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Pettersson und Findus - Das schönste Weihnachten überhaupt

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kritiken.de Redaktion 03.11.2016
Pettersson und Findus - Das schönste Weihnachten überhaupt© Wild Bunch Germany
A ca. 1325 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Pettersson und Findus - Das schönste Weihnachten überhaupt als behutsame Reminiszenz an verlorene Kindheitsräume

Einleitung

Pettersson und Findus - Das schönste Weihnachten überhaupt tritt in eine lange deutschsprachige Tradition filmischer Kinderliteraturadaptionen ein, die sowohl familiäre Verbindlichkeiten als auch ästhetische Erwartungen mit sich bringt. Der Film bietet nicht nur saisonale Begleitware für die Vorweihnachtsmonate, sondern beansprucht den Status eines ruhigen, detailverliebten Erzählraums, in dem Nostalgie und Gegenwart aufeinander treffen. Vor dem Hintergrund einer öffentlichen Kultur, die sich zunehmend nach Verlässlichkeit und kleinen Ritualen sehnt, erscheint die Rückkehr zu vertrauten Buchfiguren als kulturelle Konstante.

In einer Zeit, in der Familienfilme oft zwischen kommerzieller Effektinszenierung und pädagogischem Anspruch oszillieren, markiert dieser Beitrag einen gemäßigten Kurs. Er verhandelt die Balance zwischen illustrativer Treue zur literarischen Vorlage und den filmischen Notwendigkeiten, Figuren für ein modernes Publikum zu profilieren. Die Entscheidung, aus dem populären Figurenpaar Pettersson und Findus einen weihnachtlich fokussierten Episodenfilm zu machen, verweist auf einen kalkulierten Umgang mit Erzählfragmenten: Es geht weniger um große Dramatik als um atmosphärische Verdichtung.

Damit erhält der Film eine Relevanz jenseits bloßer Kinderunterhaltung: Er fungiert als Spiegel einer Gesellschaft, die Traditionen rekonstruiert, um gegenwärtige Unsicherheiten zu dämpfen. Die Inszenierung begreift Weihnachten weniger als religiöses Fest als vielmehr als soziale Praxis, in der Beziehungen geprüft und gestärkt werden. Diese perspektivische Verengung erlaubt filmische Beobachtungen über Zeitlichkeit, Erinnerung und die kleine Politik des Alltags.

Kurzüberblick zur Produktion

Die filmische Umsetzung nähert sich den nordischen Bildern der Vorlage mit einer handwerklich sorgsamen Bildsprache. Obwohl die genaue Regiehandschrift hier nicht durch einen weithin bekannten Autorenstil geprägt wird, zeigt die Regieführung Tendenzen zu einer behutsamen, linearen Erzählökonomie: ruhige Einstellungsgrößen, eine Präferenz für natürliche Beleuchtung und ein Augenmerk auf das Material der Dinge. Diese formale Zurückhaltung erlaubt dem Film, seine Figuren und deren Innenszenen klar zu konturieren, ohne sich in Effekthascherei zu verlieren.

Produktionsseitig bewegt sich der Film im Rahmen dessen, was man als mittelgroßen Familienfilm bezeichnen kann: die Ausstattung legt Wert auf taktile Requisiten und authentische Sets, die Kameraführung bevorzugt wohltemperierte Farbigkeit, und die montageische Führung zielt auf Zugänglichkeit. Solche Entscheidungen verorten den Film innerhalb eines europäischen Kinderfilm-Kanons, der Illustration und Realismus miteinander verwebt. In der Rezeption dieses Werks steht es als Folge und Ergänzung vorangegangener Verfilmungen der Pettersson-und-Findus-Geschichten und behauptet sich als zeitgenössische Interpretation eines jahrzehntealten Bild- und Erzählfundus.

Innerhalb des Gesamtwerks von Adaptionen dieser Figuren nimmt der Film eine vermittelnde Position ein: er aktualisiert ohne zu rekonstruieren, konserviert ohne nostalgisch zu verkrusten. Das Produktionsdesign geht dabei bewusst auf die Illustrationen der Vorlage ein und übersetzt die kleinen, liebevollen Details in räumliche Wirklichkeit.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Stefan Kurt, in der Rolle des Pettersson, bringt seine theatralische Präzision und eine kontrollierte Körperlichkeit in die Figur des älteren Tüftlers ein. Kurt ist dem deutschsprachigen Publikum als Schauspieler bekannt, der lakonische, oft leicht melancholische Charaktere mit feinem Timing ausstattet. Hier formt er den ruhenden Pol, um den sich die kleinen Abenteuermomente gruppieren.

Marianne Sägebrecht fügt dem Ensemble ihre unverwechselbare Präsenz hinzu: sie ist in ihrer langen Karriere immer wieder als warmherzige, erdverbundene Figur aufgetreten und steht für ein empathisches, leicht exzentrisches Figurenbild. Ihre Leinwandpersona vermittelt Verlässlichkeit und menschliche Wärme, Eigenschaften, die in einem weihnachtlichen Gefüge als kulturelle Ankerpunkte dienen.

Max Herbrechter fungiert als ergänzender, oft pragmatischer Gegenpart. Als profilierter Charakterdarsteller bringt er die Fähigkeit mit, Nebenfiguren mit einem prägnanten Gestus zu versehen, der die Gemeinschaftsdynamik auf subtile Weise ausdifferenziert. Im Zusammenspiel der drei entsteht eine Balance aus Ruhe, Humor und gelegentlicher Reibung, die das erzählerische Gewicht gleichmäßig verteilt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von den zarten Alltagsabenteuern eines alten Mannes und seiner sprechenden Katze in einer ländlichen Umgebung, zugespitzt auf die Zeit vor Weihnachten. Der dramatische Konflikt ist weniger in äußeren Ereignissen als in zwischenmenschlichen (und zwischenartlichen) Spannungen zu verorten: Die Sehnsucht nach einem gelungenen Fest, kleine Missverständnisse, Angst vor Einsamkeit und das Bedürfnis nach Gemeinschaft treiben die Handlung voran. Es sind die Mikrokonflikte des Zusammenlebens, die als Motor fungieren.

Zentrale Figuren sind Pettersson und Findus, flankiert von einer Handvoll Vertrauter aus dem Dorfmilieu. Der Ton des Films bewegt sich zwischen heiterer Verspieltheit und einer warmen Melancholie; die Atmosphäre ist geprägt von einer gemütlichen, beinahe illustrationsnahen Idylle, die immer wieder durch konkrete Imperfektionen menschlichen Verhaltens aufgelockert wird. Der Film bleibt narrativ übersichtlich, seine Spannung entsteht aus der liebevollen Beobachtung kleiner Rituale.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Zugehörigkeit, Fürsorge und der kulturellen Funktion von Ritualen. Weihnachten dient als Folie, um die Bedeutung gemeinsamer Zeit und die Kraft einfacher Gesten auszuloten. Der Film stellt Fragen danach, was ein Zuhause ausmacht, wie Generationen einander stützen und wie Erinnerungen durch Alltagsgegenstände bewahrt werden. Die philosophische Dimension liegt in der behutsamen Erkundung von Stabilität in einer Welt, die von Veränderung geprägt ist.

Motive wie handwerkliche Arbeitsweisen, kleine mechanische Erfindungen, die Präsenz von Haustieren als emotionaler Katalysator und eine betont detaillierte Innenraumästhetik ziehen sich durch das Werk. Diese Motive arbeiten zusammen, um ein Bild der Welt zu zeichnen, in dem die Würde des Banalen betont wird. Psychologisch interessiert sich der Film für die Gratwanderung zwischen kindlicher Neugier und erwachsener Sorge; gesellschaftlich reflektiert er das Bedürfnis nach solidarischen Formen des Zusammenlebens in unsicheren Zeiten.

Ohne die Erzählung zu dramatisieren, lotet der Film die feinen Konturen zwischen Alltag und Erzählmagie aus. Er bietet Stoff zum Nachdenken über die kleinen Rituale, die Gemeinschaft stiften, und über die Art und Weise, wie kulturelle Symbole wie Weihnachten zum sozialen Klebstoff werden. In dieser Hinsicht lässt er sich als moderner Märchenfilm lesen, der seine moralischen Punkte nicht laut verkündet, sondern in den Zwischenräumen der Handlung sichtbar werden lässt.

Filmkritik von Peter Osteried

Pettersson und Findus sind zurück und feiern Weihnachten

Nicht immer gelingt es, die Magie eines Films zu wiederholen und dasselbe Gefühl heraufzubeschwören, das ihn ausgemacht hat. Ali Samadi Ahadi ist das mit Petterson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt allerdings gelungen. Und das, obwohl er die Hauptrolle des Petterson neu besetzen musste. Im ersten Teil verkörperte noch Ulrich Noethen den Eigenbrötler, nun ist es Stefan Kurt.

Es sind nur noch zwei Tage bis Weihnachten und Petterson und Findus sind in ihrem Häuschen eingeschneit. Als es tags darauf endlich aufklart, machen sie sich auf den Weg in den Wald, um dort einen Baum zu holen. Doch bevor sie dazu kommen, verletzt sich Petterson und kann kaum noch gehen. Die Weihnachtseinkäufe werden darum verschoben, weil er den weiten Weg nicht machen kann. Als die Nachbarn Beda (Marianne Sägebrecht) und Gustavsson (Max Herbrechter) ihre Hilfe anbieten, lehnt er sie ab. Weil er niemandem zur Last fallen will. Aber damit ist auch das schönste Weihnachten überhaupt, dass der alte Mann seinem Kater versprochen hat, gefährdet.

Zwei Geschichten von Sven Nordqvist bilden die Vorlage für diesen Film: „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ (1989) und „Morgen, Findus, wird’s was geben“ (1995). Thomas Springer hat erneut das Drehbuch geschrieben und die Aufgabe gemeistert, die Geschichten miteinander zu verweben. Das geschieht hier sogar homogener als beim Vorgänger, wo es gleich vier Vorlagen waren, denen er gerecht werden musste. Im Kern der Geschichte gibt es eine simple, aber schöne Botschaft: Dass man Hilfe durchaus auch annehmen darf und dass die Umstände noch so widrig sind, schön ist es immer dann, wenn der richtige Mensch oder Kater Gesellschaft leisten.

Die Neubesetzung von Petterson fällt kaum auf – was sicherlich auch an dem gigantischen Hut und dem nicht minder imposanten Bart liegt. Technisch gesehen ist der Film herausragend. Findus, der von der Trickschmiede Chimney getrickst wurde, sieht überzeugend aus und funktioniert in Interaktion mit den Menschen hervorragend. Schon im Erstling war es ein Aktivposten, komplett auf einem Set gedreht zu haben. Damit einher geht eine künstliche, aber heimelige Atmosphäre, die den Film nahe gelungenem Kindertheater verortet – nur mit dem Pluspunkt toller Effekte natürlich.

Wie schon der erste Film ist auch dieser ideal für die ganze Familie, weil er liebevoll mit allerhand Details ausgestattet ist, eine schöne Botschaft zu vermitteln versteht, vergnüglich gestaltet ist und mit den überall herumwuselnden Mucklas, kleinen Wesen, die ihr eigenes Ding machen, auch reichlich Amüsantes bietet, das abseits der Haupthandlung stattfindet.

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