Wish Upon
© Splendid Film GmbH

Wish Upon

ca. 1798 Worte   Lesezeit ca. 6 Minuten 30 Sekunden   Auf X teilen
Inhalt:
  1. Wish Upon - Ein düsteres Lehrstück über Begehren, Schuld und die Mechanik des Wünschens
    1. Einleitung
    2. Kurzüberblick zur Produktion
    3. Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
    4. Handlung (spoilerfrei!)
    5. Zentrale Themen und Motive
  2. Filmkritik von Peter Osteried
  3. Filmkritik von Bianka Piringer

Wish Upon - Ein düsteres Lehrstück über Begehren, Schuld und die Mechanik des Wünschens

Einleitung

Wish Upon erscheint 2017 nicht als bloßes Teenie-Horrorkino, sondern als Teil einer fortgesetzten Auseinandersetzung des Genres mit dem Motív des Wunsches: eine moderne Parabel über die Verführbarkeit des Begehrens, verpackt in die schimmernde Oberfläche des kommerziellen Popkinos. Die Relevanz des Films liegt weniger in seiner Neuheit als in seiner funktionalen Position innerhalb eines Jahrzehnts, das fortlaufend klassische Märchenmotive dekonstruiert und die Kosten des sofortigen Begehrens betont.

Der Film steht formal in der Tradition des gegenwartsbezogenen Horrorfilms, der suburbanen Realismus und übernatürliche Intervention koppelt, um moralische Fragen über Familie, Identität und Verantwortung zu verhandeln. Entgegen einer puren Schockästhetik interessiert sich Wish Upon strukturell für Kausalität - jede Wunschhandlung hat sichtbare, oft drastische Folgen - und ordnet so konventionelle Genrefiguren einer didaktischen Spannung unter.

In der deutschen Feuilleton-Perspektive sollte der Film weniger als Spektakel denn als kulturelles Dokument gelesen werden: er reflektiert die Prinzipien des späten Kapitalismus, in denen das Versprechen sofortiger Erfüllung untrennbar mit Risiken, Verdrängung und Kollateralschaden verbunden ist. Damit reiht sich Wish Upon in eine Reihe junger Horrortexturen ein, die nicht primär durch originalitätsbezogene Innovationen auffallen, sondern durch die Art, wie sie bestehende Motive erneuern und auf eine mediatisierte Zielgruppe zuschneiden.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte John R. Leonetti, ein Filmschaffender, der aus der Kamerapraxis kommt und sein Auge für Bildkomposition in die Regiearbeit überträgt. Als ehemaliger Kameramann hat Leonetti eine Affinität für klar strukturierte Bildräume und eine handwerklich saubere Inszenierung, die sich in Wish Upon in einer präzisen Lichtführung und einer glatten, oft hochglänzenden Bildästhetik manifestiert.

Wish Upon wurde als kommerziell ausgerichteter Genrebeitrag produziert und im Sommer 2017 in den US-Kinos veröffentlicht - ein Zeitpunkt, der auf eine Zielgruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zielt, die im Kino Pop-Horror mit emotionaler Identifikationsfigur erwarten. Produktionsumfang und Budget ordnen den Film in den Bereich des mittleren Genrekinos ein: nicht Independent-Fragment, aber auch kein großer Blockbuster mit opulenten Effekten, sondern ein kalkuliertes Studioprodukt, das mit vertrauten ästhetischen Mitteln arbeitet.

Innerhalb Leonettis Werk markiert Wish Upon eine Fortsetzung seiner Hinwendung zum konventionellen Horrorkino, das sich an etablierten erzählerischen Mechanismen orientiert. Seine Regie bleibt handwerklich konservativ, mit dem Schwerpunkt auf klares Erzählen und visueller Stringenz statt auf radikal experimentelle Formversuche.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum von Wish Upon steht Joey King, die als junge Darstellerin bereits früh Aufmerksamkeit erlangt hat und hier die emotionale Achse des Films bildet. King verkörpert die jugendliche Perspektive, deren Wünsche und Unsicherheiten den dramatischen Motor liefern. Ihre Darstellung zielt auf Identifikation und auf die Spannungen zwischen innerem Verlangen und äußerer Realität.

Ryan Phillippe, eine Figur des erwachsenen Schauspielkorpus der 1990er und 2000er Jahre, tritt in einer Autoritäts- beziehungsweise Familienrolle auf und bringt die Gewissheit seiner früheren Starpräsenz in ein Ensemble, das zwischen familiären und sozialen Verpflichtungen oszilliert. Sherilyn Fenn und Elisabeth Röhm übernehmen ebenfalls zentrale Erwachseneinstellungen - sie repräsentieren verschiedene Facetten von Verantwortung, Sorge und moralischer Interpolation in das Gefüge der jungen Protagonistin.

Die Nebenbesetzung, zu der unter anderem Shannon Purser, Ki Hong Lee, Sydney Park und Alice Lee gehören, fungiert als unmittelbares soziales Umfeld der Hauptfigur: Freundinnen, Bekannte und Rivalen, deren Interaktionen die sozialen Parameter der Geschichte setzen. Diese Ensemblekonstellation erlaubt es dem Film, jugendliche Gruppenpsychologie und die Dynamiken von Zugehörigkeit und Ausgrenzung zu untersuchen.

Handlung (spoilerfrei!)

Wish Upon erzählt von einer jungen Frau, die in den Besitz eines rätselhaften Objekts gerät, das Wünsche zu erfüllen verspricht. Der narrative Impuls entsteht aus der einfachen Frage, was passiert, wenn ein menschliches Begehren unmittelbar und scheinbar problemlos realisiert werden kann. Dieser Mechanismus löst eine Kette von Ereignissen aus, in deren Zentrum die moralische und emotionale Lage der Protagonistin steht.

Der dramatische Konflikt formiert sich aus dem Gegensatz zwischen individueller Sehnsucht und den nachfolgenden, oft destruktiven Konsequenzen: Mit jedem erfüllten Wunsch verschieben sich Beziehungen, Verantwortlichkeiten und die Selbstwahrnehmung der Hauptfigur. Zentrale Figuren sind die Protagonistin selbst, ihr familiäres Umfeld und ihr Freundeskreis; sie alle fungieren als Spiegel und Projektionsfläche für die Frage, welche Kosten echtes Gewinnen nach sich zieht.

Ton und Atmosphäre bewegen sich zwischen suburbianem Realismus und einer übernatürlichen Aura - der Film legt Wert auf eine saubere, zeitgemäße Bildsprache, die das Banale des Alltags mit dem Unheimlichen des Wunders kontrastiert. Die Stimmung schwankt zwischen melodramatischen Momenten und kalkuliertem Genre-Pathos.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt Wish Upon Fragen nach Verantwortung, Reife und dem Preis individueller Erfüllung. Der Wunsch wird hier zum Prüfstein für moralische Integrität: Ist das Verlangen nach persönlichem Glück legitim, wenn seine Erfüllung anderen schadet? Der Film thematisiert das Spannungsverhältnis von Autonomie und sozialer Verbundenheit und problematisiert die Illusion, dass individuelle Sehnsüchte ohne externe Folgen realisierbar seien.

Motivisch arbeitet der Film mit der klassischen Parabelstruktur - ein verführerisches Angebot wird ausgegeben, das eindeutige Regeln besitzt und deren Bruch stets Verwerfungen nach sich zieht. Symbolisch steht das Objekt selbst für die Verpackung des Begehrens - ein Ding, glänzend und versprechend, das zugleich zum Fetisch wird und die Mechanik von Verlangen veranschaulicht. Auf einer gesellschaftlichen Ebene liest sich diese Mechanik als Spiegel zeitgenössischer Konsumlogiken: kurzfristige Befriedigung, in Kaufnahme von Verschuldung und langfristigen Schäden.

Psychologisch interessiert sich der Film für die Übergangsphase des Erwachsenwerdens, in der Entscheidungen noch nicht voll reflektiert sind und deren Konsequenzen umso prägender werden. Somit operiert Wish Upon in einem Spannungsfeld, das von Märchenstrukturen ebenso gespeist ist wie von aktuellen Diskursen über Verantwortung, Medienwirkung und die Ästhetik des Begehrens.

Filmkritik von Peter Osteried

„Wish Upon“: Sei vorsichtig, was du dir wünschst!

Es gibt Jahr für Jahr Horrorfilme, die sehr genau nach konventionellen Mustern erzählt sind. Man könnte diese Projekte despektierlich als Baukasten-Filme bezeichnen, aber sie bedienen ein bestimmtes Publikum und funktionieren für dieses auch ganz gut. Im Fall von Wish Upon sind es Jugendliche, auf die man abzielt. Weil diese noch nicht so viele Horrorfilme gesehen haben, als dass sie die klischierte Geschichte langweilen würde.

Clare (Joey King) ist in der Schule eine Außenseiterin, die nur wenige Freunde hat und oft gehänselt wird. Als ihr ihr Vater jedoch von einer seiner Exkursionen – er sucht nach „Schätzen“ im Müll anderer Leute – eine chinesische Wunschbox mitbringt, ändert sich für sie alles. Clare glaubt zwar nicht an die Macht der Box, spricht aber dennoch einen Wunsch aus. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass dieser wahr geworden ist. Immer wieder benutzt Clare nun die Box, doch sie ahnt nicht, dass jeder Wunsch mit einem hohen Preis daherkommt.

Wirklich neu ist an Wish Upon nichts. Der Film basiert lose auf der Anfang des letzten Jahrhunderts publizierten Kurzgeschichte „Die Affenpfote“. Auch dort wurden Wünsche erfüllt, und auch dort musste dafür ein schrecklicher Preis bezahlt werden. Wenn das bei Wish Upon der Fall ist, dann gibt es ein paar sehr schöne, in ihrem Aufbau sehr detaillierte Sequenzen, die ein wenig an die Final Destination-Momente erinnern, wenn der Tod sich einen Davongekommenen geschnappt hat.

Neu ist an diesem Film natürlich nichts, aber der Annabelle-Regisseur John R. Leonetti leistet auch hier solide Arbeit und kann seinen jugendlichen Cast gut einsetzen. Die Emotionalität stimmt, man verabscheut, wen man verabscheuen soll, man empfindet Sympathie für die richtigen Figuren und man beginnt, an der Hauptfigur zu zweifeln. Denn im Kern der Geschichte geht es um eine Frage der Moral. Es kommt der Punkt, da erkennt Clare, dass jeder Wunsch einen Blutzoll verlangt. Aber die Frage ist dann: Macht sie weiter oder nicht? Und wenn sie weitermacht, dann wie?

Daraus bezieht der Film zusätzliche Spannung, auch wenn er der Vorhersehbarkeit auch in dieser Beziehung nicht entgehen kann, denn man erahnt nicht nur, man weiß sogar, wie das Ganze ausgehen wird. Das sind eben Erfahrungswerte, die mit dem Sehen einiger Horrorfilme einhergehen.

Wish Upon ist kein besonders origineller, aber durchaus gefälliger Horrorfilm, der in keiner Beziehung etwas wagt, aber letzten Endes als schnelle Fast-Food-Unterhaltung funktioniert.

Filmkritik von Bianka Piringer

Sieben Wünsche und ihr Preis

Ein Schatten liegt über Clares (Joey King) Leben, seit sich ihre Mutter vor 12 Jahren erhängte. Noch heute suchen die 17-jährige Highschool-Schülerin Albträume heim, in denen sie die Mutter auf dem Dachboden des Hauses findet. In der Schule hat es Clare nicht leicht, denn das tonangebende Mädchen und seine Freunde schikanieren sie. Und es tut Clares Ruf auch nicht gut, dass ihr Vater (Ryan Phillippe) in Abfallcontainern der Umgebung nach Altmetall sucht. Eines Tages schenkt ihr der Vater eine chinesische Dose, die er gefunden hat und in der sich eine Spieluhr verbirgt. Clare versucht sie zu öffnen, was ihr aber nicht gelingt. Auch die chinesischen Schriftzeichen auf der Dose kann sie nicht entziffern, aber immerhin versteht sie, dass sie sieben Wünsche äußern darf.

Vorsicht ist geboten vor Gegenständen unbekannter Herkunft, zumal wenn der Hund zu ihnen lieber knurrend Abstand hält. Der Teen-Horrorfilm des Regisseurs John R. Leonetti („Annabelle“) kombiniert Mysterygrusel, der sich auf eine Legende über einen chinesischen Dämon beruft, geschickt mit Themen aus dem jugendlichen Alltag. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger Unterhaltungsfilm für die junge Zielgruppe mit wohldosiertem Nervenkitzel.

Clare scheut sich nicht, einen ersten Wunsch zu formulieren, gerade weil sie keineswegs an dessen Erfüllung glaubt: Ihre Erzfeindin an der Schule soll verrotten! Die Spieluhr aber funktioniert nicht nur, wie Clare schnell merken wird, sondern sie fordert nach jedem geäußerten Wunsch einen tödlichen Preis. Zuerst trifft es Clares Hund, dann einen Menschen aus ihrer Umgebung. Wegen der Todesfälle beschließt Clare, sich kundige Hilfe für die Entzifferung der Inschriften auf der magischen Dose zu holen.

Reichtum, Beliebtheit, eine intakte Familie – Clare teilt die Träume der meisten Teenager. So haben ihre Wünsche den kindlichen Charakter laut ausgesprochener Vorstellungen. Was in diesem Film, der auf einem Drehbuch von Barbara Marshall („Triple Dog“) basiert, jedoch irritiert, sind die kaltherzig gepflegten Highschool-Feindschaften. Der tägliche Kleinkrieg wird mit harten Bandagen geführt. Die Abgebrühtheit findet eine Art Fortsetzung, wenn Clare später die Kollateralschäden ihrer Wünsche zu ignorieren versucht. Die junge Schauspielerin Joey King stellt sehr überzeugend dar, wie Clare regelrecht süchtig wird nach den unbegrenzten Möglichkeiten, die sich ihr bieten. Der Konflikt zwischen Versuchung und Moral verleiht der Geschichte eine interessante Spannung.

Trotz des düsteren Themas wirken Atmosphäre und Erzählhaltung oft eher jugendlich unbeschwert. Die Musik klingt nicht immer unheimlich, sondern will auch mit zarten Popmelodien Clares Geschmack und Gemütszustand spiegeln. Die Kamera ist gerne in Bewegung, aber sie nimmt die blutigen Momente des Sterbens nicht genau ins Visier. Oft wird das grausame Geschehen entweder nur angedeutet oder nicht länger als einen Augenblick gezeigt. Auch im Umgang mit Schockmomenten überzeugt die Inszenierung, denn sie steuert zielstrebig wie eine bergauf fahrende Achterbahn auf den Schrecken zu, aber dann überwältigt dieser die Sinne weniger plump, als zu befürchten war.

Wer sich mit einem Dämon einlässt, setzt letztlich das eigene Schicksal aufs Spiel. Dieses Prinzip sorgt hier für ein überraschendes Finale. Insgesamt funktioniert also in diesem Film die Mischung aus Horror und flottem Teeniedrama ganz gut, wenngleich gerade der Gänsehautfaktor und die emotionale Beklemmung aus Sicht echter Genrefans noch Wünsche offenlassen.