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Words and Pictures

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kritiken.de Redaktion 22.05.2014
Words and Pictures© Senator Filmverleih
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Words and Pictures: Eine feinsinnige Verhandlung über Sprache, Bild und das alternde Selbst

Einleitung

Words and Pictures tritt an als unspektakulärer, dabei beharrlich literarischer Liebesfilm, der weniger durch plotgetriebene Volten als durch die Intelligenz seiner Prämisse an Wirkung gewinnt. In einer Zeit, in der Bildkonsum und Kürze dominieren, liest sich der Film wie ein Plädoyer für die Nuancen des Ausdrucks: nicht zugespitzt auf ein kulturelles Mantra, sondern als stille Bestandsaufnahme darüber, wie Menschen Sinn stiften, wenn die Mittel unübersichtlich werden.

Die Relevanz des Films liegt gerade nicht in einer radikalen Formfindung, sondern in der thematischen Präzision. Er verhandelt zentrale Fragen der Gegenwartskultur - die Konkurrenz von visueller Dominanz und literaler Reflexion, die Verletzlichkeit intellektueller Autorität und die Schwierigkeit, im Alter noch glaubwürdig für Ideen und Gefühle einzustehen. Solche Themen sind für ein Publikum interessant, das jenseits des populären Diskurses an der Schnittstelle von Kunst, Pädagogik und persönlichen Biografien interessiert ist.

Regisseur Fred Schepisi, ein Veteran mit einem unaufgeregt eklektischen Werk, setzt hier weniger auf regiekonstante Inszenierungsmanierismen als auf eine zurückhaltende Kameraführung und ein dialogreiches Drehbuch, das Raum lässt für Schauspielnuancen. Words and Pictures fügt sich in Schepisis späte Phase ein, in der er sich wieder verstärkt kleinen, charakterzentrierten Stoffen zuwendet und die Bühne dem Schauspielerischen überlässt. Die filmische Sprache bleibt dabei sachlich-klassisch, was dem Sujet ermöglicht, als intellektuelles Sparring ohne ästhetische Overdubs zu funktionieren.

Kurzüberblick zur Produktion

Words and Pictures ist eine amerikanische, eher intim produzierte Produktion, die sich bewusst gegen aufwendige Produktionsdesigns stellt und stattdessen einen schulischen, beinahe bürgerlichen Rahmen nutzt. Solche Rahmenbedingungen erlauben eine Konzentration auf Dialog und Performance; das Budget bleibt moderat, die Kameraarbeit unauffällig und zweckdienlich. Die Produktion zielt auf ein erwachsenes Festival- und Arthauspublikum ebenso wie auf ein Kino, das literarische und visuelle Debatten zu schätzen weiß.

Schepisis Handschrift zeigt sich in der Wahl des Tempos und in einem feinen Sinn für die Darstellung von Generationenkonflikten und moralischer Ambiguität. Im Kontext seines Gesamtwerks wirkt Words and Pictures wie eine Fortsetzung seiner Neigung zu Figurenstudien, die Alltagstheatralik mit existenziellen Fragen verknüpfen. Anstatt filmische Experimente zu wagen, verlässt sich der Film auf bewährte dramaturgische Instrumente: präzise Dialoge, subtile Bildkompositionen und ein Augenmerk auf Mimik und Nuancen der schauspielerischen Darstellung.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Clive Owen bringt die raue, aber kontrollierte Energie, die sein früheres Spiel in Filmen wie Croupier oder Children of Men prägte, in die Rolle des verbalen Lehrers. Sein Timbre, seine Fähigkeit zur latenten Wut und zur verschlossenen Wärme machen ihn zu einem geeigneten Träger einer Figur, die intellektuelle Brillanz mit persönlicher Zerbrechlichkeit verbindet. Juliette Binoche, international bekannt als Gertrud aus Three Colors und als sensibler Charakterdarsteller in The English Patient und Certified Copy, verkörpert hier eine Gegenspielerin im besten Sinne: sensibel, kunstsinnig und doch nicht ohne eigene Härte.

Die weiteren Darstellerinnen und Darsteller, darunter Amy Brenneman und Navid Negahban, bilden ein Ensemble, das den Rahmen des Films ausfüllt und den institutionellen Kontext einer Schule glaubhaft macht. Bruce Davison als erfahrener Nebendarsteller und jüngere Kolleginnen wie Adam DiMarco tragen dazu bei, dass die Konflikte nicht nur auf das Duell der beiden Protagonisten reduziert werden, sondern in ein soziales Gefüge eingebettet sind. Insgesamt funktioniert die Besetzung als Zusammenspiel erfahrenen Kinos und frischerer Talente, das der Erzählung Tiefe verleiht.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film entfaltet sich in einem schulischen Milieu, in dem zwei Lehrer, einer den Worten, die andere den Bildern verpflichtet, ihre jeweilige Auffassung von Wahrheit und Ausdruck gegenüberstellen. Aus diesen intellektuellen Spannungen entwickelt sich ein persönliches und professionelles Geflecht, das Fragen von Autorität, Relevanz und pädagogischer Verantwortung anschneidet. Die dramaturgische Spannung entsteht weniger aus äußeren Ereignissen als aus dem Ringen um Überzeugungskraft, Respekt und die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Im Zentrum stehen zwei Figuren mit je eigener Biographie und verletzlicher Glaubwürdigkeit, deren Annäherung und Differenzen den Ton des Films bestimmen. Die Atmosphäre ist dabei melancholisch und zugleich witzig, getragen von einem sensiblen Blick für Alltagsgesten, Lehrsituationen und die Komik menschlicher Eitelkeiten. Words and Pictures bleibt dialogbetont, konzentriert sich auf kleine, prägnante Szenen und vermeidet spektakuläre Wendungen, was seine dramatische Intensität paradoxerweise eher verstärkt.

Zentrale Themen und Motive

Auf der thematischen Ebene stellt Words and Pictures Fragen nach der Möglichkeit, die Welt zu benennen, und nach dem Rang der Bilder in einer zunehmend visuell dominierten Kultur. Der Film interessiert sich für die Grammatik des Eindrucks: Was kann ein geschriebener Satz leisten, das ein Bild nicht erreicht, und umgekehrt? Diese intellektuelle Debatte wird ergänzt durch lebenspraktische Motive wie Alter, Scheitern, berufliche Identität und die Suche nach Nähe jenseits performativer Kompetenz.

Philosophisch berührt der Film Fragen von Repräsentation und Authentizität, psychologisch geht es um kreative Blockaden, Abwehrmechanismen und die Art und Weise, wie Menschen ihre Stimme wiederfinden. Sozial reflektiert die Geschichte, wie Bildungseinrichtungen zu Orten werden, an denen kulturelle Werte verhandelt und reproduziert werden. Words and Pictures bleibt dabei offen für Ambivalenzen: Es bietet mehr Anregungen zum Nachdenken als definitive Antworten und lässt seine Figuren in ihren Widersprüchen bestehen - genau darin liegt seine intellektuelle Qualität.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Wettstreit um „Words and Pictures“

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, behauptet ein geläufiges Sprichwort und spielt damit auf die vermeintliche Unzulänglichkeit der Sprache an. In Fred Schepisis neuer Regiearbeit „Words and Pictures“ dient diese These als treibende Kraft, um von einem Schlagabtausch zweier Lehrer zu erzählen, die leidenschaftlich Partei für ihr eigenes Fach ergreifen. Auf der einen Seite steht Jack Marcus (Clive Owen), ein einst gefeierter Autor, der mittlerweile an einer Privatschule Englisch unterrichtet und seinen Frust zumeist im Alkohol ertränkt. Auf der anderen seine neue Kollegin Dina Delsanto (Juliette Binoche), eine bekannte Malerin, die aufgrund einer hartnäckigen Rheumaerkrankung stark in ihrer kreativen Arbeit eingeschränkt ist und daher eine Stelle als Kunstlehrerin antritt. Beide sind auf ihre Art desillusioniert, brennen aber nach wie vor für ihr jeweiliges Steckenpferd. Als Dina vor ihren Schülern die Überlegenheit der bildenden Kunst gegenüber Worten postuliert, fühlt sich Jack umgehend herausgefordert und zettelt einen Wettstreit zwischen den unterschiedlichen Disziplinen an. Auf diese Weise hofft er, endlich wieder bei der Schulleitung punkten zu können, die nach diversen Alkoholeskapaden offen über eine Kündigung nachdenkt.

Die Figuren, die Drehbuchautor Gerald Di Pego hier in Stellung bringt, entbehren keineswegs klischeehafter Vorstellungen, bekommen gleichzeitig aber auch einige amüsante Eigenschaften zugesprochen. Mit sichtlicher Spielfreude stürzen sich Clive Owen und Juliette Binoche in das Duell der beiden Lehrer, die schon bei ihrer ersten Begegnung auf Konfrontationskurs gehen. Pointierte-ironische Dialoge geben der sich zuspitzenden Auseinandersetzung ausreichend Schwung und lassen mehr als einmal klassische Screwball-Stimmung aufkommen. Während sich Dina vor allem spöttisch distanziert zeigt, nutzt Jack jede erdenkliche Gelegenheit, um seine Umwelt mit seinem lexikalischen und literarischen Wissen zu erhellen. Die besten Beispiele für diese penetrante wie erheiternde Marotte sind seine ständig praktizierten Silben- und Wortspiele, für die die meisten Kollegen nur noch ein Kopfschütteln übrig haben. Bezeichnenderweise ist es Dina, die den Englischlehrer auf seinem Spezialgebiet mit immer neuen Einfällen überraschen kann.

Schon dieses Verhalten lässt erahnen, dass die passionierten Streithähne trotz unterschiedlicher Auffassungen mehr verbindet, als sie offen zugeben wollen. Beide würden liebend gerne zu alter Kreativität zurückfinden und stacheln sich durch das gegenseitige Herausfordern auch im positiven Sinne an. Mehr und mehr blitzen zwischen den dynamischen Wortgefechten Zeichen der Wertschätzung für den „Kontrahenten“ und dessen Begeisterungsfähigkeit auf. Eine Annäherung wird spürbar, die letztlich sogar romantische Ausmaße annimmt. Diese für Screwball-Komödien nicht unübliche Entwicklung bereitet die Drehbuchvorlage allerdings nur unzureichend vor, weshalb Jacks erste Charmeoffensive allzu abrupt und aufgesetzt erscheint. Dramaturgisch hätte sich das sicher weitaus besser lösen lassen.

Das fraglos interessante Thema, das Regisseur Schepisi und Autor Di Pego mit dem Lehrerduell verhandeln wollen, kriegt der Film leider nie richtig in den Griff. Der jeweils eigene Zauber, der Worten und Bildern innewohnt, wird zwar permanent beschworen, kommt in den meisten Fällen aber nicht über die Nennung von Allgemeinplätzen und statisches Dozieren hinaus. Immer wieder steht Jack vor seiner Englischklasse und versucht, den Schülern mit Klassikerzitaten die enorme Kraft der Sprache nahe zu bringen. Manche seiner Vorträge sind durchaus reizvoll, bleiben visuell aber stets recht eintönig und damit wenig inspirierend. Diesen Eindruck können auch Dinas neue Malversuche (allesamt von Juliette Binoche eigens für die Produktion angefertigt) nicht zerstreuen, die höchstens ein wenig Abwechslung in den optisch eher ideenarmen Film bringen.

Problematisch ist zudem, dass die Macher den Kerngedanken der Geschichte wiederholt an unterentwickelte Nebenstränge verschenken. So wirkt das plumpe Werben eines Schülers um eine Klassenkameradin spätestens dann wie ein Fremdkörper im Geschehen, als es in aggressives Mobbing umschlägt. Ein eigentlich ernstzunehmendes Thema, das vom Drehbuch jedoch kurz und schmerzlos glattgebügelt wird. Überhaupt bekommen die Schüler erstaunlich wenig Raum zu eigener Entfaltung, wenn man bedenkt, dass die Protagonisten durch den ausgerufenen Wettstreit gerade die gelangweilten Jugendlichen für Sprache und Malerei gewinnen wollen. Der Geist von Peter Weirs Klassiker „Der Club der toten Dichter“ weht mehrfach durch „Words and Pictures“, kann sich aber zu keinem Zeitpunkt richtig festsetzen, da die Schüler bei Schepisi stets nur Abziehfiguren bleiben. Ähnliches gilt auch für Jacks entfremdeten Sohn, einen reinen Funktionsträger, der sporadisch auf der Bildfläche erscheint und bloß ein weiteres emotionales Konfliktfeld aufmacht.

„Words and Pictures“ ist, weiß Gott, kein schlechter Film. Für eine rundum gelungene Tragikomödie, die noch dazu ihr Thema wirklich ernst nimmt, braucht es allerdings etwas mehr als eine Reihe flotter Dialogscharmützel und zwei bestens aufgelegte Hauptdarsteller.

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