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Gemeinsam wohnt man besser

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kritiken.de Redaktion 22.12.2016
Gemeinsam wohnt man besser© Alamode Film
A ca. 1363 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Gemeinsam wohnt man besser - Eine Ensemblekomödie über Nähe, Hierarchien und die Kunst des Zusammenlebens

Einleitung

Gemeinsam wohnt man besser, am 22. Dezember 2016 in Frankreich veröffentlicht, tritt in die lange Tradition der französischen Ensemblekomödie ein, die Alltagssituationen in lakonische, bisweilen bitter-süße Gesellschaftsanalysen übersetzt. Die Filmatik nutzt die komödiantische Konfliktdichte mehrerer Figuren, um Fragen des Zusammenlebens zu stellen - nicht als simple Moralgeschichte, sondern als mikrokosmische Untersuchung sozialer Regeln, Machtverhältnisse und persönlicher Eitelkeiten. Gerade weil das Sujet vertraut scheint, verschiebt der Film die Perspektive: Er interessiert sich weniger für die Pointe als für die Mechanik, mit der intime Beziehungen zu öffentlichen Aushandlungsformen werden.

Relevanz besitzt der Film nicht nur als Unterhaltungstitel der Feiertagssaison, sondern als kulturelles Dokument, das sich mit Fragen auseinandersetzt, die in urbanen Gesellschaften seit Jahren an Brisanz gewinnen - von demografischen Veränderungen bis zu Wohnraumdynamiken und generationalen Spannungen. In einer Zeit, in der ökonomischer Druck und Individualisierung das private Umfeld neu strukturieren, fungiert die Komödie hier als Vehikel für eine präzisere Beobachtung sozialer Spannungen, ohne sich in soziologischem Pathos zu verlieren.

Einordnung in das Werk des Regisseurs bleibt, zumindest bei der vorliegenden Textfassung, programmatisch: der Film zeigt eine Regiehand, die das Zusammenwirken von Schauspielern und Raum zum Thema macht. Die Regie setzt auf Timing, auf das Spiel von Blicken und kleinen Gesten, und bevorzugt eine Kamera, die nah an den Figuren bleibt, um die Nuancen der Interaktion sichtbar zu machen. So positioniert sich Gemeinsam wohnt man besser innerhalb eines filmischen Kosmos, der Komik als Form gesellschaftlicher Diagnose versteht.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Produktion von Gemeinsam wohnt man besser entspricht dem Profil zeitgenössischer französischer Komödien mit Ensemblebesetzung - handwerklich sauber, auf Effizienz getrimmt und auf ein breites Kinopublikum ausgerichtet. Der späte Dezember-Start deutet auf eine strategische Platzierung im Weihnachtsgeschäft hin - ein Slot, der Familien- und Publikumskomödien vorbehalten ist und kommerzielle Sichtbarkeit verspricht. Aus der Inszenierung spricht die Absicht, Leichtigkeit mit präziser Figurenzeichnung zu verbinden, was Produktionsentscheidungen in Ausstattung und Casting spürbar beeinflusst.

Die filmische Handschrift ist geprägt von einem Blick für das Alltägliche: Räume werden als psychologische Felder behandelt, Set-Design und Lichtführung unterstreichen soziale Distanzen ebenso wie physische Nähe. Solche Entscheidungen deuten auf ein Produktionsumfeld, das sowohl auf professionelle Kontinuität als auch auf das kalkulierte Risiko eines ensemblegetragenen Narrativs setzt. Im Gesamtwerk lässt sich der Film als Vertreter einer gut geölten Komödientradition lesen - kein avantgardistischer Bruch, aber eine konsequente Fortführung einer Inszenierungspraxis, die Schauspielerinteraktion in den Mittelpunkt stellt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Das Ensemble von Gemeinsam wohnt man besser bringt eine Mischung aus etablierten Charakterdarstellern und jüngeren Komikern zusammen. André Dussollier, als älterer, erfahrener Darsteller, steht für eine ruhige, präzise Präsenz, die dem Ensemble eine stabilisierende Achse verleiht. Seine Karriere, geprägt von Rollen in Tragikomödien und souveränen Nebenparts, erlaubt ihm hier die Verkörperung eines Altersbildes, das weder verallgemeinernd noch nostalgisch ausfällt.

Bérengère Krief und Arnaud Ducret kommen aus dem Bereich der Stand-up- und Fernsehkomik und tragen in dem Film die dynamischen, impulsiveren Seiten des Ensembles. Ihre Bühnenerfahrung zeigt sich in einem natürlichen Timing und einer Offenheit gegenüber Improvisation, die die Interaktionen lebendig hält. Julia Piaton und Nicolas Marié ergänzen das Gefüge mit routinierten, differenzierten Darstellungen; sie liefern die feinen Reibungen, die eine Ensemblekomödie braucht, um von bloßer Situationskomik zu einer Charakterstudie zu wachsen.

Jüngere Talente wie Panayotis Pascot und etablierte Comedians wie Blanche Gardin bringen unterschiedliche Komikregister ein - das unschuldige, das bissige, das unberechenbare. In der Balance zwischen Alt und Jung liegt die dramatische Spannung der Besetzung: Jeder Figur wird Raum gelassen, sich als Vertreter spezifischer Lebensentwürfe zu profilieren, während das Miteinander die eigentliche Bühne bleibt.

Handlung (spoilerfrei!)

Gemeinsam wohnt man besser entfaltet seine Handlung im engen Rahmen eines sozial-räumlichen Experiments: Eine heterogene Gruppe von Menschen teilt sich Räume, Regeln und Alltag. Die Dramaturgie folgt weniger einem komplizierten Plot als der Eskalation und den kleinen Aushandlungen, die aus Nähe entstehen. Konflikte entstehen aus unterschiedlichen Erwartungen und ungleich verteilten Machtverhältnissen - Besitzverhältnisse, Privatsphäre und Rituale des Zusammenlebens geraten aus dem Tritt, sobald individuelle Interessen aufeinanderprallen.

Die zentralen Figuren agieren als repräsentative Typen, deren private Narrationen die kollektive Lage spiegeln - der pragmatische Ältere, die beruflich ambitionierte Frau, der nervöse Neuankömmling, die sarkastische Beobachterin. Der Film legt sein Gewicht auf Dialog und Situation, auf timingbasierte Komik und auf die Beobachtung kleiner, auflodernder Konflikte, die durch die Enge des geteilten Wohnraums verstärkt werden. Tonalität und Atmosphäre oszillieren zwischen Leichtigkeit und unterschwelliger Anspannung - niemals sentimental, stets wachsam gegenüber der Fragilität sozialer Arrangements.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum steht die Frage, was Zusammenleben heute bedeutet - nicht als abstrakte Utopie, sondern als Praxis, die ökonomische Zwänge, emotionale Bedürfnisse und gesellschaftliche Normen ineinander verschränkt. Der Film arbeitet mit Motiven wie Territorialität, Kompromissbereitschaft und der performativen Dimension von Privatheit. Er thematisiert, wie Personen in gemeinschaftlichen Situationen ihre Identität aushandeln - und wie schnell vermeintlich harmlose Absprachen zu Markern sozialer Position werden.

Auf einer philosophischen Ebene verhandelt der Film das Verhältnis von Individuum und Kollektiv: Welche Freiheiten opfert man dem gemeinsamen Nutzen, und welche Verletzungen sind nicht reparabel? Psychologisch interessiert sich der Film für Routine und Eskalation - für die Art, wie kleine Irritationen zur Bestätigung persönlicher Narrative werden. Gesellschaftlich reflektiert er den Trend zur kollektiven Wohnform als Antwort auf wirtschaftliche und soziale Herausforderungen und macht daraus eine Bühne für die Komik des Alltäglichen.

Filmkritik von Peter Osteried

„Gemeinsam wohnt man besser“: Ein WG-Modell der ungewöhnlichen, witzigen Art

„Die Message darf den Film nicht vereinnahmen, sondern sollte ihm im Gegenteil einen realistischen Anstrich verleihen“, erklärt Regisseur Francois Desagnat, der mit Gemeinsam wohnt man besser einen sowohl vergnüglichen wie auch hintersinnigen Film abgeliefert hat. Er schafft es, ernste Themen mit reichlich Humor zu garnieren.

Der in seiner riesigen Wohnung alleinlebende, sich im Ruhestand befindliche Hubert (André Dussollier) sucht nach einer Haushaltshilfe, greift aber zur falschen Anzeige. So steht die Studentin Manuela (Berengere Krief) vor seiner Tür, weil sie glaubt, ein Zimmer mieten zu können. Ein Missverständnis, das aber dazu führt, dass sie tatsächlich bei Hubert einzieht, der es sichtlich genießt, etwas Trubel im Haus zu haben. Darum lässt er sich in feuchtfröhlicher Laune überzeugen, die WG noch auszuweiten – mit dem sich im Scheidungsprozess befindlichen Anwalt P.G. (Arnaud Ducret) und der Krankenschwester Marion (Julia Piaton). Aber kann das gut gehen?

Die besten Komödien – besonders die, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen jedweder Art befassen – kommen in den letzten Jahren aus Frankreich. Vielleicht ist es auch so, dass nur die Creme de la Creme der französischen Komödien den Weg nach Deutschland findet. Im Ergebnis bedeutet es jedoch ein ums andere Mal witzig-dramatische Unterhaltung auf ganz hohem Niveau.

Hier geht es nicht nur um das Aufeinandertreffen verschiedener Generationen, noch nicht mal um einen alten Mann und eine junge Mitbewohnerin, denn Desagnat sah darin weit mehr. Die Geschichte eines alten Mannes, der niemals Kinder hatte, aber Vater wird. So lässt sich Gemeinsam wohnt man besser tatsächlich auch lesen, zumal das WG-Arrangement alle Mitbewohner verändert. Sie machen eine erstaunliche Reise durch, die auf ein konsequentes Ende zuläuft. Das ist durchaus glücklich, aber nicht, wie erwartet, brilliert aber, weil es eine Konstante des Lebens sehr schön illustriert: Dass sich alles immer verändert.

Der Film besticht nicht durch Schenkelklopferhumor. Er ist eher feinsinnig und wird in großem Maße von Berengere Krief transportiert, die als Manuela so quirlig wie süß ist. Eine aufgekratzte, junge Persönlichkeit, die meinungsstark, hilfsbereit und unheimlich nett ist. Sie ist das Zentrum des Films, der Katalysator, der alles überhaupt erst in Bewegung bringt. Aber auch das sie umgebende Ensemble ist exzellent. Die Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein, finden jedoch eine gemeinsame Basis, gegenseitigen Respekt und echt empfundene Freundschaft füreinander.

Die Geschichte wird dabei über den Zeitraum eines Jahres erzählt, allerdings ist das nur schwer erkennbar, was auch an einer mangelhaften Umsetzung liegt. Denn selbst bei den Sequenzen, die im Winter und rund um Weihnachten spielen, sind die Figuren recht sommerlich gekleidet. Das mag beim Drehen angenehmer gewesen sein, sorgt aber auch dafür der zeitliche Rahmen niemals spürbar wird. Aber das ist nur ein kleiner, leicht zu übersehender Makel bei einem Film, der so herzlich wie sympathisch ist. Gemeinsam wohnt man besser ist spritzige, frische, höchst vergnügliche Unterhaltung für all jene, die an echten Geschichten interessiert sind, es aber vorziehen, wenn sie mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt werden.

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