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Stromberg - Der Film

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kritiken.de Redaktion 20.02.2014
Stromberg - Der Film© NFP
A ca. 1599 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Stromberg - Der Film: Satirische Sezierung der deutschen Bürokultur zwischen Komik und Peinlichkeit

Einleitung

Mit dem Sprung von der kleinen Fernsehbildfläche auf die Leinwand beansprucht Stromberg - Der Film mehr als nur die Verlängerung eines TV-Erfolgs. Die Verfilmung der Kultserie bringt eine vertraute Figur in ein größeres Format und zwingt das Konzept der Mockumentary, seine Nähe zum Alltag humoristisch und formal neu zu verhandeln. Insofern ist der Film relevant nicht nur als Fanservice, sondern als Fallstudie über die Möglichkeiten und Grenzen, die serielles Erzählen für das Kino bereithält.

Für das Publikum ist Bernd Stromberg längst mehr als eine Figur; er ist ein soziales Phänomen, ein Spiegel dessen, was im deutschsprachigen Büroalltag als komisch, peinlich oder erträglich gilt. Die Kinoversion tritt in einen Dialog mit dieser kulturellen Vertrautheit: Sie fragt, welche Skalenwechsel nötig sind, damit eine Figur, die so stark von dokumentarischer Nähe lebt, auch ein narratives Kinoobjekt werden kann. Damit steht der Film an der Schnittstelle von Fernsehen und Filmästhetik.

Gleichzeitig lässt sich der Film als Momentaufnahme des frühen 2010er-Jahres lesen. In einer Phase, in der Prekarisierung, Rationalisierungsdruck und die Entzauberung klassischer Erwerbsbiografien medial verhandelt werden, bietet die Stromberg-Figur eine lakonische, manchmal brutale Vergegenwärtigung jener Routinen, die Arbeitssubjektivität prägen. Die Komödie bleibt dabei kein bloßer Lachverstärker, sie ist eine Form, um soziale Hierarchien und institutionelle Lächerlichkeit zu entblößen.

Kurzüberblick zur Produktion

Der Film überführt das televisuelle Format auf die Kinoleinwand unter der Regie von Arne Feldhusen, einem Regisseur mit Hintergrund im Bereich der Fernsehkomödie. Seine Handschrift zeigt Interesse an der Balance zwischen dokumentarischer Nähe und filmischer Gestaltung - er übersetzt das nahaufgenommene Sprechzimmer ins skaliertere Erzählen, ohne die Rohheit der Serie komplett zu glätten. Formale Mittel wie Handkamera, direkte Ansprache an die Kamera und eine reduzierte Mise-en-scène bleiben zentrale Träger des Humors.

Als Produktion stellt der Film eine klassische Studioadaption einer erfolgreichen Marke dar: Das Projekt zielt darauf ab, bestehenden Serienanhang zu mobilisieren und zugleich ein Publikum anzusprechen, das mit dem organischeren Tempo des Kinos vertraut ist. Solche Transfers bringen spezifische Produktionsfragen mit sich - Verlängerung von Erzählbögen, Verdichtung von Konflikten, und die Herausforderung, Nebenfiguren zu proportionieren. Innerhalb des Gesamtwerks stellt der Film eine Konklusion und zugleich eine Ausweitung dar; er bündelt Beats, die im Serienkontext verteilt waren, und führt sie zu einem finaleren Aufeinandertreffen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Christoph Maria Herbst in der Titelrolle Bernd Stromberg, eine Figur, die er über Jahre hinweg geprägt und nuanciert hat. Herbsts Darstellung lebt von einem feinen Timing zwischen Selbstüberschätzung und Verletzlichkeit; sie ist die treibende Kraft, an der satirische Beobachtungen sich reiben. Bjarne Mädel, bekannt geworden durch seine komischen wie melancholischen Nebenrollen, spielt hier Ernie, einen Gegenpol, dessen stille Resilienz Strombergs Zumutungen oft reflektiert. Oliver Wnuk verkörpert Ulf, einen weiteren Vertrauten aus dem Serienkosmos, dessen Präsenz die interne Dynamik der Abteilung markiert.

Diana Staehly, Milena Dreißig, Jürgen Rißmann, Stefan Lampadius und Suzanne Landsfried komplettieren das Ensemble und bringen die notwendige Tiefenschärfe in das Büroumfeld. Viele von ihnen sind der Serie vertraut und setzen hier Gestus und Beziehungslinien fort, die als soziologische Mikrokosmen fungieren: Kolleginnen und Kollegen, die mit Ambitionen, Frustrationen und der Kunst der Anpassung agieren. Die Besetzung zielt auf Vertrautheit; ihre Rollen funktionieren als Figurencluster, die Strombergs Verhalten spiegeln, zuspitzen oder abwehren.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film folgt, ohne die Serie zu wiederholen, dem gewohnt satirischen Blick auf einen bürokratischen Mikrokosmos. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen persönlichem Ehrgeiz und institutioneller Rationalität - ein Konflikt, der sowohl komische Eskalationen als auch peinliche Stillstände produziert. Die Handlung entfaltet sich entlang einer Reihe von Begegnungen und Konfrontationen, die interne Machtverhältnisse sichtbar machen und Strombergs Rolle als Provokateur und gleichzeitig Opfer gesellschaftlicher Strukturen herausarbeiten.

Die zentralen Figuren bleiben die vertrauten Büro-Besatzungen: ein autoritärer, selbstgewiss erscheinender Chef, subalterne Figuren mit unterschiedlichen Anpassungsstrategien und eine Bürogesellschaft, die Normen reproduziert und gelegentlich bricht. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen lakonischem Humor und Momenten, in denen die Komik in eine unangenehme Nähe zur Realität kippt; diese Ambivalenz ist ein konstitutives Element des Erzählens.

Zentrale Themen und Motive

Stromberg - Der Film stellt Fragen nach Führung, Verantwortung und dem moralischen Preis von Anpassung. Die Figur des Stromberg fungiert als Träger einer Ästhetik des Fehlverhaltens: Er provoziert nicht nur, er offenbart zugleich die Mechanismen, die Fehlverhalten ermöglichen und banal erscheinen lassen. Der Film exploriert die Dialektik von Opfer und Täter in einer Arbeitswelt, in der strukturelle Zwänge individuelles Fehlverhalten begünstigen.

Weitere Motive sind die Ritualisierung des Alltäglichen und die performative Seite beruflicher Identität. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Identität in Institutionen formt und wie Humor zugleich Verteidigungs- und Kontrollmittel sein kann. Psychologisch betrachtet thematisiert der Film Scham, Ressentiment und die Sehnsucht nach Anerkennung; gesellschaftlich lotet er die Grenzen aus, an denen Satire noch als Spiegel fungiert und nicht bloß als Brandmarke.

Formal setzt der Film die mit der Serie verbundenen Mittel - Direktansprache, Nähe der Kamera, ensemblezentrierte Szenen - ein, um sowohl komische Effekte als auch analytische Distanz zu erzeugen. Auf diese Weise bleibt Stromberg - Der Film weniger ein reines Gag-Feuerwerk als ein filmisches Laboratorium, in dem die Absurditäten moderner Arbeitswelt präzise beleuchtet werden.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

„Stromberg“ geht aufs Ganze

So sehr die Figur des Versicherungsangestellten Bernd Stromberg seit ihrem ersten Erscheinen auch polarisieren mag, hat sie die deutsche Fernsehlandschaft doch entscheidend bereichert. Inspiriert vom britischen Erfolgsformat „The Office“, sagte Drehbuchautor und Produzent Ralf Husmann 2004 den strahlenden Sympathieträgern hiesiger Serienproduktionen den Kampf an. Von Anfang an präsentierte er dem Publikum einen durchtriebenen und opportunistischen Protagonisten, der mit politisch unkorrekten und oft gewagten Aussagen von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen hüpft, seinen Kopf aber zumeist aus der Schlinge zu ziehen weiß. Nicht selten auf Kosten seiner Mitarbeiter. Den alltäglichen Bürowahnsinn fängt Husmanns preisgekrönte Sitcom gewiss überzeichnet ein, spiegelt dabei aber nicht nur überraschend treffend deutsche Spießigkeit und Anmaßung, sondern schwankt auch gekonnt zwischen Komik und Tragik. Nach fünf Staffeln wagen die Macher nun den Gang ins Kino, um ihre mittlerweile äußerst beliebte Serie gebührend abzuschließen. Möglich gemacht hat dies nicht zuletzt die begeisterte Fangemeinde, die sich im Dezember 2011 per Crowdfunding an der Finanzierung des Projekts beteiligte.

Vom kleinen Bildschirm auf die große Leinwand. Ein Schritt, der grundlegende Entscheidungen erforderte. Um dem Kinoformat gerecht zu werden, lässt der Film den engen Bürokosmos, der Stromberg (Christoph Maria Herbst) und seine Mitstreiter im Fernsehen umgibt, schon bald hinter sich. Die Belegschaft der Schadensregulierung geht auf Reisen. Macht sich auf den Weg zu einem Landhotel, in dem das 50-jährige Jubiläum der CAPITOL-Versicherung festlich begangen werden soll. Alles könnte so schön, wenn Abteilungsleiter Stromberg nicht kurz zuvor erfahren hätte, dass der Konzern seine Filiale schließen will. Mit diesem Exklusivwissen im Gepäck holt er nun auf der Party zum wohlkalkulierten Gegenschlag aus. Während sich die Kollegen dem Amüsement hingeben, versucht Stromberg, den anwesenden Vorstandsmitgliedern zu imponieren und so einen raschen Wechsel in die Zentrale anzubahnen. Dummerweise will auch Ernie (Bjarne I. Mädel), der sich plötzlich zu Höherem berufen fühlt, eine gute Figur abgeben. Chaos und Anarchie lassen da nicht lange auf sich warten.

Auch wenn der Film die bekannten Figuren und ihre Konflikte in eine größtenteils neue Umgebung wirft, bleiben die Grundkonstanten der Serie unberührt. Wie gewohnt, ist das Geschehen im Stil einer Mockumentary gedreht und durchsetzt mit Interviewsituationen, in denen Lebenseinstellungen, Ziele und Wünsche der Beteiligten geäußert werden. Auch der erfrischend provokant-sarkastische Ton der Sitcom bricht sich unaufhaltsam Bahn und sorgt einmal mehr für reichlich skurrile sowie schamlose Momente. Unaufhörlich stammelt Stromberg vor sich hin, spinnt Intrigen, pöbelt wild drauf los und redet sich mit gewagten Vergleichen und Worthülsen um Kopf und Kragen. Nicht anders als in der Serie, beweist er gleichzeitig aber auch ein untrügliches Gespür für den Augenblick, in dem er seine Chance beim Schopfe packen muss. Großartig ist etwa die Art und Weise, wie er die steife Jubiläumsfeier mit einem Schlag sprengt und sich als Alleinunterhalter gegen seinen Stellvertreter Ernie und zwei alte Bekannte – frühere Staffeln lassen grüßen – durchsetzen kann. Stromberg als Party-Crasher ist ein Genuss, der an die besten Zeiten der Serie erinnert, das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht.

Husmann hat weitaus mehr mit seinem Protagonisten vor und schickt ihn daher auf eine Reise, die seine beruflichen Wünsche ganz unverhofft in greifbare Nähe rückt, allerdings auch ein emotionales Problem aufwirft, da sich Stromberg auf einmal zwischen der Karriere und seiner Flamme Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) entscheiden muss. Soll er sich wieder einmal durchschummeln? Den eigenen Vorteil als Richtmaß nehmen? Oder doch auf seinen inneren Kompass hören? Seine Gefühle und die moralische Nadel, die selbst er besitzt? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen und führt zu einer herrlich absurden Wendung, die den Film auf eine noch größere Ebene hebt. Und unterstreicht, dass Stromberg nicht nur als Bürokämpfer taugt, sondern auch ein Mann der Straße ist. Ein Wutbürger par excellence, der mit festem Blick auf die eigene Sache ein gefährlicher Gegner sein kann. Augenzwinkernd greift das Drehbuch hier reale Vorkommnisse in der Versicherungsbranche sowie aktuelle Befindlichkeiten rund um die Kapitalismuskritik auf und bindet sie, humortechnisch gesehen, geschickt in die Handlung ein.

Dramaturgisch nicht immer ganz sauber ausformuliert, läuft das bunte Treiben schließlich auf einen amüsanten Epilog hinaus, der zu den ersten Einstellungen des Films zurückkehrt: Stromberg in einem gläsernen, weitläufigen Gebäude, das Macht und Erhabenheit ausstrahlt, ganz anders als die miefig-einfarbige Bürowelt der CAPITOL. Dass er zu neuen Ufern aufbricht, ein neues Terrain erobern will, ist schon zu Beginn offensichtlich. Doch erst jetzt erfahren wir, wo genau sich der Abteilungsleiter befindet. Ein gelungener Abschlussgag, der mit einem ebenso gelungenen Gastauftritt verbunden ist und Möglichkeiten für eine Fortsetzung eröffnet – wenn nicht im Fernsehen, wenigstens auf der großen Leinwand. Denn wie Stromberg selbst bemerkt, geht es in seiner neuen Umgebung noch weiter nach oben.

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