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Power Rangers

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kritiken.de Redaktion 23.03.2017
Power Rangers© StudioCanal Deutschland
A ca. 918 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Power Rangers - Rebootierte Mythenbildung zwischen Coming-of-Age, Popnostalgie und dem Druck medialer Ikonen

Einleitung

Die 2017er-Adaption von Power Rangers tritt an, ein kulturelles Artefakt der 1990er Jahre in die Gegenwart zu überführen: nicht als bloße Reminiszenz, sondern als Versuch, die archaischen Formen der Heldengruppe mit den Nöten einer neuen Adoleszenz zu koppeln. Der Film interessiert sich weniger für nostalgische Fanartikel als für die Risse hinter der Maske - für Verletzlichkeit, Trauma und die Schwierigkeit, sich in einer Welt wiederzufinden, die alte Geschichten neu erzählt.

Im Kontext eines Kinos, das 2017 von Franchise-Dominanz und gleichzeitiger Selbstreflexion geprägt war, positioniert sich Power Rangers als ein Experiment mit bekannten Ingredienzien: Superheldik, spektakuläre VFX und Teen-Drama. Die Relevanz liegt nicht allein in der Verwertung eines etablierten IP, sondern in der Frage, wie Popkulturfiguren in Zeiten größerer Diversitätsdebatten und anspruchsvollerer jugendlicher Identitätsdiskurse neu verhandelt werden können.

Regisseur Dean Israelite, der mit dem jugendlichen Zeitreise-Thriller Project Almanac bereits einen Blick auf Teenagermilieus und technologischen Schrecken geworfen hatte, versucht hier, seine Handschrift zu skalieren: aus dem intimen Found-Footage-Blick wird ein groß angelegtes, visuell komplexes Spektakel, das dennoch seine Aufmerksamkeit auf die innere Landschaft der Protagonisten richtet. Die Ambition des Films besteht darin, die Popkulturnostalgie der Marke mit einer kontemporären, psychologischeren Erzählweise zu verschränken.

Kurzüberblick zur Produktion

Power Rangers ist das Ergebnis einer klassischen Hollywoodadaption eines langlebigen Franchise: Saban’s ikonisches Super-Sentai-Format wurde in den USA zur Fernsehserie adaptiert und 2017 als kinotaugliches Reboot neu aufgelegt. Produziert unter dem Dach eines Studios mit dem Ziel, die Marke für ein jüngeres, diverseres Publikum zu revitalisieren, arbeitete das Team mit einem mittleren Blockbuster-Budget, um aufwändige visuelle Effekte und große Set-Pieces zu realisieren.

Die Produktionsumstände spiegeln den Balanceakt zwischen Franchiseverantwortung und kreativem Risiko wider. Auf der einen Seite stehen Erwartungen an erkennbare ikonografische Elemente - Anzüge, Zords, die Figur Rita Repulsa -, auf der anderen Seite die Absicht, die Präsenz dieser Elemente in eine durchdachte, teils dunklere Tonalität einzubetten. In Israelites Film zeigt sich die Handschrift eines Regisseurs, der aus dem engen, dokumentarischen Blickwinkel herausgetreten ist, um das Teenagerdrama in größerem Maßstab zu inszenieren, ohne die psychologische Tiefe vollständig aufzugeben.

Im Gesamtwerk des Regisseurs markiert Power Rangers den Schritt zu einem konventionelleren Genrekinoprojekt mit kommerziellen Ambitionen. Es ist weniger ein Bruch als eine Erweiterung: die vertrauten Motive seines Frühwerks - jugendliche Unsicherheit, technikgetriebene Katastrophen - werden hier in traditionelle Hollywoodform gefasst und mit massiven digitalen Bildräumen ausgestattet.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Elizabeth Banks, die zu den bekanntesten Namen des Ensembles zählt, bringt ihre Erfahrung aus Komödie und Blockbuster-Produktionen in die Verkörperung der Antagonistin. Banks fungiert als sichtbare Verbindung zur familiären Ikonographie der Serie: sie ist die theatrale, überhöhte Präsenz, die das Mythosgerüst bedroht.

Naomi Scott fungiert als emotionales Zentrum des Ensembles. Als die neue Generation einer Franchise-Heldin trägt sie die Rolle der jungen Frau, deren Privilegien und Unsicherheiten gleichsam sichtbar werden. Scott, die später in größeren Disney-Produktionen weitere Aufmerksamkeit erhielt, ist hier als tragfähige, nuancierte Figur angelegt.

Dacre Montgomery, RJ Cyler, Ludi Lin und Becky G. repräsentieren die unterschiedlichen Töne der Gruppe: Montgomery verkörpert die klassische Red-Ranger-Figur als impulsiven, mordernen Anführer; Cyler bringt eine sensible, intellektuelle Note als Blue Ranger; Lin trägt physische Präsenz und Kampftradition; Becky G. vermittelt durch ihre Popkultur-Herkunft eine zeitgenössische Energie. Viele der jungen Darsteller kamen mit verschiedenen Erfahrungen aus Independent-Film, Fernsehen oder Popmusik und bieten eine Mischung aus Frische und spezifischer Medialität.

Die älteren Schauspieler wie David Denman und Charakterdarstellerin Anjali Jay nehmen die Rolle von verlässlichen, aber ambivalent gezeichneten Autoritätsfiguren ein. Patrick Sabongui und Emily Maddison sind in Nebenpartien zu finden, die das örtliche Gefüge stabilisieren oder institutionelle Kräfte repräsentieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Power Rangers erzählt die klassische Formation einer Heldengruppe in reduzierter, seriöserer Form: Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Milieus werden durch ein äußeres Ereignis verbunden und entdecken in sich die Fähigkeiten, die sie zu Beschützern ihres Ortes machen könnten. Der Film konzentriert sich weniger auf spektakuläre Schlachten als auf das langsame Zusammenwachsen einer Gruppe, die erst die eigenen Differenzen und Traumata anerkennen muss, bevor sie kollektive Verantwortung übernehmen kann.

Der dramatische Konflikt verläuft auf zwei Ebenen: einer äußeren, die von einer mythischen Bedrohung getragen wird, und einer inneren, die aus familiären Erwartungen, persönlichen Fehlern und der Suche nach Selbstdefinition besteht. Die zentralen Figuren sind die fünf Teenager - jeder mit einer spezifischen Vorgeschichte und einem persönlichen Ballast - sowie die antagonistische Kraft, die diese Geschichten auf die Probe stellt. Tonal bewegt sich der Film zwischen jugendlicher Verletzlichkeit und dem großen, oft digitalen Spektakel; Atmosphäre und Bildsprache versuchen, diese Spannbreite zu halten.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern fragt Power Rangers nach dem Verhältnis von Individuum und Kollektiv: Was bedeutet es, ein Team zu sein, wenn die Mitglieder nicht dieselben Voraussetzungen mitbringen? Der Film verhandelt Identität nicht als monolithisches Attribut, sondern als Prozess - eine Serie von Entscheidungen, Verletzungen und Versöhnungen, die erst in Gemeinschaft eine Handlungsmacht entfalten.

Eine weitere leitende Frage betrifft die Aktualisierung von Mythos: Wie verändert sich ein ikonisches Figurenensemble, wenn es diverser und psychologisch realistischer gedacht wird? Die Motive von Verletzlichkeit, Mut und Verantwortung werden so verschoben, dass sie weniger als heroische Unverwundbarkeit erscheinen und mehr als das Ringen um Reife und Anerkennung in einer medial gesättigten Welt.

Schließlich lotet der Film das Verhältnis von Nostalgie und Gegenwart aus. Die ikonischen Zeichen der Vorlage fungieren als Bezugspunkte, werden aber nicht einfach reproduziert. Vielmehr geht es darum, wie solche Zeichen inhaltlich neu besetzt werden können, um zeitgenössische Themen wie Außenseitererfahrung, interkulturelle Identität und die Suche nach Zugehörigkeit anzusprechen. In dieser Verknüpfung von Mythospflege und psychologischer Verortung liegt die produktive Spannung des Films.

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