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Cloclo und ich

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kritiken.de Redaktion 13.07.2017
Cloclo und ich© deja vu filmverleih
A ca. 1001 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Cloclo und ich - Eine filmische Erkundung von Vergessen, Besessenheit und dem Popkulturellen Erbe

Einleitung

Cloclo und ich erscheint 2017 in einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit Popikonen nicht länger nur retrospektive Bewunderung bedeutet, sondern zum Prüfstand forcierten Erinnerungsmanagements geworden ist. Der Film setzt sich mit einem Phänomen auseinander, das zugleich persönlich und medial ist - der Fall eines Stars, dessen Bild in Archivbildern, Fanerinnerungen und medialer Aufbereitung fortlebt. Gerade weil Popkultur heute in digitalen Überschreibungen und kuratorischen Rekonstruktionen permanent neu verhandelt wird, wirkt ein Schweizer Dokumentarfilm über eine Gestalt wie Cloclo wie ein Gespräch über Besitzansprüche an Erinnerung und über die Formen, in denen Vergangenes noch Gegenwart bleibt.

In formal-ästhetischer Hinsicht ordnet sich Cloclo und ich ein in die Linie essayistischer Dokumentarfilme, die biografische Spuren nicht als lineare Chronik erzählen, sondern als Montage von Fragmenten, Stimmen und Ambivalenzen. Die Filmemacherin oder der Filmemacher - als ich-Erzähler figurierend - nähert sich dem Gegenstand gleichsam in Doppelbewegung: als Untersucher von öffentlicher Ikonographie und als Privatperson, deren eigene Verstrickungen das Material spiegeln. Dadurch verschiebt der Film den Blickwinkel von der singulären Ikone zur relationalen Konstruktion von Ruhm.

Die Relevanz des Films liegt weniger in der Wiederholung biografischer Daten als in seiner Frage nach dem Verhältnis von Identität und Projektion. Cloclo wird hier nicht allein als Popstar präsentiert, sondern als Projektionsfläche für Selbstentwürfe, kollektive Sehnsüchte und mediale Inszenierungen. In diesem Sinne verweist der Film auf größere kulturhistorische Themen - die Ökonomie der Erinnerung, die Pathologien des Fanfonds und die Rolle der Medien beim Fortschreiben individueller Narrative.

Kurzüberblick zur Produktion

Cloclo und ich entstand in einem Umfeld, das für die zeitgenössische Schweizer Dokumentarfilmproduktion typischerweise geprägt ist von kleineren Budgets, kooperativen Produktionsstrukturen und einer ausgeprägten Affinität zu persönlichen, essayistischen Formen. Die Produktion nutzt bewusst die Mittel des Archivfilms - Bild- und Tonfundstücke, Super-8-Schnipsel, TV-Ausschnitte - und fügt ihnen moderne Interviewsequenzen sowie reflexive Voice-over-Kommentare hinzu. Diese Kombinationsweise ist kennzeichnend für eine Handschrift, die Nähe zum Sujet mit Abstand und Analyse verbindet.

Die formale Gestaltung des Films deutet auf eine Regiearbeit, die Schnitt als Denkbewegung begreift. Montage wird hier nicht nur als rhythmisches Instrument verwendet, sondern als methodisches Werkzeug, um Widersprüche und Lücken im Narrativ sichtbar zu machen. In der Schweizer Filmszene reiht sich der Film damit ein in eine Tradition, die Dokumentarisches nicht nur dokumentieren, sondern befragen will - ein Anliegen, das sowohl künstlerische Freiheit als auch finanzielle Pragmatik voraussetzt.

Innerhalb des Gesamtwerks, so es in der Karriere des Regisseurs oder der Regisseurin weitere essayistische Porträts gibt, würde Cloclo und ich als exemplarisches Stück der Selbstbefragung gelten - eine Reflexion über die Art und Weise, wie Individuen in öffentliche Mythen transformiert werden. Als Einzelwerk steht es für die Tendenz, Biografien als Räume der Interpretation statt als abgeschlossene Fakten anzulegen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Als Dokumentarfilm verzichtet Cloclo und ich auf klassische Besetzungsangaben; die »Hauptdarsteller« sind vielmehr Stimmen und Bildträger. Im Zentrum steht die Figur Cloclo - historisch bekannt als Claude François - die überwiegend durch Archivaufnahmen, Radiomitschnitte und zeitgenössische Medienpräsenz zu Wort kommt. Daneben treten Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Erscheinung: Angehörige, Weggefährten, Musikwissenschaftlerinnen und Fans, deren Perspektiven das Bild des Protagonisten schichtweise ergänzen.

Wichtig für das filmische Gefüge ist die Rolle der Erzählerin oder des Erzählers, die als Ich-Instanz fungiert: eine Person, die ihre eigene Verbindung zu Cloclo reflektiert und damit das dokumentarische Feld persönlich auflädt. Diese Konstellation verwandelt das Ensemble von Zeugen in aktive Mitgestalter der Narration, denn ihre Erinnerungen und Bewertungen modellieren das Bild des Stars ebenso stark wie die historischen Aufnahmen.

Frühere bekannte Rollen der beteiligten Protagonistinnen und Protagonisten sind nicht im klassischen Sinne relevant, da die filmische Sprache auf Authentizität durch Präsenz setzt und weniger auf performative Darstellung. Die Kunst liegt darin, wie das dokumentarische Subjekt zur Figur wird, ohne zu einer fiktionalen Rolle zu erstarren.

Handlung (spoilerfrei!)

Cloclo und ich entfaltet sich als essayistisches Porträt, das Vergegenwärtigung und Selbstbefragung miteinander verwebt. Anstatt einen chronologischen Lebenslauf zu liefern, gliedert der Film das Material thematisch: Auftritte, private Fragmente, mediale Rezeption und persönliche Erinnerungsschichten werden nebeneinandergesetzt und kommentiert. Der dramatische Konflikt liegt weniger in einem äußeren Ereignis als in der Spannung zwischen Bild und Wirklichkeit - zwischen dem von der Öffentlichkeit produzierten Cloclo und dem, was hinter den Kulissen bleibt.

Die zentralen Figuren sind daher doppelt besetzt: Cloclo als historische Figur und die Erzählerin oder der Erzähler als subjektive Stimme, die Fragen stellt, Relationen herstellt und Lücken erkennt. Die Montage schafft eine Atmosphäre, die zugleich nostalgisch und analytisch ist - mit Momenten großer Nähe, aber auch mit kritischer Distanz. Musikalische Sequenzen und Archivbilder werden nicht nur illustriert, sie werden argumentativ eingesetzt, um die Mechaniken des Ruhms sichtbar zu machen.

Ton und Atmosphäre sind geprägt von einer Kontemplation über Vergänglichkeit und Vorläufigkeit. Der Film atmet durch die Kombination aus intimen Aufnahmen und öffentlichen Bildern, die zusammen eine melancholische, manchmal ambivalente Stimmung erzeugen - nicht als sentimentale Verklärung, sondern als Aufspüren von Spuren.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Erinnerung, Authentizität und Besitz. Wer darf bestimmen, wie ein Künstler erinnert wird - die Familie, die Fans, die Medien, die Kulturindustrie oder die Kunsthistorikerinnen und -historiker? Cloclo und ich stellt diese Frage nicht als akademische Problemstellung, sondern als praktisches Dilemma, das sich in konkreten Archiventscheidungen und in persönlichen Bekenntnissen zeigt.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Doppelrolle von Bild und Stimme: Die Stimme als intime Spur und das Bild als öffentliche Maske. Daraus erwachsen Überlegungen zu Identitätskonstruktion und zur performativen Natur von Berühmtheit. Daneben verhandelt der Film die Psychologie des Fan-Daseins - die Nähe zur Projektion, die Sehnsucht nach Teilhabe an einem größeren Narrativ und die Möglichkeit, durch Erinnerung eigene Identität zu stiften.

Auf gesellschaftlicher Ebene öffnet der Film einen Diskurs über die kulturelle Ökonomie des Popkulturerbes - über Archivpflege, Kommerzialisierung und die politischen Implikationen, die mit dem Kuratieren von Leben einhergehen. Philosophisch formuliert wirft Cloclo und ich die Frage nach dem Status von Vergangenheit auf: Ist Erinnerung dokumentierbar oder lebt sie nur in der aktiven Auseinandersetzung fort? Die Antwort bleibt weniger eindeutig als produktiv - der Film lädt zur weiteren Debatte ein.

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