Der unglaubliche Burt Wonderstone - Magie, Eitelkeit und die Vermessung des amerikanischen Showbusiness
Einleitung
Der 2013 erschienene Film Der unglaubliche Burt Wonderstone siedelt sich auf den ersten Blick im weiten Feld der konventionellen Hollywoodkomödie an, eröffnet aber zugleich eine stille Reflexion über Ruhm, Inszenierung und die Kommerzialisierung des Staates der Illusion. In einer Ära, in der Aufmerksamkeit zur Währung geworden ist, fungiert die titelgebende Figur als Projektionsfläche für Fragen nach Authentizität und Verfall eines Berufsstandes, der von Glamour lebt, aber innerlich brüchig sein kann.
Für den Regisseur - dessen Arbeit mehrheitlich aus dem Fernsehen kommt - bedeutete die Verfilmung eine Brücke zwischen sitzkreisnaher Regieführung und dem größeren, bunten Bühnenraum des Kinofilmformats. Die Inszenierung nutzt dieses Spannungsfeld: Sie bleibt formal dem schnellen Rhythmus der Serie verpflichtet, sucht aber zugleich nach filmischen Momenten, in denen Bühne und Kamera einander überschneiden und neue Bedeutungen hervorbringen.
Der kulturelle Kontext der frühen 2010er Jahre ist dabei unübersehbar. Fernsehspektakel, Las-Vegas-Residencies und eine zunehmende Sehnsucht nach retro-futuristischen Bühnenformen prägen das Bild, ebenso wie das Paradoxon, dass moderne Unterhaltung immer radikaler werden muss, um noch Aufmerksamkeit zu erzwingen. Der Film arbeitet mit diesen Parametern - nicht als bloße Satire, sondern als szenische Beobachtung einer Branche, die sich selbst neu erfinden muss.
Kurzüberblick zur Produktion
Die Regie liegt in den Händen eines Filmemachers, der vornehmlich durch Arbeiten im Fernsehen Bekanntheit erlangte und hier eine seltene Gelegenheit bekam, sein Handwerk im Kinokontext zu präsentieren. Seine Handschrift zeigt sich in der stringenten, auf Timing und Rhythmus konzentrierten Erzählweise, die der Komödie ihre Schlagkraft gibt. Bühnenbilder und Produktionsdesign sind auffällig stilisiert - Las Vegas als überzeichnete Kulisse, in der Schein und Wirklichkeit ständig gegeneinander ausgespielt werden.
Als Studioproduktion angelegt, bewegt sich der Film im Rahmen eines mittleren Budgets und nutzt die finanziellen Mittel vor allem für aufwendige Bühnenszenen und Effekte, die die Magie als handwerkliche, teils mechanische Kunst sichtbar machen. Die Produktionsumstände belegen den Versuch, einen Mainstream-Publikumserfolg mit einer gewissen intellektuellen Spitze zu verbinden - ein Balanceakt, der sich immer wieder in der Tonalität des Films zeigt.
In der filmischen Landschaft der beteiligten Regiearbeit nimmt Der unglaubliche Burt Wonderstone den Platz eines ambitionierten Ausflugs in das Kino ein. Er bleibt im Werk des Regisseurs eine erklärende Fußnote - eine Verschränkung von TV-Tempo und filmischem Raum, die mehr über die Produktionsbedingungen der Gegenwart verrät als über die endgültige künstlerische Choreographie.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Im Zentrum steht ein Hauptdarsteller, dessen komödiantische Bandbreite zwischen Slapstick und subtiler Binnenmelancholie pendelt. Er verkörpert den geblendeten Showman, der einst mit Glanz und Synchronität triumphierte, nun aber seinem eigenen Ruhm gegenübersteht. An seiner Seite agiert ein charakterstarker Kollege, der den loyalen Partner gibt und die Bühne als gemeinsamen Lebensraum verteidigt.
Der Kontrast dazu kommt in Form einer exaltierten, anarchischen Figur - radikal, provokativ und als Gegenpol zur altmodischen großen Illusionskunst gedacht. Diese Rolle, gespielt von einem Darsteller, der für seine körperbetonte Komik und expressive Mimik bekannt ist, bringt eine zerstörerische Energie in den Film und zwingt die Protagonisten zur Selbstprüfung. Die weibliche Hauptrolle füllt das klassische, jedoch modern angelegte Motiv der Assistentin und des emotionalen Ankers - zugleich Liebesinteresse und moralische Stimme.
Das Ensemble wird durch mehrere etablierte Charakterköpfe ergänzt, die dem Film komödiantische Tiefe und gelegentlich gravitätische Nuancen verleihen. Nebenauftritte namhafter Kollegen sorgen für überraschende Farbtupfer und belegen die Absicht, das Milieu der Magier als kleines, aber intensives Universum zu zeichnen.
Handlung (spoilerfrei!)
Der Film erzählt von einem einst triumphalen Zauberkünstlerduo, das in Las Vegas zu großem Ruhm gelangte, nun aber mit dem Verblassen dieser Aura konfrontiert ist. Die Struktur des Films folgt einem klassischen Konfliktbogen - der Aufstieg, die Krise und die Frage nach einer möglichen Neubegründung der Kunst. Im Zentrum steht die Herausforderung, die Tradition der großen Illusion gegen neue Formen der Straßenmagie und spektakulärer Selbstdarstellung zu behaupten.
Der dramatische Konflikt entsteht nicht allein aus äußerer Konkurrenz, sondern aus inneren Rissen: Ego, verpasste Chancen und die Auseinandersetzung mit Authentizität. Die zentrale Figur ringt mit der eigenen Bedeutung, während der Antagonist die Bühne als Schlachtfeld für ein neues Verständnis von Magie begreift. Tonal bewegt sich der Film zwischen heiterer Komödie und bittersüßer Beobachtung - stets mit einem Auge für die Mechanik der Show.
Zentrale Themen und Motive
Der unglaubliche Burt Wonderstone stellt Fragen nach dem Verhältnis von Kunst und Unterhaltung, nach der Legitimität von Kunst, die auf Täuschung basiert, und nach dem Preis, den Künstler für öffentliche Anerkennung zahlen. Der Film thematisiert die Selbstinszenierung in Zeiten medialer Beschleunigung und zeigt, wie leicht handwerkliche Virtuosität in reines Spektakel umschlagen kann.
Auf einer psychologischeren Ebene geht es um Identität und Verlust. Die Protagonisten müssen lernen, ihre Rolle jenseits des Scheinwerferlichts zu definieren - ob als Erneuerer, Bewahrer oder gescheiterter Nostalgiker. Philosophisch legt der Film nahe, dass Echtheit nicht notwendigerweise in der Abwesenheit von Kunstgriff liegt, sondern in der Absicht hinter der Geste. Gesellschaftlich liest sich die Geschichte als Spiegel auf ein Publikum, das immer größere Sensationen verlangt und zugleich den Wert subtiler Handwerkskunst zu unterschätzen droht.
Formal und inhaltlich arbeitet der Film mit Motiven der Bühne - Vorhang, Spiegel, doppeltes Spiel - und nutzt sie, um die Schnittstellen zwischen öffentlicher Performance und privatem Versagen auszuloten. So wird die Komödie zu einem Medium, das nicht nur lachen will, sondern auch zur Selbstreflexion zwingt.
Filmkritik von Till Kadritzke
Der Glamour und die Routine: Seit zehn Jahren schon treten Burt Wonderstone (Steve Carell) und sein Partner Anton (Steve Buscemi) als Zauberer in einer großen Halle in Las Vegas auf. Doch im Backstage-Bereich ist es meist vorbei mit der „magischen Freundschaft“, mit der sie ihr Verhältnis auf der Bühne betiteln. Hinter den Kulissen wird eher gezickt als gezaubert, größere Freude an der Magie scheint weder der selbstverliebte Burt noch der etwas trottelige Anton mehr zu haben – lange wird die Zusammenarbeit also wohl nicht mehr gut gehen. Beschleunigt wird der Zerfall der großen Magiershow dann vom eigenwilligen Straßenperformer Steve Gray (Jim Carrey), der mit seinen langen Haaren und dem eigenwilligen Outfit auf die beiden stets in der Luxuswelt von Vegas eingeschlossenen Kollegen wie ein Außerirdischer wirken muss. Gray kombiniert bekannte Motive der Zauberei mit waschechtem Body Horror: Die Spielkarte wird nicht aus dem Ärmel gezogen, Gray schneidet sie sich aus seiner Wange und näht sich die Wunde nach dem Auftritt eigenhändig zu – und auch seine anderen Tricks, die Burt bald darauf im Fernsehen sieht, erinnern eher an Jackass als an David Copperfield.
Das alles ist so trashig, wie es klingt, und in erster Linie bietet der von Serienregisseur Don Scardino inszenierte Film eine dankbare Aufgabe für Schauspieler mit Selbstironie. Steve Carrell und Steve Buscemi haben denn auch sichtlich Freude daran, zwei steinreiche Loser in albernen Kostümen zu spielen, die sich selbst für die Größten halten und nicht bemerken, dass sie mit der immer gleichen Show den Trash-TV-Entwicklungen unserer Zeit nichts entgegenzusetzen haben. Doch so viel Spaß sie beim Dreh gehabt haben mögen, so richtig überträgt sich die Freude am Albernen nicht auf den Zuschauer. Von beiden Schauspielern kennt man komischere Auftritte, hier bleiben sie irgendwo zwischen Ansätzen einer manchmal erfrischenden Überzeichnung und dem Versuch ernsthaften Charakterspiels stecken. Jim Carrey hat es da deutlich einfacher, ist sein Steve Gray doch eher Klischee als Figur – und so macht sein konsequenter Selbstverstümmelungs-Wahn noch am ehesten Spaß.
Auch wenn Grays Tricks aufgrund ihrer Körperlichkeit nicht nur für seine sich ständig übergebenden Zuschauer manchmal schwer anzusehen sind, ist Der unglaubliche Burt Wonderstone doch eine nicht sehr ernst gemeinte Komödie, die mit einer filmischen Übersetzung der Magie – wie es zum Beispiel Christopher Nolan mit Prestige versucht hat – rein gar nichts zu tun hat. Die Zaubereien werden mal nüchtern abgefilmt, mal visuell verstärkt, aber Faszination für diese Kunst ist den Filmemachern nicht anzumerken. Dabei wird als entscheidende Wendung schließlich doch die Wiederentdeckung eben dieser Faszination behauptet, die für Burt schließlich den Ausweg aus der Show-Krise darstellt – nachdem er durch das abrupte Ende seiner Show und wegen gähnend leerer Bankkonten als Entertainer in einem Altersheim gelandet ist. Auch wenn auf diese Weise Alan Arkin (als ein Magie-Altstar, der Burt wieder Mut macht) ins Spiel kommt und den Film nochmal ein wenig aufwerten kann, läuft Burts Läuterung unglaublich vorhersehbar ab und erstickt schließlich das dem Stoff doch eigentliche innewohnende Trash-Potenzial. Die zumindest an einigen Stellen witzigen Gags und die teilweise schön zugespitzten Boshaftigkeiten erscheinen vor diesem Hintergrund eher als Zufallstreffer denn als Mut zum Radikalen.
Zur wenig inspirierten Handlung und der sehr wechselhaften komischen Qualität von Der unglaubliche Burt Wonderstone kommt am Ende noch die plumpe Moral von der Geschicht’, die so gar nicht zu diesem schwarzen Humor passt, den der Film immer dann benutzt, wenn er ihn gerade gebrauchen kann. Burts und Antons zur langweiligen Routine erstarrte Selbstfeier erscheint hier ebenso als Irrweg wie die extremen Tabubrüche Grays. Mit der Zeit gehen, aber nicht jeden Unsinn mitmachen, diese banale Botschaft wird einem gegen Ende dermaßen ins Gesicht geschleudert, dass einem der Spaß im Kino endgültig vergeht.

