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Die Bestimmung - Insurgent

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kritiken.de Redaktion 19.03.2015
Die Bestimmung - Insurgent© Concorde Filmverleih GmbH
A ca. 1427 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Die Bestimmung - Insurgent: Dilemmata der Identität in einer farbcodierten Dystopie und Machtmechanismen

Einleitung

Die Bestimmung - Insurgent setzt die Adaption des jungen erwachsenen Romans spätpubertärer Provenienz in ein filmisches Feld, das zwischen atemberaubender Bildästhetik und politischer Allegorie oszilliert. Der Film ist mehr als die Fortsetzung einer Franchise-Mechanik; er verhandelt in populärer Form Fragen von Zugehörigkeit, Gewissensbildung und dem Preis individueller Entscheidungen in einer räumlich und moralisch segmentierten Gesellschaft.

In der aktuellen Ära der Jugenddystopien fungiert Insurgent als archetypischer Vertreter des Genres: großbudgetierte Rigipsbauten utopischer Ordnung, eine weibliche Protagonistin als moralischer Kompass und die wiederkehrende Sorge um Kollektivität versus Individualismus. Dass diese Motive in einem Produkt der Studioschmiede Summit Entertainment und Lionsgate verhandelt werden, erklärt die hybride Verfasstheit des Films - künstlerische Ambition trifft auf marktwirtschaftliche Logik.

Gleichzeitig lässt sich Insurgent als kulturelles Echo seiner Entstehungszeit lesen. In einer Welt, die medial und politisch fragmentierter wird, spiegelt der Film die Angst vor Fragmentierung und die Sehnsucht nach kohärenten Identitäten. Ohne platte Parabel zu offerieren, nutzt er die Formensprache des Blockbusters, um grundlegende Fragen nach Loyalität, Erinnerung und Autorität zu stellen - Fragen, die in den 2010er Jahren an Brisanz gewannen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Robert Schwentke, ein Regisseur, der aus dem deutschsprachigen Raum kommend in Hollywood vor allem als verlässlicher Handwerker des Genrefilms gilt. Schwentke hat sich mit Filmen wie Flightplan und Red ein Profil als visueller Erzähler erarbeitet, der klare Bildkompositionen und stringente Inszenierungslogik favorisiert. Seine Arbeit an Insurgent verschiebt diesen Ansatz in den Kontext einer jugendlichen Franchise-Erzählung und versucht, Intimität in großangelegten Setpieces zu bewahren.

Insurgent entstand als zweite Episode der Bestimmung-Trilogie und ist als Studioproduktion in einem deutlich dreistelligen Millionenbereich budgetiert. Die Produktionsbedingungen folgten dem gängigen Muster: adaptierte Vorlage, enge Terminvorgaben und eine klare Erwartung an ökonomische Verwertbarkeit. Auffällig ist jedoch die konsequente Ausgestaltung einer sinnfälligen, farblich differenzierten Welt - ein gestalterischer Aufwand, der die Fraktionslogik der Vorlage filmisch prägnant übersetzt.

Innerhalb Schwentkes Werk markiert Insurgent den stärkeren Zugriff auf Franchise-Dynamiken im Vergleich zu seinen früheren, eher eigenständigen Genrearbeiten. Der Film ist deshalb nicht nur Fortführung einer literarischen Linie, sondern auch ein Experiment in der Balance zwischen erzählerischer Verdichtung und seriellem Erzählen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Shailene Woodley steht im Zentrum der Erzählung als Protagonistin, deren innere Zerrissenheit und moralische Entscheidungsfähigkeit das dramaturgische Rückgrat bilden. Woodley hat sich zuvor vor allem mit Rollen in unabhängigerem Kino und der ersten Bestimmung-Verfilmung profiliert und bringt eine geerdete Präsenz, die in Kontrast zur oft opulenten Ausstattung des Films steht.

Theo James fungiert als Gegenpol und Verbündeter; sein Charakter ist geprägt von Körpersprache und einer komplexen Loyalitätskonstellation, die im Film mehr gestalterischen als erklärenden Fokus erhält. Ansel Elgort und Miles Teller ergänzen das Ensemble als Figuren, deren Beziehungen zur Protagonistin Facetten von Vertrauen, Rivalität und dem Erwachsenwerden ausloten. Kate Winslet, in der Rolle einer intellektuellen Machtfigur, verleiht der Gegenseite eine kühle, berechnende Präsenz und fungiert als Katalysator für die ethischen Konflikte der Handlung.

Naomi Watts, Zoë Kravitz, Maggie Q und Octavia Spencer übernehmen Nebenrollen, die jeweils unterschiedliche Facetten von Solidarität, Verrat und politischer Ambition repräsentieren. Das Ensemble ist bewusst heterogen besetzt und erlaubt dem Film, die sozialen Spannungen seiner Welt in unterschiedlichen Stimmlagen zu artikulieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Insurgent knüpft an die Grundprämisse eines fragmentierten Gemeinwesens an: Die Gesellschaft ist in klar abgegrenzte Gruppen gespalten, die jeweils bestimmte Tugenden herausstellen. Die Protagonistin steht vor einer Reihe von Entscheidungen, die nicht nur ihre persönliche Identität betreffen, sondern auch die Balance zwischen den Fraktionen gefährden können. Der dramatische Konflikt verläuft entlang von Fragen der Loyalität - sowohl gegenüber Freunden und Familie als auch gegenüber einem rigiden System - sowie der Frage, in welchem Maß individuelle Erinnerung und Wahrheit als politische Werkzeuge fungieren.

Die zentralen Figuren sind in diesem Geflecht aus Misstrauen und moralischer Verantwortung gefangen. Der Film strukturiert seine Erzählung durch eine Abfolge von Konfrontationen, aufeinanderfolgenden Prüfungen und psychologisch aufgeladenen Begegnungen, die weniger auf lineare Action als auf die Eskalation innerer und äußerer Widersprüche setzen. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen klaustrophischer Intimität und großformatigen, stilisierten Actionsequenzen, wobei die Bildsprache stets die zugrundeliegende Systematik der Welt betont.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern befragt Insurgent die Verlässlichkeit von Identität in einer Welt, die Menschen nach Normen und Funktionen kategorisiert. Der Film stellt damit die Frage, ob und wie Individuen sich außerhalb festgelegter Kategorien existenziell behaupten können. Ein wiederkehrendes Motiv ist dabei die Spannung zwischen Zugehörigkeit und Autonomie - die Erkenntnis, dass Zugehörigkeit Sicherheit bieten kann, zugleich aber auch Kontrolle impliziert.

Auf einer politischen Ebene thematisiert der Film Machtmechanismen: Wie entstehen Legitimationsstrukturen, wie werden sie aufrechterhalten, und welche Rolle spielen Erinnerung und Wahrnehmung in der Herstellung von Herrschaft? Psychologisch arbeitet Insurgent mit dem Thema der inneren Kohärenz - die Suche nach einem stimmigen Selbstbild in Situationen, die Identität aushöhlen. Formal greift der Film auf eine Farbsymbolik und auf wiederkehrende visuelle Motive zurück, die die ideologische Architektur der Welt spiegeln und die thematischen Kernfragen in ein fühl- und sehbares Register übersetzen.

So präsentiert sich Die Bestimmung - Insurgent weniger als bloßes Mittel zur Fortsetzung einer kommerziellen Erzählung als vielmehr als ein Projekt, das populäre Genrebilder nutzt, um grundlegende Fragen nach Moral, Zugehörigkeit und Herrschaft zu verhandeln. Im Spannungsfeld von Studioästhetik und thematischem Anspruch liegt seine eigentliche Relevanz.

Filmkritik von Peter Osteried

Ein Divergent als Insurgent

So langsam verschwimmt alles miteinander. Hunger Games hier, Maze Runner dort, dazwischen noch Divergent, das zu Insurgent wird. Ähnliche Figuren, ähnliche Dystopien, mehr als ähnliche Ideen – ja, es ist gar nicht mehr so leicht, da den Überblick zu behalten.

Tris (Shailene Woodley), Four (Theo James), Peter (Miles Teller) und Caleb (Ansel Elgort) sind auf der Flucht vor Jeanines (Kate Winslet) Truppen. Sie verstecken sich in einer Fraktion, werden jedoch aufgespürt. Peter wird zum Verräter, Caleb kehrt zurück in den Schoss der Fraktionen und Tris und Four führen den Widerstand weiterhin an. Hilfe erhalten sie dabei von unerwarteter Seite, denn die Fraktionslosen werden von der unerbittlichen Evelyn (Naomi Watts) angeführt. Aber für Tris ist das alles besonders gefährlich. Sie ist ein reiner Divergent und damit genau das, was Jeanine benötigt, um Zugang zu einem uralten Artefakt zu erhalten.

Im Vergleich zum direkten Vorgänger ist Insurgent kürzer, aber auch schneller und vor allem knackiger. Man geht gleich in medias res, Action gibt es nach wenigen Minuten – und sie sieht ziemlich cool aus. Schön auch, dass man nicht einfach die Geschichte des Vorgängers variiert, sondern konsequent weiterdenkt. Das Gesellschaftsgefüge ist am Bröckeln, der Zugriff der herrschenden Kaste wird immer rigoroser und der Widerstand reckt sich. Sicher, das ist alles andere als originell, aber routiniert umgesetzt. Wichtiger noch ist jedoch, dass der Boden für den dritten und vierten Teil – mal wieder zwei Filme für das letzte Buch – bereitet wird, denn das Ende verspricht dann erneut etwas ganz, ganz Neues. Im Rahmen des Divergent-Universums, im Kontext von Jugend-Science-Fiction aber nicht. Man fühlt sich bei der Auflösung ein wenig an Maze Runner erinnert, zumal es in beiden Fällen Mauern gibt.

Als Mittelteil der Geschichte wird auch aufgeräumt. Ein paar Figuren fallen aus dem Spiel raus, andere werden hingegen eingeführt. Naomi Watts spielt eine mysteriöse, mächtige, aber auch äußerst ambivalente Figur. Sie erinnert damit an Julianne Moores Rolle im dritten Hunger Games-Film. Man sieht schon, die Ähnlichkeiten bei all diesen Stoffen sind einfach stark vorhanden. So sehr, dass man mitunter schon am Grübeln ist, welcher bekannte Star nun welche Rolle in welcher Reihe porträtiert.

Irritierend ist auch das Bäumchen-wechsle-dich-Spiel, das mit Miles Tellers Figur betrieben wird. Mal ist er ein Guter, dann wieder nicht – richtig greifbar ist sein Peter nie. Aber dafür hat er ein paar der besten Sprüche parat, die in eine ansonsten recht düstere Geschichte zumindest ein paar Anflüge von Humor einbringen.

Der zweite Teil der Reihe ist eine gute Fortsetzung, die ein Wiedersehen mit allen relevanten Figuren bietet, sogar den Toten, aber nicht jedem Schauspieler gerecht wird. Octavia Spencer spielt die Führerin einer Fraktion, darf aber wenig mehr machen, als leutselig in die Kamera gucken. Ihr sollte man im nächsten Film auf jeden Fall mehr zu tun geben. Kate Winslet wiederum merkt man an, dass sie es genießt, mal den Bösewicht zu spielen, und auch Naomi Watts überzeugt in einer für sie ungewohnten Rolle. Übrigens ist es amüsant, dass die brünette Winslet hier blond und die blonde Watts brünett gefärbt sind.

Die Bestimmung – Insurgent wird nicht unbedingt neue Fans bekehren. Wer den ersten Teil nicht zumindest interessant fand, wird auch hier kaum seine Liebe zur düsteren Zukunftsgesellschaft entdecken. Dennoch gilt: Eine Steigerung vom ersten zum zweiten Teil ist erkennbar, so dass man gespannt sein darf, ob diese Kurve mit dem dritten und vierten Film beibehalten wird.

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