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Die Vampirschwestern 2 - Fledermäuse im Bauch

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kritiken.de Redaktion 16.10.2014
Die Vampirschwestern 2 - Fledermäuse im Bauch© Sony Pictures Germany
A ca. 1225 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Die Vampirschwestern 2 - Fledermäuse im Bauch: Zwischen Familienfantasie, Coming-of-Age und popkulturellem Selbstbewusstsein

Einleitung

Die Fortsetzung Die Vampirschwestern 2 - Fledermäuse im Bauch tritt in eine Nische des deutschen Familienkinos, die in den vergangenen Jahren zunehmend an Kontur gewonnen hat: die Verschränkung von fantastischem Sujet mit familiärem Alltag und jugendlichem Selbstfindungsdrama. Als populäres Adressatentum verbindet der Film Unterhaltung mit einer dezidiert didaktischen Haltung gegenüber Identität und Zugehörigkeit - ohne dabei die visuelle Verspieltheit international erfolgreicher Jugendfantasien zu ignorieren.

Für das Publikum ist die Relevanz weniger in einer Neuinterpretation des Vampirmotivs zu suchen als in der Stabilisierung eines deutschen, marktfähigen Subgenres. Die Fortsetzung trägt die Erwartung der Zuschauer, die sich an Ästhetik, Tonfall und familiärem Pathos des ersten Teils gewöhnt haben, zugleich aber nach einer Vertiefung der Figurenkonstellation verlangen. Das macht den Film zu einem interessanten Fall für die Analyse des Umgangs mit Franchise-Dynamiken im nationalen Kontext.

Im kulturgeschichtlichen Blick steht die Produktion neben anderen europäischen Kinder- und Jugendfilmen, die Fantastik als Vehikel für Themen wie Anderssein, Integration und Generationenkonflikt nutzen. Der Film agiert in einem Gesellschaftsklima, in dem Herkunft und Identität vermehrt verhandelt werden - er kompensiert diese Debatten durch eine zugängliche, visuell codierte Erzählwelt, die sich an ein jüngeres Publikum richtet, ohne adulte Zuschauer gänzlich auszuschließen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Wolfgang Groos, dessen Handschrift im Spannungsfeld von Genrekonvention und volkstümlicher Erzählökonomie liegt. Groos setzt auf klare Figurenarchitektur, einen kalkulierten Einsatz von Humor und einen konventionellen, aber effizienten Erzählrhythmus. Seine Inszenierung zeichnet sich durch eine Balance zwischen realistischen Interieurs und bewusst überzeichneten, fast karikaturhaften Phantasierequisiten aus, wodurch die Grenze zwischen Alltäglichem und Übernatürlichem sichtbar bleibt.

Die Produktion ist verortet im kommerziell orientierten deutschen Familienfilm - mit entsprechender Sorgfalt in Setdesign, Kostüm und visuellen Effekten, die dem begrenzten Budget geschuldet, aber handwerklich solide umgesetzt sind. Entscheidungen zu Ausstattung und Effekten zielen weniger auf Illusionsbrüche als auf eine atmosphärische Konsistenz, die die pragmatischen Anforderungen eines Kinderpublikums erfüllt.

Innerhalb des Gesamtwerks des Regisseurs markiert der Film eine Fortführung seiner Neigung, zugängliche Stoffe mit einem gewissen Augenzwinkern zu inszenieren. Die Fortsetzung nutzt die Ressourcen eines etablierten Franchises, um Figuren weiterzuentwickeln und ästhetische Motive zu wiederholen, dabei aber zugleich kleinere Variationen in Tonalität und Konfliktstruktur auszuprobieren.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum stehen die jungen Darsteller Márta Martin und Laura Antonia Roge als die titelgebenden Schwestern - ihre Performance formt die emotionale Achse des Films. Ihr Zusammenspiel arbeitet mit kontrastierenden Figurenhaltungen: kindliche Neugier trifft auf jugendliche Rebellion, und diese Spannungen liefern den motorischen Antrieb für die erzählerische Entwicklung. Die beiden schaffen es, die Gratwanderung zwischen karikaturhafter Überzeichnung und glaubwürdiger Adoleszenz zu halten.

Die erwachsenen Rollen werden von etablierten Schauspielerinnen und Schauspielern getragen, deren Erfahrung dem Film eine gewisse gebrauchsfertige Seriosität verleiht. Diana Amft bringt ihre vertraute Präsenz als medial bekannten Figur zur Geltung, Christiane Paul steuert moduliertere, nuancierte Konturen bei. Richy Müller und Georg Friedrich liefern den Filmfiguren eine Autorität, die das fantastische Geschehen erdet, während Stipe Erceg und Michael Kessler das Ensemble mit komödiantischen bzw. ambivalenten Tönen anreichern. Das heterogene Casting spannt somit einen Bogen von Fernsehbekanntheit bis zu profilierter Kinoroutine.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Erzählung knüpft an die Grundkonstellation zweier jugendlicher Figuren, die zwischen zwei Welten stehen. Im Zentrum steht der dramatische Konflikt der Zugehörigkeit: die Auseinandersetzung zwischen familiären Verpflichtungen und persönlichem Freiheitsdrang, flankiert von der Herausforderung, unterschiedliche Identitäten miteinander zu vereinbaren. Diese Spannung erzeugt narrative Rituale - Missverständnisse, loyale Bündnisse und initiatorische Mini-Szenen -, die den Spannungsbogen des Filmes tragen, ohne sich in verschachtelten Subplots zu verlieren.

Die zentralen Figuren werden als Spiegelungen ihrer sozialen Milieus eingesetzt: Eltern- und Autoritätsfiguren repräsentieren Stabilität und Anpassungsdruck, während die jungen Protagonistinnen das explorative Moment einbringen. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen leicht federnder Komik und einem melancholischen Unterton, der dem Coming-of-Age-Aspekt Gewicht verleiht. Visuell bewegt sich der Film in vertrauten Registerkombinationen - warm beleuchtete Wohnwelten gegen kühl stilisierte Fantasyräume - und nutzt dies für eine emotionale Lesbarkeit.

Zentrale Themen und Motive

Formal wie inhaltlich stellt der Film Fragen nach Akzeptanz, Hybridität und familiärer Loyalität. Er verhandelt das Motiv des Andersseins nicht als rein moralische Parabel, sondern als Alltagserfahrung, die sich in kleinen Entscheidungen und Beziehungsdynamiken manifestiert. Damit tritt die Produktion in einen Dialog mit klassischen Coming-of-Age-Motiven, erweitert diese jedoch um eine Sekundärebene - die des phantastischen Metaphernapparats, der die psychologische Lage der Protagonistinnen veranschaulicht.

Philosophisch berührt der Film Themen der Identitätsbildung: Wie lassen sich Erbe und Selbstentwurf zusammenführen? Welche Kompromisse erzwingt das Erwachsenwerden? Gesellschaftlich berührt die Erzählung Fragen nach Integration und Toleranz, doch sie vermittelt diese eher durch narrative Pragmatik als durch programmatische Belehrung. Psychologisch ist das Werk an der Frage interessiert, wie Angst vor Ausgrenzung und Sehnsucht nach Zugehörigkeit das Verhalten junger Menschen prägen - und wie familiäre Bindungen als Ressource fungieren können.

Insgesamt zeigt Die Vampirschwestern 2 - Fledermäuse im Bauch, wie populäres Familienkino gegenwärtig klassische Genremomente mit sozial relevanten Fragestellungen verbindet. Der Film bietet weniger eine radikale Neuinterpretation des Vampirmotivs als eine funktionale, auf das junge Publikum zugeschnittene Reflexion über Identität, Loyalität und das Verhältnis von Normalität und Andersartigkeit.

Filmkritik von Peter Osteried

Auch junge Vampirschwestern erleben die erste Liebe

Waren die Vampirschwestern im ersten Teil noch Kinder, so sind sie nun Teenager und erleben, was alle Teenager erleben: die erste Liebe und den ersten Herzschmerz. Das ist im Grunde die einzig relevante Neuerung im Vergleich zum Vorgänger. Daran, dass der auf Kinder und Jugendliche abzielende Film höchst sympathisch ist, ändert das nichts.

Die Schule ist aus, die Sommerferien beginnen und die Vampirschwestern Dakaria und Silvania wollen eine schöne Zeit verbringen. Geplant ist, mit ihren Freunden an den See zu fahren und dort ein paar Tage zu campen. Aber bevor es soweit ist, möchte Dakaria noch ein Konzert der angesagten Band Krypton Krax besuchen. Denn in den Sänger Murdo ist sie total verschossen. Aber als ihr Vater davon hört, verbietet er den Besuch des Konzerts. Nicht, weil er etwas gegen Murdo hätte, sondern weil dessen Manager Xantor ein skrupelloser Vampir ist, der einst die Mutter der Schwestern zu seiner Dienerin machen wollte. Aber Kinder sind nun mal Kinder, und so setzen sich Dakaria und Silvania über das Verbot hinweg. Was folgt, ist ein turbulentes Abenteuer.

Wirklich neu ist an diesem Film natürlich nichts, aber er setzt gut fort, was mit dem Original begann. Dabei gestaltet er sich als kleiner, sympathischer Film, der trotz der phantastischen Elemente eine sehr wahrhaftige Erzählweise besitzt, was auch seinen Reiz ausmacht. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Kinder, aber auch ihre Eltern bekommen Spielraum und können diesen auch nutzen. Das verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Note, weil damit auch Erwachsene in die Geschichte gezogen werden, die ansonsten keinerlei Identifikationsfigur besessen hätten. Sicherlich, Stipe Erceg und Christiane Paul spiele nur die zweite Geige, das aber auf sehr angenehme Art und Weise.

Die Geschichte selbst ist locker gestaltet, sicherlich auch ein wenig simpel, aber nie so, dass man das Gefühl haben müsste oder könnte, dass hier bewusst verdummend erzählt wird, um es nur ja allen Recht zu machen. Die Zielgruppe ist natürlich immer noch ein eher junges Publikum, so wie der Film gestaltet ist, kann dieses aber mit den Figuren gemeinsam heranwachsen. Eine Notwendigkeit, die der Film bedenkt, denn die beiden Hauptdarstellerinnen werden auch nicht jünger, so dass weitere Filme zwangsläufiger auch etwas reifer werden müssen. So wird es interessant werden, die weitere Entwicklung dieser Filmreihe zu beobachten. Für den Moment gilt: Schöne, gute, sich nicht überschätzende, aber auch das Publikum nicht unterschätzende Unterhaltung für Kids.

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