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How to party with Mom

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kritiken.de Redaktion 05.07.2018
How to party with Mom© Bildrechte beim jeweiligen Verleiher / Promotional Material (siehe Impressum)
A ca. 1471 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

How to party with Mom: Eine ironische Lektion über Muttersein, Freiheit und performative Jugendlust

Einleitung

How to party with Mom tritt an einem Punkt der populären Kultur in Erscheinung, an dem Generationendynamiken und die Darstellung weiblicher Selbstbestimmung zunehmend im Fokus stehen. Als Komödie aus dem Jahr 2018 verhandelt der Film nicht allein das banale Motiv von Ausgelassenheit, sondern positioniert sich als Reflexionsfläche für Erwartungen an Alter, Rolle und Vergnügen. Die Kombination aus einer jüngeren Protagonistin und einer prominenten, komödiantischen Darstellerin im Mutterpartitur macht den Film relevant für ein Publikum, das komödiantische Unterhaltung mit gesellschaftlicher Sensibilität verbindet.

Im größeren Kontext des US-amerikanischen Kinos steht How to party with Mom in der Tradition jener Mainstream-Komödien, die persönliche Transformationen über überdrehte Situationen erzählbar machen. Dabei nutzt der Film bekannte Konventionen des Genres - Slapstick, situative Ironie, Tempo - um zugleich auf leisere Zwischentöne hinzuweisen: auf die Unsicherheit junger Erwachsener, auf die Sehnsucht nach Unbeschwertheit bei älteren Figuren und auf die Widersprüchlichkeit von Authentizität in der Mediengesellschaft.

Die Relevanz des Films speist sich auch aus seinem Timing. In einer kulturellen Phase, in der die Diskussion um Care-Arbeit, Selbstverwirklichung und die Sichtbarkeit nicht-traditioneller Lebensentwürfe an Schärfe gewinnt, bietet die Komödie ein Spiegelbild dieser Debatten. Wie bei vielen Genrebeiträgen der späten 2010er Jahre liegt die Kunst weniger in der Erfindung neuer Themen als in der Balance zwischen Unterhaltung und einer präzisen Beobachtung gesellschaftlicher Befindlichkeiten.

Kurzüberblick zur Produktion

How to party with Mom präsentiert eine Regieführung, die der Komödie ihre rhythmische Struktur verleiht und zugleich Raum für kleine emotionale Erkenntnisse lässt. Die Inszenierung arbeitet mit beschleunigten Montagepassagen in den Eskalationsmomenten und mit ruhigen Einstellungen in den privaten Szenen, was eine Doppelbewegung zwischen Exzess und Reflexion erzeugt. Diese Handschrift ist charakteristisch für Regiearbeiten, die das Timing der Gags einerseits, die Wahrnehmung von Figureninnen andererseits systematisch austarieren.

Die Produktionsumstände entsprechen dem Muster vieler US-amerikanischer Komödien dieses Jahrzehnts: ein Produktionsrahmen, der ausreichend Mittel für markenbewusste Besetzung, stylishes Produktionsdesign und einen prägnanten Soundtrack bereitstellt, ohne in das Spektakel großer Blockbuster abzudriften. Solche Filme agieren häufig an der Schnittstelle zwischen Independent-Ästhetik und Hollywood-Politur - ein pragmatischer Zugang, der die kommerzielle Zugänglichkeit mit einem gewissen künstlerischen Gestaltungswillen verbindet.

Innerhalb des filmischen Gesamtwerks der beteiligten Darstellerinnen und der künstlerischen Leiter nimmt How to party with Mom die Rolle eines komödiantischen Experiments ein: Es verbindet die populäre Starpersona einer etablierten Komödiantin mit der Frische jüngerer Gesichter, um vertraute Themen in leicht veränderter Tonlage auszuloten. Dadurch lässt sich der Film als exemplarischer Beitrag eines Genres lesen, das immer wieder neu aushandelt, wie Wandel und Kontinuität erzählerisch zusammenwirken.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum des Films steht eine Auffächerung von Figuren, getragen von Shannon Purser, Melissa McCarthy und Adria Arjona. Shannon Purser wurde einem breiteren Publikum durch ihre Nebenfigur in einer erfolgreichen Serie bekannt und steht hier für die junge Generation: junge Unsicherheit, Suche nach Identität und der Wunsch, soziale Rituale zu verstehen und zu durchbrechen. Ihre präsente Verletzlichkeit ist ein dramatischer Motor der Erzählung.

Melissa McCarthy bringt ihre etablierte komödiantische Energie ein, die sich zwischen physischer Komik und präziser Charakterzeichnung bewegt. In ihrer bisherigen Karriere hat sie wiederholt das Bild einer ausgelassenen, aber komplexen Frau gezeichnet, die gesellschaftliche Normen infrage stellt. Diese Starpersona wirkt im Film als Katalysator für Konflikte und als Vehikel zur thematischen Verdichtung rund um Alter, Selbstbild und gesellschaftliche Zuschreibungen.

Adria Arjona nimmt eine Vermittlerrolle ein: sie ist die Figur, die zwischen den Extremen von jugendlicher Unsicherheit und mittlerer Lebenspraxis oszilliert. Ihre bisherigen Arbeiten in Film und Fernsehen positionierten sie als wandelbares Talent, das subtilen Nuancen Raum gibt. In How to party with Mom bietet sie eine Ergänzung zu den stärkeren komödiantischen Kräften und sorgt für tonal ausgleichende Momente.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von einem Zusammentreffen zweier Lebenswirklichkeiten - die junge Protagonistin, deren Alltag von Selbstfindung und sozialen Erwartungen geprägt ist, und ihre Mutter, die sich trotz Lebensmitte die Unbeschwertheit bewahren möchte. Aus diesem Aufeinandertreffen erwächst ein dramatischer Konflikt, der weniger in einem einmaligen Ereignis liegt als in der nachhaltigen Konfrontation unterschiedlicher Sehnsüchte und Vorstellungen vom richtigen Leben.

Ton und Atmosphäre balancieren zwischen heiterem Überschwang und leiser Melancholie. Die Partyszenen werden als szenische Höhepunkte inszeniert - laut, farbig, choreografiert - während die privaten Momente durch sparsam eingesetzte Nahaufnahmen und entschleunigte Bilder Raum für Reflexion schaffen. Der zentrale Konflikt entfaltet sich über Missverständnisse, Grenzüberschreitungen und die Notwendigkeit, unterschiedliche Lebensentwürfe miteinander auszuhandeln.

Zentrale Themen und Motive

How to party with Mom stellt Fragen nach der Inszenierung von Selbst und dem Verhältnis zwischen Authentizität und Performance. Die Party fungiert dabei als sinnliches Labor: Hier werden Rollen ausprobiert, Erwartungen getestet und Grenzen verschoben. Der Film interessiert sich weniger für eine moralische Einordnung der Handlungen als für die Dynamik, die entsteht, wenn Generationen dieselben Räume anders besetzen.

Eine weitere thematische Achse ist die Aushandlung von Fürsorge und Selbstbestimmung. Muttersein erscheint nicht monolithisch, sondern als facettenreiches Geflecht aus Verantwortung, Sehnsucht und dem Bedürfnis nach eigenen Sehnsüchten. Die Komödie nutzt diesen Spannungsraum, um gängige Stereotype zu spiegeln und auf subtile Weise zu dekonstruieren.

Schließlich lässt sich eine medienästhetische Frage verfolgen: Wie wird Vergnügen filmisch dargestellt? Der Einsatz von Montage, Musik und Licht verhandelt die Ambivalenz von Ekstase und Leere. Durch die Gegenüberstellung von lauten, exzessiven Sequenzen und ruhigen, introspektiven Momenten thematisiert der Film, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Jugendlichkeit und Selbstverwirklichung visuell produziert und reproduziert werden.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Zurück auf die Uni-Bank

Bereits zwei Mal ließ sich das komödiantische Energiebündel Melissa McCarthy für einen Kinofilm von ihrem Ehemann Ben Falcone in Szene setzen. Weder „Tammy – Voll abgefahren“ noch „The Boss“ boten der US-Schauspielerin allerdings eine starke Bühne, um ihre etwa im Überraschungserfolg „Brautalarm“ vorgelebte Spielfreude sinnvoll zur Geltung zu bringen. Besserung ist auch mit der dritten Leinwandzusammenarbeit des Paares nicht in Sicht, für die McCarthy und Falcone erneut das Drehbuch schrieben. Trotz diverser Feierszenen ist „How to Party with Mom“ eine weitgehend lahme Angelegenheit, die immerhin darauf verzichtet, allzu häufig platten Genitalhumor zu bemühen.

Deanna (Melissa McCarthy) glaubt ihren Ohren nicht zu trauen, nachdem sie ihre Tochter Maddie (Molly Gordon) am College abgesetzt hat. Ohne Vorwarnung lässt ihr Gatte Dan (Matt Walsh) noch im Auto eine folgenschwere Bombe platzen. Statt gemeinsam in den lange geplanten Italienurlaub zu fahren, strebt er so schnell wie möglich eine Scheidung an, da er sich in eine andere Frau (Julie Bowen) verliebt habe. Noch dazu wolle er in Kürze das Haus verkaufen, das bekanntlich auf seinen Namen eingetragen sei. Als die Verlassene den ersten Schock verdaut hat, kommt sie urplötzlich auf den Gedanken, ihr vor vielen Jahren abgebrochenes Archäologiestudium wieder aufzunehmen und den Abschluss endlich nachzuholen. Begeistert von der neuen Perspektive, schreibt sich Deanna nur wenig später an Maddies Hochschule ein.

Die eigene Mutter ständig auf dem Campus zu sehen, dürfte für junge Menschen eine Horrorvorstellung sein. Falcones Komödie verfügt folglich über eine griffige Ausgangslage, die auf einen wendungsreichen Verwicklungsreigen hoffen lässt. Tatsächlich schafft es das müde Skript aber nur sehr selten, lustige Konflikte aus der Prämisse abzuleiten und echtes Tempo aufzunehmen. Deannas Anwesenheit sorgt bloß am Anfang für Augenrollen bei ihrer Tochter, deren Haltung viel zu schnell in Wohlwollen umschlägt und damit Reibungen im Keim erstickt. Vorangetrieben wird der dünne Plot durch kleine, unbedeutende Scharmützel mit zwei klischeehaft gezeichneten Uni-Zicken, diverse Studentenfeten und Dans Beziehungspläne.

Während die Nebenfiguren wenig Entfaltungsraum bekommen, schenken McCarthy und Falcone der Protagonistin etwas mehr Aufmerksamkeit. Reichlich platt und uninspiriert fällt allerdings zu Beginn das Erscheinungsbild Deannas aus, die mit ihren kitschigen Wollpullovern und ihrer unmodernen Dauerwellenfrisur übertrieben deutlich als altbackene Hausfrau inszeniert wird. Wie nicht anders zu erwarten, bricht „How to Party with Mom“ diese Darstellung mit fortlaufender Dauer immer stärker auf. Wundern kann man sich mehr als einmal über die recht willkürliche Beschreibung ihres Charakters, der sich je nach Situation drastisch wandelt. Tritt Deanna bei ihrem Neueinstieg ins Uni-Leben zunächst als offenherzige, um keinen Spruch verlegene Quasselstrippe auf, behauptet der Film später allen Ernstes, dass sie gravierende Probleme habe, vor ihren Kommilitonen frei zu reden. Ein vollkommen aus dem Ruder laufendes Referat ist der beste Beweis, dass sich die Macher mehr für plumpe Sketcheinlagen als für eine halbwegs glaubwürdige Erzählung interessieren.

Wenngleich simpel gestrickte Gags und Slapstick-Momente dominieren, blitzt in manchen Augenblicken ein Gespür für herrlich absurde Zuspitzungen auf. Brüllend komisch ist vor allem das Treffen mit einer Scheidungsschlichterin (Karen Maruyama), die die auf Krawall gebürsteten Eheleute dazu auffordert, stets nur sie anzusprechen und den Blickkontakt mit der Gegenseite zu vermeiden. Eine Szene, der auch Deannas beste Freundin Christine (Maya Rudolph) mit einigen bissigen Kommentaren zu überdurchschnittlichem Unterhaltungswert verhilft. Lobend erwähnen muss man darüber hinaus, dass der Film die stürmische Affäre zwischen der Mittvierzigerin Deanna und einem halb so alten Studenten (Luke Benward) recht natürlich und unverkrampft beschreibt. Gerade weil McCarthy eine gewohnt schwungvolle Performance abliefert und in der Prämisse der Komödie die Geschichte einer weiblichen Selbstermächtigung schlummert, ist es höchst bedauerlich, dass sich „How to Party with Mom“ die meiste Zeit als laue Nummernrevue entpuppt.

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