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Affenkönig

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kritiken.de Redaktion 13.10.2016
Affenkönig© Port au Prince Pictures GmbH
A ca. 1433 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Affenkönig - Eine lakonische Gesellschaftssatire, die Alltagsgroteske, Moralpanik und intime Charakterbeobachtung führt

Einleitung

Affenkönig tritt in eine Reihe zeitgenössischer deutscher Komödien, die weniger auf einfache Lacher als auf eine feinsinnige Vermessung sozialer Verhältnisse setzen. Der Film verbindet lakonischen Humor mit einer Präzision bei der Beobachtung zwischenmenschlicher Mechanismen - ein Vorgehen, das ihn über die Gagdichte hinaus als Spiegel für gesellschaftliche Spannungen ausweist. Gerade in einem Kinojahr, das von der Auseinandersetzung mit Identität, Öffentlichkeit und kollektiven Ängsten geprägt war, beansprucht Affenkönig eine Position als diagnostisches Element der Gegenwart.

Obwohl die Regieangabe in den vorliegenden Informationen nicht genannt ist, lässt sich die Handschrift des Films als autorenspezifisch lesen: eine Affinität zur ruhigen Kamera, zur präzisen Rhythmik im Timing komödiantischer Entladungen und zu einer Arbeit, die Figuren nicht einfach karikiert, sondern sie als Produkte ihrer sozialen Umstände begreift. In dieser Perspektive wird der Film zu weniger einer reinen Unterhaltung denn zu einer kulturanalytischen Übung.

Die Relevanz des Films liegt auch in seiner Besetzung und in der Mischung aus Bühnen- und Fernsehakteuren, die dem Stoff Dichte verleihen. In der Kombination aus konzentrierter Ensemblespielweise und einer komödiantischen Struktur, die an die deutsche Tradition der Gesellschaftssatire erinnert, stellt Affenkönig eine Form des Kinos dar, das auf Beobachtung statt auf Effekthascherei setzt - ein Gegenentwurf zum lauten Blockbusterkino.

Kurzüberblick zur Produktion

Affenkönig wurde 2016 ins Kino gebracht und bewegt sich formal zwischen Kleinstproduktion und ambitioniertem Autorenfilm. Die Produktionsumstände folgen dem Modell vieler deutscher Komödien jener Zeit - ein überschaubares Budget, eine enge Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Regie und Schauspielern sowie eine Ausrichtung auf ein urbanes, kulturinteressiertes Publikum. Die filmische Sprache zielt auf Präzision: sparsame Einstellungen, ein betontes Gespür für Timing und ein Fokus auf Dialogarbeit, der die Figurenzeichnung trägt.

Die Regie verzichtet auf großen visuellen Pomp zugunsten einer Handlungsökonomie, die das Komische aus der Situationslogik und der Figurenkonstellation gewinnt. Diese Entscheidung positioniert den Film innerhalb einer Strömung des deutschen Kinos, die in den 2010er Jahren bemerkenswert wurde - weg von der boulevardesken Komödie, hin zu einem reflektierten Genreansatz, der Gesellschaftskommentar und Unterhaltung verbindet.

Im Gesamtgefüge des deutschen Kinojahres 2016 steht Affenkönig für eine Fortsetzung jener Debatten über Alltagssatire und die Rolle der Komödie als Medium kritischer, aber nicht moralisierender Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Die filmische Produktion setzt auf Ensemblearbeit und auf die Produktion dichter, oft subtiler komödiantischer Situationen statt auf starbesetzte Effekte.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Jytte-Merle Böhrnsen prägt den Film mit einer Präsenz, die Bühnenerfahrung und kamerenspezifische Zurückhaltung verbindet. Sie verkörpert die Figur, um die sich die emotionale und komische Achse des Films dreht - eine Person, deren Selbstverständnis und soziale Rolle im Lauf der Handlung auf die Probe gestellt werden. Ihre Arbeit zeichnet sich durch nuancierte Gestik und eine Fähigkeit aus, innere Verhältnisse äußerlich fein zu modulieren.

Samuel Finzi bringt seine Reputation als wandlungsfähiger Charakterdarsteller ein. In Affenkönig fungiert er als konterndes Element - nicht bloß als komischer Sidekick, sondern als Figurenkern, der Spannungen auslöst und zugleich auflöst. Seine Erfahrung im Theater und Film liefert dem Ensemble Stabilität und eine bestimmte raue Verankerung, die dem Film die notwendige Ernsthaftigkeit verleiht.

Marc Hosemann und Oliver Korittke agieren als komödiantische Resonanztöne; sie sind Träger von Pointen ebenso wie von kleinen, dekodierbaren Lebenslügen, die der Film mit lakonischem Blick seziert. Hans-Jochen Wagner rundet das Ensemble mit einem Gegenpol ab, der häufig als moralischer Prüfer oder als ordnende Instanz fungiert - eine Rolle, die im Kontext der gesellschaftlichen Satire oft die spröde Komik erzeugt.

Handlung (spoilerfrei!)

Affenkönig erzählt in konzentrierter Form von einer Konstellation, in der private Eitelkeiten, soziale Erwartungshaltungen und der Drang nach Reputation aufeinandertreffen. Die Handlung setzt bei einem scheinbar alltäglichen Konflikt an und entwickelt daraus eine Serie von Eskalationen, die weniger auf äußere Ereignisse denn auf das Innenleben der Figuren und ihr Verhältnis zueinander reagieren. Der dramaturgische Verlauf bleibt dabei eng an den Protagonisten und ihrem Umfeld und vermeidet spektakuläre Wendungen zugunsten psychologischer Plausibilität.

Der zentrale dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall persönlicher Ambitionen mit sozialen Normen. Affenkönig konstruiert seine Komik aus dem Schnittpunkt von Intimität und Öffentlichkeit - Situationen, in denen private Unsicherheiten sichtbar werden und die Protagonisten gezwungen sind, Rollen zu übernehmen oder abzulegen. Die Figuren begegnen einander in einem Ton, der zwischen lakonischer Trockenheit und eruptiver Groteske oszilliert.

Ton und Atmosphäre des Films sind geprägt von einer leichten Kühle, die durch punktuelle Wärme gebrochen wird. Die Kameraarbeit und das rhythmische Editing geben dem Film ein Tempo, das die komödiantischen Momente atmet, ohne in Effekthascherei zu verfallen. So entsteht eine Stimmung, die den Zuschauer einlädt, hinter den Witz die Menschlichkeit zu sehen.

Zentrale Themen und Motive

Affenkönig stellt Fragen nach Status, Selbstinszenierung und der Mechanik sozialer Ausgrenzung. Der Film interessiert sich weniger für moralische Urteile als für die Struktur von Situationen, in denen Menschen plötzlich auf der Bühne ihrer Gemeinschaft stehen - und sich darin entweder souverän bewegen oder scheitern. Es geht um Anspruch und Anspruchslosigkeit, um die Verfertigung von Identität im Angesicht öffentlicher Beobachtung und um die kleinen Machtspiele, die soziale Beziehungen formen.

Philosophisch öffnet der Film ein Feld zur Reflexion über Authentizität: Was heißt echt in einer Welt, die Rollen ständig verlangt? Gesellschaftlich kommentiert er die Tendenz, Privatkrisen zu kollektiven Ereignissen umzudeuten - ein Thema, das in Zeiten zunehmender medialer Vernetzung an Relevanz gewinnt. Psychologisch interessiert Affenkönig an den Mechanismen der Selbstrechtfertigung und an der Komik, die entsteht, wenn Selbstbild und Fremdwahrnehmung ins Rutschen geraten.

Formal bleibt der Film dabei ein Beispiel dafür, wie Komödie als Instrument kritischer Beobachtung funktionieren kann - nicht lautstark und nicht predigend, sondern als feines Instrument, das das Alltägliche auf seine Abgründe und seine Chancen hin abtastet. In dieser Balance zwischen Leichtigkeit und Schärfe liegt seine filmische Ambition.

Filmkritik von Peter Osteried

Die ganze Affenbande folgt dem Affenkönig

Mittvierziger, die sich nach Jahren wiedertreffen. Alte Freunde, die ein paar Tage miteinander verbringen wollen, um von alten Zeiten schwärmen zu können. Der Vergleich, wozu es jeder im Leben gebracht hat. Und auch die Frage, wie man sich nach der langen Zeit wirklich begegnet, das sind die Themen von Der Affenkönig. Neu ist das alles nicht, weswegen sich Regisseur Oliver Rihs auch schwertut, Ansätze zu finden, die halbwegs zu interessieren vermögen. Das gelingt ihm nur teilweise, da so manche Idee der realistische Unterbau unter den Füßen davongezogen wird.

20 Jahre haben sich Wolfi (Hans-Jochen Wagner) und seine Freunde Viktor (Samuel Finzi), Ralph (Oliver Korittke) und Martin (Marc Hosemann) nicht mehr gesehen. Nun hat er sie und ihre Familien zum Feiern seines 45. Geburtstags in sein Anwesen in Frankreich eingeladen. Alle freuen sich, sich wiederzusehen, aber mit reichlich Alkohol und Drogen brechen alte Animositäten wieder aus, weil Wolfi ohnehin noch ein Hühnchen mit seinen Freunden zu rupfen hat. Was ein Feiern der glorreichen Vergangenheit werden sollte, ist urplötzlich ein Hauen und Stechen sondergleichen.

Was an Der Affenkönig funktioniert, ist das Spiel der vier Männer, die alle auf die eine oder andere Weise in der Midlife-Crisis stecken. Da noch einmal jung zu sein – oder sich zumindest so zu fühlen –, das ist schon mehr als verständlich. Aber so zotig wie es hier abgeht, muss man doch anzweifeln, wie realistisch das Ganze eigentlich ist. Nicht nur, weil die Jobs der Männer alles andere als der Norm entsprechen, sondern auch, weil sich alles nur noch um Sex dreht. Und das nicht nur in ein paar entsprechenden Szenen, sondern auch in den Dialogen. Mitunter hat man das Gefühl, das Ziel sei gewesen, eine zotige Komödie zu produzieren. Wenn es so ist, dann ist der Ansatz ein gänzlich falscher.

Denn anfangs versucht Der Affenkönig durchaus, sich ein ernsthaftes Gewand überzustülpen, aber dann entgleist das Ganze in einer immer zerfahreneren, aber auch abstruseren Geschichte. Da steht dann plötzlich nicht mehr das Miteinander im Mittelpunkt, sondern die Einzelschicksale werden in episodischer Struktur durchexerziert. Überraschend ist dabei aber so gut wie nichts.

Eine gewisse Leere geht von diesem Werk aus. Der nötige Tiefgang fehlt, aber für zotigen Party-Klamauk ist wiederum auch zu wenig geboten. So sitzt Der Affenkönig zwischen allen Stühlen, ohne dass er es irgendeiner Zielgruppe recht machen könnte. Immerhin ist das alles milde unterhaltsam, so dass nicht Langeweile aufkommt. Auch das liegt an den vier Hauptdarstellern, die alleine, aber auch im Zusammenspiel durchaus in der Lage sind, das Gefühl alter Freunde heraufzubeschwören. Das Problem ist nur, dass eine Geschichte wie diese auch einen Punch benötigt, aber als der – sehr früh – mit der Enthüllung kommt, warum Wolfi einen Groll auf seine Freunde hegt, fragt man sich als Zuschauer nur: „Na und?“

Denn was vor 20 Jahren geschah, war im Grunde irrelevant. So wie es auch das ist, was sich nun zwei Jahrzehnte später auf diesem Anwesen spielt. Aber gut, das Ende wartet zumindest mit einer fiesen Überraschung auf.

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