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Streetdance: New York

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kritiken.de Redaktion 14.07.2016
Streetdance: New York© SquareOne Entertainment / Universum Film
A ca. 1440 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Streetdance: New York als Choreographie der Stadt - Klassik trifft Streetculture im Tanzfilm

Einleitung

Streetdance: New York positioniert sich in einem Binnenfeld zeitgenössischer Tanzfilme, das zwischen kommerzieller Leichtigkeit und der Suche nach ästhetischer Kohärenz oszilliert. Der Film nutzt die vertrauten Codes des Musik- und Tanzkinos - Wettbewerb, Liebesplot, Showdown - liefert diese aber in einer Form, die den Körper als politisches und kulturelles Subjekt in den Mittelpunkt rückt. Damit folgt er einer internationalen Welle von Produktionen, die das Genre nicht nur reproduzieren, sondern hybridisieren.

Die Relevanz des Films liegt weniger in narrativer Originalität als in seiner expliziten Verhandlung zweier Tanztraditionen: die rigide, auf Technik und Linie fokussierte Welt des klassischen Balletts und die improvisatorische, communityorientierte Sprache des Streetdance. Gerade im Jahr 2016, in dem kulturelle Debatten um Authentizität, kulturelle Aneignung und die Ökonomisierung kreativer Praxis an Schärfe gewinnen, liest sich die filmische Gegenüberstellung als symptomatische Reflexion jener Konflikte.

Im Ganzen steht Streetdance: New York für einen Typus internationaler Co-Produktionen: eine in Rumänien realisierte Produktion mit einem multikulturellen Ensemble, die einen explizit amerikanischen Mythos - die tanzende Metropole New York - ins Bild setzt. Diese räumliche und kulturelle Verschiebung erzeugt eine doppelte Perspektive: Das Großstadtklischee wird zugleich zitiert und dekonstruiert, die Kamera arbeitet zwischen Glamour und karger Pragmatik.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Regie des Films zeigt eine Handschrift, die auf klaren, körperzentrierten Setpieces basiert. Kameraführung und Schnitt sind vorrangig Dienstleister für die Choreographie; rhythmische Montage ersetzt erzählerische Finesse, wo es um die Darstellung von Tanz geht. Visuell dominiert eine unmittelbare, manchmal dokumentarisch anmutende Nähe zu den Körpern - Close-ups von Füßen, Muskeln, Schweiß funktionieren als ästhetische Argumente für die Körperlichkeit selbst.

Produktionsseitig ordnet sich Streetdance: New York in die Praxis ein, die große, urbane Ambitionen mit ökonomischer Effizienz verbindet. Gedreht in Rumänien mit einem internationalen Cast, greift die Produktion auf lokale Technikkompetenz zurück und profitiert von vergleichsweise kostengünstigen Produktionsbedingungen. Diese Konstellation erlaubt es, aufwändige Choreographien und große Setpieces zu realisieren, ohne die Produktionsökonomie eines amerikanischen Studios zu beanspruchen.

Im Werkzusammenhang des Films ist weniger eine persönliche Autorenhandschrift als eine Genrestrategie ablesbar: Die Regie versucht, die Anforderungen eines Publikumsfilms - Zugänglichkeit, Emotion, visuelle Attraktion - mit einer ambitionierten tanzästhetischen Agenda zu verbinden. So positioniert sich der Film weder als radikaler Avantgardebeitrag noch als bloßes Tanzballett für den Massenmarkt, sondern als Vermittler einer populären wie zugleich künstlerisch interessierten Ästhetik.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Keenan Kampa bringt in ihrer Darstellung eine ballettypische Präzision ein; ihr Background im klassischen Tanz ist spürbar in der Linienführung ihrer Bewegungen und der Körperdisciplin, die ihrem Charakter zugrunde liegt. Sie steht im Film für eine Tradition, die an Disziplin und Formalität gebunden ist, und fungiert als privilegierte Trägerin dieser visuellen Sprache.

Nicholas Galitzine liefert die Gegenfigur eines jungen, musikalisch versierten Künstlers, dessen Präsenz weniger in technisch perfekter Körperlichkeit als in performativer Musikalität verankert ist. Seine Darstellung baut eine Brücke zwischen musikalischem Ausdruck und urbaner Vitalität, womit er den filmischen Kontaktpunkt zwischen klassischem Körper und improvisatorischem Ausdruck markiert.

Jane Seymour und Maia Morgenstern fügen dem Ensemble eine Ebene institutioneller und generationeller Erfahrung hinzu. Seymour übernimmt die Rolle der etablierten Figur - Mentor oder Mäzen - deren historische Verortung den Konflikt zwischen Tradition und Innovation akzentuiert. Morgenstern als renommierte rumänische Schauspielerin bringt eine lokale kulturelle Legitimität in eine Produktion, die ansonsten international operiert.

Ergänzt wird das Ensemble durch Performer wie Sonoya Mizuno, Ian Eastwood und Choreografen wie Dave Scott, deren Profile an der Schnittstelle von Tanz und Film stehen. Sie übernehmen nicht nur Darstellerfunktionen, sondern prägen mit ihrer choreographischen Kompetenz die körperliche Sprache des Films.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Erzählung von Streetdance: New York folgt dem klassischen Muster eines Wettbewerbsfilms: zwei ästhetische Milieus prallen aufeinander, junge Talente ringen um Anerkennung, und ein öffentlicher Wettstreit fungiert als narrativer Katalysator. Die zentrale Spannung entspringt dem Zusammenprall von Ballettästhetik und Streetdance, wobei die Figuren nicht nur tänzerische, sondern auch existenzielle Entscheidungen treffen müssen.

Im Zentrum stehen eine junge Tänzerin mit klassischer Ausbildung und ein Musiker/Performer aus der urbanen Szene. Ihre Beziehung ist weniger romantischer Plot denn künstlerische Auseinandersetzung: Das gegenseitige Lernen, die Frage nach der Integrität der eigenen Kunst und die Suche nach einem gemeinsamen Ausdruck treiben die Handlung voran. Der Ton des Films bewegt sich zwischen Energetik und sentimentaler Wärme; die Atmosphäre wechselt von verrauchten Clubs zu strengen Probenräumen und hellen Bühnenlichtern.

Zentrale Themen und Motive

Streetdance: New York lotet Fragen der Authentizität und Aneignung aus: Was passiert, wenn formale Technik auf improvisatorische Praxis trifft? Der Film fragt danach, ob und wie unterschiedliche Bewegungsregister sich ergänzen können, ohne einander zu neutralisieren. Eng damit verknüpft ist das Thema der Ökonomie künstlerischer Produktion - die Figuren agieren in einem Feld, in dem Förderung, Kommerz und künstlerische Selbstverwirklichung in Spannung stehen.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Stadt selbst als Choreograph. New York fungiert weniger als malerische Kulisse denn als aktiver Raum, dessen Architektur, Rhythmus und soziale Verwerfungen die Bewegungen der Figuren prägen. Der Körper wird zum Archiv sozialer Zugehörigkeiten und Ambitionen; Tanz erscheint hier als Sprache, die soziale Barrieren überwindet und zugleich reproduziert.

Psychologisch richtet der Film sein Augenmerk auf Identität und Selbstinszenierung. Die Protagonisten ringen mit der Frage, wie weit sie ihre Herkunft verleugnen oder integrieren müssen, um Erfolg zu haben. Philosophisch stellt die Erzählung die Frage nach dem Wert des Künstlerischen - als persönlicher Ausdruck, als Community-Formung und als Ware auf einem immer sichtbarer werdenden Markt der Kulturindustrie.

Filmkritik von Bianka Piringer

Der Geiger, die Ballerina und die Stadt

In New York laufen sich zwei ortsfremde Nachwuchskünstler über den Weg: Ruby Adams (Keenan Kampa) ist aus dem Mittleren Westen hierhergezogen, um an einem renommierten Konservatorium Tanz zu studieren. Der Geigenspieler Johnnie Blackwell (Nicholas Galitzine) stammt aus England, hat kein Visum und verdient sein Geld als Straßenmusiker. Bei einem Raubüberfall in einem U-Bahnhof will er Ruby helfen, dabei wird aber seine Geige geklaut. Ruby bemüht sich, das kostbare Instrument wiederzufinden und bringt Johnnie zur Überbrückung ein Leih-Instrument aus ihrer Schule. Der rebellische junge Mann aber weist dieses Angebot stolz zurück, weil er mit dem Establishment nichts zu tun haben will.

Ruby ist tief gekränkt. Doch natürlich steht dieser Zwist nur am Anfang einer romantischen Entwicklung. Ruby und Johnnie tun sich zusammen für einen Musik- und Tanzwettbewerb: Als Sieger bekäme Johnnie ein Stipendium für die Musikhochschule und damit ein Studentenvisum. Ach ja, der Streetdance kommt auch vor, weil in der Wohnung unter Johnnies Apartment die „SwitchSteps“ proben, die seine Freunde werden und bei seinem Wettbewerbsauftritt mitmachen.

Das bewährte Prinzip der romantischen Tanzfilme für ein junges Publikum wird auch in dieser amerikanisch-rumänischen Koproduktion fortgeführt. Das zentrale Paar muss stets Gräben zwischen scheinbar unvereinbaren Milieus oder Stilrichtungen überwinden. Im britischen „StreetDance 3D“ von 2010 ging es am Schauplatz London um die Fusion von Streetdance und Ballett, im Nachfolger „StreetDance 2“ von 2012 um die Kombination von Hip-Hop-Moves und lateinamerikanischem Tanz. Und nun liegt die Betonung eher wieder auf Klassik als Inspiration für einen bunten Stilmix. Es wird viel und überall getanzt, in der Ausbildung, in der Disko, auf einem noblen Event, im U-Bahnhof, in der Kneipe: Tango, irischer Steptanz, Hip-Hop, klassisches Ballett, Modern Dance.

Johnnie kann zwar gut Tango tanzen, aber die als filmisches Leitthema dienende Fusion von Klassik und Moderne absolviert er als Violinist. Dennoch stellt ihn der Film zusammen mit Ruby, deren Darstellerin eine renommierte Balletttänzerin ist, auf die Bühne: Er spielt die Musik, zu der sie mit den anderen tanzt, während die dynamische Kamera und die ausgefeilte Montage Teil der Show werden. Der Choreograph Dave Scott arbeitete schon bei „Step Up 3D“, Regie führt Michael Damian („Moondance Alexander“) und auch sonst hat dieser Film, der im Original „High Strung“ heißt, mit den beiden „StreetDance“-Filmen von Max Giwa und Dania Pasquini konkret nichts zu tun. Dennoch fallen Parallelen auf, etwa wenn die Großstadt den Künstlern als Inspirationsquelle dient. Johnnie baut dissonante Töne in seine Kompositionen ein, in welchen sich das Lebensgefühl auf den Straßen spiegelt. Die Stadtpanoramen signalisieren, wie aufregend es ist, in New York zu wohnen, während auf der zwischenmenschlichen Ebene eher Harmonie angesagt ist. Rivalitäten, so sie überhaupt auftauchen, werden als künstlerisches Kräftemessen nach dem Prinzip der „Dance Battles“ ausgetragen und dann auch beigelegt.

Bei Licht betrachtet, gibt es hier inhaltlich wenig Substanz, aber die Figurenzeichnung kaschiert ihre Oberflächlichkeit gekonnt mit Andeutungen innerer Konflikte. Und wenn der Held genretypisch seinen großen Auftritt zu verpassen droht, entsteht sogar fieberhafte Spannung. Die Gefühle der Charaktere scheinen auch spürbar zu werden, wenn die Kamera die Gesichter umtänzelt, elegant mit Nähe und Distanz spielt. Der Film überzeugt gerade weil er die Hoffnungen und Ängste der jungen Menschen, nicht nur die Performance ins Visier nimmt. Dabei weckt er vage Erinnerungen an den Klassiker „Fame – Der Weg zum Ruhm“, beschränkt sich dann aber darauf, sie in satte Wohlfühlatmosphäre zu tauchen.

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