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Endless Love

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kritiken.de Redaktion 27.03.2014
Endless Love© Universal Pictures Germany
A ca. 1563 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Endless Love als Studie der Begierde - Jugend, Klasse und die Ambivalenz des Begehrens

Einleitung

Endless Love tritt in eine lange Tradition filmischer Liebesgeschichten ein, die weniger an romantische Idylle glauben als an die destruktive Kraft des Begehrens. Die 2014er-Version positioniert sich nicht nur als Neuauflage eines bereits verhandelten Stoffes, sondern als Versuch, die Mythologie jugendlicher Leidenschaft für ein zeitgenössisches Publikum zu aktualisieren. In einer Ära, in der Liebesfilme zwischen Young-Adult-Industrie und arthausnaher Intimität oszillieren, fungiert dieser Film als Spiegel für die Sehnsüchte und Ängste einer Generation.

Regie führt Shana Feste, deren Arbeit zuvor durch sensibel gezeichnete Figurenkonstellationen auffiel. Ihr Zugang neigt dazu, Emotionen nicht rein narrativ zu erklären, sondern über Bildkomposition und rhythmische Montage spürbar zu machen. Endless Love steht deshalb nicht nur in der Reihe der romantischen Neuinterpretationen, sondern auch im Kontext eines Regiefaches, das nach psychologischer Präzision und gleichzeitig kommerzieller Lesbarkeit verlangt.

Gesellschaftlich trifft die Neufassung auf ein Klima, in dem Liebesgeschichten zugleich privat und öffentlich sind - durch soziale Medien, durch mediale Inszenierung von Beziehungen und durch ökonomische Spannungen zwischen den sozialen Milieus. Dass der Film diese Polaritäten thematisiert, macht ihn relevant: Er reflektiert nicht nur eine individuelle Obsession, sondern auch die Bedingungen, unter denen Begehren heute stattfindet.

Kurzüberblick zur Produktion

Endless Love ist als studiogestützte Neuverfilmung angelegt - ein Projekt, das kommerziellen Zielsetzungen folgt, ohne die Intimität des Ursprungsmaterials vollständig aufzugeben. Die Entscheidung, den Stoff erneut zu adaptieren, verweist auf die Attraktivität der zentralen Konflikte: Liebe als Triebkraft und als sozialer Störfaktor. Die Produktion setzt auf eine polierte Bildsprache, eine Pop-affine Musikführung und ein klar auf Jugend ausgerichtetes Casting.

Shana Festes Handschrift zeigt sich vor allem in der Nähe zu den Figuren: Kameraführung und Schnitt suchen den emotionalen Kern, statt rein plotgetrieben zu inszenieren. Im Vergleich zu ihrem früheren Werk tritt hier jedoch das kommerzielle Moment stärker hervor - eine Balance zwischen persönlichem Blick und dem Bedürfnis nach massenwirksamer Erzählung. Die Inszenierung ist weniger kühne Autorenarbeit als kalkulierter Versuch, melodramatische Energie mit mainstream-kompatiblen Formen zusammenzubringen.

Innerhalb des filmischen Gesamtwerks markiert Endless Love eine Verschiebung hin zu größeren, öffentlichkeitswirksamen Projekten. Es ist ein Beispiel dafür, wie Regisseurinnen und Regisseure aus dem Independent-Bereich den Versuch unternehmen, ihre Themen in einem weiteren Rahmen zu verhandeln, ohne die emotionalen Anliegen zu verwässern.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Alex Pettyfer, der dem zeitgenössischen Publikum als Teenie- und Actionstar aus Produktionen wie I Am Number Four und Beastly bekannt ist, übernimmt die Rolle des obsessiven jungen Liebenden. Sein Typus - jugendliche Intensität gekoppelt mit einer gewissen verletzlichen Aggressivität - bietet die Grundlage für eine Darstellung, die auf Körperlichkeit wie auf innerer Unruhe setzt.

Gabriella Wilde, zuvor in historischen und genrehaften Produktionen wie The Three Musketeers und in der Neuverfilmung von Carrie zu sehen, steht ihm als Objekt der Begehrlichkeit gegenüber. Wilde bringt eine kühle, dennoch fragil wirkende Präsenz ein - die Figur der privilegierten jungen Frau ist hier weniger ausschließlich Wille als Potential, gegen die sozialen Grenzen zu stoßen.

Das Ensemble der Nebenrollen, darunter erfahrene Darsteller wie Bruce Greenwood und Robert Patrick sowie Joely Richardson, übernimmt die Funktion elterlicher und institutioneller Autoritäten. Ihre Präsenz strukturiert das soziale Feld, in dem die jugendliche Leidenschaft operiert: Sie sind Verkörperungen von Kontrolle, Stabilität und den Erwartungen der Erwachsenenwelt.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Erzählung legt den Fokus auf eine intensive, kurzlebige Affäre zwischen zwei jungen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Der dramatische Konflikt entsteht nicht allein aus der gegenseitigen Anziehung, sondern aus dem Zusammenprall dieser Intimität mit familiären Bindungen, Klassenunterschieden und gesellschaftlichen Erwartungen. Die zentrale Spannung resultiert aus dem Widerstreit zwischen dem Imperativ des Begehrens und den Ordnungsprinzipien, die es zu unterbinden versuchen.

Ton und Atmosphäre bewegen sich zwischen getönter Melancholie und aufgeladenem Melodrama. Visuell dominiert eine stilisierte Sinnlichkeit, die sich in detailorientierten Nahaufnahmen und einer sorgfältigen Lichtsetzung manifestiert. Die Sprache des Films ist weniger prosaisch als affektgeleitet - Bilder, Musik und Schauspiel intendieren, den Zuschauer in den Sog der Emotion zu ziehen, ohne alle Motivationen explizit zu begründen.

Zentrale Themen und Motive

Endless Love stellt Fragen nach der Natur der Liebe - ist sie selbstbestimmtes Versprechen oder irrationaler Trieb, der soziale Strukturen überwindet und zugleich zerstört? Der Film interessiert sich für die Ambivalenz des Begehrens: Es ist zugleich lebensspendend und gefährlich, emanzipativ und entfremdend. In der Gegenüberstellung von Jugend und Autorität lotet die Adaption die Grenzen von Autonomie, Schutz und Besitzansprüchen aus.

Klassendimensionen spielen eine zentrale Rolle: Die ökonomische und kulturelle Differenz zwischen den Hauptfiguren fungiert als Katalysator für Konflikte und als Metapher für größere gesellschaftliche Ungleichheiten. Zugleich thematisiert der Film die Medialität von Beziehungen - wie Öffentlichkeit und Image private Verhältnisse formen und wie moderne Kommunikationsformen Machtverhältnisse verschieben.

Psychologisch gesehen operiert der Film in einem Spannungsfeld zwischen Identitätsfindung und Selbstaufgabe. Er verlangt vom Zuschauer, die Frage zu erwägen, inwiefern das Ausgeliefertsein an eine andere Person eine Form von Befreiung oder von Unterwerfung ist. Stilistisch nutzt die Inszenierung wiederkehrende Motive der Nähe und des Bruchs - Spiegelungen, Wiederholungen und kontrastierende Raumgestaltungen - um diese Grundfragen zu veranschaulichen.

Filmkritik von Peter Osteried

Alex Pettyfer und Gabriella Wild genießen Endless Love

„Da war dieses Mädchen. Ein wunderschönes Mädchen, umringt von Menschen und doch ganz und gar allein. Ihr Bruder Chris ist vor ein paar Jahren gestorben. Sie hat all ihre Zeit zurückgezogen bei ihrer Familie verbracht oder Trost in ihren Büchern gesucht.“ – Mit diesen Worten beginnt die Liebesgeschichte von David (Alex Pettyfer) und Jade (Gabriella Wilde), auch wenn es beide noch nicht wissen, er es aber sich zumindest wünscht. Dabei stehen die Chancen schlecht. Die High School ist vorüber, der nächste Lebensabschnitt wartet. Wann hat man da schon noch mal die Gelegenheit, sich zu treffen, wenn sie sich in den vergangenen vier Jahren schon nicht ergeben hat.

Aber das Schicksal findet immer einen Weg. David lernt Jade kennen, als er als Einparker arbeitet und ihre Eltern den Wagen abgeben, bevor sie ins Restaurant gehen. Das Schicksal stellt jedoch auch Hürden bereit. Denn David macht auf Jades Vater Hugh (Bruce Greenwood) nicht den besten Eindruck. Und doch kommen sich David und Jade näher. Sie, die eigentlich vor dem Studienbeginn noch ein wichtiges Praktikum machen wollte, entscheidet sich schließlich, dieses sausen zu lassen und Zeit mit ihrer ersten, ihrer großen Liebe zu verbringen. Das geht ihrem Vater gegen den Strich. Er versucht, seine Tochter nach seinem Sinn zu formen, die Konflikte wachsen an – bis alles eskaliert und die größte aller Fragen auf dem Prüfstand steht: Kann wahre Liebe all diese Hindernisse überwinden?

Endless Love basiert auf dem Roman von Scott Spencer. Die Ähnlichkeiten sind abseits der Figurennamen allerdings sehr marginal. In der Beziehung unterscheidet sich Shana Festes Filsm auch von der ersten Adaption, die Franco Zeffirelli im Jahr 1981 mit Brooke Shields und Martin Hewitt in den Hauptrollen präsentierte. Auch dieser Film nahm sich Freiheiten, blieb aber immerhin näher an der düsteren Vorlage, in der ein Hauptaugenmerk der Geschichte nicht der Konflikt zwischen dem Vater und dem Freund der Tochter, sondern die männliche Hauptfigur selbst ist, die in die Psychiatrie eingewiesen wird und eine Vergangenheit aufweist, gegen die die des neuen Davids geradezu harmlos ist.

Festes Film ist sehr losgelöst von Scott Spencers Roman. Im Grunde könnte Endless Love auch problemlos für sich stehen, ohne jeden Bezug zu irgendeiner Vorlage. Vielleicht wäre das sogar der ehrlichere, bessere Weg gewesen, an diesen Film heranzugehen. Aber was romantische Filme betrifft, muss man Festes Werk immerhin attestieren, dass es die Klaviatur der Gefühle perfekt bedient und genau weiß, welche Strippen zu ziehen sind, um den größtmöglichen dramatischen Effekt zu erzielen. Das ist nicht besonders neu, den Konflikt von Vätern, Töchtern und deren Freunden hat man so schon oft gesehen, aber Endless Love profitiert einerseits von seinen exzellenten Darstellern, andererseits davon, dass die Figuren mehr als nur Chiffren sind.

Bruce Greenwood steht stellvertretend für alle Väter, die sich von den Freunden ihrer Töchter bedroht fühlen, sie nicht gut genug für ihre Töchter finden, und versuchen, das Glück ihres Nachwuchses nach eigenen Vorstellungen zu lenken. Hugh ist dabei kein schlechter Mensch. Er wird als manipulativ und kontrollierend gezeichnet, aber seine Figur ist mit genug Hintergrundgeschichte ausgestattet, um sein Handeln glaubhaft und ein Stückweit auch nachvollziehbar zu gestalten.

Gabriella Wilde und Alex Pettyfer haben eine gute Chemie miteinander. Sie sind das Zentrum des Films, das übrige Ensemble hat jedoch auch seine Momente. Joely Richardson spielt die Mutter, die sich der Macht der Liebe nur zu gut bewusst ist, während Rhys Wakefield als mittleres Kind genau das Rebellentum an den Tag legt, das damit einhergeht, im übergroßen Schatten eines toten Bruders zu stehen.

Endless Love ist all das, was man von einem romantischen Film über die erste Liebe erwarten darf. Nichts an diesem Film ist in irgendeiner Weise originell, er spielt seine Geschichte warmherzig und sicher ab. Die Konflikte sind da, das Happyend allerdings auch vorprogrammiert, und das ohne Wenn und Aber, womit sich diese zweite Adaption noch stärker vom Roman abhebt, der einen deutlich bittereren Schlusspunkt findet. Das hätte hier aber nicht im Mindesten gepasst. Diese moderne Version von Romeo und Julia ist auf ein junges Publikum zugeschnitten, das die erste Liebe noch erfahren muss oder gerade mitten drin ist. Für ein solches Publikum ist es unvorstellbar, dass „verlorene Liebe wie ein Buch ist, das man vor langer Zeit gelesen hat“, wie es Davids Therapeutin so schön ausdrückt. Und doch ist es eine passende Umschreibung, ist die erste Liebe doch selten auch die wahre, große Liebe. Aber manchmal ist sie es eben doch, zumindest im Kino …

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