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Guardians Of The Galaxy

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kritiken.de Redaktion 28.08.2014
Guardians Of The Galaxy© Walt Disney Germany
A ca. 1634 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Guardians Of The Galaxy - Kosmische Popkultur und die Poetik der zerbrochenen Familie

Einleitung

Guardians Of The Galaxy, als Marvel-Produktion 2014 in die Kinos gekommen, markiert einen markanten Akt der Genrekombination: Ein Superheldenfilm, der gleichermaßen Science-Fiction-Operette, Roadmovie und nostalgische Playlist ist. Seine Relevanz liegt nicht allein in kommerziellem Erfolg, sondern in der Art, wie populäre Kultur, komödiantische Tonalität und emotionale Verletzlichkeit in ein großes Studioerzählgebäude eingespeist werden. Der Film zeigt, wie das Blockbuster-Kino der 2010er Jahre auf eine jüngere, referenzorientierte Sehgewohnheit reagiert und diese zugleich formt.

Für den Regisseur James Gunn bedeutete Guardians Of The Galaxy den Bruch mit einer zuvor vorherrschenden Nische. Gunn, zuvor bekannt für Arbeiten, die Horror, Komik und subversiven Ton zusammenführten, brachte eine indielastige Sensibilität in ein Franchise, das bis dahin stärker von klassischen Superheldentugenden geprägt war. Die Regie setzt auf eine enge Verbindung von Humor und Melancholie, auf exzentrische Figurenzeichnung und auf das bewusste Spiel mit Referenzen - ein Gestus, der sich als seine Handschrift in diesem Großformatfilm etablierte.

Im gesellschaftlichen Kontext ist der Film ein Produkt einer Ära, in der kollektive Identitätsfragen und die Suche nach neuen Solidarformen medial verhandelt wurden. Die Betonung auf Außenseitern und zusammengesetzten Gemeinschaften spricht ein Publikum an, das sich zunehmend in fragmentierten Lebensverhältnissen wiederfindet. Zugleich repräsentiert der Film eine Phase des Marvel Cinematic Universe, in der riskantere Tonlagen und ungewöhnliche Stoffe als Mittel der Franchise-Diversifikation erprobt wurden.

Die Tonalität des Films oszilliert zwischen Humor, Kitsch und existenzieller Nostalgie. Diese Mischung legitimiert den filmischen Ansatz als etwas anderes als eine bloße Aneinanderreihung von Actionsequenzen: Guardians Of The Galaxy will nicht nur unterhalten, sondern mit popkulturellen Mitteln affektive Bindungen herstellen und gleichzeitig eine eigene mythologische Welt aufspannen.

Kurzüberblick zur Produktion

Guardians Of The Galaxy entstand bei Marvel Studios und erschien unter dem Dach von Walt Disney Pictures. Regie führte James Gunn, der seine Erfahrung aus kleineren, genreüberschreitenden Arbeiten in ein Großprojekt übertrug. Die Produktion arbeitete mit einem größeren Budget, das in der Berichterstattung oft mit rund 232 Millionen US-Dollar beziffert wird, und profitierte von der Infrastruktur eines Studios, das Serien- und Franchise-Erzählungen systematisch ausbaut.

Stilistisch fällt die Produktion durch eine dichte Produktiondesign- und Farbästhetik auf, die Raum für eine fast komische Überzeichnung des Kosmischen lässt. Kameraarbeit, Schnitt und Musik sind eng aufeinander abgestimmt, wobei der Einsatz populärer Songs als narrative Träger ein zentrales Produktrisiko darstellt, das zugleich zum Unterscheidungsmerkmal wurde. Innerhalb des Schaffens von James Gunn markiert der Film den Übergang von kleineren, charakterzentrierten Filmen zu einem formbewussten Blockbuster, der seine Eigenheiten trotz industrieller Zwänge durchsetzt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzungsmatrix verbindet etablierte Charakterdarstellerinnen und -darsteller mit Schauspielern, die sich im Aufstieg befanden. Chris Pratt, zuvor primär im Fernsehen und in komödiantischen Nebenrollen präsent, übernimmt die Rolle des charismatischen Anführers und gelangte hierdurch zu größerer Bekanntheit. Zoë Saldaña bringt ihre Erfahrung aus Science-Fiction-Franchises ein und überträgt eine physische Präzision auf ihre Figur, die sich in stillem Ernst und kontrollierter Intensität zeigt.

Dave Bautista, aus dem Profi-Wrestling kommend, wird als körperliche Präsenz in der Figur des stoischen Muskelprotzes eingesetzt; seine Darbietung spielt mit dem Spannungsfeld zwischen brutalem Äusseren und unerwarteter Emotionalität. Karen Gillan und Lee Pace erweitern das Ensemble mit Figuren, die im Spannungsfeld von Loyalität und ideologischer Härte agieren. Benicio Del Toro sowie Glenn Close übernehmen prägnante, oft ambivalente Nebenrollen, die dem Narrativ zusätzliche moralische und institutionelle Dimensionen verleihen. Michael Rooker, John C. Reilly und weitere Ensemblemitglieder tragen zur Textur des Films bei, indem sie kleinere, aber markante Figuren zeichnen, die das Weltgefüge beleben.

Handlung (spoilerfrei!)

Guardians Of The Galaxy erzählt von einer heterogenen Gruppe von Außenseitern, die sich in einem kosmischen Raumverbund zusammentut. Ausgangspunkt sind persönliche Verluste, Verfolgung und die Suche nach einem Ort jenseits etablierter Machtstrukturen. Der dramatische Konflikt ergibt sich aus der Konvergenz individueller Ziele und einem übergeordneten Bedrohungsszenario, das moralische Entscheidungen erzwingt.

Im Zentrum stehen Figuren mit starken Eigenheiten, deren Beziehungen zueinander oft durch Misstrauen beginnen und sich allmählich zu einer Form von Solidargemeinschaft entwickeln. Ton und Atmosphäre des Films wechseln zwischen heiterer Abenteuerlust, der Ästhetik des Kinos der 1970er und 1980er Jahre in Popkultur-Anspielungen und szenischen Momenten, die auf intime Charakterkonstellationen zielen. Actionsequenzen sind choreografisch ausgelegt, zugleich dienen ruhige Passagen als emotionale Gegengewichte.

Zentrale Themen und Motive

Der Film setzt sich implizit mit Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und dem Wert defekter Gemeinschaften auseinander. Er untersucht, wie Individuen, die von institutioneller Anerkennung ausgeschlossen sind, eigene Formen von Familie und Moral entwickeln. Die wiederkehrende Motivik des Erinnerns und der Nostalgie - nicht zuletzt vermittelt durch eine prominente musikalische Auswahl - fungiert als emotionaler Resonanzboden und als Kommentar zur Art und Weise, wie kollektive Erzählungen persönliche Vergangenheit strukturieren.

Philosophisch öffnet Guardians Of The Galaxy die Diskussion um Autonomie versus Determinismus. Figuren kämpfen gegen äußere Mächte, ohne dabei ihre Handlungsfähigkeit aufzugeben, was eine Erzählung über Verantwortung in fragmentierten sozialen Konstellationen ergibt. Gesellschaftlich gelesen berührt der Film Sehnsüchte nach Zugehörigkeit in Zeiten des kulturellen Wandels und reflektiert die Sehnsucht nach Authentizität in einer Medienlandschaft, die zunehmend auf Rekombination und Zitierfreude beruht.

Formal verbindet der Film Elemente klassischer Heldenepen mit einer postmodernen Ironie, wobei Musik und Popreferenzen nicht bloß dekorativ eingesetzt werden, sondern narrativ wirksam werden. So entsteht ein filmisches Gefüge, das zwischen Unterhaltung und existenzieller Ansprache vermittelt und die Frage stellt, wie moderne Mythen in einer globalisierten Popkultur geformt werden.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Rasanter Ritt mit den „Guardians of the Galaxy“

Das Kino-Universum der Marvel Studios wächst weiter an. Nach „The Return of the First Avenger“, dem neunten Spielfilm der fortlaufenden Superhelden-Reihe, der im Frühjahr 2014 die Leinwände eroberte, folgt nun die Adaption einer verhältnismäßig unbekannten Comic-Welt. Erschaffen von Arnold Drake und Gene Colan, tauchten die „Guardians of the Galaxy“, eine bunte Außenseiter-Truppe, erstmals 1969 auf. 2008 besorgten Dan Abnett und Andy Lanning eine Neuzusammensetzung des Teams, die als Grundlage für die von James Gunn inszenierte Verfilmung diente. Frei von Risiken war dieses Kinounterfangen nicht, da sich keineswegs sicher vorhersagen ließ, ob der Space-Blockbuster ein großes Publikum finden würde. Der Kinostart in den USA, dem äußerst positive Kritiken vorausgegangen waren, wischte jedoch alle Zweifel vom Tisch. Schon nach dem ersten Wochenende standen fast 95 Millionen Dollar zu Buche und damit der erfolgreichste August-Einstieg aller Zeiten.

Ein Ende des Siegeszuges scheint nicht in Sicht. Wohl auch, weil der Film sehr geschickt die Superhelden-Attitüden des Marvel-Kosmos mit spektakulären Bilderwelten kombiniert, die unweigerlich an die ultimative Weltraum-Saga „Star Wars“ erinnern. Als Wegweiser und Identifikationsfigur dient dem Zuschauer der Outlaw Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt), der im Kindesalter von der Erde entführt wurde und unter den Fittichen des Space-Piraten Yondu (Michael Rooker) zu einem umtriebigen Dieb herangewachsen ist.

Seine neueste Errungenschaft, eine Kugel mit sagenumwobenem Inhalt, bringt den unbekümmerten Räuber allerdings in große Schwierigkeiten, da der fanatische Ronan (Lee Pace) das zerstörerische Artefakt für den Titanen Thanos (Josh Brolin) beschaffen soll. Während Quill zum Planeten Xandar aufbricht, um seine Beute zu verscherbeln, schickt Ronan die Killerin Gamora (Zoe Saldana) auf die Suche nach der Kugel. Gerade als sie den jungen Mann attackiert, tauchen der Waschbär Rocket (Originalstimme: Bradley Cooper) und der Riesenbaum Groot (Originalstimme: Vin Diesel) auf, die sich das Kopfgeld unter den Nagel reißen wollen, das auf Star-Lord ausgesetzt ist. Im Handumdrehen entbrennt eine wüste Schießerei, mit dramatischen Folgen. Alle vier landen in einem Hochsicherheitsgefängnis und sind schon bald gezwungen, zusammenzuarbeiten, um ihre Freiheit zurückzugewinnen. Unerwartete Hilfe bekommen sie vom grobschlächtigen Hünen Drax (Dave Bautista), der mit Ronan noch eine Rechnung offen hat.

Auch wenn gleich der erste Auftritt des Draufgängers Peter Quill beeindruckend gerät, braucht es seine Zeit, bis man (zumindest das Comic-unkundige Publikum) sich in der Welt des Films zurechtgefunden hat. Seltsam klingende Namen und allerhand Ortswechsel bestimmen den Einstieg in das Geschehen und sorgen nicht immer für vollständig klaren Durchblick. Hat Regisseur und Drehbuchautor James Gunn (das Skript entstand in Zusammenarbeit mit der Newcomerin Nicole Perlman) die Koordinaten seines galaktischen Abenteuers festgelegt und das titelgebende Superhelden-Team zusammengeführt, kann sich der Zuschauer jedoch entspannt zurücklehnen und das temporeiche Treiben voll und ganz genießen.

Dass die Geschichte im Grunde viele bekannte Bausteine vermengt und nur selten wirklich überraschen kann, ist leicht zu verschmerzen, da die dysfunktionale Heldentruppe allein reichlich Abwechslung bietet. Wie es sich für eine Schicksalsgemeinschaft gehört, arbeiten die fünf Außenseiter nur widerwillig zusammen und geraten ob ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen ständig aneinander. Was in vielen Fällen zu absurd-witzigen Momenten führt. Etwa wenn der einfach gestrickte Drax Metaphern oder Wortspiele partout nicht deuten kann und daher bestimmte Aussagen in den falschen Hals bekommt. Ebenso amüsant sind Star-Lords Versuche, die attraktive Alien-Dame Gamora zu umgarnen, die von der ausgebufften Killerin stets recht unvermittelt abgewürgt werden. Die meisten Lacher dürfte der alles kommentierende Waschbär Rocket abstauben, ein berechnender Waffennarr, der erst im Verlauf der Handlung lernt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Das emotionale Zentrum des Films bildet schließlich, man mag es kaum glauben, der tollpatschige, aber gutherzige Groot, der lediglich einen einzigen Satz beherrscht („Ich bin Groot“), zum Ende hin allerdings – im wahrsten Sinne des Wortes – über sich hinauswächst.

Neben der geschickt austarierten Gruppendynamik sorgt eine Reihe krachender Gefechtssequenzen dafür, dass „Guardians of the Galaxy“ stets kurzweilig bleibt und nicht zu einer fortlaufenden Witz-Parade mutiert. Vielmehr findet Gunn einen gesunden Mittelweg zwischen Komik und Düsternis, sodass auch handfeste Actionliebhaber voll auf ihre Kosten kommen sollten. Ein wenig nachlässig gehen die Macher hingegen mit interessanten Nebenfiguren wie Thanos oder Gamoras Adoptivschwester Nebula (Karen Gillan) um, denen etwas mehr Entfaltungsraum gut zu Gesicht gestanden hätte. Optisch überzeugt das Weltraum-Spektakel auf ganzer Linie. Nicht nur die Handlungsorte, die das Kreativteam hervorzaubert, sind überwältigend. Auch das detaillierte Masken- und Make-up-Design kann immer wieder Ausrufezeichen setzen. Besonders erwähnenswert ist zudem die nahezu perfekte Animationsarbeit im Fall der beiden Computerwesen Rocket und Groot, deren Interaktion mit den menschlichen Darstellern jederzeit glaubwürdig erscheint.

Um es auf den Punkt zu bringen: „Guardians of the Galaxy“ bietet kein philosophisch angehauchtes Blockbuster-Kino, sondern geballte Unterhaltungspower samt ungewöhnlich-liebenswerter Antihelden. Ein abgedrehter, aber charmanter Weltraum-Trip.

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