Independence Day 2: Wiederkehr - Monumentales Spektakel zwischen Nostalgiepolitik und postapokalyptischer Ästhetik
Einleitung
Independence Day 2: Wiederkehr tritt an als Fortsetzung eines Films, der 1996 nicht nur das Genre des Großraum-Blockbusters definierte, sondern auch eine populäre Vorstellung von kollektiver Verteidigung und amerikanischer Souveränität im Angesicht des Außerirdischen prägte. Zwanzig Jahre später stellt der Film nicht nur technisch die Frage nach dem Stand der visuellen Effekte, sondern kulturell die nach der Verwendbarkeit von Nostalgie in einer globalisierten Kinoökonomie. Die Rückkehr alter Gesichter und die Einführung einer neuen Generation von Protagonisten verweben sich hier zu einem narrativen Anspruch, der sowohl Kontinuität als auch Erneuerung signalisiert.
Regisseur Roland Emmerich operiert seit Jahrzehnten an jener Schnittstelle, an der Katastrophe zur politischen Allegorie wird. Seine Handschrift ist bekannt: monumentale Zerstörungsbilder, ein Ensemble aus wiedererkennbaren Archetypen und eine Tendenz, das Individuum in kollektiven Überlebensszenarien zu vermessen. In diesem Sinne lässt sich Wiederkehr als konsequente Fortführung einer Filmografie lesen, die von Godzilla über The Day After Tomorrow bis zu 2012 reicht und sich stets um das große, visuelle Statement bemüht.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung im Sommer 2016 ist nicht beliebig. In einem gesellschaftlichen Klima, das von Unsicherheiten über nationale Identität, technologischen Umwälzungen und der Angst vor externen Bedrohungen geprägt ist, fungiert der Film als Moment der kulturellen Selbstvergewisserung. Er reflektiert zugleich die ökonomischen Realitäten des modernen Kinos: internationale Casting-Entscheidungen, chinesische Marktstrategien und das Bedürfnis, etablierte Franchises neu zu beleben, sind Teil jenes Kontextes, in dem Wiederkehr entstanden ist.
Kurzüberblick zur Produktion
Regie führte Roland Emmerich, dessen Name für opulente Zerstörungsästhetik und global inszenierte Krisen steht. Die Produktion wurde von einem großen Studio getragen - 20th Century Fox - und positionierte sich als hochbudgetierter Sommerfilm, der auf die Kombination aus nostalgischem Markenwert und modernster CGI setzte. Finanziell und logistisch bedeutete das Projekt den Einsatz umfangreicher visueller Effekte, internationaler Dreharbeiten und eines breit aufgestellten Casts, dessen Zusammensetzung die ambitionierte Vermarktungsstrategie deutlich macht.
Produktionstechnisch repräsentiert Wiederkehr die Fortentwicklung jener Effektpipelines, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasante Fortschritte gemacht haben. Zugleich handelt es sich um eine strategische Fortsetzung im Kanon Emmerichscher Großereignisse: Der Film will weniger eine intime Charakterstudie sein als eine kollektive Kinoerfahrung, die auf die Sinne wirkt und auf die Erfahrung des Kinos als Event. In der Reihe seiner Filme nimmt er somit die Rolle eines aktualisierten, technologisch ambitionierten Kapitels ein, das die bekannten Formeln des Regisseurs in ein verändertes internationales Marktumfeld überträgt.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Der Cast verbindet etablierte Altstars mit jungen Gesichtern. Jeff Goldblum kehrt in seiner Rolle als Wissenschaftler zurück und fungiert erneut als intellektuelle Stimme des Films, deren lässige Suada die technologische Dimension der Bedrohung moduliert. Bill Pullman steht repräsentativ für die politische Legitimation älterer Erzähllinien; seine Präsenz wirkt wie ein Verweis auf die ursprüngliche Konzeption von Führung und Verantwortung. Neben ihnen stehen Liam Hemsworth und Joey King als Repräsentanten der neuen Generation, die klassische Actionhelden-Partien mit jugendlichem Pathos verbinden.
Maika Monroe, bekannt geworden durch das Horridrama It Follows, bringt eine nüchterne, körperbetonte Präsenz ein, während William Fichtner und Brent Spiner als erfahrene Charakterdarsteller für Nuancen in Nebenrollen sorgen. Angelababy ist ein deutliches Zeichen für die Ambitionen, den chinesischen Markt zu erreichen und zugleich eine multinationale Erzählwelt zu etablieren. Jessie Usher und weitere junge Darsteller symbolisieren in der Ensemblechoreografie die Fortsetzung eines Erbes, das nun von neuen Persönlichkeiten getragen werden soll.
Handlung (spoilerfrei!)
Der Film setzt zwei Jahrzehnte nach dem Erstkontakt an: Aus der Katastrophe ist ein fragiles Gleichgewicht entstanden, das auf der Nutzung außerirdischer Technologie beruht. Die Menschheit hat sich bewaffnet und organisiert, doch diese errungene Sicherheit erweist sich als prekär. In diesem Spannungsfeld entfaltet sich die zentrale Handlung, die mehrere Handlungsstränge miteinander verwebt und dabei zwischen militärischer Reaktion, wissenschaftlicher Deutung und persönlicher Bewährung wechselt.
Der dramatische Konflikt besteht weniger in einer einzelnen psychologischen Krise als in der Frage nach kollektiver Handlungsmacht: Wie reagiert eine global vernetzte Menschheit auf eine erneute, existenzielle Bedrohung? Zentrale Figuren sind Veteranen des ersten Kontakts, deren Erinnerungen und Autorität die Handlung tragen, sowie junge Akteure, die mit neuen Methoden und anderer Perspektive antworten. Der Ton des Films bewegt sich zwischen einer martialischen Energie und moments of contemplative Ruhe; die Atmosphäre ist geprägt von einer Mischung aus Triumphgestus und latentem kosmischem Schrecken.
Zentrale Themen und Motive
Wiederkehr stellt grundsätzliche Fragen zur Verarbeitungs- und Erinnerungsleistung einer Zivilisation. Wie behält eine Gesellschaft ihre Menschlichkeit, wenn sie technologisch aufgerüstet ist? Welches Verhältnis entsteht zwischen Kriegsvorbereitung und Friedensbewahrung, wenn die Technik selbst zur Versuchung wird? Diese thematischen Linien werden nicht abstrakt geführt, sondern im Spektakel verhandelt: Die Zerstörung bleibt dafür das Mittel, in dem sich ethische wie politische Spannungen sichtbar machen.
Ein weiteres Motiv ist die Generationenfolge - die Idee, dass Erbe nicht nur materiell, sondern narrativ weitergetragen wird. Neben dieser familiären Lesart tritt eine medienkritische Dimension: Die Inszenierung von Bedrohung, die Rollenzuschreibungen von Wissenschaft und Politik sowie die choreografierte Imagepflege der Führenden werden zu Motiven, die den Film zu einer Reflexionsfläche über moderne Krisenwahrnehmung machen. Schließlich bleibt Emmerichs ästhetische Vorliebe für das Visuelle ein Thema an sich: Die filmische Darstellung des Großen, des Sublimen in der Zerstörung, ist zugleich ein philosophischer Kommentar über die Grenzen des menschlichen Begreifens.
Filmkritik von Peter Osteried
Am 20. Jahrestag des Independence Day erfolgt die Wiederkehr!
Über Jahre hinweg hat man versucht, ein Sequel auf die Beine zu stellen. Es scheiterte lange daran, dass Roland Emmerich und Dean Devlin sich einerseits anderer Stoffe annahmen, andererseits keine zündende Idee hatten. Sie wollen einen Film, der nicht nur wiederholt, was das Original bietet. Das ist hier zwar nun der Fall, allerdings bereitet man mit dem Ende eine weit größere Geschichte vor. Ob die allerdings kommt, ist fraglich, denn das US-Einspiel ist ernüchternd.
20 Jahre nach dem großen Krieg feiert man den Sieg über die außerirdischen Invasoren, hat sich aber auch auf ihre Rückkehr vorbereitet. Just an diesem Feiertag taucht dann ein Raumschiff auf, das größer ist als alles, was die Menschheit je gesehen hat. Die Angreifer sind zurück – und todbringender als je zuvor. Aber die Menschheit hat aufgerüstet. Und es gibt Hilfe von unerwarteter Seite.
Originell ist Independence Day: Wiederkehr nicht. Er bietet im Grunde nur dieselbe Geschichte noch einmal, wenn auch mit allerhand Variationen. Die Idee war dabei eine Art Staffelstabübergabe, da zwar Recken des Originalfilms dabei sind, vor allem aber ihre Nachfolger in den Mittelpunkt gerückt werden. Ein Problem ist dabei sehr schnell auffällig: Jeff Goldblum, Brent Spiner und Bill Pullman haben weit mehr Charisma als das Jungvolk um Liam Hemsworth. So sind die Helden von einst auch diejenigen, die in diesem aufgemotzten Sequel weit mehr Wirkung entfalten.
Das sorgt dafür, dass der Film ein klein wenig zerfällt. Er ist nicht gänzlich homogen, aber er ist bei weitem nicht die Katastrophe, als die ihn so mancher Kritiker hinstellt. Denn Emmerichs Welteninferno ist im Grunde genau das, was man von einem Streifen wie diesem erwarten kann und darf. Es gibt Figuren, die nicht besonders stark ausgearbeitet sind. Sie sind im Grunde Funktionsträger, die auf die großen Ereignisse reagieren. Das geht mit allerhand Action und natürlich mit sehr knackigen Effekten einher. Die Geschichte bietet nichts grundsätzlich Neues, wenn man davon absieht, dass die Menschheit nun mit deutlich besserer Technik, die durch die erbeutete Alien-Technologie aufgemotzt wurde, zu weit mehr Widerstand fähig ist. Aber wie schon 1996 ist es letzten Endes auch 2016 ein eher unscheinbarer Plan, der den Invasoren schließlich zum Verhängnis werden soll.
Das Faszinierende an dieser Materialschlacht ist im Grunde, dass zum Ende hin die Geschichte weit größer aufgezogen wird. Man spürt, dass hier nicht nur ein Sequel, sondern eine ganze Saga geplant war, die sich nun aber wohl nie entfalten wird. Das ist schade, auch und gerade, weil das Originelle, das man hier vermisst, dann automatisch gegeben sein würde, wenn man der zum Ende eingeschlagenen Route folgen würde.
So bleibt jedoch ein gut gemachter, durchaus spannender Film, der bisweilen etwas holprig gerät, weil einige Figuren völlig überflüssig sind (Judd Hirsch und seine Abenteuer mit den Kindern) und andere farblos bleiben (der Sohn von Will Smiths Figur). Aber alles in allem ist Independence Day: Wiederkehr knackiges Sommerkino, das gut zu unterhalten weiß.

