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Can A Song Save Your Life?

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kritiken.de Redaktion 28.08.2014
Can A Song Save Your Life?© StudioCanal Deutschland
A ca. 1689 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Can A Song Save Your Life? - John Carneys kleiner Hymnus auf Authentizität, Scheitern und Neuanfang

Einleitung

Can A Song Save Your Life? tritt in eine Tradition des Musikfilms, die weniger auf spektakuläre Showeinlagen als auf intime Begegnungen zwischen Klang und Gefühl setzt. Der 2014 erschienene Film stellt Fragen nach dem Verhältnis von Kunst und Markt, nach der Möglichkeit persönlicher Neuanfänge in einer urbanen Arbeitswelt und nach der Heils- bzw. Tröstfunktion von Songs im Alltag. Seine Relevanz liegt weniger in der Erfindung neuer filmischer Codes als in der nuancierten Fortführung eines Genres, das nach Authentizität verlangt.

Im Kontext des frühen 2010er-Jahre-Kinos spricht der Film ein Publikum an, das zwischen Streaming, Instant-Pop und nostalgischer Sehnsucht nach Echtheit navigiert. Die Besetzung mit bekannten Namen aus Film und Musik reflektiert diese Zerrissenheit: Hier prallen klassische Schauspielästhetik und Popstar-Image aufeinander, und genau diese Spannung wird zur erzählerischen Anlage. Der Film fungiert damit als Spiegel für eine Zeit, in der musikalische Produktion und Distribution sich radikal verändern.

Feuilletonistisch betrachtet ist Can A Song Save Your Life? weniger ein provokativer Befund als eine genaue, wohlwollend-skeptische Beobachtung. Er arbeitet mit vertrauten Motiven - Scheitern, Wiederaufbau, mentorale Beziehungen - und legt sein Gewicht auf die Darstellung momenthafter Verwandlungen, die durch Musik vermittelt werden. In dieser Sinnlichkeit liegt seine poetische Absicht: nicht groß zu erklären, sondern zu zeigen, wie Lieder Menschen prägen und verändern.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte John Carney, ein irischer Filmemacher, dessen Handschrift durch eine Vorliebe für musikgetriebene Narration, minimalistische Inszenierung und naturalistische Darstellerführung bekannt ist. Carneys Regie ist weniger auf gestalterische Opulenz als auf die Nähe zu den Figuren angelegt; seine Kamera sucht die Räume auf, in denen Musik entsteht, und vermeidet emphatische Distanz. Die formale Konsequenz ist eine Filmästhetik, die die Kreativität der Protagonisten atmen lässt.

Die Produktion bewegt sich im Bereich des kleineren bis mittleren Budgets und bedient sich eines hybriden Ansatzes - Indie-Sensibilität gepaart mit marktgängiger Starbesetzung. Gedreht wurde vorwiegend in New York, weil die Metropole als resonanter Ort für Straßensongs, Barsessions und Begegnungen zwischen Künstlern und Publikum fungiert. Die Aufnahmen legen Wert auf Live-Performances und mobile Mikrofonierung, was die musikalischen Sequenzen im Film als unmittelbar erfahrbar macht.

Im Gesamtwerk Carneys nimmt der Film eine Brückenfunktion ein. Er knüpft an die intime Monographie des Musikschaffens aus früheren Arbeiten an und erweitert diese um eine Hollywood-vernähte Erzählstruktur, die größere Publikumswirksamkeit anstrebt. Die Nähe zu seinen frühen Themen bleibt bestehen, doch die Erzählung ist mit größerer narrativer Konventionaler Sicherheit angelegt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Keira Knightley übernimmt die Rolle der Gretta, einer Songwriterin, deren Stimme und Fragilität den emotionalen Kern des Films bilden. Knightley, bekannt aus historischen und dramatischen Rollen wie Pride & Prejudice und Atonement, zeigt hier eine andere Facette: die einer Musikerin, die eher aus der Innerlichkeit als aus Showtauglichkeit agiert. Ihr Spiel setzt auf subtile Körpersprache und stimmliche Intimität.

Mark Ruffalo tritt als der Produzent und ehemalige Musikmanager Dan auf, dessen Leben an einem Scheitelpunkt steht. Ruffalo, dessen Karriere durch Rollen in Independent-Filmen und großen Ensembles gleichermaßen geprägt ist, legt hier ein zurückgenommenes Mienenspiel an den Tag - ein Charakter, der beruflich gescheitert ist und durch eine Begegnung wieder Handlungsfähigkeit erlangt. Die Vater-Tochter-Beziehung, die sich daraus entwickelt, wird zur emotionalen Achse des Films.

Hailee Steinfeld, die als jugendliche Figur in der Rolle der Tochter des Produzenten erscheint, bringt jugendliche Präsenz und eine Beobachterposition in die Geschichte ein. Bekannt geworden durch True Grit, fungiert sie hier als Katalysator für familiäre und berufliche Dynamiken. Adam Levine, Frontmann einer Popband in der Filmwelt, repräsentiert die Attraktivität des Kommerz-Pop und steht damit als Kontrast zur Indie-Authentizität der Protagonistin. Nebenrollen sind prominent besetzt - darunter Catherine Keener, CeeLo Green und James Corden - und verweisen auf ein Ensemble, das Sänger, Geschäftsmenschen und Alltagstypen plausibel verbindet.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von einer Begegnung zwischen einer verletzlichen Songschreiberin und einem in der Krise steckenden Musikproduzenten. Aus dieser Konstellation entspinnt sich ein Arbeitsprozess, bei dem die Wiederentdeckung von Musik als Form der Selbstvergewisserung im Zentrum steht. Der dramatische Konflikt liegt weniger in äußeren Katastrophen als in inneren Zerrissenheiten: Fragen nach künstlerischer Integrität, nach Verantwortung gegenüber Familie und Beruf und nach den ökonomischen Zwängen der Musikindustrie.

Die zentralen Figuren sind geprägt durch ihre Vergangenheit und ihre jeweiligen Rollen im Musikbetrieb: die Komponistin, der Produzent, der Popstar und die familiären Bindungen, die sich mit der künstlerischen Arbeit verweben. Ton und Atmosphäre des Films oszillieren zwischen melancholischer Zurückgezogenheit und lebensbejahender Wärme; die Stadt fungiert als offener Resonanzraum, in dem kleine, reale Momente - Auftritte in Bars, spontane Sessions, Gespräche auf Straßen - das narrative Momentum tragen.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum stehen Fragen nach Authentizität und Kommerz. Der Film fragt, inwiefern ein Song nicht nur Ausdruck individueller Erfahrung, sondern auch Mittel zur Wiederherstellung von Selbstgefühl sein kann. Dabei wird die Musik selbst nicht als bloße Folie verwendet, sondern als handelnder Akteur, der Beziehungen moduliert und Handlungsschritte ermöglicht.

Weiterhin verhandelt der Film die Idee des Neuanfangs - nicht als radikale Selbsttransformation, sondern als anfangs kleines, stetiges Ringen um neue Perspektiven. Psychologisch gesehen thematisiert er die Ambivalenz kreativer Arbeit: die Freude am schöpferischen Prozess und die Verletzlichkeit, die mit offenem Zeigen einhergeht. Auf gesellschaftlicher Ebene reflektiert der Film die Umbrüche in der Musikindustrie - die Verschiebung von physischem Vertrieb zu digitalen Formaten und die damit verbundene Neuordnung von Machtverhältnissen zwischen Künstlern, Produzenten und Publikum.

So positioniert sich Can A Song Save Your Life? als ein leises, aber genau beobachtetes Kapitel des zeitgenössischen Musikfilms - weniger Revolution, mehr feine Kartographie emotionaler Landschaften, in denen ein Lied nicht die Welt rettet, aber Räume für Möglichkeiten eröffnet.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

„Can a Song Save Your Life?“ ist hier die Frage

2006 legte John Carney, früher Bassist der Rockband „The Frames“, die feinfühlige Musikromanze „Once“ vor, die unter anderem den Publikumspreis auf dem Sundance Film Festival einheimsen konnte und mit einem Oscar für den besten Originalsong ausgezeichnet wurde. Sechs Jahre nach dem Erfolg seines Indie-Streifens zog es Carney schließlich in die USA, um auch hier einen Film zu inszenieren, der die Kraft spürbar macht, die von Musik ausgehen kann. Einige Kompromisse musste der irische Regisseur und Drehbuchautor dabei sicher eingehen. Und doch gelingt ihm, dem etwas schmalzigen Verleihtitel zum Trotz, eine erfrischende Mischung aus Drama und Komödie mit ansprechenden Gesangseinlagen.

Eine kleine Bar irgendwo in New York wird zum Schicksalsort, an dem sich zwei gescheiterte Existenzen treffen. Zwei Menschen, die sich ganz der Musik verschrieben haben, jedoch an einem Punkt in ihrem Leben angelangt sind, an dem ihre früheren Hoffnungen endgültig zu zerplatzen drohen. Die aus Großbritannien stammende Gretta (natürlich-charmant: Keira Knightley) hat immer von einer Karriere als Sängerin geträumt, kommt an der Seite ihres aufstrebenden Musikerfreundes Dave („Maroon 5“-Sänger Adam Levine) aber nicht über ein Schattendasein hinaus. Da er sie zu allem Überfluss auch noch betrogen hat, will Gretta New York den Rücken kehren und anderswo neu beginnen. Ähnlich verzweifelt ist auch der einst erfolgreiche Musikmanager Dan (herrlich spielfreudig: Mark Ruffalo), der eine gescheiterte Ehe hinter sich hat und gerade von seinem Plattenlabel vor die Tür gesetzt wurde, weil er schon lange keinen Interpreten mehr nach oben gebracht hat. Als der ausgebrannte Branchenkenner sieht, wie Gretta auf der Bühne des Clubs einen ihrer Songs darbietet, ist es um ihn geschehen. Er erkennt sofort ihr Potenzial und will daher unbedingt ein Album mit ihr produzieren.

Dass Carney keine belanglose Musik-Dramödie im Sinn hatte, wird schon zu Anfang deutlich, wenn er gezielt mit der Erzählstruktur spielt. Nachdem wir Grettas – reichlich widerwilligen – Auftritt aus einer eingeschränkten Perspektive beobachtet haben, springt der Film in der Zeit zurück, um uns mit Dan und seinen aktuellen Enttäuschungen vertraut zu machen. Erst danach erfahren wir mehr über Gretta, ihre Beziehung zu Dave und den Grund für ihren Entschluss, New York zu verlassen. Sind die beiden Protagonisten und ihre Lebensumstände etabliert, kehren wir zurück in die Bar, den eigentlichen Startpunkt von „Can a Song Save Your Life?“.

Im Folgenden entwickelt sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der jungen Sängerin und dem festgefahrenen Plattenmanager, die sicherlich nicht immer einfach ist, dafür aber fruchtbare Ergebnisse liefert. Offensichtlich haben sich hier zwei Menschen gefunden, denen in ihrer misslichen Lage nichts Besseres passieren konnte. Sie treiben sich gegenseitig an und stehen dem anderen in entscheidenden Momenten zur Seite. Irgendwann geht ihre Vertrautheit sogar so weit, dass eine Liebesbeziehung möglich scheint, doch dankenswerterweise unterwandert der Film in diesem Punkt immer wieder die Erwartungen des Zuschauers.

Carney macht es sich keineswegs leicht, sondern nimmt die Hintergrundgeschichten seiner Hauptfiguren durchaus ernst. Anstatt Gretta und Dan auf eine romantische Reise zu schicken, die alle Probleme im Handumdrehen beseitigt, hadern beide mit ihren schmerzlichen Erfahrungen und grübeln über ihr weiteres Vorgehen nach. Die britische Musikerin ist schwer getroffen, dass Dave ihre gemeinsame Beziehung nach seinem Aufstieg zum Star einfach weggeworfen hat, scheint allerdings noch immer etwas für ihn zu empfinden und lässt sich daher auf ein gemeinsames Treffen ein. Wenngleich Dan die meiste Zeit eine Scheiß-egal-Haltung an den Tag legt, bereitet ihm die Entfremdung von seiner Tochter Violet (Hailee Steinfeld) und das angespannte Verhältnis zu seiner Ehefrau (Catherine Keener) sichtlich Kopfzerbrechen. In beiden Fällen spielen alltägliche, für jeden nachvollziehbare Verwicklungen eine Rolle, werden aber nicht künstlich dramatisiert, sondern eher unaufdringlich miterzählt.

Als Kenner der Branche nimmt der Regisseur auch die Tücken des häufig knallharten Musikgeschäfts in den Blick und lässt diese mit den künstlerischen Ambitionen Grettas kollidieren. Die junge Frau will um jeden Preis Musik machen, ist jedoch nicht bereit, ihre Songs aus kommerziellen Gründen zu verfälschen. Auch wenn der Film hier den Stellenwert von Authentizität etwas überstrapaziert, wirkt die Entscheidung der Protagonisten, ein Album auf den Straßen New Yorks aufzunehmen, alles andere als abgeschmackt. Vor allem in diesen Szenen kommt das bislang unentdeckte Gesangstalent von Keira Knightley eindrucksvoll zur Geltung, die die eingängigen, aber nie billig sentimentalisierenden Pop-Balladen selbst zum Besten gibt. Schade ist dabei allerdings, dass die Lieder letztlich ein wenig zu stark nach Studioaufzeichnung riechen (Text und Lippen sind nicht immer synchron). Was produktionstechnisch wohl nicht zu umgehen war, unterläuft doch erheblich den ständig thematisierten rauen Klang, den Grettas Straßenalbum versprühen soll.

Da Knightley und Ruffalo wunderbar harmonieren und Carney seine Geschichte überwiegend im Griff hat, macht „Can a Song Save Your Life?“ trotzdem viel Laune.

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