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Banklady

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kritiken.de Redaktion 27.03.2014
Banklady© StudioCanal Deutschland
A ca. 1473 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Banklady: Ambivalente Kriminalisierung weiblicher Rebellion zwischen Mythos, Begehren und Gesellschaftsnorm im Westdeutschland

Einleitung

Banklady nähert sich dem Kriminalstoff nicht als reines Heist-Entertainment, sondern als kulturhistorische Studie einer Figur, die an der Schnittstelle von Verbrechen, Geschlecht und medialer Mythenbildung steht. Der Film setzt eine weibliche Perspektive in Szene, die in vielen traditionellen Kriminalerzählungen marginalisiert bleibt, und zwingt das Publikum, die Faszination für eine Gesetzesbrecherin als Spiegel gesellschaftlicher Widersprüche zu lesen.

Warum der Film relevant ist, lässt sich nicht allein an der Spannung seiner Handlung festmachen. Vielmehr liegt sein Interesse in der Artikulation einer Zeit und einer Haltung: Banklady rekonstruiert eine Ära, in der die sozialen Rollenbilder noch starr waren und in der die Überschreitung dieser Normen nicht nur strafrechtliche, sondern auch symbolische Konsequenzen hatte. In diesem Sinn arbeitet der Film weniger mit bloßem Retro-Chic als mit einer präzisen Reflexion über Geschlechterordnung und öffentlicher Wahrnehmung.

Die filmische Sprache ist dabei sorgfältig kalibriert. Die Bildführung, die Ausstattung und die Montage formen ein Milieu, das zwischen Nostalgie und kritischer Distanz oszilliert. Banklady verweigert einfache Identifikationen; sie fordert vielmehr dazu auf, die ambivalente Mischung aus Faszination und Verurteilung zu lesen, mit der Gesellschaft Frauen begegnet, die sich außerhalb akzeptierter Bahnen bewegen.

Kurzüberblick zur Produktion

Unter der Regie von Christian Alvart bewegt sich Banklady innerhalb einer Linie von Arbeiten, die sich durch ein Gespür für Genrekonventionen und deren Unterwanderung auszeichnen. Alvart, bekannt für sein Interesse an psychologischer Schärfe und handwerklich sauberen Inszenierungen, nutzt das Period Setting, um atmosphärische Dichte und narrativen Fokus zu verbinden. Seine Handschrift zeigt sich in der Balance zwischen Spannung und Figurenpsychologie, in einer klaren Bildkomposition und in einer präzisen Tempo-Regie, die den Zuschauer in die Verwandlung der Protagonistin zieht.

Als deutsche Produktion beansprucht Banklady die typische Ausstattungsdichte eines Geschichtsdramas, wobei der Aufwand nicht in monumentaler Opulenz liegt, sondern in der sorgfältigen Detailarbeit von Kostüm, Produktionsdesign und Soundscape. Solche Produktionen werden im deutschen Kino häufig in Kooperation mit regionalen Filmförderern realisiert; die daraus resultierende Produktion hat genug Mittel, um eine glaubwürdige Epoche zu schaffen, bleibt aber in ihren Entscheidungen wirtschaftlich pragmatisch - ein Umstand, der sich in einer konzentrierten, nicht verschwenderischen Inszenierung niederschlägt.

Im Gesamtwerk des Regisseurs markiert Banklady eine Perspektivverschiebung hin zu einer stärker soziologisch gelesenen Kriminalgeschichte. Der Film fügt sich in eine Reihe von Arbeiten, die die Grenze zwischen Thriller und Charakterdrama verwischen und in denen die äußere Tat immer auch als Ausdruck innerer Konflikte verstanden wird.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Nadeshda Brennicke trägt den Film als zentrale Präsenz. Sie ist eine Darstellerin, die sowohl für ihre Zurückhaltung als auch für eine latente, körperliche Präsenz bekannt ist. In Banklady entsteht daraus die Ambivalenz einer Frau, die sich gegen ihre Umstände behauptet und deren Inneres sich nicht in einfachen moralischen Kategorien erschöpfen lässt. Brennickes Spiel baut weniger auf theatralischer Gesten als auf feinen Verschiebungen in Mimik und Gang, die dem Charakter eine unaufgeregte, aber nachhaltige Glaubwürdigkeit verleihen.

Ken Duken liefert die männliche Gegenfigur, deren Rolle zwischen Komplizenschaft, Faszination und ambivalenter Autorität oszilliert. Duken, ein wandelbarer Schauspieler mit Erfahrung in filmischen Genres von Drama bis Thriller, bringt eine nüchterne Intensität in die Beziehungskonstellationen des Films. Die weiteren Ensemblemitglieder - Niels-Bruno Schmidt, Charly Hübner, Heinz Hoenig und andere - bilden ein Kontinuum etablierter deutscher Schauspielprofile, die den sozialen Rahmen der Erzählung glaubwürdig machen. Ihre Präsenz fungiert weniger als starbesetzte Show als vielmehr als solides Kollektiv, das die Hauptfigur in ihrer Isolation und ihren Beziehungen verortet.

Handlung (spoilerfrei!)

Banklady erzählt die Geschichte einer Frau, die sich aus einer prekären Existenz heraus in das kriminelle Milieu begibt. Der Film konzentriert sich auf die Mechanismen, die diese Entscheidung sowohl möglich als auch verführerisch machen: ökonomischer Druck, emotionale Verstrickungen und ein Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Die Erzählung entfaltet sich nicht als episodischer Heist-Film, sondern als intimes Panorama eines individuellen Bruchs, in dem jede Tat als Folge persönlicher und gesellschaftlicher Faktoren erscheint.

Der dramatische Konflikt entsteht aus der Kollision zwischen dem Wunsch nach Autonomie und den normativen Kräften der Umgebung - Justiz, Öffentlichkeit und Geschlechtererwartungen. Zentral sind dabei nicht nur die äußeren Ereignisse, sondern die psychologische Entwicklung der Protagonistin und die Art, wie ihr Handeln von anderen kommentiert und instrumentalisiert wird. Ton und Atmosphäre schwanken zwischen lakonischem Realismus und einer filmischen Melancholie, die den historischen Kontext als dämpfende, aber stets gegenwärtige Macht spürbar macht.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum von Banklady steht die Frage nach der Zuschreibung von Kriminalität und nach der Rolle des Geschlechts in der Konstruktion von Schuld und Faszination. Der Film stellt die These auf, dass Vergehen nicht isoliert von sozialen Verhältnissen gelesen werden können, und zeigt, wie schnell individuelle Entscheidungen zu kulturellen Symbolen werden. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Inszenierung des Körpers und der Weiblichkeit - wie sie genutzt, missverstanden und mythologisiert wird.

Darüber hinaus arbeitet der Film mit dem Motiv der Medialisierung. Die Figur der Banklady lässt sich kaum von den Blicken der Gesellschaft trennen; ihr Handeln erzeugt Narrative, die über sie hinausweisen. Diese Medialisierung ist nicht nur ein Nebenprodukt von Sensationslust, sondern ein strukturierender Faktor, der Identität formt und Bedeutung produziert. Psychologisch betrachtet fragt der Film nach Selbstermächtigung versus Fremdbestimmung, nach dem Preis der Transgression und nach der Schwierigkeit, in einer engen sozialen Ordnung ein anderes Leben zu entwerfen.

Banklady bietet somit weniger eine moralische Abrechnung als eine analytische Öffnung: Sie legt die Bedingungen offen, unter denen Kriminalität entsteht und unter denen sie zur Legende wird. In dieser Doppelheit - psychologisch nah und kulturell reflektiert - liegt die Stärke des Films, der das Publikum dazu einlädt, jenseits von Bauchurteilen die komplexen Verflechtungen von Individuum und Gesellschaft zu bedenken.

Filmkritik von Peter Osteried

Eine Frau überfällt Banken, das ist ja zum Schießen!

Erst 1999 wurde die Geschichte der Banklady dem Vergessen entrissen. Eine Dokumentation befasste sich mit der ersten deutschen Bankräuberin und fand auch das Interesse von Schauspielerin Nadeshda Brennicke, die die Idee einer Verfilmung dem befreundeten Regisseur Christian Alvart schmackhaft machte. Das Ergebnis ist Banklady, der sich bei der Umsetzung aber natürlich einige Freiheiten erlaubt.

Gisela Werler (Nadesha Brennicke) ist 30 Jahre alt, lebt noch immer bei ihren Eltern und arbeitet in einer Tapetenfabrik. Über den Kollegen Uwe lernt sie Peter (Charly Hübner) kennen, der als Bankräuber aktiv ist. Gisela ist von dem Mann angetan, aber auch von seinem Lebensstil. Sie will zusammen mit ihm Banken ausrauben, was auch recht gut klappt. Als erste deutsche Bankräuberin macht Gisela Schlagzeilen. Die Polizei, angeführt von Kommissar Fischer (Ken Duken), versucht der Bande das Handwerk zu legen, aber die Banklady und ihr Beau sind immer einen Schritt voraus. Aber jeder Verbrecher macht irgendwann einen Fehler. Der von Gisela und Peter ist es, dass sie sich ineinander verlieben.

Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben, für das Kino muss man sie aber dennoch aufpeppen. Im Fall der Banklady heißt dies, dass hier Spannungsmomente eingeführt werden, die jedoch reichlich abstrus daherkommen. Insbesondere gilt dies für Giselas mehrmalige Besuche bei der Polizei, die die Konfrontationssituation mit ihrem Häscher, dem Kommissar Fischer, auf die Spitze treiben sollen, die aber die Glaubwürdigkeit stark auf die Probe stellen. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Dabei versteht es der Film sehr gut, nicht nur den Mief der frühen 60er Jahre zu illustrieren, sondern auch die Transformation einer Frau zu zeigen, die als naives, scheues Mauerblümchen begann, aber dann zu einer selbstbewussten Bankräuberin wurde. Sicher, diese Art der „Therapie“ ist nun wahrlich nicht jedem zu empfehlen, die Entwicklung der Hauptfigur ist es aber, die diesen Film vor allem vorantreibt. Das liegt nicht nur an der gut geschriebenen Figur, sondern vor allem auch an Brennicke, die mit subtilem Spiel die körperliche und seelische Veränderung von Gisela Werler darbietet. Sehr schön ist dabei auch das Kostümdesign, das unterstreicht, wie Gisela sich verändert.

Die Chemie zwischen Brennicke und ihrem Co-Star Charly Hübner, der für Alvart die erste und einzige Wahl für die Rolle des Bankräubers Peter gewesen ist, ist die Schmiere, die die Geschichte nötig hat. Nur ihretwegen läuft Banklady richtig rund und lässt die etwas abstruseren Momente vergessen, ja, relativiert sie sogar ein wenig, denn dass Eifersucht zu irrationalem Verhalten führt, ist zumindest plausibel.

Die filmische Umsetzung kann sich sehen lassen. Alvart hat sich bewusst dafür entschieden, den optischen Chic der 60er Jahre durch eine elektronische Musik zu konterkarieren. Das sorgt dafür, dass Banklady zwar der Zeit, in der er spielt, verhaftet ist, aber einen zeitlosen Charme erhält. Alvart, der sich einige Klassiker der Dekade in Vorbereitung auf seinen Film angesehen hat, kehrt teilweise zu Stilmitteln jener Zeit zurück, sehr schön zu sehen bei der Montage, die Gisela bei ihren Banküberfällen zeigt, aber auch durch die Nutzung der Splitscreen akzentuiert.

Banklady ist kein dröges period piece, keine Geschichtsstunde, sondern ein spannender, emotional zugänglicher Film, in dem es letztlich nicht um die Überfälle auf Banken, sondern um das (sexuelle und persönliche) Erwachen einer Frau geht. Banklady ist auch eine Romanze, mit der eine romantisierte Sicht auf das Verbrechen einhergeht. Ein wenig wie Bonnie und Clyde, nur weniger fatal in seinem Ausgang.

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