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Maze Runner: Die Auserwählten - Im Labyrinth

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kritiken.de Redaktion 16.10.2014
Maze Runner: Die Auserwählten - Im Labyrinth© Fox Deutschland
A ca. 1652 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Maze Runner: Die Auserwählten - Im Labyrinth als juveniles Dystopie-Drama zwischen Panik und Pathos

Einleitung

Maze Runner: Die Auserwählten - Im Labyrinth tritt in eine Reihe populärer Jugenddystopien ein, ohne sich allein auf die Mechanik des Genres zu verlassen. Der Film verhandelt die klassische Prämisse eines hermetisch abgeschlossenen Experiments als choreografiertes Spannungslabor und bietet zugleich ein prägnantes Bild von kollektivem Überleben und der Suche nach Identität. Seine Relevanz liegt weniger in der Erfindung neuer Motive als in der Art und Weise, wie er vertraute Topoi - Labyrinth, Amnesie, jugendliche Hierarchien - filmisch kondensiert und sichtbar macht.

Regisseur Wes Ball, der mit diesem Spielfilm sein internationales Debüt gibt, setzt auf eine Mischung aus nüchterner Weltbeschreibung und atemlosem Thrill. Der Film versteht sich als visuelles Rätsel: Produktionsdesign, Kamera und Montage arbeiten zusammen, um eine Umgebung zu schaffen, die zugleich anziehend und bedrohlich ist. Diese Balance zwischen Faszination für das Setting und dessen Grausamkeit ist ein Leitmotiv der Inszenierung.

Im größeren kulturellen Kontext steht Maze Runner für die zweite Welle der YA-Verfilmungen, die sich nach dem Erfolg von Vorläufern wie The Hunger Games und Divergent etabliert hat. Anstelle einer politischen Fabel im strengen Sinn liegt der Schwerpunkt hier auf dem experimentellen Schauplatz als sozialem Prüfstand. Das macht den Film zu einem Zeugnis seines Zeitgeists: eine Ära, in der das Vertrauen in Institutionen, das Verhältnis von Individuum zu System und die Ästhetik technologischer Kontrolle filmisch verhandelt werden.

Kurzüberblick zur Produktion

Wes Ball, der aus dem Bereich der visuellen Effekte und Kurzfilme stammt, bringt eine designorientierte, auf Bildkomposition und Atmosphärendichte ausgerichtete Handschrift mit. Sein Zugang ist weniger psychologisierend als szenisch: Sequenzen funktionieren durch räumliche Anordnung, kinetische Kamera und die präzise Kalibrierung von Tempo. Diese Herangehensweise eignet sich besonders für ein Werk, das sich um ein architektonisches Rätsel herum organisiert.

Die Verfilmung basiert auf dem Roman von James Dashner und wurde von einem großen Hollywood-Studio getragen. Die Produktion arbeitete mit einem moderaten Blockbuster-Budget, das sichtbar in aufwändige Sets, praktisches Production Design und kombinierte Effekte investiert wurde. Auffällig ist das Vertrauen auf eine realistische, körperliche Gestaltung des Labyrinths statt alleiniger CGI-Opulenz. In der Filmografie Ball’s markiert dieser Film den Beginn einer Reihe größerer Genreprojekte und fungiert als Visitenkarte seiner Regieästhetik.

Als Teil einer kommerziellen Adaptionstrilogie positioniert sich der Film zwischen literarischer Vorlage und populärem Kino. Seine Produktionsumstände spiegeln das klassische Studio-Prinzip wider: junge Ensemble-Besetzung, ein klares Markenimage und die Verbindung von Mystery und Action, konzipiert für ein internationales Publikum.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Dylan O'Brien trägt die Erzählung als Thomas, eine Figur, deren Unbekümmertheit sich schnell in Handlungsdruck verwandelt. O'Brien, zuvor in Formaten wie der Fernsehserie Teen Wolf bekannt geworden, bildet den zentralen Bezugspunkt für das Publikum: ein junger Überlebender, dessen Neugier und Zögerlichkeit die Handlung antreiben.

Aml Ameen spielt Alby, die etablierte Autoritätsfigur in der Gruppenkonstellation, während Ki Hong Lee als Minho den physisch versierten, aufmerksamen Läufer verkörpert. Thomas Brodie-Sangster ist Newt, dessen ruhige Präsenz eine stabilisierende Kraft ausstrahlt. Will Poulter bringt als Gally eine antagonistische, zugleich ambivalente Nuance in die Gruppe. Kaya Scodelario tritt als Teresa auf, deren Verbindung zu Thomas die narrativen Spannungen verschärft. Die Ensembleleistung ist auf Kooperation angelegt: Schauspielerische Zurückhaltung und physische Präsenz dominieren gegenüber melodramatischen Gesten.

Die Casting-Entscheidung setzt auf Gesichter, die bereits eine junge Zielgruppe ansprechen, ohne auf Starpower allein zu bauen. Auffällig ist die balancierte Mischung von individuellen Charakterzügen, die es dem Film ermöglicht, soziale Dynamiken innerhalb einer geschlossenen Gemeinschaft zu explorieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film beginnt mit einem erzählerischen Imperativ: eine Gruppe junger Männer ohne Erinnerung findet sich in einem abgegrenzten, sich ständig verändernden Labyrinth wieder. Die Ausgangslage ist simpel und konsequent: ein räumlich begrenztes Experiment, das tägliche Routinen, Rollenverteilungen und Überlebensstrategien erzeugt. Im Zentrum steht die Frage nach dem Weg hinaus und der Frage, wer innerhalb dieser Community Macht innehat.

Der dramatische Konflikt entfaltet sich aus dem Spannungsverhältnis von kollektivem Zusammenhalt und individueller Ambition. Die Protagonisten müssen sich nicht nur gegen äußere Gefahren behaupten, sondern auch die interne Ordnung der Gruppe aushandeln. Die Tonalität des Films wechselt zwischen pulsierendem Thriller und Momenten resignativer Stille. Atmosphärisch dominiert eine Kombination aus klaustrophobischer Enge und eruptiven Ausbruchssequenzen, die den Zuschauer ständig zwischen Orientierung und Verunsicherung hält.

Zentrale Themen und Motive

Das Labyrinth fungiert als vielschichtiges Motiv: Es ist architektonisches Rätsel, psychologisches Prüfstein und sozialer Mikrokosmos zugleich. Der Film stellt Fragen nach Erinnerung und Identität. Was bleibt vom Selbst, wenn Erinnerungen fehlen? Wie formieren sich Autorität und Gemeinschaft, wenn äußere Ordnungsinstanzen fehlen? Diese Grundfragen werden nicht intellektualistisch behandelt, sondern in handfesten Konflikten und ritualisierten Verhaltensmustern sichtbar gemacht.

Hinzu kommt eine Auseinandersetzung mit Kontrolle und Überwachung. Die dahinterliegenden Machtmechanismen bleiben bis zu einem gewissen Grad rätselhaft, was den Film zur Untersuchung von Vertrauen und Manipulation macht. Psychologisch interessant ist die Darstellung von Angst als Katalysator sozialer Bindung: Angst strukturiert Verhalten und schafft so etwas wie moralische Konventionen innerhalb einer prekären Welt.

Formal betrachtet nutzt der Film das Genre des Thrillers, um existenzielle und gesellschaftliche Fragen zu verhandeln. Die Spannung entsteht weniger aus einem linearen Rätselaufbau als aus der Konfrontation von Körperlichkeit, Raum und Gruppe. Das Ergebnis ist ein Film, der die Genreerwartungen erfüllt, zugleich aber eine sensible Erkundung dessen bietet, wie sich Menschen unter Extrembedingungen organisieren und wie sich daraus Identität und Moral rekonstituieren.

Filmkritik von Björn Schneider

Der 16-jährige Thomas (Dylan O'Brien) erwacht eines Morgens an einem befremdlichen Ort: Er befindet sich auf einer Art Lichtung, die umgeben ist von einem gewaltigen Labyrinth mit gigantischen Mauern. Wie und warum er dorthin gelangte, weiß er nicht. Ihm fehlt jegliche Erinnerung. Bald merkt der Teenager, dass er nicht alleine an dem bizarren Ort ist. Eine Vielzahl anderer Jungs ist in der gleichen Situation wie er und jeden Tag heißt es: kämpfen um zu überleben. Schon seit vielen Jahren versuchen die Jungs erfolglos, dem Ort zu entkommen und aus dem Labyrinth zu fliehen. Eine kleine Gruppe Mutiger - die "Runner" genannt - macht sich zudem jede Nacht auf, um einen Weg hinaus zu finden.

Doch die Flucht ist alles andere als einfach, da sich die riesigen Mauern des Labyrinths Nacht für Nacht verschieben. Hinzu kommt, dass in den Gängen grauenhafte Kreaturen auf die im Labyrinth eingesperrten Flüchtlinge warten: die Griewer, schaurige biomechanische Monster, die ihre Opfer mit einem Biss verwandeln können. Als eines Tages plötzlich Terese (Kaya Scodelario) auf der Lichtung erwacht, spürt Thomas, dass eine große Veränderung bevorsteht. Außerdem wird er das Gefühl nicht los, schon einmal an diesem Ort gewesen zu sein.

Die Flut an auf die Zielgruppe der Jugendlichen zugeschnittenen Blockbuster mit dystopischen Inhalten, nimmt kein Ende. Egal ob "Enders Game", "Tribute von Panem" oder zuletzt "Divergent" und "The Giver" - Filme, die in einer zumeist düsteren, diktatorischen Zukunft spielen und in der sich die meist jugendlichen Protagonisten einer Übermacht entgegenstellen, sind en Vogue. Da macht auch "Maze Runner" keine Ausnahme, der auf dem ersten Roman ("Im Labyrinth") der "Auserwählten"-Trilogie von James Dashner beruht. Das Buch erschien im Herbst 2009 und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem internationalen Bestseller. Ebenso erfolgreich wurden die Nachfolger "In der Brandwüste" (2010) und "In der Todeszone" (2011), die in den kommenden Jahren auf die große Leinwand kommen.

Zunächst sollte Catherine Hardwicke ("Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen") den Film inszenieren, der bereits seit Anfang 2011 vom produzierenden Studio Fox geplant wurde. Kurz vor Drehbeginn fiel die Wahl dann aber auf den Grafiker, Filmemacher und Effekte-Künstler Wes Ball, der sich in erster Linie mit seinem optisch berauschenden Kurzfilm "Ruin" empfahl. Und die Entscheidung für Ball war eine gute: Dem Amerikaner gelingt es, mit "Maze Runner" die beklemmende Atmosphäre des Buches auf die große Leinwand zu bringen. "Maze Runner" ist eine gelungene, optisch mitreißende Mixtur aus Science-Fiction, Drama, Action und Mystery, der vor allem das weitestgehende Fehlen der romantischen Note gut tut.

Regisseur Ball lässt sich die ersten gut 25 Minuten Zeit, um den Zuschauer wie auch seinen charismatischen Protagonisten Thomas (emotional verkörpert von Dylen O'Brien) ausführlich in die mysteriöse Welt einzuführen. Diese ersten Minuten sind extrem ruhig, es wird viel erklärt und das Einzige was an es Action zu sehen gibt, ist die äußerst wilde, fesselnd gefilmte Fahrt von Thomas in einem Lastenaufzug hinauf an den geheimnisvollen Ort. Doch dieses erste Viertel des Films ist bloß die Ruhe vor dem Sturm, denn nach und nach ziehen Ball und sein Team die Action-Schraube merklich an und "Maze Runner" entwickelt sich vom Science-Fiction-Drama verstärkt in Richtung Mystery-Actioner. Spätestens mit dem Auftauchen der größten Feinde der Gruppe, den spinnenartigen Roboter-Monstern Griewer, schiebt sich die von Ball bereits bei seinem Kurzfilm "Ruin" unter Beweis gestellte körperbetonte, energisch-stürmische Action an die Stelle der erklärenden, fast schon sanften Einführungsminuten. Noch ein Wort zu den feindlichen "Griewer": diese sind gekonnt animiert und versprühen eine gelungene Mischung aus Intelligenz, Blutrünstigkeit und überlegtem, nicht rein triebgesteuertem Vorgehen

Überhaupt die Optik: man merkt dem Film an, dass ein Mann auf dem Regiestuhl gesessen haben muss, der etwas von visueller Ausgestaltung und CGI versteht. Ball ist ausgebildeter Visual Artist und legte großen Wert auf einen authentischen, düsteren Look der Schauplätze und Handlungsorte: von der Gestaltung der fast schon verträumt anmutenden, in saftigem Grün erstrahlenden "Lichtung", über die meterdicken, immensen Betonwände des Walls, der die Gruppe vor dem eigentlich Monster im Film trennt: dem unheimlichen, überdimensionalen Labyrinth mit verschiebbaren Wänden und den bereits erwähnten, stets hungrigen Kreaturen, den Griewers. Zu der klaustrophobischen, trostlos-pessimistischen Stimmung trägt zudem bei, dass viele der Szene im Dunkel der Nacht spielen.

"Maze Runner" hebt sich zudem positiv von einer Vielzahl seiner inhaltlich ähnlich angelegten filmischen Geschwister ab, da er weitestgehend auf das Element der Love-Story verzichtet, das für viele Filme mit der Zielgruppe "Young Adult" obligatorisch ist. Zwar stößt mit der von Kaya Scodelario ("Kampf der Titanen") verkörperten Terese auch das erste und einzige Mädchen zur Gruppe, eine sich zwischen ihr und Thomas anbahnende Liebesgeschichte wird in kleinen Zwischentönen aber maximal angedeutet. Ein Umstand, der der Dramaturgie des Films keinen Abbruch tut, im Gegenteil: das ausbleibende, teenie-kompatible Gefühls-Element lenkt nicht vom Wesentlichen - herauszufinden, wie die Jugendlichen an diesen unwirtlichen Ort gelangen konnten - ab.

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