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Annabelle 2: Creation

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kritiken.de Redaktion 24.08.2017
Annabelle 2: Creation© Warner Bros. GmbH
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Annabelle 2: Creation - Die Geburt der Puppe als moderne Mythologie

Einleitung

Annabelle 2: Creation, erschienen am 24.08.2017, tritt in eine lange Linie filmischer Versuche, dem Archetypus der unheimlichen Puppe neue Bedeutung zu verleihen. Innerhalb des kommerziellen Phänomens des Conjuring-Universums fungiert der Film weniger als bloßes Franchise-Produkt als vielmehr als Beschäftigung mit Ursprüngen: nicht nur der Titelfigur, sondern auch mit dem bildstarken Mechanismus, der Angst überhaupt erst produziert. Die Relevanz des Films liegt nicht allein in der Fortführung einer erfolgreichen Marke, sondern in der Art und Weise, wie ein Blockbuster-Horror der 2010er Jahre klassische Gruselelemente mit psychologischer Figurenarbeit verknüpft.

Regie führte David F. Sandberg, dessen filmische Karriere vom Kurzfilm über einen Überraschungserfolg im Low-Budget-Horror zur Regiearbeit für große Studios führte. Annabelle 2 markiert einen Punkt in Sandbergs Laufbahn, an dem die aus dem Independent-Genre stammenden Versatzstücke - klaustrophobe Inszenierung, straffe Rhythmik, Arbeit mit Kindern als emotionalem Zentrum - auf das Produktionsarsenal eines Majorstudios treffen. Daraus erwächst eine ästhetische Spannung zwischen handwerklicher Sparsamkeit und der Erwartungshaltung eines franchisefähigen Visuellen.

In der gegenwärtigen Horrorlandschaft steht Creation für eine Strömung, die zurückgeht auf die Wiederbelebung klassischer Gruselformen: die Rückkehr zum Übernatürlichen in einer Zeit, in der psychologischer Horror ebenso gefragt ist wie technische Effektfertigkeit. Gesellschaftlich spiegelt der Film eine Kultur, die sowohl Faszination als auch Misstrauen gegenüber Objekten und der Konstruktion von Kindheit ausdrückt. Als Text des späten 2010er-Jahres lässt er sich lesen als Versuch, nostalgische Monsterbilder zu reanimieren und zugleich ihre sozialen Unterböden freizulegen.

Kurzüberblick zur Produktion

David F. Sandberg übernahm die Regie, nachdem er mit Kurz- und Spielfilmprojekten, insbesondere mit Lights Out, Aufmerksamkeit erregt hatte. Seine Handschrift zeichnet sich durch präzise Bildkomposition, ökonomische Spannungsführung und ein sensibles Gespür für Ton und Licht aus. Bei Annabelle 2 wird diese Handschrift sichtbar in der Inszenierung von Interieurs, der Arbeit mit jungen Darstellerinnen und der rhythmischen Abstufung von Ruhe und Eskalation.

Produziert wurde der Film von James Wan und Peter Safran unter dem Dach von New Line Cinema, eingebettet in das ökonomische Gefüge des Conjuring-Universums. Das Produktionsbudget blieb vergleichsweise moderat für ein Studioprojekt dieses Kalibers, was die Entscheidung für praktische Effekte, aufwendiges Set-Design und eine betonte atmosphärische Dichte nahelegt. Auffällig ist die Sorgfalt in Ausstattung und Kostüm, die eine zeitlich verortete, beinahe museumshafte Welt schafft, in der das Übernatürliche umso stärker hervorsticht.

Innerhalb des Gesamtwerks des Conjuring-Universums nimmt Annabelle 2 eine doppelte Rolle ein: Sie fungiert als eigenständiges Gruselstück und zugleich als Mythologisierungsmaschine, die vorhandene Motive rekombiniert und Ursprünge mythifiziert. Der Film steht damit für die Franchise-Strategie, Nebenfiguren zu origin-story-Figuren zu machen und so die übergreifende Narration zu vergrößern.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Stephanie Sigman übernimmt die Rolle der Schwester Charlotte, einer Figur, die im Spannungsfeld zwischen religiöser Fürsorge und pragmatischer Verantwortung agiert. Sigman bringt in früheren Arbeiten eine kontrollierte Präsenz mit, die hier als stabilisierender Pol für das Ensemble funktioniert. Anthony LaPaglia verkörpert Samuel Mullins, eine ambivalente Vaterfigur und Schreiner, dessen Handwerk thematisch von Bedeutung ist. LaPaglia, bekannt aus diversen Fernseh- und Filmrollen, verleiht der Figur eine handfeste Erdung.

Miranda Otto spielt Esther Mullins, deren Innenleben das Drama des Hauses mitträgt. Otto, die einem breiten Publikum aus erzählerstarken Rollen vertraut ist, bringt eine zurückgenommene Intensität ein, die weniger erklärt als ahnen lässt. Die jungen Darstellerinnen - allen voran Talitha Bateman und Lulu Wilson - stehen im Zentrum der filmischen Aufmerksamkeit. Ihre Figuren repräsentieren verletzliche, aber nicht passive Perspektiven; die Kamera sucht ihre Blicke und macht ihre Erfahrungen zum emotionalen Kern.

Mehrere Nebenakteure, darunter Alicia Vela-Bailey und Joseph Bishara, tragen zur Gestaltwerdung der Titelfigur und der tonalen Textur bei. Bishara, der als Komponist und als Darsteller wiederkehrend im Conjuring-Umfeld auftritt, liefert einen Beitrag, der über reine Nebenrolle hinaus Wirkung entfaltet, da Sound und körperliche Präsenz hier eng verwoben sind.

Handlung (spoilerfrei!)

Annabelle 2 erzählt die Vorgeschichte einer berüchtigten Puppe und verlegt die Handlung in ein abgeschiedenes Setting, in dem eine Gruppe von Kindern und ihre Betreuerinnen aufeinandertreffen. Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus dem Zusammentreffen von Trauer, Schuld und einer nicht greifbaren, eskalierenden Bedrohung, die das profane Handwerk und die häusliche Intimität durchdringt.

Die zentralen Figuren sind dabei weniger die klassisch heroischen Protagonisten als Menschen in kleinen sozialen Rollen: eine Handwerkerfamilie, die mit Verlust umgeht, eine Ordensfrau, die Schutz bieten will, und Kinder, deren Fragilität und Wahrnehmung den filmischen Zugang zum Übernatürlichen prägen. Ton und Atmosphäre des Films oszillieren zwischen kräftig ausgestalteter Nostalgie und anhaltender Dunkelheit; die Bilder setzen auf eine dichte, oft still ansteigende Bedrohung statt auf dauerhafte visuelle Explosivität.

Zentrale Themen und Motive

Der Film legt ein Augenmerk auf die Bedingungen von Schöpfung im doppelten Sinne: das physische Herstellen eines Objekts und das kulturelle Hervorbringen des Mythischen. Die Puppe als Produkt menschlicher Handarbeit wird zum Träger projizierter Wünsche und Ängste. Damit stellt Annabelle 2 Fragen nach Verantwortung und Autorschaft - wer ist verantwortlich für das, was man erschafft, und inwieweit kann Kunst oder Handwerk entgleisen?

Eine weitere Schicht bildet die Auseinandersetzung mit Kindheit und Verwundbarkeit. Der Film zeigt, wie Räume des Schutzes zugleich Räume der Gefährdung sein können, und reflektiert damit gesellschaftliche Unsicherheiten gegenüber Institutionen, die Kinder betreuen. Die religiöse Dimension tritt subtil hinzu: Glaube, Ritual und die Suche nach Gewissheit werden nicht als Antworten präsentiert, sondern als kulturelle Werkzeuge, mit denen Figuren versuchen, Kontrolle zurückzugewinnen.

Schließlich operiert der Film mit dem Motiv der Wiederholung - ein zentrales Horrorprinzip. Handlungen, Gesten und Objekte wiederholen sich, bis die Wiederholung selbst zur Quelle von Beunruhigung wird. In dieser Weise verknüpft Annabelle 2 traditionelle Gruselelemente mit einer reflexiven Lesart über das Erzählen von Horror: die Konstruktion des Schreckens als kulturelle Praxis.

Filmkritik von Peter Osteried

„Annabelle 2:“ Das Prequel zum Prequel

Mag die Geschichte auch nicht gar so originell sein, so ist die Idee, dass man zu einem Prequel ein eigenes Prequel produziert, doch irgendwo amüsant. Man bewegt sich praktisch in der Zeit zurück, wenn man von The Conjuring über Annabelle zu Annabelle 2 kommt. Dabei nimmt man einige Anleihen bei Quija 2, was irgendwie passt, denn bei der Reihe war der Erstling auch immens langweilig.

Bei einem Unfall verlieren der Schreiner Samuel (Anthony LaPaglia) und seine Frau Esther (Miranda Otto) ihre einzige Tochter. Zwölf Jahre später nehmen sie in ihrem Haus mehrere Waisen auf, die von einer Nonne betreut werden. Samuel erklärt der ein Bein nachziehenden Janice, dass sie einen Raum niemals betreten darf: Den seiner toten Tochter. Doch nachts wird Janice von diesem Raum angelockt, der plötzlich auch nicht mehr verschlossen ist. Was sie darin findet, erschreckt sie zutiefst, doch das Böse in diesem Haus hat es nicht nur auf Janice abgesehen.

Der erste Teil war frei von jeder originellen Idee. Darum langweilte er auch. Zumindest dann, wenn man in seinem Leben schon ein paar Horrorfilme gesehen hat. Aber mit dem Prequel wird alles besser, und das nicht nur, weil das zeitliche Setting schön anzusehen ist, sondern weil die Vorgeschichte deutlich interessanter umgesetzt ist. Regisseur David F. Sandberg, der schon den wirkungsvollen Horrorstreifen Lights Out inszeniert hat, weiß, wie er den Schrecken angehen muss. Er baut reichlich Spannung auf und wartet oftmals den einen Moment länger, als es dem Zuschauer lieb wäre, um sie zu entladen. Dabei schafft er Szenen, die das Publikum durchaus erschrecken, und das nicht nur, weil die Musik plötzlich anschwillt.

So etwas gibt es hier natürlich auch, in erster Linie funktioniert Annabelle 2 aber, weil die gruseligen Elemente richtig eingesetzt sind. Nichts davon ist wirklich außergewöhnlich oder originell, aber die Umsetzung macht es, so dass wohlige Schauer erzeugt werden.

Zwar wirkt der Film mit einer Laufzeit von fast 110 Minuten etwas zu lang – weniger wäre hier mehr gewesen –, aber alles in allem schlägt er sich ganz gut, zumal man auch den richtigen Weg findet, um mit diesem Werk die Brücke zum Vorgänger zu schlagen. Dafür ist der Epilog da, der auch ein paar Szenen aus dem Anfang von Annabelle beinhaltet.

Die Frage ist im Grunde nur, wohin man als nächstes gehen will, sollte dieser Film ähnlich erfolgreich sein wie sein Vorgänger, der bei Kosten von weniger als zehn Millionen gut eine Viertel Milliarde Dollar eingespielt hat. Vielleicht konzentriert man sich dann wieder stärker auf die Puppe, während hier ein oftmals nur in den Schatten zu erahnendes Wesen umhergeht, das auf diese Weise aber auch die Phantasie des Zuschauers anregt. Und die ist bekanntlich effektiver als es jeder Hollywood-Spezialeffekt jemals sein könnte.

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