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Star Trek Into Darkness

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kritiken.de Redaktion 09.05.2013
Star Trek Into Darkness© Paramount Pictures Germany GmbH
A ca. 1504 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Star Trek Into Darkness als Studie über Führung, Gewalt und die Ethik technologischer Macht

Einleitung

Star Trek Into Darkness tritt in die Spur einer Popkulturikone, die seit Jahrzehnten zwischen Utopie und militärischer Verheißung oszilliert. Als Fortsetzung des 2009er-Reboots lädt der Film nicht primär zu einer bloßen Fortsetzung von Actionsequenzen ein, sondern konfrontiert das Franchise mit Fragen nach Verantwortungsgewalt, Souveränität und der Rechtfertigung von Gewalt unter dem Schutzmantel vermeintlicher Ordnung. Die Relevanz des Films liegt weniger im narrativen Neuanklang als in seiner reflexiven Spannung zwischen nostalgischem Kanon und zeitgenössischen sicherheitspolitischen Diskursen.

Für den Regisseur J.J. Abrams markiert Into Darkness eine Fortführung seiner Handschrift: die Verbindung von kinetischer Bildsprache, emotional aufgeladenen Figurenbögen und einem breiten, massenkompatiblen Erzählduktus. In seinem Werk fungiert der Film als Versuch, cineastische Spektakelformen mit einer dramaturgischen Verankerung zu koppeln, die sowohl persönliche als auch institutionelle Konflikte evoziert. Dadurch stellt sich der Film weniger als naive Blockbuster-Inszenierung dar denn als ein Spiegel aktueller Ambivalenzen über Macht und Moral.

Der gesellschaftliche Hintergrund der frühen 2010er Jahre prägt die Lesart des Films: Debatten über Präventivschläge, Überwachungstechnologien und militärische Interventionen geben der Geschichte einen Konturschatten. Diese zeitgenössische Resonanz macht Star Trek Into Darkness zu einem Produkt seiner Zeit, das klassische Science-Fiction-Motive - technologischer Fortschritt, Identität, Loyalität - in einen modernen Kontext verschiebt, in dem Sicherheitspolitik und ethische Legitimation eng verflochten sind.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte J.J. Abrams, der die 2009 begonnene Neuausrichtung des Franchises fortsetzte. Die Produktion lief über Paramount Pictures in Kooperation mit Abrams’ Produktionsfirma Bad Robot; das Budget reflektierte den Anspruch eines großen Hollywood-Blockbusters mit aufwendigen visuellen Effekten, umfangreichen Sets und internationalem Casting. Auffällig ist die Gratwanderung zwischen handwerklicher Sorgfalt und industriellem Kalkül: Hochglanz-Visuals und präzise eingesetzte CGI stehen neben Momenten, in denen die Regie auf eng gefasste Figurenkonstellationen setzt.

Die Produktionsumstände waren von hohen Erwartungen geprägt. Nach dem kommerziellen und kritischen Erfolg des Reboots musste die Fortsetzung sowohl dem Anspruch der Fangemeinde an mythologische Kontinuität genügen als auch die kommerzielle Erneuerung sichern. Diese Konstellation spiegelt sich in Entscheidungen wider, die zwischen ikonischer Reminiszenz und prozessualer Modernisierung oszillieren. Innerhalb Abrams’ Gesamtwerk nimmt der Film eine Position ein, die seine Neigung zu emotionaler Polarisierung und narrativer Verdichtung deutlich macht.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung vereint erfahrene Darsteller, die bereits prägende Rollen in Kino und Fernsehen innehatten, mit Neuzugängen, die für zusätzliche Dynamik sorgen. Chris Pine ist als Führungspersönlichkeit zu sehen, seine Interpretation fußt auf einem Spannungsfeld aus charismatischer Selbstsicherheit und der Verwundbarkeit einer Figur, die Autorität ausüben muss. Zachary Quinto setzt die traditionelle kühle Rationalität seiner Rolle in Kontrapunkt zu Pines Temperament, seine Darstellung markiert das beständige Interesse des Films an der Spannung zwischen Gefühl und Vernunft.

Zoë Saldaña bringt eine vokale Präsenz und emotionale Erdung in das Ensemble, während Karl Urban und Anton Yelchin bekannte Archetypen in neuen Nuancierungen fortführen. Simon Pegg und John Cho liefern Momente, die sowohl humoristische Erleichterung als auch technische Kompetenz bieten. Alice Eve tritt als neue Figur in das Beziehungsgeflecht des Ensembles und fügt eine zusätzliche Dimension zu Fragen von Loyalität und Verantwortung hinzu. Benedict Cumberbatch verkörpert den zentralen Antagonisten in einer Weise, die seine markante Bühnenpräsenz und die Ambivalenz seiner Rolle betont. Bruce Greenwood und Peter Weller fungieren als Repräsentanten institutioneller Macht, deren Entscheidungen die Handlung institutionell tragen.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film entfaltet eine Erzählung, die auf einen dramatischen Konflikt zusteuert: Eine Krise gegen die Ordnung des interstellaren Gemeinwesens fordert die Führung des Raumschiffs heraus und setzt eine Kette von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen in Gang. Die Handlung verwebt Raumschlachten und taktische Manöver mit intimeren Momenten, in denen persönliche Loyalitäten und moralische Dilemmata geprüft werden. Zentrale Figuren sind das Führungsteam des Raumschiffs sowie eine kraftvolle, gegenpolige Figur, deren Existenz die Grundprämissen von Recht und Gerechtigkeit infrage stellt.

Ton und Atmosphäre bewegen sich zwischen atemloser Action und dramatischer Dichte. Der Film nutzt die vertraute Enge des Schiffsinnenraums als Bühne für ethische Auseinandersetzungen und kontrastiert diese mit großskaligen Außenaufnahmen, die den Bereich des politischen Handelns visualisieren. Die Struktur zielt darauf ab, die Spannung zwischen individueller Verantwortung und institutioneller Ordnung auszuspielen, ohne die erzählerische Ökonomie im Sinne reiner Spektakelfolgen zu vernachlässigen.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Führungsethik, Gewaltlegitimation und der Rolle technologischer Macht. Wie rechtfertigt ein Gemeinwesen Gewalt, wenn sie als notwendig für Stabilität deklariert wird? Welche Grenzen gelten für den Einsatz von Machtmitteln, und wie werden persönliche Entscheidungen institutionalisiert? Diese Fragen verhandelt der Film nicht als theoretisches Konstrukt, sondern durch die psychologische Ausleuchtung seiner Figuren und die institutionellen Rahmenbedingungen, in denen sie agieren.

Weitere Motive sind Erinnerung und Identität: Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit - sowohl individueller als auch kollektiver Art - wirkt als treibende Kraft hinter persönlichem Handeln und politischen Entscheidungen. Technik fungiert dabei nicht nur als Hintergrundkulisse, sondern als aktiver Faktor, der Handlungsmöglichkeiten erweitert und zugleich moralische Komplexität erzeugt. Die Spannung zwischen Fortschrittsglaube und Verwundbarkeit bildet den atmosphärischen Kern des Films und macht ihn zu einer Reflexionsfläche für Fragen, die weit über das Science-Fiction-Genre hinausreichen.

Filmkritik von Jochen Werner

Ausgerechnet Star Trek mit dem gegenwärtigen amerikanischen Blockbusterkino kompatibel zu machen, ist sicher keine ganz leichte Aufgabe, denn im Grunde wollte der seinerzeit mächtig überstrapazierte Begriff der space opera auf die TV-Serien und Kinofilme aus Gene Roddenberrys Kosmos nie so recht passen. Immer war es eher eine space soap opera, die sich darin abspielte und noch die besseren der qualitativ sehr disparaten zehn Kinofilme entscheidend prägte, die um zwei verschiedene USS-Enterprise-Crews zwischen 1979 und 2002 inszeniert wurden. Einzig der US-Regisseur Robert Wise, so scheint es jedenfalls rückblickend, versuchte im bis heute ungeliebten Auftakt der Kinofilmreihe, einen Stil für Star Trek zu finden, der an neuralgischen Punkten über Erzählweise und Optik einer TV-Doppelfolge hinausweisen sollte.

Zu altbacken schien mitunter das zwischen- und allzumenschliche Geplänkel, das die Serien und auch die Filme des Star Trek-Kosmos wesentlich prägte, um sich halbwegs narbenfrei mit dem im amerikanischen Spektakelfilm so lustvoll zelebrierten Hang zu exzessiven Materialschlachten vernähen zu lassen. Und, nicht zuletzt: zu pazifistisch, zu antimilitaristisch kam Star Trek stets daher, als dass sich – wie etwa in den einschlägigen Konkurrenzprodukten aus dem Hause Michael Bay – umstandslos Werbedeals mit den US-Streitkräften würden einflechten lassen. Jedenfalls nicht ohne dabei über die Leiche von Gene Roddenberrys politischen Überzeugungen zu gehen. Mit J. J. Abrams stellte sich immerhin ein Filmemacher, der sich in der TV-Serie und im Kinofilm gleichermaßen zu Hause fühlt und in beiden Erzählformen Beachtliches geleistet hat, der Herausforderung einer Überführung von Star Trek ins zeitgenössische Kino.

Star Trek: Into Darkness ist Abrams’ zweiter Beitrag zur Kino-Neuauflage der Reihe nach dem zwar sehr erfolgreichen, aber seltsam unentschlossen zwischen der Betulichkeit der Vorgänger und dem Drang und Zwang zum Actionspektakel schwankenden Star Trek. Nun begibt sich der Regisseur tatsächlich in eine Zukunft hinein, die von weitaus größeren Ambivalenzen überschattet ist, als der naiv-sympathische Völkerverständigungs-Utopismus früherer Zeiten in finstersten Träumen befürchten musste. Auch im Star Trek-Kosmos ist der Krieg nun im eigenen Land (beziehungsweise auf dem eigenen Planeten) angekommen, und die Terrorangst prägt die Symbolsprache des Films nicht vorrangig, aber doch deutlich. Als entscheidender aber für die düstere Färbung von Star Trek: Into Darkness erweist sich der Umstand, dass die Keimzelle der zunächst undurchsichtigen Intrigen um den diabolischen Antagonisten John Harrison (Benedict Cumberbatch) in den inneren Strukturen und den dunklen Geheimnissen der Sternenflotte selbst liegt. Diese droht sich von der diplomatischen Zielen verpflichteten Organisation zur von Hardlinern und Kriegstreibern gesteuerten Schattenregierung zu wandeln.

Zum Zwecke einer verkappten (und unumkehrbaren) Kriegserklärung an die Klingonen wird nun also die Enterprise unter der Führung des zunächst degradierten, nach dem Tod seines Förderers Pike (Bruce Greenwood) aber schnell wieder in den Kapitänsrang beförderten Kirk (Chris Pine) ausgesandt – offiziell, um einen unbewohnten Teil des Planeten Chronos mit Torpedos zu beschießen und so den Weltraumterroristen Harrison auszuschalten. An Bord der Enterprise freilich kommt man nach hitzigen Diskussionen zum Schluss, dass dieser Mord aus der Distanz ohne den vorherigen Versuch einer Verhaftung – man mag sich hier durchaus an das jüngere Zeitgeschehen erinnert fühlen – moralisch inakzeptabel sei und nimmt Harrison stattdessen gefangen. Dieses Abweichen vom Plan setzt schließlich eine sich rasant überstürzende Ereignisfolge in Gang, die schnell in den knapp einstündigen Showdown des Films mündet.

In formaler Hinsicht zerfällt Star Trek: Into Darkness offen in zwei Hälften, deren erste sich teils erstaunlich schwerfällig darin ergeht, ausreichend Anspielungen, Nerdismen und zwischenmenschliche Plänkeleien über den Film zu verstreuen, dass sich noch die konservativsten Fans der ersten Stunden hier wieder zu Hause fühlen können – und sei es nur, weil sie sich darüber freuen dürfen, noch die kleinste (meist dann leider doch nur semiclevere) Verdrehung gegenüber der mehr oder minder offiziellen Vorlage, Nicholas Meyers Star Trek 2: Der Zorn des Khan (1982) oder noch das letzte Zitat aus der TV-Serie erkannt zu haben. Dann freilich, ziemlich genau auf halber Strecke des 130-minütigen Films, tritt Abrams plötzlich und relativ unvermittelt heftig aufs Gaspedal und schleudert seine Protagonisten wie das Publikum in einen atemlosen und mitunter sehr spannenden Showdown hinein. Dies entschädigt zwar für manches – und sorgt auch dafür, dass man nicht eben gelangweilt das Kino verlässt –, hinterlässt dann aber im Rückblick doch einen leicht schalen Nachgeschmack.

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