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The Founder

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kritiken.de Redaktion 20.04.2017
The Founder© Splendid Film GmbH
A ca. 1451 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

The Founder: Eine kalte Studie über Unternehmergeist, Moral und amerikanische Markenbildung

Einleitung

The Founder tritt an, um nicht die pathetische Legendenbildung zu wiederholen, sondern die Mechanik jener amerikanischen Erfolgserzählung offenzulegen, die heute selbstverständlich als Teil der Alltagsarchitektur erscheint. Der Film beleuchtet die Entstehung einer globalen Marke nicht als heroische Gründungssaga, sondern als Vorgang von Aneignung, Berechnung und ästhetischer Vereinheitlichung. Damit wird ein bekanntes Biopic-Motiv umgedreht - es interessiert weniger die persönliche Größe einer Figur als die Logik, die aus einer Idee ein imperiales System macht.

Im Zentrum steht eine Figur, deren Name synonym geworden ist mit einer Institution - und zugleich mit einem Geschäftsmodell, das Fragen nach Eigentum und Urheberschaft provoziert. Die Relevanz des Films liegt gerade in dieser Ambivalenz: Er bietet eine historische Fallstudie und zugleich einen Spiegel auf gegenwärtige Debatten um Markenmacht, Franchise-Kapitalismus und die Verdrängung von Handwerk durch Effizienzdenken. In einer Zeit, in der Plattformökonomie und Corporate Branding alltägliche Lebenswelten prägen, wirkt The Founder wie eine Rückblende mit Gegenwartsbeschlag.

Der Ton des Films ist sachlich und nüchtern, die Dramaturgie weniger auf moralisches Verdikt als auf Entfaltung eines Prozesses ausgerichtet. Das macht The Founder zu einem Stück zeitgenössischer Kulturkritik, das sich nicht hinter polemischer Zuspitzung versteckt, sondern die Mechanismen sichtbar macht, mit denen Ideen formbar werden für Märkte. Das Ergebnis ist ein filmischer Essay über Ökonomie, Ethos und Ästhetik der Nachkriegsmoderne.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte John Lee Hancock, ein Filmemacher, der sich in den vergangenen Jahren als Erzähler biografisch geprägter Stoffe etabliert hat. Seine Handschrift zeichnet sich durch eine zurückhaltende Inszenierung aus - eine Neigung zu klassischen Erzählweisen, die Figurenzeichnung mit einer klaren, auf das Figurenporträt fokussierten Kameraführung verbindet. Hancock nähert sich auch hier einem realen Sujet mit dem Blick für Zwischentöne: Er interessiert sich weniger für spektakuläre Wendepunkte als für das langsame Entstehen einer Praxis.

The Founder entstand als produktionstechnisch vergleichsweise konventionelles Biopic mit Augenmerk auf historischem Detail - von Kostümen über Produktionsdesign bis hin zu soundästhetischen Entscheidungen, die die 1950er und 1960er Jahre atmosphärisch verdichten. Der Film arbeitet mit einem mittleren Budget, das sichtbar in die Ausstattung und in die Wiederherstellung der Epoche investiert wurde. Auffällig ist die Präzision, mit der Alltagsgegenstände und räumliche Arrangements als Träger der Erzählung fungieren - die Küche, die Theke, das Auto werden zu Figuren im System der Bilder.

Innerhalb von Hancocks Gesamtwerk markiert The Founder eine konsequente Weiterführung seines Interesses an amerikanischen Mythen und ihren Widersprüchen. Während frühere Filme häufig emphatischere, beinahe hagiographische Tendenzen an den Tag legten, ist hier eine bissigere, analytischere Perspektive spürbar - eine schonungslose Betrachtung ökonomischer Rationalität, die sich ästhetisch in klaren, fast dokumentarischen Inszenierungsentscheidungen äußert.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Mittelpunkt steht Michael Keaton in der Rolle der zentralen Unternehmerfigur. Keatons Darstellung ist das dramatische Rückgrat des Films - sie stellt die Figur nicht als Monolithen dar, sondern als jemand, dessen Selbstbild und Handeln untrennbar mit performativer Wendigkeit und rhetorischer Strategie verbunden sind. Keaton bringt die Ambivalenz zwischen Charme und Kalkül in eine Kontinuität, die den Film trägt, ohne ihn zu simplifizieren.

Nick Offerman und John Carroll Lynch spielen die ursprünglichen, kleineren Protagonisten der Geschichte - die Brüder, die das operative Prinzip entwickeln, das später zur Marke werden sollte. Ihre Figuren repräsentieren eine andere Ethik - Handwerk, Prinzipientreue, eine Art paternalistische Kleinunternehmermentalität - und bilden damit das moralische sowie strukturelle Gegenmodell zur auf Expansion ausgerichteten Logik der zentralen Figur.

Laura Dern ist in der Rolle der Ehefrau präsent und fungiert als emotionaler und sozialer Kompass im Umfeld der zentralen Figur. Ihre Präsenz erweitert das Porträt, indem sie die privaten Dimensionen und die persönlichen Kosten des unternehmerischen Vorhabens einbezieht. Linda Cardellini, B. J. Novak und Patrick Wilson nehmen ergänzende Positionen ein - mal als Mitarbeitende, mal als Pragmatiker im expandierenden System - und liefern ein Ensemble, das die verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Positionen rund um die Marke abbildet.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film beginnt mit einem vergleichsweise kleinen, lokal verankerten Unternehmen, das ein ungewöhnliches Service- und Produktionsprinzip entwickelt hat. Die Narration begleitet die Begegnung zwischen diesem Betrieb und einer ambitionierten Verkaufsfigur, deren Ziel es ist, die Idee zu skalieren. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammentreffen zweier Logiken - der eines engen, handwerklich bestimmten Betriebs und der eines expandierenden Geschäftsmodells, das standardisierte Effizienz und Kontrolle verlangt.

Die zentralen Figuren sind die Gründer des Originals, deren Arbeitsweise und Werte das System begründen, und die fremde Figur, die als Katalysator fungiert und mit anderen Mitteln operiert - Jurisprudenz, Marketing, Verhandlungstechnik. Die Spannung des Films speist sich nicht aus spektakulären Wendungen, sondern aus dem schrittweisen Austarieren von Interessen, aus Verhandlungen, Worten und juristischen Konstruktionen, die nach und nach die Struktur einer Marke formen.

Ton und Atmosphäre sind präzise austariert - nüchtern, gelegentlich kühl, mit einem Fokus auf Räumen und Ritualen. Die Kamera beobachtet oft aus Distanz, lässt aber durch kompositorische Entscheidungen und Montage die Ökonomie des Raums und die Präzision der Abläufe hervorstechen. So entsteht eine Bildsprache, die das Thema nicht effektheischend, sondern analytisch vermittelt.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt The Founder Fragen nach Besitz, Urheberschaft und der moralischen Rechtfertigung wirtschaftlichen Handelns. Der Film fragt, wie Ideen in Institutionen transformiert werden - und welche sozialen Kosten diese Transformation nach sich zieht. Es geht um die Verschiebung von lokalem Wissen in standardisierte Prozesse, um die Rolle von Rechtsform und Marke als Instrumente wirtschaftlicher Aneignung und um die Dialektik von Erfinder und Entrepreneur.

Auf einer philosophischen Ebene thematisiert der Film das Verhältnis von Individualethos und systemischer Logik. Er zeigt, wie persönliche Ambitionen mit strukturellen Möglichkeiten zusammentreffen und wie Ethiken der Fürsorge und der Effizienz miteinander in Konflikt geraten. Gesellschaftlich liest sich The Founder als Kommentar auf die amerikanische Verheißung von Aufstieg - nicht als universale Chiffre des Erfolgs, sondern als Produkt konkreter Machttechniken und institutioneller Arrangements.

Motive wie das wiederkehrende Bild von Küche und Produktion, die Graphik des Logos und die wiederholte Betonung von Ordnung und Tempo sind nicht bloß Dekor, sie fungieren als filmische Metaphern. Sie markieren die Umwandlung von Besonderheit in Standard, von Handwerk in Management, und machen so sichtbar, wie kulturelle Formbarkeit und ökonomische Rationalität ineinandergreifen.

Filmkritik von Peter Osteried

Michael Keaton ist „The Founder“, der McDonald’s aber nicht erfunden hat

An der amerikanischen Kinokasse mag The Founder nicht besonders gut abgeschnitten haben, an den Qualitäten dieses Films ändert dies aber nichts. Denn Regisseur John Lee Hancock hat die faszinierende Studie eines Mannes abgeliefert, der aus einer Klitsche einen Weltkonzern gemacht hat.

Ray Kroc (Michael Keaton) ist 52 Jahre alt und erfolglos, aber dann stößt er auf das Fast-Food-Restaurant der McDonalds-Brüder in Kalifornien. Wo man ansonsten 20 Minuten auf sein Essen wartet, wird der Hamburger hier in weniger als einer Minute an den Kunden gebracht. Kroc ist davon fasziniert und überzeugt die Brüder, ins Franchise-Geschäft einzusteigen. Er wird ihr Partner und träumt davon, einen nationalen Konzern zu erschaffen, aber jede Neuerung, die er sich vorstellt, scheitert an der Entschlussfreude der Brüder. Bis der Punkt kommt, da Kroc McDonald’s ohne die Namensgeber führen will …

The Founder fasziniert vor allem, weil man McDonald’s als den Konzern kennt, der er heute ist. Hier wird dem jedoch auch der Traum der Brüder gegenübergestellt, der idealistisch ist und von etwas zeugt, das damals noch fast unbekannt war: Nachhaltigkeit. Der Konflikt, der sich hier entspinnt, ist darum auch einer zwischen Tradition und Moderne, eingebettet in eine frühe Form des Turbokapitalismus.

Ray Kroc ist eigentlich niemand, den man sympathisch finden kann. Er ist ein eiskalter Geschäftsmann, der seine Partner ausbeutet und alles darauf ausrichtet, nicht nur den Profit, sondern auch den Ruhm einzustreichen. Zudem ist er ein Mann, der seine Frau nicht nur vernachlässigt, sondern schon lange nicht mehr liebt. Nichts an ihm ist sympathisch, aber die Energie, die er an den Tag legt und mit der er seinem Traum folgt, ist zumindest beeindruckend. Keaton spielt den Mann ambivalent. The Founder – so nannte Kroc sich selbst, obwohl er McDonald’s nicht gegründet hat – ist vielschichtig im Porträt dieses Mannes, der eine gute Idee sah und sie nicht einfach nur stahl, sondern die Erfinder solange vereinnahmte, bis sie ganz und gar ausgezehrt waren.

Der Film erzählt aber ebenso die Geschichte der Brüder, die von Nick Offerman und John Carroll Lynch hervorragend gespielt werden. Sie sind die Sympathieträger von The Founder, was es umso tragischer macht, da man weiß, dass sie auf verlorenem Posten stehen – und das so sehr, dass sie am Ende auch noch betrogen werden. Das wiederum spielt Keaton mit richtiger Verve. Er liefert eine seiner beeindruckendsten Darstellungen ab, weil es ihm gelingt, diesen Mann, diesen Geschäftsmann, auch als Chiffre für heutige Verhältnisse anzulegen. Das macht The Founder aktueller, als man meinen sollte. Ganz zu schweigen davon, dass der Film dem Fast-Food-Thema zum Trotz sehr gehaltvoll ist. Und wenn nichts Anderes, dann macht er Lust, mal wieder einen Hamburger zu essen…

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