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Muppets Most Wanted

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kritiken.de Redaktion 01.05.2014
Muppets Most Wanted© Walt Disney
A ca. 1428 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Muppets Most Wanted als Theater der Doppelgänger - Komik, Kontrolle und kollektive Nostalgie

Einleitung

Muppets Most Wanted tritt an einem Punkt an, an dem Nostalgie und Metaproduktion sich nicht länger als bloße Verkaufsargumente verstehen lassen, sondern als ästhetische Grundlage eines Films. Der zweite Spielfilm der zeitgenössischen Muppet-Neubelebung verhandelt auf leichtfüßige Weise Fragen von Identität, Repräsentation und öffentlicher Inszenierung, ohne die kindliche Leichtigkeit seiner Figuren preiszugeben. Relevanz gewinnt der Film dabei weniger durch radikale Neuerfindung als durch die insistierende Reflexion über die Mechanismen, die moderne Popkultur zusammenhalten - von Celebritykult bis Medienritualen.

Im Anschluss an das überraschend erfolgreiche Revival der Muppets im Jahr 2011 setzt der Film eine ironische Distanz zur eigenen Ikonographie; er bleibt der pfiffigen Bühnenlogik der Puppenspieler verpflichtet und nützt gleichermaßen filmische wie televisuelle Formen, um sein Publikum zu adressieren. Das Ergebnis ist ein Werk, das im Spannungsfeld zwischen Familienunterhaltung und intelligenter Selbstthematisierung oszilliert: zugänglich und doch geschickt verschattet.

In ästhetischer Hinsicht liest sich der Film als Fortführung einer Regiehandschrift, die sich um präzise Rhythmik, musikalische Sequenzen und feine satirische Körnungen bemüht. Angesichts eines Medienumfelds, das von Flüchtigkeit und mediengestützter Authentizität geprägt ist, erscheint Muppets Most Wanted als ein kulturkritisches, wenngleich nie belehrendes Statement über das Verhältnis von Schauspiel, Persona und Publikum.

Kurzüberblick zur Produktion

Geleitet wird der Film von James Bobin, dessen Arbeit sich durch einen schlanken Sinn für musikalische Kompositionen und eine Vorliebe für meta-komische Zumutungen auszeichnet. Bobin, der bereits die Neubelebung der Muppets inszenierte, bringt hier eine routinierte Balance zwischen klassischem Puppenspiel und zeitgenössischer Kinematographie ein. Die filmische Sprache bleibt dabei selten demonstrativ avantgardistisch; vielmehr sucht sie nach dem richtigen Takt für Gag, Song und sentimentalen Moment.

Als Produktion von Walt Disney Pictures profitiert der Film von einem Handlungsrahmen, der familiäre Zugänglichkeit und handwerkliche Sorgfalt verbindet. Die Dreharbeiten nutzen die traditionelle Mischung aus Handpuppen, animatronischen Elementen und digitaler Unterstützung, ohne jedoch die handwerkliche Präsenz der Puppenspieler zu verschleiern. In der Reihe der Muppet-Filme markiert dieses Projekt eine behutsame Fortführung der Franchise-Strategie - eine Episode, die Kontinuität wahrt und zugleich die Möglichkeit offenhält, das Format als Plattform für Gastauftritte und medienkritische Spiegelungen zu nutzen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im menschlichen Ensemble fungiert Tom Hiddleston als prominenteste Figur unter den Gästen; sein Auftreten nutzt die ikonenhafte Aura, die er als Shakespeare-gesponnener Charakterdarsteller und als populärer Antagonist im Blockbuster-Kontext gewonnen hat. Hiddleston spielt eine Rolle, die seine Fähigkeit zur charismatischen Mehrdeutigkeit ausreizt - Zeichenzüge, die zwischen Komik und theatralischer Intention changieren.

Tina Fey, bekannt aus SNL und der Serienarbeit von 30 Rock, bringt ihren komödiantischen Scharfsinn in eine Rolle ein, die sowohl als konventionelle Sidekick-Figur als auch als ironische Kommentatorin der Geschehnisse funktioniert. Christoph Waltz, dessen Ruf auf präziser, sprachlicher Villanelle und einer gefährlich charmanten Präsenz beruht, erscheint in einer Rolle, die die Ambivalenz zwischen Bühne und Realität thematisch verstärkt. Ergänzt wird das Ensemble durch etablierte Cameo-Künstler wie Ricky Gervais, Ray Liotta und Ty Burrell sowie von jüngeren, dem Disney-Umfeld entstammenden Namen wie Debby Ryan - eine konstellative Mischung, die dem Film seine polyvalente Tonalität gibt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film folgt den Muppets auf einer Reise, die sie aus einer Phase der Wiederentdeckung ins Scheinwerferlicht neuer Auftritte führt. Aus diesem Vorhaben entwickelt sich ein dramatischer Konflikt, der weniger auf persönliche Tragödien als auf Verwechslung, Täuschung und die Frage nach öffentlicher Identität setzt. Die zentrale Spannung speist sich aus dem Gegensatz zwischen dem, was auf der Bühne gezeigt wird, und dem, was hinter den Kulissen geschieht.

Als treibende Figuren fungieren die vertrauten Muppet-Charaktere, die in ihren archetypischen Zügen belassen, aber narrativ verschoben werden, sowie eine Reihe menschlicher Besucher, die verschiedene Facetten der Medienwelt repräsentieren. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen schnellen Gags, musikalischen Einlagen und Momenten leiser Reflexion; insgesamt ergibt sich ein fließendes Verhältnis von Slapstick und subtiler Selbstbezüglichkeit, das sowohl Kinder als auch ein erwachseneres Publikum ansprechen will.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Authentizität und Darstellung. Wie funktioniert Identität, wenn sie zum Spektakel wird? Welche Rolle spielen Doppelgänger, Masken und Rollenwechsel in einer Kultur, die Performances ständig reproduziert? Diese Motive werden nicht dogmatisch ausgearbeitet, sondern als komödiantische Prismen genutzt, durch die sich Machtverhältnisse und mediale Mechanismen brechen.

Darüber hinaus arbeitet der Film mit einem wiederkehrenden Motiv der Bühne als Ort der Versöhnung und Konfrontation - ein Raum, in dem Widersprüche inszeniert und, temporär, aufgehoben werden. Die musikalischen Nummern fungieren hier nicht nur als Unterhaltungsunterbrechungen, sie strukturieren auch die emotionale Logik des Films und markieren Momente kollektiver Erinnerung. Schließlich lässt sich eine leise, aber beständige Auseinandersetzung mit dem Alter des Popkulturerbes erkennen - eine Frage danach, wie Figuren und Formate sich anpassen müssen, um anschlussfähig zu bleiben, ohne ihre Grundprinzipien zu verlieren.

Filmkritik von Peter Osteried

Die Muppets sind Europas Most Wanted!

Der neue Film mit den Muppets fängt dort an, wo der Vorgänger endete. War Die Muppets aber nicht nur die Geschichte der Puppen, die sich zusammenraufen müssen, um wieder ins Rampenlicht zu kommen, sondern ebenso die der Menschen Gary und Mary, so ist Muppets Most Wanted ganz und gar den Puppen vorbehalten. Zwar gibt es auch ein paar menschliche Co-Stars, aber weder Ricky Gervais, noch Ty Burrell oder Tina Fey sind für den Plot essenziell. Sie sind Teil der Nummernrevue, die dieser Film darstellt.

Nach ihrem Comeback wissen die Muppetsnicht so recht, wie es weitergehen soll, als der Manager Dominic Badguy (Ricky Gervais) auf sie zukommt. Er will sich um ihre Welttournee kümmern, mit der sie wieder ganz nach oben kommen können. Aber eigentlich hat er einen ganz anderen Plan. Sein Boss, der Frosch Constantine, ist aus einem sibirischen Gulag entflohen und will die Tournee nutzen, um in verschiedenen Museen Europas Dinge zu stehlen, die er benötigt, um den ganz großen Coup abzuziehen. Praktischerweise sieht Constantine wie Kermit aus, so dass er diesen ersetzen kann, während Kermit sich plötzlich im Gulag wiederfindet.

Die Geschichte von James Bobin und Nicholas Stoller, die auch schon bei Die Muppetsals Regisseur und Autor fungierten, ist nicht der Rede wert. Man exerziert hier einfach alle Konventionen durch, die mit einer Doppelgänger-Geschichte einhergehen. Ein origineller Gedanke schleicht sich dabei nicht mal zufällig ein. In der Beziehung ist Muppets Most Wanted deutlich ernüchternder, als es der erfrischende Vorgängerfilm gewesen ist. Zwar ist man noch weit davon entfernt, die Muppets wie bei früheren Filmen einfach in andere Rollen zu stecken und Klassiker nachspielen zu lassen, aber das Story-Derivat geht schon stark in diese Richtung, da man nur Altbekanntes bietet. Am Interessantesten ist der Film eigentlich immer dann, wenn er sich mit der Tournee an sich befasst.

Muppets Most Wanted ist sehr uneins, er ist Stückwerk, das zwar eine durchgehende Geschichte besitzt, bei der sich aber zu häufig das Gefühl einstellt, einfach nur einen Sketch nach dem anderen zu sehen. Kurioserweise ist das eine ganz gute Hommage an die alte Fernsehserie, die auch aus verschiedenen Gags und Mini-Geschichten bestand, aber im Grunde hat man sich hier schon mehr erwartet.

Das heißt aber zugleich auch nicht, dass Muppets Most Wanted schlecht wäre. Er bleibt hinter seinen Möglichkeiten, das schon, aber er ist auch recht unterhaltsam, zumal die Europa-Tour mit Stopps in Berlin, Madrid und Dublin auch etwas Lokalkolorit mit sich bringt. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Cameo-Auftritten, die nicht immer sinnig oder lang sein müssen, aber zumindest eine zusätzliche Ebene des Amüsements eröffnen, da man von Minute zu Minute gespannter ist, welches bekannte Gesicht als nächstes kurz durchs Bild huschen wird.

Dass die Logik Feste feiert, ist fast schon nicht mehr von Belang. Wenn man mit dem Zug aus den USA nach Europa fahren kann, dann können deutsche Polizisten einen Delinquenten auch direkt ins sibirische Gulag transportieren. Der Film eröffnet sich damit seine eigene Welt, in der das Abstruse zur Normalität wird. In diese Kerbe schlagen auch Interpol-Ermittler Jean Pierre Napoleon und CIA-Agent Sam Eagle, die sich gegenseitig mit ihren immer größer werdenden Dienstmarken übertreffen, aber dafür in einem Auto unterwegs sind, das kaum größer als ein Spielzeug ist. Es ist diese Lust am Absurden, die auch dazu beiträgt, dass der Film gefälliger ist als er es eigentlich sein sollte.

Die Mixtur aus Varieté, Gangsterfilm und Musical ist im Grunde krude, weniger darauf ausgerichtet, stringent zu erzählen, als möglichst viele Gags zu integrieren. Das funktioniert auch. Es macht Spaß, Ricky Gervais singen und tanzen zu sehen, es ist lustig, Christopher Waltz beim Walzer mit einem Muppet zu beobachten, und es ist komisch, Danny Trejo singen zu hören, aber am Ende ist der Film nie mehr als die Summe seiner Teile. Er ist episodisch gestaltet. Eine Nummernrevue, aber damit weit nicht so schlimm, wie Waldorf und Statler, die zwei Greise aus der Loge, die Show immer machen.

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