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The Other Side Of The Door

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kritiken.de Redaktion 02.06.2016
The Other Side Of The Door© Fox Deutschland
A ca. 1417 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

The Other Side Of The Door und die Ritualisierung von Schuld im globalen Horrorkino

Einleitung

The Other Side Of The Door tritt an einem Schnittpunkt zwischen konventionellem Genrekino und transkultureller Bildsprache auf. Der 2016 erschienene Horrorfilm verknüpft ein familiäres Drama mit einer mythisch aufgeladenen Schauplatzkulisse in Indien und stellt damit Fragen nach Trauer, Verantwortung und der Überschreitung von Grenzen, die das Genre seit jeher reizvoll macht. In einer Zeit, in der Horrorfilme zunehmend global denken und zugleich auf vertraute emotionale Kernmotive zurückgreifen, bietet der Film ein analytisch stimulierendes Beispiel dafür, wie internationale Produktionen heimische Mythen zu narrativen Instrumenten formen.

Für das Werk des Regisseurs bedeutet The Other Side Of The Door eine Fortsetzung seiner Hinwendung zu klaustrophobischen, körperlich akzentuierten Horrorerfahrungen. Die filmische Sprache setzt weniger auf philosophische Abstraktion als auf die materialisierte Präsenz des Unheimlichen, die durch Raumdesign, Sound und Körperlichkeit erzeugt wird. Diese Herangehensweise stellt die unmittelbare, körperliche Erfahrung des Schreckens in den Vordergrund und positioniert den Film innerhalb eines aktuellen Trends, der traditionelle westliche Perspektiven mit lokalen Ritualen und Bildwelten kombiniert.

Gesellschaftlich reflektiert der Film ein Bedürfnis nach narrativer Verarbeitung von Verlusten in einer globalisierten Medienlandschaft, in der kulturelle Praktiken zunehmend medienwirklich werden. Die Verquickung einer westlichen Protagonistin mit indischen Trauerritualen lässt Stilfragen, aber auch ethische Fragen aufscheinen: Wie werden Rituale dargestellt, wenn sie zum Katalysator für ein Hollywood-adjiziertes Horrorspektakel werden? The Other Side Of The Door wirkt damit weniger als bloße Schauergeschichte denn als Momentaufnahme filmischer Auseinandersetzung mit kultureller Repräsentation und emotionaler Verletzlichkeit.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Johannes Roberts, der sich in seinem Schaffen als routinierter Genrefilmer gezeigt hat und später mit Titeln wie 47 Meters Down weiterhin das Feld des populären Horrors bearbeitete. Roberts arbeitet wiederholt mit klar strukturierten Spannungsaufbauten und einer visuellen Ökonomie, die das Genrehandwerk deutlich akzentuiert. The Other Side Of The Door fügt sich in diese Handschrift ein, indem er narrative Prägnanz mit einer betonten Bildlichkeit verbindet.

Die Produktion ist als anglo-indische Zusammenarbeit konzipiert und nutzt sowohl internationale Produktionsressourcen als auch lokale Settings und ästhetische Bezüge. Diese Konstellation ermöglicht eine Inszenierung, die auf authentische Kulissen zurückgreift, gleichzeitig aber auf ein weltweites Publikum zielt. Technisch fällt die Arbeit mit Raum und Licht auf, die den Tempelkomplex und das Haus zur Arena psychischer Auseinandersetzungen macht. Hinsichtlich Budget und Studioeinbindung bewegt sich der Film im Feld mittelgroßer Genrefilme, die auf internationale Verwertbarkeit achten und Moden des globalen Horrorkinos bedienen.

In der Position des Films im Gesamtwerk des Regisseurs markiert er eine konsequente Weiterführung genretypischer Motive und Methoden. Roberts interessiert sich für die physischen Manifestationen des Unheimlichen und für Situationen, in denen banales Familienleid in übernatürliche Eskalation umschlägt. The Other Side Of The Door funktioniert in dieser Perspektive als Studienfall für die Verschränkung von Familiendrama und folkloristischen Motiven.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die zentrale Rolle der Mutter übernimmt Sarah Wayne Callies, die dem Publikum zuvor durch die Serienformate Prison Break und The Walking Dead bekannt geworden ist. Ihr Spiel balanciert zwischen kontrollierter Trauerarbeit und impulsiver Verzweiflung und gibt der Figur eine nach innen gerichtete Intensität. Jeremy Sisto, der den Ehemann verkörpert, bringt eine Erfahrung aus diversen Film- und Fernsehrollen ein, die von subtiler Bedrohung bis zu verletzlicher Normalität reichen. In der Konstellation der Ehepartner bildet er das pragmatische Gegenstück zur innerlich zerrissenen Protagonistin.

Die kindlichen Figuren werden von Sofia Rosinsky und Jax Malcolm getragen, deren Darstellung eines familiären Zentrums die emotionale Rechtfertigung für die dramatischen Entscheidungen der Erwachsenen liefert. Ihre Präsenz erzeugt die moralische Schwere, die die narrative Bewegung vorantreibt. Javier Botet ist als körperliche Inkarnation des Übernatürlichen zu nennen. Botet, dessen markante Körperlichkeit ihm in der jüngeren Horrorästhetik eine besondere Rolle verschafft hat, nutzt seine ungewöhnlichen physischen Eigenschaften für eine körperlich dominierte Darstellung des Anderen. Ergänzt wird der Cast durch indische Darsteller wie Suchitra Pillai-Malik, die lokale Glaubensformen und rituelle Expertise repräsentieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von einer Familie, deren Zusammenhalt nach einem traumatischen Verlust auseinanderzufallen droht. Die Mutter sieht sich mit Schuldgefühlen und dem Wunsch nach Erlösung konfrontiert. Eine kulturell verankerte Praxis erscheint als Möglichkeit, das Unaussprechliche zu adressieren und eine Brücke zwischen Leben und Tod zu schlagen. Die Entscheidung, diese Schwelle zu überschreiten, initiiert eine Reihe von Ereignissen, in denen das scheinbar Vertraute sich in etwas Fremdes verwandelt.

Der dramatische Konflikt entspinnt sich zwischen dem Bedürfnis nach persönlicher Wiedergutmachung und den folgenreichen Konsequenzen der Überschreitung ritueller Grenzen. Zentrale Figuren sind die trauernde Mutter, der pragmatische Ehemann und das verschwundene Kind, deren Beziehungen und innere Spannungen den Kern der Erzählung bilden. Ton und Atmosphäre sind geprägt von einer Mischung aus bedrückender Intimität und latenter Bedrohung: Hausinterieurs verengen sich, Tempelräume öffnen sich in suggestiven Bildkompositionen, und die Soundgestaltung unterstreicht das permanente Gefühl des Unbehagens.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Schuld, Verantwortlichkeit und der Weiterlesenlichkeit von Trauer. The Other Side Of The Door thematisiert die Verlockung einer einfachen Lösung für komplexe emotionale Probleme und die moralischen Kosten, die mit dem Versuch einer solchen Lösung verbunden sind. Die filmische Konstellation lotet aus, wie Rituale als narrative Maschine genutzt werden können, um individuelle Schuldgefühle zu externalisieren und in eine mythische Ordnung einzubetten.

Darüber hinaus berührt der Film Diskussionen über kulturelle Überschneidungen. Er stellt westliche Trauerpraxis neben indische Ritualformen und lässt dadurch Fragen nach Repräsentation und Aneignung entstehen. Psychologisch gesehen fungieren die übernatürlichen Elemente als Projektionen innerer Schuld und ungelöster Konflikte. Formal arbeitet der Film mit wiederkehrenden Motiven wie Schwellen, Türen und Spiegelungen, die symbolisch die Grenze zwischen dem Gewohnten und dem Unheimlichen markieren. Insgesamt bietet The Other Side Of The Door damit einen reichhaltigen Fundus an Interpretationsansätzen, ohne seine populäre Genrewirkung aufzugeben.

Filmkritik von Peter Osteried

Was klopft an die Other Side of the Door?

Dass The Other Side of the Door in Grundzügen auch an Der Friedhof der Kuscheltiere erinnert, war den Machern schon bewusst. Man erlaubt sich sogar einen kleinen Gag, der mit Mary Lambert zu tun hat. Lambert hat die Stephen-King-Verfilmung inszeniert. Hier ist sie kurz zu sehen, wenn auch nur auf einem Foto, das in einer Plastiktüte landet. Darauf zu sehen ist Lambert als Olivers Großmutter. Das wiederum ist origineller als der ganze Film, der indischen Mystizismus einzusetzen versucht, aber dennoch nur die x-te Geistergeschichte ist.

Maria (Sarah Wayne Callies) kann den Tod ihres Sohns Oliver nicht ertragen. Sie gibt sich die Schuld daran und möchte am liebsten selbst sterben, weswegen ihr eine Frau von einem uralten Ritual erzählt, das es ihr erlaubt, noch einmal mit ihrem Sohn zu sprechen und sich von ihm zu verabschieden. Dafür muss sie zu einem alten Tempel, wo das Tor zwischen den Welten der Lebenden und der Toten besonders dünn ist. Doch eines darf sie nicht: Die Tempeltür öffnen. Doch als Maria das doch tut, zieht sie Unheil auf ihre Familie.

Die Geschichte ist alles andere als neu, lebt aber zumindest davon, dass Sarah Wayne Callies die verzweifelte Mutter glaubhaft darstellen kann. Man nimmt ihr ab, dass diese Frau alles tun würde, um das eigene Kind ein letztes Mal sehen zu können. Ihre Chemie mit Jeremy Sisto, der den Ehemann spielt, aber kaum etwas zu tun hat, ist gut - das ist ein Pärchen, das einen Film tragen kann.

Leider aber nicht einen wie diesen, der zwar düster inszeniert ist, sich vor allem aber in lähmender Langeweile ergeht. Nur hin und wieder gelingen stimmungsvolle Momente, ansonsten leidet der Stoff unter den logischen Problemen, die schon damit beginnen, dass es reichlich unsinnig ist, einen Toten ein letztes Mal sprechen zu wollen, wenn man im Vornherein schon weiß, dass es darauf hinausläuft, dass er bettelt, die Tempeltüre möge geöffnet werden, man dem aber nicht nachkommen darf.

Wie wenig die Figuren lebensecht gestaltet sind, zeigen aber auch andere Beispiele. Besonders schön sieht man das bei der kleinen Tochter, die es nicht stört, in ihrem riesigen, gruseligen Haus bei Dunkelheit fernzusehen. Während Callies zumindest etwas Material hat, mit dem sie arbeiten kann, ist Sisto völlig verschwendet. Dazu kommt, dass die Gruselmomente allesamt aus der Mottenkiste sind. Das hat man im Lauf der Jahre schon dutzendfach gesehen – nur meistens besser, atmosphärischer und erschreckender.

The Other Side of the Door Ist nichts, was man im Kino sehen müsste. Tatsächlich erweckt die Produktion in jeder Sekunde den Eindruck, als wäre sie für den Heimkinomarkt entwickelt worden. Nichts hiervon schreit nach Kino, schon gar nicht das aufgesetzte, völlig vorhersehbare und reichlich dumme Ende, das – passend zum Rest der Geschichte – auch jedweder Logik spottet. Wer nicht vor hat, sich im Kino zu langweilen, sollte auf einen anderen Film ausweichen und das, was auf der anderen Seite der Tür liegt, einfach links liegen lassen …

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