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Jumanji: Willkommen im Dschungel 3D

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kritiken.de Redaktion 21.12.2017
Jumanji: Willkommen im Dschungel 3D© Bildrechte beim jeweiligen Verleiher / Promotional Material (siehe Impressum)
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Jumanji: Willkommen im Dschungel 3D - Avatarismus, Komik und die Mechanik des modernen Blockbusters

Einleitung

Jumanji: Willkommen im Dschungel 3D betritt die Leinwand als ein Paradebeispiel für das späte 2010er-Phänomen der nostalgischen Wiederaneignung bekannter Marken. Der Film verwebt das Erbe des kultischen Vorläufers mit den Sehgewohnheiten einer Generation, die Spielewelten, digitale Avatare und ironische Selbstreflexion als Teil ihrer Popkultur verinnerlicht hat. Seine Relevanz liegt weniger in einer radikalen Neuerfindung als in der Frage, wie Mainstream-Kino Identität und Performance in Zeiten hybrider Medienformen inszeniert.

Innerhalb des Werkes seines Regisseurs markiert der Film einen konsequenten Schritt in Richtung großer Studioästhetik. Jake Kasdan, dessen beruflicher Hintergrund sowohl komödiantische als auch kommerzielle Erfahrungen umfasst, nutzt hier die Mechanik des Genres, um star-getriebene Figurenkonstellationen und Stilelemente aus Action- und Abenteuerkino zu verbinden. Die Regie tritt dabei nicht als manifeste Autorensignatur hervor, sondern als präzise Handwerksarbeit, die auf Timing, Tonalität und zugängliche Bildsprache zielt.

In gesellschaftlicher Hinsicht liest sich Jumanji: Willkommen im Dschungel 3D als Spiegel der Gegenwart: Es geht um Identität im Zeitalter virtueller Rollenzuweisungen, um Körperlichkeit versus performative Selbstinszenierung und um die Sehnsucht nach klar erkennbaren Heldenfiguren in einer fragmentierten Medienlandschaft. Der Film rekonstruiert dadurch sowohl die Komik als auch die psychologische Grobstruktur vergangener Abenteuererzählungen für ein Publikum, das digitale Metaphern intuitiv versteht.

Kurzüberblick zur Produktion

Regisseur Jake Kasdan bringt in diese Produktion eine Handschrift ein, die sich durch ökonomische Erzähltechnik, komödiantisches Timing und eine Vorliebe für figurenzentrierte Narration auszeichnet. Kasdan navigiert hier souverän zwischen Action-Setpieces und humoristischen Beats und bleibt dabei eng an den Möglichkeiten des Studiosystems orientiert. Die visuelle Darstellung ist auf Klarheit und Zugänglichkeit angelegt, weniger auf autoritäre Bildexperimente.

Als groß angelegte Studioproduktion von Columbia Pictures und Sony Pictures wurde der Film mit einem substantiellen Budget realisiert, das Effektarbeit, aufwendiges Production Design und das starbesetzte Ensemble ermöglichte. Die 3D-Präsentation ist integraler Teil der Vermarktung und richtet sich an ein Publikum, das spektakuläre Raumerfahrungen erwartet. Produktionsbedingt ordnet sich die Handschrift der Regie dem Anspruch der Markttauglichkeit unter - ein Spannungsverhältnis, das sich in der formalen Ausgewogenheit des Films niederschlägt.

Im Gesamtwerk Kasdans steht Jumanji als seine bislang prominenteste Studioarbeit mit internationaler Ausrichtung. Während seine früheren Filme noch stärker auf individuelle Komik und kleinere Ensembles gesetzt haben, zeigt dieses Projekt eine skaliere Ambition: die Anpassung wiedererkennbarer Motive an die Produktionslogik des visuellen Mainstreams.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Das Ensemble funktioniert als principal engine des Films. Dwayne Johnson bringt seine etablierte Action-Helden-Maske ein und variiert sie durch ironische Selbstreflexion; sein körperliches Präsenzverhältnis bleibt dabei dramaturgisches Kapital. Kevin Hart agiert als komödiantischer Kontrapunkt; seine schnelle, rhythmische Sprechweise und sein physisches Spiel erzeugen einen permanenten Takt der Relativierung innerhalb der Gruppe. Jack Black nutzt seine expressive Stimmlage und Überzeichnung, um die Karikatur eines Abenteurers mit emotionaler Wärme auszustatten, während Karen Gillan ihre Erfahrung aus Science-Fiction- und Genrefilmen einfließen lässt, indem sie stoische Härte und verletzliche Nuancen kombiniert.

Die Besetzung arbeitet mit bekannten öffentlichen Personae, die der Regie erlauben, Erwartungshaltungen zu spielen und damit erzählerische Abkürzungen zu nutzen. Frühere Rollen - Johnsons Actionkino, Harts Stand-up- und Comedyfilme, Blacks musikalisch-passionierte Komik und Gillans Genreerfahrung - werden hier referenziell eingebracht. Die Figuren, die sie verkörpern, sind bewusst typisiert, fungieren als Projektionen kollektiver Identifikationsmuster und werden zugleich dazu benutzt, das Thema Performanz zu reflektieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film verlagert das zentrale Motiv der Ursprungsversion in eine zeitgenössische Konstellation: Aus einem rätselhaften Spiel erwächst eine andere Realität, in der Identitäten auf neue Weise getestet werden. Jugendliche Figuren finden sich in einer fremden, gefährlichen Umgebung wieder und sehen sich gezwungen, Rollen zu übernehmen, die nicht ihren Erwartungen entsprechen. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Aufeinandertreffen persönlicher Beschränkungen und der Notwendigkeit, als Gruppe handlungsfähig zu werden - ein klassisches Abenteuerprinzip, das hier durch die Ebenen von Spielmechanik und Selbstbild akzentuiert wird.

Im Zentrum stehen die Dynamiken innerhalb der Gruppe: Loyalität, Machtzuschreibungen und die Balance zwischen individueller Eitelkeit und kollektiver Verantwortung. Tonal bewegt sich der Film zwischen ironischem Augenzwinkern und einem ernstgemeinten, wenn auch kalkulierten Pathos, das den Zuschauer in beherrschbarer Weise in die Gefahr hineinzieht. Atmosphäre und Bildsprache sind auf unmittelbare Lesbarkeit ausgelegt - dichte Dschungelräume, kontrastreiche Actionsequenzen und eine Farbpalette, die die Erlebnisintensität betont.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern fragt der Film nach Identität und Selbstinszenierung in einer Kultur, die Rollen fragmentiert und multipliziert. Die Idee des Avatars - des Körpers als bewohnte Rolle - wird zum Leitmotiv, das psychologische Verhandlungsräume öffnet: Wie viel von der Persönlichkeit ist performativ, wie viel ist substantiell? Der Film spricht damit philosophische Fragen der Authentizität an, jedoch ohne in metaphysische Tiefe vorzudringen; vielmehr werden diese Fragen in komödiantischer und dramaturgischer Form verhandelt.

Gesellschaftlich berührt das Werk Themen wie Maskulinität, Selbstbild und die Erwachsenwerdung in einer medial überformten Welt. Motive von Prüfung, Gemeinschaft und Wiedergutmachung ordnen sich in die Struktur des Abenteuers ein und lesen sich zugleich als Reflexion über das Bedürfnis nach klaren Narrativen in unsicheren Zeiten. Formell nutzt der Film die Mittel des Blockbusters - Effekte, Tempo, star-driven comedy - um diese Fragen öffentlich sichtbar zu machen, ohne dabei ihren Unterhaltungsauftrag zu verleugnen.

Filmkritik von Peter Osteried

„Jumanji: Willkommen im Dschungel“: Wenn aus einem Nerd ein Muskelmann wird

Mehr als 20 Jahre ist es her, seit Robin Williams in die Welt von Jumanji gezogen wurde. Als vor einiger Zeit bekannt wurde, dass Sony einen neuen Film mit Dwayne Johnson plant, erwarteten viele, dass es sich um einen Reboot handeln würde. Doch weit gefehlt, denn Jumanji: Willkommen im Dschungel erkennt den ersten Film an. Große Überschneidungen gibt es nicht, wohl aber eine Art letzten Gruß von Alan Parrish, den Williams 1995 gespielt hat.

Vier Teenager müssen nachsitzen. Da sie sich langweilen, sehen sie sich um und finden eine uralte Spielkonsole, in der noch das Game „Jumanji“ steckt. Sie beschließen, eine Runde zu zocken, wobei jeder sich eine der Figuren aussuchen muss. Doch dann kommt es zur Fehlfunktion und alle vier werden in das Spiel hineingezogen. Dort sehen sie nun aus, wie ihre gewählten Spielfiguren: Aus dem Nerd wird der muskelbepackte Held, aus dem Sportler wird ein kleiner Sidekick, aus dem unscheinbaren Mädchen ein Babe mit krassen Fight-Moves und aus dem blonden It-Girl wird ein pummeliger Professor. Gemeinsam müssen sie sich nun daranmachen, das Spiel zu gewinnen, doch Gefahren lauern überall – und mehr als drei Leben hat keiner von ihnen.

Mitte der 1990er Jahre war „Jumanji“ noch ein Brettspiel, jetzt ist es ein Konsolenspiel, auch wenn das auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Damals gerieten die Figuren des Spiels in die reale Welt, nun zieht es die Protagonisten in die Welt von Jumanji. Die wiederum funktioniert wie ein Computerspiel. Die Figuren müssen Levels beenden, bevor es zum nächsten geht. Und natürlich kann man auch sterben, aber „Game Over“ heißt es erst nach mehrmaligem Ableben. Diesen Umstand nutzt Jake Kasdans Film, um eine gewisse Bedrohung aufzubauen, da es sonst für die ungleiche Gruppe zu leicht wäre.

Noch amüsanter als der Umstand, dass hier die Mechanismen eines Games auch auf die Schippe genommen werden, ist der Kontrast zwischen dem, was die Teenager sind und was sie in Jumanji darstellen. Das erlaubt den Schauspielern, gegen ihren eigenen Typ zu spielen. Wo sonst hätte Dwayne Johnson schon mal einen ängstlichen Nerd, Jack Black ein ichbezogenes Mädchen oder Karen Gillan ein unscheinbares Mädchen spielen können? Letzterer sieht man den Spaß besonders an, wenn sie versucht, zu lernen, wie man flirtet. Ihre Kluft als Ruby Roundhouse ist übrigens an Lara Croft angelegt, aber man erlaubt sich schon die Frage, wieso jemand so ein unpraktisches Outfit im Dschungel tragen sollte.

Die Geschichte ist dabei nichts Besonderes. Das Abenteuer, das die Gruppe durchstehen muss, ist eine typische Schnitzeljagd, die mit Hindernissen gespickt ist. Manche sind herrlich abstrus (Stichwort: Kuchen als Schwäche), andere bereiten den Boden für sehr knackige Actionsequenzen. Der Schurke wiederum, von Bobby Cannavale gespielt, ist nur ein Klischee, fügt sich aber ins einfache Storytelling des Spiels ein. Aber immerhin ist es seine Figur, die auch eine Verbindung zum ersten Kinofilm bildet.

Der in Hawaii gedrehte Streifen sieht phantastisch aus und bietet ein flottes, auch sehr komisches Abenteuer, das nicht nur Gamern helle Freude bereiten wird. Im Grunde ist Jumanji: Willkommen im Dschungel nur Popcorn-Kino ohne große Ambition, die jenseits bloßer Unterhaltung hinausgehen soll, aber dem Film gelingt es, durch eine ganze eigene Form von Körpertauschelement sehr schön zu zeigen, wie Menschen über sich hinauswachsen können, wenn sie Zwänge, die sie innerlich spüren und die sie zurückhalten, abstreifen können. Aber das ist nur ein nebensächlicher Gedanke in einem rasant erzählten Abenteuer, das die Welt von Jumanji für eine neue Generation flott macht.

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