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The Nice Guys

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kritiken.de Redaktion 02.06.2016
The Nice Guys© Concorde Filmverleih GmbH
A ca. 1325 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

The Nice Guys - Eine lakonische Studie über Moral, Nostalgie und toxische Männlichkeit

Einleitung

The Nice Guys ist mehr als eine Rückkehr zur buddy-cop-Ästhetik der 1970er Jahre; der Film agiert als Spiegel, in dem sich zeitgenössische Debatten über Macht, Verantwortung und Geschlechterverhältnisse in die Retro-Perspektive spiegeln. Seit seiner Veröffentlichung am 02.06.2016 bot er Anlass zu Diskussionen darüber, wie Genre und Zeitkolorit genutzt werden können, um gegenwärtige soziale Spannungen zu verhandeln, ohne in schlichte Nostalgie zu verfallen.

Die Relevanz des Films liegt gerade in seiner doppelten Bewegung - er zitiert und rekonstruiert das Kino der Vergangenheit und setzt zugleich dessen Themen in Relation zur Gegenwart. In einer Phase, in der das Publikum zunehmend auf die Mechanismen hinter Machtstrukturen blickt, fungiert The Nice Guys als Beispiel dafür, wie Unterhaltung und kritische Beobachtung sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Der Film lässt sich in das Werk seines Regisseurs einordnen als eine konsequente Fortführung eines bestimmten Tons: rauer Humor, präzise Dialogführung und eine Neigung, genretypische Figuren zu demontieren, ohne sie vollständig zu dekonstruieren. Zugleich spricht er den Zeitgeist an, weil er Fragen nach Verantwortlichkeit und Komplizenschaft formuliert - Aspekte, die auch außerhalb des fiktiven Los Angeles von 1977 ihre Nachhall finden.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Shane Black, dessen Handschrift sich durch einen ironischen, oft lakonischen Ton auszeichnet, flankiert von einer Vorliebe für verwinkelte Plots und einprägsame Dialoge. The Nice Guys ist in diesem Sinne eine Fortsetzung seiner filmischen Untersuchungen des buddy-Genres - mit deutlich ausgeprägter Nostalgie für die visuelle und thematische Welt der späten 1970er Jahre.

Die Produktion wurde Hollywood-typisch studiogestützt realisiert und operierte mit einem mittleren Budget - ausreichend, um aufwendige Sets und eine sorgfältige Ausstattung der Epoche zu garantieren, ohne in den Übermaß moderner Blockbuster zu verfallen. Auffällig ist die akribische Rekonstruktion von Zeitkolorit - Kleidung, Autos, Soundtrack und Produktionsdesign arbeiten zusammen, um ein glaubwürdiges, atmosphärisch dichtes Los Angeles zu zeichnen, das zugleich als politischer und moralischer Schauplatz fungiert.

Innerhalb des Gesamtwerks des Regisseurs markiert The Nice Guys eine Art Reifung seiner wiederkehrenden Motive: weniger bloß als Gag- oder Actionmaschine gedacht, rückt der Film ernste Fragen ins Zentrum und bleibt dabei seinem komödiantischen Impetus treu.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum des Films stehen zwei gegensätzliche Typen, verkörpert von Schauspielern, die in ihrer Karriere unterschiedliche Register gezogen haben. Ryan Gosling bringt seine Fähigkeit ein, Komik und Verletzlichkeit zugleich zu modulieren; seine Darstellung nutzt physische Komik und ein spielerisches Gespür für Timing, um eine Figur zu zeichnen, die zugleich zynisch und menschlich ist. Russell Crowe fungiert als contrepoint - ein eher stoischer, physisch präsenter Gegenpart, dessen lakonische Härte die moralischen Grautöne des Films akzentuiert.

Kim Basinger tritt als Teil des Ensembles auf und verleiht der Erzählung eine zusätzliche Schicht - ihre Karrieregeschichte und ihr Image als einstige Hollywood-Ikone werden hier reflexiv als Teil der Filmwelt thematisiert. Unterstützt wird das Quartett von einer Reihe erfahrener Charakterdarsteller und jungen Talenten, deren Präsenz dem Film texturreiche Nuancen verleiht; sie sorgen für eine Balance zwischen Generationenbild und Genrespielereien.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne ins Detail zu gehen, lässt sich sagen: The Nice Guys folgt dem Muster einer Ermittlungs- und Verschwörungsgeschichte, die zwei ungleiche Männer zusammenführt. Aus dem Aufeinandertreffen erwächst ein dramatischer Konflikt, der weniger auf klassische Gut-gegen-Böse-Kategorien baut als auf Widersprüchen zwischen persönlicher Moral und systemischer Macht.

Die zentralen Figuren agieren in einem Umfeld, das von Korruption, medialer Aufmerksamkeitsökonomie und der Ausbeutung verletzlicher Positionen geprägt ist. Tonal verbindet der Film Elemente des Noir mit komödiantischen Setpieces und einer melancholischen Grundstimmung - wobei die Komik stets dazu dient, Abgründe sichtbar zu machen, statt sie zu überdecken.

Zentrale Themen und Motive

The Nice Guys formuliert eine Reihe von Fragen, die über die plotgetriebene Ebene hinausweisen. Wie verhalten sich Individuen in einem System, das moralische Kompromisse belohnt? In welchem Maße sind Privatleben und öffentliche Verantwortung miteinander verzahnt? Der Film lotet die Grenzen von männlicher Selbstinszenierung aus - insbesondere, wie verletzliche, aggressive und beschützende Haltungen in Konkurrenz treten und sich gegenseitig bedingen.

Motivisch wiederkehren Szenen des Zusammentreffens von Show und Realität, von öffentlicher Fassade und privater Korruption. Die 1970er Jahre dienen dabei nicht nur als nostalgische Kulisse, sondern als Bewusstseinsraum, in dem strukturelle Probleme - etwa die Marginalisierung bestimmter Gruppen und die Ökonomie der Aufmerksamkeit - sichtbar werden. Formal arbeitet der Film mit einer pastichen Mischung aus Noir-Ästhetik und slapstickartiger Kollision, wodurch ernste Themen mit einer ironischen Distanz bedacht werden - eine Strategie, die dem Zuschauer erlaubt, den Blick auf das Zeitgeschehen zu schärfen, ohne ihn in moralischer Simplifizierung zu verlieren.

Filmkritik von Gregor Ries

Ein weiteres Mal lässt Regisseur Shane Black das besonders in den Achtzigern beliebte Konzept des Buddy-Movies aus Action, schwarzem Humor und einen verwickelten Kriminalfall aufleben, das er einst als Drehbuchautor des ersten „Leathal Weapon“-Hits mit perfektionierte. In „The Nice Guys“, dessen Titel nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, treffen zwei konträre Charaktere aufeinander, um notgedrungen einer gefährlichen Ermittlung gemeinsam nachzugehen. Teils im glamourösen Los Angeles der Siebziger, teils in dessen Schattenseiten angesiedelt, folgt diese Hommage an den sozialkritischen Detektivfilm der „New Hollywood“-Ära letztlich ganz Shane Blacks bewährtem „Hund & Katz“-Prinzip.

Anfangs stehen sich die späteren Partner, der glücklose, alkoholabhängige Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und der rabiate, aufbrausende Auftragsschläger Jackson Healey (Russell Crowe), noch als Gegenspieler gegenüber. Rund um die attraktive Amelia (Margret Qualley) kreuzen sich ihre Wege. Von seiner jungen Klientin wird Healy beauftragt, dem neugierigen Schnüffler, der sich an ihre Fersen heftet, eine Lektion zu erteilen. Obwohl der Bodyguard March in seinem Heim kurzerhand den Arm bricht, freundet er sich beim Abschied beiläufig mit dessen pubertierender Tochter Holly (Angourie Rice) an, die mit vielen Angewohnheiten ihres allein erziehenden Vaters nicht einverstanden ist. Doch als die Studentin wie vom Erdboden verschwindet, was in Verbindung mit dem Mord an einem Porno-Starlet zu stehen scheint, raufen sich die beiden Kontrahenten notgedrungen zusammen.

Ihre Zusammenarbeit verläuft keineswegs reibungslos: Schlitzohr March sucht zunächst stets nach dem eigenen Vorteil und vergisst bei einer Flasche Whiskey schnell seine Arbeitsmoral, während Raubein Healy seiner „Law & Order“-Mentalität nachhängt. Ihre Nachforschungen führen von der linksradikalen Amateurfilmszene zur Pornoindustrie bis hin in Mafiakreisen. Healy erhält bald Besuch von zwei Gangstern, die aus seiner Wohnung Kleinholz machen, während Marchs aufmüpfige Tochter ihre neugierige Nase mehr als einmal zu tief in die bleihaltigen Nachforschungen steckt. Erst relativ spät entdecken die unfreiwilligen Partner, dass es sich bei Amelia um die Tochter einer hohen Justizbeamtin (Kim Basinger) handelt, die ihnen einen offiziellen Auftrag erteilt.

Viel änderte sich bei Shane Blacks dritter Regiearbeit nach seinem ähnlichen Debüt „Kiss Kiss Bang Bang“ nicht. Zwischen teils im Sande verlaufenden Recherchen wird bei dem Neo-Noir reichlich geprügelt, geschossen und gefrotzelt. Selbst die Probleme des überforderten Vaters mit seiner selbstbewusst-eigenwilligen Tochter kennt man aus seinem Skript zum Bruce Wills-Reißer „Last Boy Scout – Das Ziel ist Überleben“. Ein erneut in Ansätzen anklingender Selbstjustiz-Unterton weicht dank Hollys mäßigendem Einwirken der politisch korrekten Weisung, das Recht der Justiz zu überlassen.

Neben vielen Anspielungen zum Zeitkolorit der späten Siebziger wie die aufkommende Smog-Gefahr oder eine vermeintlich drohende Wespeninvasion, was im Verlauf der Handlung mehrfach wieder aufgegriffen wird, lebt „The Nice Guys“ von zahlreichen Verweisen auf das Filmgeschäft. Durch Plakate zu „Der weiße Hai 2“, der aber erst ein Jahr später heraus kam, oder „Airport 77“ spielt Black auf Hollywoods Fortsetzungsmanie an. Mit Gil Gerard alias „Buck Rodgers“ besetzte man sogar einen Darsteller, der bei diesem Katastrophenspektakel mit von der Partie war. In dieser Ära startete ebenfalls Darstellerin Kim Basinger mit „Dog and Cat“, einer TV-Variante des Buddy-Movie-Konzepts, ihre Karriere.

Russell Crowe, Ryan Gosling und dessen Filmtochter Angourie Rice harmonieren bestens, so dass ihre Spielfreude einige Durchhänger überbrückt. Im Mittelteil gerät der Humor etwas ins Hintertreffen, da der komplizierte, aber letztlich nicht allzu originelle Krimiplot stärker in den Fokus rückt. Den originellsten Kunstgriff – die beiden Protagonisten mit wechselndem Off-Kommentar einzuführen – gibt Black relativ schnell auf. Doch mit „The Nice Guys“ beweist er, wie dank makaberen Slapstickeinlagen und zündenden Pointen ein vertrautes Konzept mit neuen Leben zu füllen ist. Für seine nächsten Actionkomödie lässt sich Shane Black hoffentlich nicht wieder zehn Jahre Zeit.

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