BlacKkKlansman
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BlacKkKlansman

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Inhalt:
  1. BlacKkKlansman - Eine scharfsinnige Verhandlungsmaschinerie von Identität und politischer Erinnerung
    1. Einleitung
    2. Kurzüberblick zur Produktion
    3. Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
    4. Handlung (spoilerfrei!)
    5. Zentrale Themen und Motive
  2. Filmkritik von Bianka Piringer

BlacKkKlansman - Eine scharfsinnige Verhandlungsmaschinerie von Identität und politischer Erinnerung

Einleitung

BlacKkKlansman tritt als ein Film auf, der gleichermaßen historisch verankert und gegenwartsgerichtet ist. Spike Lees Adaption der Memoiren von Ron Stallworth erzählt nicht nur eine kuriose Undercover-Geschichte aus den 1970er Jahren, sie setzt diese Erzählung als prismatischen Apparat ein, um über Kontinuitäten rassistischer Gewalt und die Mechanismen politischer Inszenierung nachzudenken. Die Relevanz des Films liegt darin, dass er vergangene Konstellationen nicht nostalgisch rekonstruiert, sondern sie als Vehikel für eine eindringliche Gegenwartsdiagnose nutzt.

In Lees filmischer Handschrift vereinigen sich Wut und Formbewusstsein, didaktischer Appell und cineastische Raffinesse. BlacKkKlansman ordnet sich in eine lange Linie von Arbeiten ein, die das Politische nicht nebenbei führen, sondern es zum Motor der Form machen. Gerade weil der Film mit Elementen von Komödie, Thriller und Dokumentarischem spielt, verschiebt er Erwartungshaltungen und zwingt das Publikum, die eigenen Zuschreibungen zu hinterfragen.

Sein Erscheinen im Sommer 2018 erfolgte in einem politischen Klima, in dem die öffentliche Debatte über Rassismus, Rechtsextremismus und Erinnerung wieder aufgeheizt war. Diese Situation verleiht dem Film eine doppelte Funktion: Er ist sowohl eine Reflexion über ein konkretes Kapitel amerikanischer Geschichte als auch ein Kommentar zur Gegenwart, in der die Symbole und Strategien extremistischer Bewegungen eine neue Sichtbarkeit erlangen. Lees Film verknüpft Archive, Fiktion und mediale Inszenierungen zu einem spürbar zeitgenössischen feuilletonistischen Projekt.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Spike Lee, dessen ästhetische Markenzeichen - direkter politischer Ton, pointierte Mise-en-scene und ein Hang zur ironischen Brechung - auch hier prägnant zutage treten. BlacKkKlansman basiert auf dem Buch von Ron Stallworth, einem afroamerikanischen Polizisten, der behauptet, die Ku-Klux-Klan-Strukturen seiner Stadt infiltriert zu haben. Die Verfilmung wurde von einem größeren Produktionsapparat getragen, der Lees unübersehbare Handschrift zuließ und zugleich auf ein Publikum zielte, das sowohl Mainstream- als auch Autorenkino schätzt.

Formal ist der Film ein Hybrid: Er arbeitet mit verfremdenden Einschüben, gelegentlichen direkten Ansprachen und einem bewusst gesetzten Wechsel zwischen komödiantischer Leichtigkeit und dichten dramatischen Momenten. Die Produktion zeichnet sich durch eine sorgfältige Periodengestaltung aus, die 1970er-Jahre-Ästhetik mit einer modernen, fast essayistischen Montage verbindet. In Lees Gesamtwerk steht BlacKkKlansman für eine Phase, in der der Regisseur stärker als je zuvor die Brüche zwischen Vergangenheit und Gegenwart artikuliert und politische Polarisierungen in filmische Strukturen übersetzt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

John David Washington, hier in einer seiner prägenden frühen Hauptrollen, bringt dem Protagonisten eine Mischung aus stoischer Entschlossenheit und subtiler Selbstironie. Als Ron Stallworth verkörpert er den intelligenten, kompromisslosen Beamten, dessen Methodik auf verbalem Kalkül basiert. Washingtons Präsenz trägt das Gewicht des Films; man spürt, wie Lees Inszenierung seine Figur als moralischen Pol positioniert.

Adam Driver, bekannt geworden durch die Fernsehserie "Girls" und internationale Blockbuster, übernimmt die körperliche Repräsentation jener Rolle, die Stallworth nur telefonisch wahrnehmen kann. Als sein Partner im Feld verleiht Driver der Figur eine nervöse, kontrollierte Verletzlichkeit, die den Film an einer zentralen Schnittstelle zwischen Täuschung und Authentizität positioniert.

Laura Harrier tritt als Patrice auf, eine Aktivistin, deren politische Leidenschaft und persönliche Verletzlichkeit dem Film eine humane, weitgehend empathische Dimension hinzufügen. Harrier, zuvor in populären Filmen präsent, balanciert hier zwischen politischem Anspruch und emotionaler Zugänglichkeit. Topher Grace, der sich aus Komödien familiarisiert zeigt, übernimmt eine der wichtigsten Gegenspielerrollen und gibt den Klerikern des Hasses eine erschreckend banale, medienkompetente Oberfläche. Die restliche Besetzung, zu der unter anderem Jasper Pääkkönen und Corey Hawkins gehören, füllt den Raum mit Figuren, die weniger archetypisch als vielschichtig angelegt sind und Lees Interesse an Nuancen im Charakterbild spiegeln.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film folgt einem ungewöhnlichen Polizeifall, in dessen Zentrum ein undercover geführter Kontakt mit einer rassistischen Organisation steht. Statt in konventionellem Thriller-Modus zu verharren, strukturiert BlacKkKlansman die Erzählung als Untersuchung persönlicher und kollektiver Identitäten. Im Kern steht ein dramatischer Konflikt zwischen Täuschung und Wahrheit - nicht nur als polizeiliche Taktik, sondern als existenzielle Frage danach, wie Menschen sich selbst und andere wahrnehmen und dargestellt werden.

Die zentralen Figuren sind der schwarze Ermittler, sein weißer Kollege, und eine Gruppe von Extremisten, deren rhetorische Strategien und öffentlichen Auftritte analysiert und ausgehebelt werden sollen. Ton und Atmosphäre schwanken zwischen lakonischer Komik und ernsthafter Beklemmung; die Szenen sind häufig dynamisch montiert, Dialoge sitzen punktgenau, und die Bildsprache wechselt zwischen zusammengesetzten Tableaus und nahen, intimen Einstellungen. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, das sowohl unterhält als auch beunruhigt.

Zentrale Themen und Motive

BlacKkKlansman stellt Fragen nach Identität, Repräsentation und der performativen Natur von Macht. Der Akt des Verstellens - eines schwarzen Mannes, der in einem rassistischen System operiert, und eines weißen Mannes, der dessen öffentliche Rolle übernimmt - wird im Film als Untersuchungsgegenstand ausgeweitet. Es geht weniger um die Logik des Undercover-Genres als um die Frage, was es bedeutet, eine Identität zu konstruieren und welche gesellschaftlichen Erwartungen diese Konstruktionen stützen.

Die politische Dimension ist unübersehbar. Der Film fragt nach den Mechanismen, mit denen Hass organisiert und medial potenziert wird. Zugleich beleuchtet er die Ambivalenzen staatlicher Institutionen, die einerseits Instrumente gegen Extremismus bereitstellen und andererseits selbst in rassistische Strukturen eingebettet sein können. Philosophisch öffnet BlacKkKlansman einen Raum für Überlegungen zu Authentizität, Verantwortung und dem Verhältnis von individueller Moral und kollektiver Schuld.

Formal verweist der Film auf Erinnerungspolitik: Wie erzählt man die Vergangenheit, ohne sie zu trivialisieren oder instrumental zu nutzen? Lees Arbeit antwortet mit einer Mischung aus ironischem Abstand und ernsthafter moralischer Forderung. Diese doppelte Strategie macht BlacKkKlansman zu einem Werk, das filmisch fordert und intellektuell herausfordert, ohne einfache Schlüsse anzubieten.

Filmkritik von Bianka Piringer

Den Rassisten eine lange Nase drehen

Mit unschöner Regelmäßigkeit zeigt sich in Nachrichten aus den USA, dass die Gesellschaft ihr Rassismusproblem noch nicht überwunden hat. Immer wieder werden Afroamerikaner bei Polizeikontrollen zusammengeschlagen oder gar erschossen. Im vorigen Sommer marschierten in Charlottesville Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger auf der Straße und lieferten sich Schlachten mit Gegendemonstranten. Ein Auto fuhr in deren Reihen, eine junge Frau verlor ihr Leben. Der afroamerikanische Regisseur Spike Lee („Inside Man“) legt mit satirischer Schärfe die ideologischen Wurzeln heutigen Rassismus‘ frei, bis hin zum Stummfilm „The Birth of a Nation“ aus dem Jahr 1915, der den Ku-Klux-Klan wieder populär machte. Sein argumentativer Bogen spannt sich wie ein Dach über die eigentliche, in den 1970er Jahren angesiedelte Handlung des Films, die auf der wahren Geschichte des afroamerikanischen Polizisten Ron Stallworth (John David Washington) basiert.

Man kann gar nicht oft genug betonen, dass Rons Idee, den Ku-Klux-Klan als Undercover-Agent zu infiltrieren, keine Drehbucherfindung ist. Denn was der erste schwarze Polizist in Colorado Springs tat, klingt nicht nur aberwitzig, sondern wird von Lee auch als tollkühne Posse inszeniert. Dem Film haftet eine bühnenhafte Künstlichkeit an, wenn er auf die Ära der 1970er Jahre zurückschaut. Denzel Washingtons Sohn John David Washington und die anderen Darsteller geben ihren Charakteren eine beinahe museale Aura. Es geht Lee nicht um eine möglichst lebendige Atmosphäre, sondern um exemplarische Verdichtung.

Der Film macht sich Rons subversiven Akt zunutze, um die Dummheit der Klan-Mitglieder und ihrer Ideologie genüsslich der Lächerlichkeit preiszugeben. Der Klan-Chef David Duke (Topher Grace) erzählt Ron am Telefon, dass er anhand der Sprechweise und Wortwahl sofort einen Schwarzen am anderen Ende der Leitung erkennen würde. Duke, der politische Ambitionen hegt, ist jedoch auch ein smarter Wolf im Schafspelz, verglichen mit den Dumpfbacken des Ortsvereins, die es kaum erwarten können, einen Mordanschlag zu begehen.

Natürlich lässt sich Ron, der mit dem Klan telefoniert, nicht selbst dort blicken, sondern schickt unter seinem Namen den weißen Kollegen Flip Zimmerman (Adam Driver) hin. Der Klan darf keineswegs erfahren, dass Flip Jude ist, denn diesen Anhängern einer Nazi-Ideologie sind nicht nur Schwarze verhasst. Doch das Klan-Mitglied Felix – von Jasper Pääkkönen mit furchteinflößendem Ingrimm gespielt – hegt einen entsprechenden Verdacht. Die Lage spitzt sich irgendwann extrem zu. Aber der weiße und der schwarze Ron, die über Mikrofon in Verbindung stehen, eilen sich gegenseitig zu Hilfe, wenn es brenzlig wird, und sorgen für komödiantisches Vergnügen. Währenddessen ist jedoch längst Ron Stallworths Freundin, die schwarze Aktivistin Patrice (Laura Harrier), ins Visier des Klans geraten…

Ron und Patrice verkörpern im Film die beiden gegensätzlichen Auffassungen in der afroamerikanischen Bevölkerung jener Zeit. Ron verschweigt ihr lange, dass er Polizist ist, weil sie glaubt, dass Schwarze das Establishment nicht von innen heraus und nach seinen eigenen Regeln verändern können. Lee gibt hingegen eher Ron recht, gerade weil er mit dem Film auch so stark auf die Situation in der heutigen Gesellschaft verweist. Wenn Klan-Mitglieder „America first!“ rufen, sitzt der Seitenhieb auf die Gedankenwelt des gegenwärtigen Präsidenten Trump. Solcher Nationalismus ist eben historisch verwandt mit der Idee der weißen Vorherrschaft. Um Rassismus zu bekämpfen, plädiert Lee für ein Miteinander von Weißen und Schwarzen. Das gibt seinem wuchtigen Werk eine erstaunlich versöhnliche Note.