu - von solidarischen Verbündeten über ambivalente Figuren bis zu hartgesottenen Gegenspielern. Die Besetzung spiegelt eine Absicht, dem Stoff sowohl schauspielerische Glaubwürdigkeit als auch die Möglichkeit zur Eskalation zu geben.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne zu verraten, wie die Ereignisse auslaufen: Homefront erzählt von einem ehemaligen Agenten, der mit seiner Tochter in eine Kleinstadt zieht, um Abstand vom früheren Leben zu gewinnen. Die erwartete Ruhe wird durch die Präsenz lokaler Kriminalität und eine persönlich verletzende Konfrontation gestört. Aus der Konfrontation wächst ein dramatischer Konflikt, in dem Schutzversprechen, gesetzliche Grenzen und persönliche Pflichten einander überlagern.

Der Film konzentriert sich auf wenige zentrale Figuren und ihre Reaktionen auf zunehmenden Druck. Ton und Atmosphäre sind weniger spektakulär-überladen als kühl und angespannt; die Kamera hält Räume oft eng, Sound und Montage arbeiten mit Pausen und abrupten Brüchen, sodass Stille und Explosionen eine intensive dramaturgische Spannung erzeugen. Die Dramaturgie setzt auf klaustrophobische Nähe zur Familie und auf den Kontrast zwischen der vermeintlichen Idylle des Ortes und der Härte der zugrundeliegenden sozialen Probleme.

Zentrale Themen und Motive

Homefront verhandelt zentrale Fragen nach dem Verhältnis von Gesetz und persönlicher Moral, nach der Verantwortung des Einzelnen gegenüber Familie und Gemeinschaft sowie nach den Bedingungen, unter denen Gewalt als Mittel der Selbstbehauptung akzeptiert erscheint. Der Film fragt, wie Schutz definiert wird, wer ihn gewährt und welche Kosten er fordert. Dabei geht es weniger um philosophische Abhandlungen als um die konkrete Erfahrung von Bedrohung und um die moralischen Kompromisse, zu denen Menschen in Ausnahmesituationen bereit sind.

Weiterhin spielt das Motiv der Männlichkeit eine große Rolle: Die Darstellung von männlicher Stärke pendelt zwischen Fürsorge und Aggression, zwischen dem Bedürfnis, Ruhe zu bewahren, und der Versuchung, durch Gewalt Ordnung zu schaffen. Ergänzt wird dies durch eine ländliche Topografie, die als Metapher für wirtschaftliche Marginalisierung und als Nährboden für illegale Ökonomien gelesen werden kann. Formal äußert sich das Thema in einer Inszenierung, die Innenräume als verletzliche Orte und die Außenwelt als potenziell feindlichen Raum begreift.

Als Ganzes bietet Homefront damit weniger eine ideologische Botschaft als eine Verschränkung von Charakterstudie und Genremechanik: Der Film fordert den Zuschauer auf, über die conditio humana nachzudenken, die Gewalt und Fürsorge gleichermaßen prägt, und ordnet sich damit in die amerikanische Tradition des Thrillers ein, der Heimat als fragilen Ort begreift.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Kampf an der „Homefront“

Auch wenn Roman Polanskis schwarze Komödie „Der Gott des Gemetzels“ und Gary Fleders Actionreißer „Homefront“ nicht unterschiedlicher sein könnten, teilen beide Filme doch eine entscheidende Gemeinsamkeit: Hier wie dort ist es eine Auseinandersetzung unter Kindern, die eine Verkettung unheilvoller Ereignisse nach sich zieht. Während sich die Schranken der zivilen Zurückhaltung bei Polanski allerdings nur schrittweise öffnen, ist die Eskalation in Fleders Testosteronthriller bereits von Beginn an in die Handlung eingeschrieben. Wie soll es auch anders sein, wenn Sylvester Stallone aus einem Roman des Vietnam-Veteranen Chuck Logan ein Drehbuch zimmert und Jason Statham die Hauptrolle übernimmt?

Der Tod seiner Frau veranlasst Phil Broker, seinen Job bei der amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde an den Nagel zu hängen und gemeinsam mit seiner Tochter Maddy (Izabela Vidovic) aufs Land zu ziehen. Hier kann das Mädchen ihrer Leidenschaft für Pferde nachgehen und behütet aufwachsen. Als sie jedoch auf die Mobbingattacke eines Mitschülers mit Gewalt reagiert, ist es mit dem beschaulichen Landleben ganz plötzlich vorbei. Denn die aufgebrachte Mutter des Jungen bittet ihren Bruder Gator (James Franco), einen lokalen Drogendealer, den Brokers Angst einzujagen. Beim Einbruch in das Anwesen des Ex-Agenten stößt der junge Mann zufällig auf eine Akte, die Phils Vergangenheit als Drogenfahnder offenlegt und den Hinweis liefert, dass er für die Verhaftung eines gefürchteten Biker-Bosses verantwortlich war. Mit diesen Informationen sieht Gator die Chance zur Ankurbelung seines Crystal-Meth-Handels gekommen und entschließt sich, den Rockern ein Angebot zu unterbreiten: Phils Aufenthaltsort gegen gemeinsame Drogengeschäfte.

Wie dem Presseheft zu entnehmen ist, hatte Stallone das Drehbuch ursprünglich für den letzten Rambo-Auftritt konzipiert, schob diesen Gedanken aufgrund anderer Verpflichtungen aber beiseite. Einige Jahre später ließ der brachliegende Stoff den Actionveteran dann zu der Erkenntnis kommen, dass er die Hauptrolle altersmäßig nun nicht mehr glaubwürdig ausfüllen könnte. Damit war der Weg frei für Jason Statham, den wohl präsentesten Actiondarsteller der Gegenwart. Gravierende Auswirkungen auf Stallones ureigene Handschrift hatte diese Rollenübertragung freilich nicht. Ganz im Gegenteil, „Homefront“ atmet aus nahezu jeder Pore den Geist der schonungslos-reaktionären Actionfantasien der 80er Jahre: eine klare Prämisse, handfeste Gewalteinlagen und ein durchsetzungsfähiger Protagonist, der das Recht in die eigenen Hände nimmt.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen ist es wenig verwunderlich, dass der Film immer wieder politische Korrektheit und Subtilitäten über Bord wirft. Maddy ist die Tochter eines hartgesottenen Ex-Cops und kann auf die Hänseleien ihres Mitschülers natürlich nur mit einem gezielten Gegenschlag antworten. Wer angegriffen wird, darf sich wehren. Das ist die schlichte, im amerikanischen Genrekino so oft propagierte Haltung, die auch „Homefront“ beschwört. Obwohl Phil dem Streit zunächst aus dem Weg zu gehen versucht, lässt er sich nicht zwei Mal bitten, als die Provokationen Überhand nehmen. So sehr er auch Ruhe finden will, ist er doch ein Mann der Tat, der seine eigene Welt um jeden Preis verteidigen wird.

Erzählerisch bietet der Actionthriller keine großen Überraschungen. Gradlinig und ohne allzu viel Beiwerk spitzen sich die Ereignisse zu, bis im letzten Drittel das Mordkommando der Motorradgang anrückt. Aufgebrochen wird das Geschehen durch einige ruhige Szenen, die Phil mit seiner Tochter zeigen und den Hauptdarsteller auf ungewohntes Terrain führen. Wenngleich sich Statham in den Prügel- und Schieß-Sequenzen erkennbar wohler fühlt, hinterlässt er als fürsorglicher Vater einen zumindest halbwegs überzeugenden Eindruck. Abgesehen von diesen leisen Zwischentönen bleibt in „Homefront“ aber nur wenig Raum für emotionale Ausflüge. Das unterstreicht nicht zuletzt die Figur der Schulpsychologin. Deutet Stallone zunächst an, dass sie zum Love Interest des Protagonisten werden könnte, lässt er diese Möglichkeit im weiteren Verlauf schließlich konsequent fallen.

Regieroutinier Gary Fleder, der in letzter Zeit vor allem im Fernsehen tätig war, beweist bei der Inszenierung der Action- und Suspense-Momente zumeist ein sicheres Händchen und schafft es, der Vorhersehbarkeit der Geschichte zum Trotz, immer wieder, Spannung zu kreieren. Von großer Bedeutung ist dabei sicherlich, dass der Protagonist, anders als der Zuschauer, lange Zeit nicht weiß, welches Unheil dank Gators Intrige über ihn hereinbrechen wird.

Als eine Bereicherung erweist sich die Besetzung des Kleinstadtdealers mit James Franco, der mühelos zwischen anspruchsvollen und konfektionierten Rollen hin- und herzuspringen versteht. Ähnlich wie in „Spring Breakers“ gibt er seinem Gangster eine lässig-bedrohliche Seite und einen Schuss Größenwahn, der ihm letztlich zum Verhängnis wird. Immerhin merkt der junge Mann nicht, dass die Zusammenarbeit mit den unberechenbaren Rockern eigentlich eine Nummer zu groß für ihn ist. Auch wenn Franco den windigen Dealer lustvoll verkörpert, verliert seine Figur gegen Ende leider ein wenig an Ausdruckskraft. Geschuldet ist dies wohl der Tatsache, dass Gator im bleihaltigen Showdown eine Zeitlang hinter dem Killerkommando der Motorradgang zurücktreten muss. Erst in den letzten Szenen kann Franco noch einmal bis zum Äußersten gehen und sich mit Statham in einem gewaltsamen Aufeinandertreffen messen.

Wer sich für griffige Figuren, einen gradlinig-packenden Handlungsverlauf und wenig zimperliche Actioneinlagen begeistern kann, dürfte mit dem grundsoliden Reißer „Homefront“ nicht allzu viel verkehrt machen. Zuschauer mit höheren Ansprüchen sollten allerdings zwei Mal überlegen, ob sie sich für diesen Film entscheiden.

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