Fences - Eine strenge Studie über Männlichkeit, Erinnerung und die Grenzen des amerikanischen Traums
Einleitung
Fences tritt als filmische Übersetzung eines modernen Klassiker der amerikanischen Bühne auf und verlangt von seiner Zuschauerin und seinem Zuschauer ein konzentriertes Hinhören. Die Verfilmung des gleichnamigen Dramas von August Wilson verlagert die Spannungen eines Einfamilienhauses in den größeren Kontext von Arbeit, Rasse und Generationenfolge und macht daraus kein historisches Panorama, sondern ein intimes Kammerspiel. Relevanz gewinnt der Film nicht zuletzt dadurch, dass er die literarische Kraft von Wilsons Dialogen in ein filmisches Gefäß überführt, das auf Präsenz und Stimme setzt.
Im Verhältnis zu den Arbeiten seines Regisseurs markiert Fences eine Fortführung eines künstlerischen Interesses an erzählerischer Ökonomie und an Figuren, die an der Verheißung einer Nation scheitern oder sie für sich auszuhandeln versuchen. Die Entscheidung, ein Stück, das tief in der Theatertradition verwurzelt ist, nahezu unverfälscht auf die Leinwand zu bringen, verweist auf ein Selbstverständnis, das Schauspiel als Träger narrativer Wahrheit begreift. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen theatraler Direktheit und filmischer Nähe, das den Zuschauer in die unmittelbare Gegenwart der Figuren zieht.
Der gesellschaftliche Hintergrund der Geschichte - die begrenzten Aufstiegschancen schwarzer Männer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die emanzipatorischen Forderungen der Nachkriegszeit und die Verhärtungen patriarchaler Erwartungshaltungen - macht Fences über sein individuelles Schicksal hinaus zu einem Dokument von sozialer Schicht und Zeitgeist. Die filmische Umsetzung lenkt den Blick weniger auf historische Ursachenforschung als auf die mikroskopische Analyse von Verantwortung, Versagen und Behauptung in einem familiären Mikrokosmos.
Kurzüberblick zur Produktion
Denzel Washington führt bei Fences Regie und verlässt sich dabei deutlich auf die Kraft der literarischen Vorlage. Seine Handschrift als Regisseur zeichnet sich durch eine Vorliebe für darstellerzentrierte Inszenierung aus - lange Einstellungen, behutsame Kamerabewegungen und ein Auge für rhythmische Präzision im Dialog. Anders als bei opulenten Genrefilmen steht hier die Bühne im Zentrum des filmischen Interesses: Räume sind bewusst begrenzt, das Setting konzentriert, die Kamera oft ein stiller Beobachter.
Die Produktionsumstände reflektieren diese Nähe zum Theater. Die Adaption entstand aus der Zusammenarbeit, die Washington bereits in der Broadway-Produktion gesucht hatte; viele der Darstellerinnen und Darsteller traten mit der Rolle aus dem Theater auf die Leinwand. Diese Kontinuität hat zur Folge, dass die filmische Sprache stark an szenische Setzungen gebunden bleibt - ein deutliches Gestaltungsmerkmal, das die Intimität der Vorlage bewahrt und zugleich die filmischen Mittel darauf ausrichtet, das Gesprochene als dramatischen Motor zu erhalten.
Im Gesamtwerk des Regisseurs nimmt Fences eine spezielle Stellung ein: Es ist kein Versuch, Theater bloß zu verfilmen, sondern eine Reflexion darüber, wie filmische Nähe die Wucht einer Bühnenvorlage konservieren und zugleich transformieren kann. Die Produktion verzichtet auf überflüssige Exkurse und versteht sich als konzentrierte, handwerklich geerdete Auseinandersetzung mit einem literarischen Text.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Denzel Washington ist in der Rolle des Troy Maxson die zentrale Figur, deren Aura von physischer Präsenz und verbaler Dominanz getragen wird. Washingtons Karriere ist geprägt von Rollen, die moralische Ambivalenz und expressive Wucht vereinen - sein Spiel reicht von frühen Erfolgen wie Glory bis zu späteren Charakterporträts in Training Day und American Gangster. In Fences setzt er diese Erfahrung ein, um eine Figur zu formen, die zugleich charismatisch und destruktiv wirkt.
Viola Davis bildet die notwendige Gegenstimme als Rose; ihre bisherige Laufbahn mit markanten Figuren in Filmen wie Doubt und The Help hat sie zur profilierten Interpretin innerer Spannungen gemacht. Hier gewinnt ihre Rose Kontur durch das Aushalten von Verletzung und die Sprache des Alltäglichen. Die Dynamik zwischen Washington und Davis spiegelt eine lange Bühnenpartnerschaft wider und nutzt die aufeinander eingespielten Nuancen ihrer Performances.
Die jüngeren Ensemblemitglieder tragen die familiären Schichten: Jovan Adepo als Sohn Cory steht für die nachrückende Generation, Russell Hornsby und Stephen Henderson bilden das Netz von Freunden und Verwandten, Mykelti Williamson als Gabriel bringt die tragische Note eines verwundeten Überlebenden ein, und Saniyya Sidney fungiert als leiser Kontrapunkt. Viele der Darsteller bringen Theatererfahrung mit, was dem Film seine szenische Dichte verleiht und die Sprache August Wilsons als Motor des Dramas erfahrbar macht.
Handlung (spoilerfrei!)
Fences spielt in einem Haushalt in einer industriellen Stadtlandschaft der USA und folgt dem Leben eines Mannes, dessen Gegenwart immer wieder von seiner Vergangenheit beschattet wird. Zentrum des Films ist die Beziehung zwischen dem Familienoberhaupt und den Menschen, die an ihn gebunden sind - es geht um Arbeit, um Chancen und um die Frage, wie persönliche Entscheidungen das Leben anderer formen. Der erzählerische Motor ergibt sich aus familiären Auseinandersetzungen, aus dem Aufeinandertreffen individueller Ambitionen und starrer Rollenerwartungen.
Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus Konkurrenz und Loyalität, aus dem Ringen um Anerkennung und den Versuchen, Schutz zu bieten - Schutz, der zugleich zur Gefangenschaft werden kann. Die zentralen Figuren sind durch ihre Bindungen definiert: Vater, Mutter, Sohn und Freunde. Tonal ist der Film in einer dichten, oft lakonischen Sprache gehalten; die Atmosphäre ist geprägt von einem permanenten Vorspann, in dem Humor und Bitterkeit nah beieinanderliegen.
Zentrale Themen und Motive
Das Bild des Zauns, das dem Stück seinen Titel gibt, fungiert als zentrales Motiv - es steht gleichermaßen für Schutz und Eingrenzung, für liebevolle Arbeit und für das Abgrenzen des Eigentlichen vom Fremden. Der Film stellt Fragen nach Verantwortung - wer schuldet wem etwas? - und nach dem Preis, den individuelle Entscheidungen für Beziehungen fordern. In dieser Verknüpfung von Privatheit und sozialer Bedingung wird das Sujet zur Parabel über begrenzte Aufstiegschancen und die Mechanik familiärer Reproduktion.
Weitere thematische Schichten betreffen Erinnerung und Sprache: Erzählt wird nicht nur, was geschehen ist, sondern wie es erinnert wird, welche Narrative legitimiert werden und welche verdrängt bleiben. Sport - hier repräsentiert durch Baseball und Football - fungiert als wiederkehrendes Bild für entgangene Möglichkeiten und für die symbolische Ökonomie von Leistung und Anerkennung. Schließlich thematisiert Fences Männlichkeit auf eine Weise, die zwischen Anspruch und Verletzlichkeit oszilliert und die politischen Dimensionen persönlicher Würde in den Blick rückt.
Ohne die Dramatik der Handlung zu verraten, bleibt Fences ein Versuch, die Wucht eines Textes in filmische Präsenz zu übersetzen - ein Versuch, der das Gesprochene als dramaturgisches Zentrum begreift und dabei die Fragen von Zeit, Raum und Bindung scharfstellt.
Filmkritik von Peter Osteried
Großes Schauspielkino: „Fences“
Für seine dritte Regiearbeit hat sich Denzel Washington ein Projekt ausgesucht, das ihm am Herzen lag: die Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks. Das wurde bereits in den frühen 2000er Jahren von August Wilson verfasst, der auch für das Theaterstück verantwortlich zeichnet. Wilson, der bereits im Jahr 2005 verstorben ist, erhielt für seine Leistung auch eine Oscar-Nominierung.
Troy Maxson (Denzel Washington) arbeitet als Müllmann in Pittsburgh. Aber er hatte mal andere Träume. Träume, die sich nicht erfüllten, was ihn verbittert hat. Denn Maxson hatte das Talent, ein professioneller Baseball-Spieler zu werden, aber damals durften Farbige sich nicht der League anschließen. Und als es endlich erlaubt war, war er zu alt, als dass er noch eine Chance bekommen hätte. Nun hätte sein Sohn die Chance, den Traum seines Vaters wahr zu machen, doch das sorgt für Spannungen in der Familie, weil Troy längst nicht mehr daran glaubt, dass ein Farbiger es zu irgendetwas bringen kann.
Man merkt Fences schon an, dass die Grundlage ein Theaterstück ist. Mehr noch: Man merkt, dass der Film zu nahe am Stoff bleibt. Das ist eigentlich eine gute Sache, sorgt hier aber dafür, dass der Film mit fast zweieinhalb Stunden Laufzeit deutlich zu lang ist. Und dass er sich zu sehr auf wenige Schauplätze – das Haus und den Hinterhof – konzentriert. Das ist eine Notwendigkeit der Bühne, der Film hätte hier aber freier agieren können.
Die Stärke des Films sind die elektrisierenden Darstellungen. Washington liefert eine starke Leistung ab. Er strahlt Gefühl, aber auch Verbitterung aus, weil er ein Mann ist, der zu seiner Zeit keine Chance erhielt und nun niemandem sonst eine gönnt. Noch besser ist jedoch Viola Davis als seine Frau, die einige Opfer für ihren Mann gebracht hat, die dieser aber gar nicht zu erkennen in der Lage ist. Sie erhielt für diese Leistung auch einen Golden Globe und ist ebenso wie Washington für einen Oscar nominiert.
Fences ist auch ein Wettbewerber in der Kategorie „Bester Film“, das Problem mit diesem Werk ist jedoch, dass es irgendwann zu ermüdend wird. Weil sich die Geschichte im Kreis dreht und eine inszenatorische Monotonie eintritt, von der sich dieses Drama nicht wieder erholt. Dabei beginnt der Film so wunderbar. Er fängt das Lokalkolorit, aber auch die Zeit, in der die Geschichte spielt, ein und überzeugt durch die grandiosen Schauspieler. Aber dann zerfällt Fences zu sehr, so dass nicht mehr als die Leistungen der Darsteller bleibt. Eine stärkere Narrative, auch eine Straffung der Geschichte, hätte hier Wunder gewirkt.

