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Spider-Man: Homecoming

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kritiken.de Redaktion 13.07.2017
Spider-Man: Homecoming© Sony Pictures Germany
A ca. 1540 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Spider-Man: Homecoming - Mentoring, Moderne Identität und die Normalität in der Teenagerexistenz im Superheldenuniversum

Einleitung

Spider-Man: Homecoming tritt in eine bereits dicht besetzte Filmlandschaft der 2010er Jahre und markiert mehr als nur die Rückkehr eines ikonischen Comichelden auf die große Leinwand. Der Film ist ein Versuch, das mythische Motiv des jugendlichen Außenseiters neu zu verorten, indem er die übermäßige Zumutung des Blockbusterkinos mit dem kleinen, alltäglichen Drama einer Highschoolexistenz verknüpft. In dieser Spannung zwischen Monumentalität und Banalisierung liegt die Relevanz des Films: Er vermittelt, wie Superheldentum in Zeiten medialer Saturation und franchiseorientierter Produktion vermessen werden kann, ohne die Figuren auf pure Funktionen zu reduzieren.

Für das Publikum war Homecoming ein Testfall der filmischen Kooperation zwischen konkurrierenden Studios und dem Marvel Cinematic Universe - die Figur Spider-Man sollte nahtlos in ein kollektives Erzählgefüge integriert werden, zugleich aber ihre ureigene Jugendlichkeit behalten. Die Entscheidung, die Herkunftsgeschichte weitgehend außen vor zu lassen und stattdessen die Phase des Lernens und Zweifelns in den Mittelpunkt zu stellen, verschiebt die Dramaturgie vom Ursprungsmythos hin zur Ausbildung einer moralischen Identität.

Im kulturellen Kontext reflektiert der Film Fragen nach Mentorschaft, Leistung und sozialer Mobilität. Er erscheint in einer Zeit, in der die Popkultur vermehrt die Ambivalenz von Autorität und Vorbild untersucht. Indem Spider-Man in einer Welt agiert, in der Superhelden bereits institutionell verankert sind, öffnet der Film einen Raum für die Auseinandersetzung mit Verantwortungsbewusstsein als Lernprozess statt als nativer Vollendung.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Jon Watts, ein Regisseur mit Hintergrund im kleineren Thriller- und Independentbereich. Watts hatte zuvor mit Arbeiten wie Cop Car auf sich aufmerksam gemacht und bringt in Homecoming eine nüchterne, an Alltagsrealismus orientierte Handschrift ein. Seine Regieführung versucht, das spektakuläre Vokabular des Superheldenfilms zu zähmen und es in die Proportionen jugendlicher Lebensräume zu überführen.

Die Produktion ist ein Produkt komplexer Studioverhältnisse - Marvel Studios arbeitete in Zusammenarbeit mit Columbia Pictures und Sony, um die Figur innerhalb des Marvel Cinematic Universe zu etablieren. Unter der Produktionsverantwortung von Kevin Feige entstand ein filmischer Kompromiss: der Versuch, Marvels integratives Franchise-Design mit Sonys Intentionen für die Figur zu verbinden. Das Budget bewegt sich im Bereich großer Blockbusterproduktionen, doch die Erzählstrategie bleibt bewusst auf kleinere Momente und eine intime Perspektive ausgerichtet.

Im Werk des Regisseurs steht Homecoming für die stilistische Expansion Watts' von kleinem, intensiven Kino hin zu großem Unterhaltungskino mit humanistischer Grundhaltung. Der Film zeigt, wie ein Regisseur aus dem Independentbereich versucht, eine persönliche Handschrift in ein kommerzielles Gefüge einzubringen, ohne die erzählerische Ökonomie eines Franchise zu unterminieren.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Tom Holland übernimmt die zentrale Rolle als Peter Parker und bringt eine körperliche Unmittelbarkeit sowie eine jugendliche Unsicherheit in die Figur, die sich deutlich von früheren, reiferen Inkarnationen unterscheidet. Holland war zuvor in Filmen wie The Impossible zu sehen und hatte sein MCU-Debüt in Captain America: Civil War - hier wird seine Parker-Figur als Lernender konzipiert, nicht als vollendeter Held.

Robert Downey Jr. agiert als übergreifende Figur des Mentorenthums - seine Präsenz hat eine zweifache Funktion: sie kanalisiert vergangene MCU-Opfer und zugleich fungiert sie als narrative Klammer, die das Spektakel mit einem konkreten Macht- und Wertekörper versieht. Michael Keaton bringt dem Antagonisten eine eher erdverbundene, handwerklich-tonale Bedrohlichkeit; sein Spiel ist zurückgenommen, zugleich präzise und konfliktreich in seinen Motivationen.

Marisa Tomei interpretiert Aunt May neu, weniger als archetypische Tante denn als zeitgenössische Bezugsperson. Nebenrollen wie Jacob Batalon als bester Freund, Zendaya in einer geheimnisvolleren Nebenfigur und Tony Revolori als Klassenrivale verleihen dem Umfeld Peters eine glaubhafte soziale Struktur - sie sind nicht bloß Staffage, sondern Funktionen im Gefüge eines Coming-of-Age, das sich gegen den Hintergrund des Superheldendramas entfaltet.

Handlung (spoilerfrei!)

Spider-Man: Homecoming konzentriert sich auf die Phase, in der ein junger Held versucht, seine Rolle in einer Welt zu finden, die bereits von größeren Kräften geprägt ist. Die narrative Spannung entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen schulischem Alltag und der Verpflichtung gegenüber einer größeren Gemeinschaft. Ein zentrales Spannungsfeld ist das Bedürfnis, sich zu beweisen, gegenüber der Einsicht, dass Erfahrung Zeit und Demut verlangt.

Als dramaturgisches Gerüst fungiert ein Konflikt, der sowohl persönlich als auch gesamtgesellschaftlich resoniert - er stellt Fragen nach Mittel und Zweck, nach legaler Autorität und pragmatischer Notwendigkeit. Die zentralen Figuren sind geprägt durch Ambivalenzen: sie sind weder reine Vorbilder noch bloße Antagonisten, sondern Menschen mit begrenzten Mitteln, die in einem technologisch aufgeladenen städtischen Umfeld agieren.

Ton und Atmosphäre des Films sind leichtfüßig, oft komödiantisch, gleichzeitig bemüht seriöse Konsequenzen nicht auszusparen. Die Inszenierung wechselt zwischen dem engen Raum der Schule und dem weiten urbanen Stadtraum, indem sie spektakuläre Set-Pieces mit kleinen, menschlichen Momenten verwebt.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen der Identität und der Verantwortung. Peter Parkers Erwachsenwerden wird als moralischer Lernprozess dargestellt - weniger als Übernahme einer Rolle, mehr als sukzessive Aneignung von Verantwortlichkeit. Mentorschaft erscheint dabei ambivalent: Sie kann Orientierung geben, aber auch die Selbstbestimmung eines jungen Menschen einengen.

Ein weiteres Motiv ist die soziale Ökonomie hinter technologischer Macht. Der Antagonismus ist nicht nur physisch, sondern hat ökonomische und ethische Dimensionen - wer produziert Waffen, wer profitiert von Technologie, und welche moralischen Ansprüche entstehen daraus? Diese Reflexionen verankern das Superheldenmotiv in Fragen sozialer Gerechtigkeit und Arbeitsrealität.

Stilistisch findet sich ein wiederkehrendes Spiel mit Skalen - das Kleine gegen das Große, das Persönliche gegen das Institutionelle. Die Inszenierung bevorzugt helle, konkrete Bilder des Alltags, die das Pathos des Übernatürlichen dämpfen und so eine Diskussion darüber ermöglichen, wie Normalität und Ausnahmezustand sich wechselseitig bedingen.

Filmkritik von Peter Osteried

„Spider-Man: Homecoming“: Ein etwas zäher Auftakt

Nach dem missglückten Reboot mit den zwei The Amazing Spider-Man-Filmen hat Sony eine Übereinkunft mit Marvel Studios getroffen, die den beliebten Superhelden ins MCU bringt. Sein Debüt gab er so bei The First Avenger: Civil War, während er mit Spider-Man: Homecoming nun in seinem ersten eigenen Abenteuer zu sehen ist. Auf die Ursprungsgeschichte verzichtet man erfreulicherweise, stattdessen lässt man noch einmal den Bürgerkrieg der Superhelden Revue passieren.

Peter Parker (Tom Holland) hat Tony Stark (Robert Downey Jr.) als Spider-Man geholfen und dafür einen großartigen Anzug erhalten. Wieder zuhause soll Peter sich aber erstmal nicht weiter um die großen Superheldendinge kümmern. Wenn Bedarf besteht, dann wird sich Iron Man schon bei Spider-Man melden. Aber natürlich ist Peter als freundlicher Netzschwinger von nebenan unterwegs und stoppt einen Überfall, bei dem die Gauner mit extremen High-Tech-Waffen agieren. Peter will nun herausfinden, wer diese Waffen auf die Straße bringt und den Urheber zur Rechenschaft ziehen: Das gefällt dem Vulture (Michael Keaton) wiederum gar nicht.

Immerhin fühlt sich der Film nun nach Marvel an, allerdings hakt es dennoch an allen Ecken und Enden. Das mag damit zusammenhängen, dass sich Spider-Man im Verlauf von fünf Filmen – den nächsten zwei Avengers und dem Sequel zu diesem hier – entwickeln soll, wie Produzent Kevin Feige es sagte, letzten Endes hat man hier aber das Gefühl, das kräftig Wasser getreten wird. Denn wirklich viel passiert im Grunde nicht. Und das, was passiert, ist nicht gerade spektakulär.

Einer der großen Momente des Films, auf den die Trailer auch immer wieder abzielten, ist Spider-Mans Rettung der auseinanderbrechenden Fähre. Das hätte Potenzial, aber diese Variation der Zug-Sequenz aus Sam Raimis Spider-Man 2verblasst einfach. Und das nicht nur, weil letztlich Spider-Man nicht der Retter ist, sondern auch, weil die tatsächliche Rettung reichlich hanebüchen erscheint.

Die Idee, Tony Stark zum Mentor von Peter Parker zu machen, entstammt den Comics, funktionierte dort aber besser, weil Spider-Man schon eine deutlich reifere Figur war. Hier hat man noch einen Anfänger, der nicht nur recht tollpatschig ist, sondern auch durchaus bereit wäre, als Spider-Man einer Party beizuwohnen, um so der Peter-Parker-Persona ein bisschen Coolness zu verleihen. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, ob dieser Peter Parker dieselbe Ursprungsgeschichte mit dem Tod von Onkel Ben hat. Denn nach diesem Ereignis dürfte der Gedanke, auf einer Party vorbeizuschwingen, gar nicht erst aufkommen.

Spider-Man als jungen, noch unerfahrenen Helden zu zeigen, hat zumindest Reiz. Das sind die Elemente, die bei diesem Film auch funktionieren. Ebenso ist das Peter Parker umgebende Ensemble gut, auch wenn man das Gefühl hat, dass hier krampfhaft versucht wurde, jede Ethnie zu bedenken. Zudem sieht Spider-Man besser denn je aus, denn mit Hilfe des Computers hat die Maske etwas, das es früher nie gab: Ausdruck. Das verringert die Notwendigkeit, sie Spider-Man bei jeder Gelegenheit vom Gesicht reißen zu müssen.

Michael Keaton ist als Vulture leider etwas verschwendet. Er hat ein oder zwei gute Sequenzen, darunter das „Vater-Gespräch“ im Auto, im Grunde nutzt man die Möglichkeiten, die ein Schauspieler wie Keaton bietet, aber gar nicht. Zumindest aber hebt man sich die Figur auf und macht nicht den Fehler, den Schurken komplett aus dem Spiel zu nehmen.

Das größte Problem von Spider-Man: Homecoming ist nicht, dass er unspektakulär ist, sondern dass er alles in allem ein wenig langatmig und langweilig geraten ist. Hinzu kommen unpassende Charakterisierungen (Stichwort: Happy Hogan) und der Umstand, dass Spider-Man ein Kostüm hat, das wie eine Iron-Man-Rüstung wirkt, was sogar so weit geht, dass er damit spricht. Das mag man gemacht haben, um diese Inkarnation der Figur von den vorherigen Filmen abzuheben, man entfernt sich dabei aber schon sehr weit von dem, was Spider-Man eigentlich ist.

Spider-Man: Homecoming ist besser als die beiden The Amazing Spider-Man-Filme, aber hier ist noch sehr viel Potenzial nach oben offen, um an den Goldstandard, den Sam Raimi mit seinen ersten beiden Filmen erschaffen hat, heranzukommen.

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