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Die Schlümpfe 2

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kritiken.de Redaktion 01.08.2013
Die Schlümpfe 2© Sony Pictures Releasing GmbH
A ca. 1769 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Die Schlümpfe 2 - Populäre Nostalgie, CGI-Symphonie und die Verwandlung utopischer Idylle ins Konsumformat

Einleitung

Als Fortsetzung eines internationalen Franchise steht Die Schlümpfe 2 in der paradoxen Lage, ein vertrautes, beinahe ikonisches Bild neu zu verhandeln und zugleich die Erwartungen eines globalen Familienmarktes zu bedienen. Der Film tritt an, eine europäische Comicwelt - entworfen von Peyo als kleine, solidarische Gemeinschaft - in die Logik des großen amerikanischen Unterhaltungskinos zu überführen. Diese Konstellation macht den Film relevant nicht nur als Produkt der Filmindustrie, sondern auch als Fallbeispiel für die Übersetzungsarbeit, die bei der Adaptation populärer Vorlagen oft geleistet wird.

Innerhalb der Karriere des Regisseurs Raja Gosnell lässt sich Die Schlümpfe 2 als konsequente Fortsetzung einer Handschrift lesen, die auf sichtbare, familienkompatible Komödie und lineare Erzählung setzt. Gosnell, bekannt geworden mit live-action-Adaptionen und familienorientierten Komödien, interessiert sich weniger für subversive Umdeutungen als für die mechanische Funktion von Figuren, Set-Pieces und Markenimage. In diesem Sinne ist der Film weniger ein Versuch neuer ästhetischer Verheißungen als vielmehr eine Verfeinerung bereits etablierter Produktionsweisen.

Die Veröffentlichung 2013 fand in einem Umfeld statt, das von Franchise-Denken, 3D- und CGI-Ästhetik und einem globalisierten Markt bestimmt war. Produktionen dieser Klasse fungieren als kulturelle Vermittler zwischen Nostalgie und Gegenwart - sie rufen das Vertraute herauf, um es gleichzeitig zu monetarisieren und technologisch neu zu polieren. Der gesellschaftliche Hintergrund - ein Publikum, das familienorientierte Inhalte auf mehreren Plattformen konsumiert - erklärt die Formentscheidungen ebenso wie die inhaltlichen Prioritäten des Films.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Schlümpfe 2 ist ein studiogetragenes Projekt, dessen ästhetische Grundkonfiguration auf der Vermischung von Live-Action und CGI beruht - ein Modus, der seit den frühen 2000er Jahren im Hollywood-Kinderkino verankert ist. Produziert von großen Parteien innerhalb des amerikanischen Studiosystems, folgt die Fortsetzung den Produktionsmechanismen hoher Kosten, enger Zeitpläne und crossmedialer Verwertungsstrategien, die Merchandising und internationale Verwertungsrechte einschließen.

Regisseur Raja Gosnell bringt eine routinierte Hand für effiziente, visuell polierte Familienunterhaltung ein. Seine Regie vermeidet riskante formale Experimente zugunsten klarer, oft slapstickorientierter Set-Pieces und einer Lesbarkeit, die auch jüngeren Zuschauern unmittelbar zugänglich ist. In der Werkbiographie des Regisseurs markiert der Film weder einen stilistischen Bruch noch eine radikale Weiterentwicklung, sondern steht für die Fortsetzung eines arbeitsteiligen Hollywood-Kinos, das auf Verlässlichkeit und Markenpflege setzt.

Die Produktionsumstände spiegeln zudem die Ökonomie der internationalen Koproduktion - die Verpflichtung zu einer Ästhetik, die in vielen Märkten funktioniert, und die technische Priorität, Charaktere als freundlich erkennbare Markenfiguren zu etablieren. Damit ist Die Schlümpfe 2 weniger ein experimentelles Kapitel der Adaption als ein archetypischer Fall zeitgenössischer Franchise-Ökonomie.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Vermischung von realen Schauspielern und Stimmen für CGI-Figuren verlangt eine doppelte Besetzungspraxis. Im Zentrum der menschlichen Ebene steht Neil Patrick Harris, der bereits im Vorgänger die Rolle des modernen Alltagsmannes verkörperte - eine Figur, deren Normalität den Kontrast zur phantastischen Welt der Schlümpfe ausbildet. An seiner Seite schafft Jayma Mays die Balance zwischen familiärer Verankerung und emotionaler Zugänglichkeit.

Aufseiten der Antagonisten ist Hank Azaria als Gargamel die sichtbare Schnittstelle zur klassischen Comicfigur - eine überzeichnete, böse Gestalt, deren Motivlage innerhalb des Films dramaturgisch vereinfacht und komisch übersteigert wird. Im Bereich der Stimmen übernehmen etablierte Pop- und Comedy-Persönlichkeiten die CGI-Schlümpfe. Katy Perry als Smurfette fungiert als kulturelle Brücke zwischen Popstar-Image und Figurensprache; die Stimmenarbeit zielt auf prägnante Charakterisierung und Markenidentität.

Die Auswahl der Besetzung illustriert eine verbreitete Strategie: bekannte Namen schaffen Zugänglichkeit für ein erwachsenes Publikum, während junge Schauspieler und Stimmeinsatz die emotionale Verfügbarkeit für Kinder garantieren. In dieser Konstellation werden die Figuren weniger als tiefpsychologische Subjekte begriffen als als Träger klarer, sofort lesbarer Eigenschaften.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Erzählung bleibt im Kern familienorientiert und folgt der klassischen Dramaturgie von Zuhause-verloren-werden und der Suche nach Wiedereingliederung. Ein externer Impuls - ein antagonistisch motiviertes Experiment - setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die die kleinen Figuren vor moralische und existentielle Entscheidungen stellt. Der dramatische Konflikt liegt sowohl auf der Ebene der Bedrohung des Gemeinschaftslebens als auch in der Frage nach Loyalität und Identität einzelner Figuren.

Die zentralen Figuren sind die Gemeinschaft der Schlümpfe an sich - mit ihren archetypischen Einzelfiguren -, einige ausgewählte menschliche Bezugspersonen sowie ein deutlich markierter Gegenspieler. Ton und Atmosphäre pendeln zwischen heiterer Komik, sentimentalen Familienmomenten und dramaturgisch zugespitzter Gefahr; die Bildsprache ist hell, farbintensiv und stark auf visuelle Effekte ausgerichtet, was die emotionale Lesbarkeit für ein junges Publikum verstärkt.

Zentrale Themen und Motive

Wesentliche Fragen des Films drehen sich um Herkunft, Zugehörigkeit und die Kraft gemeinschaftlicher Solidarität. Die Schlümpfe 2 thematisiert die Spannung zwischen dem Schutz der Gemeinschaft und den Verlockungen individueller Differenz - ein Thema, das in vielen Adaptionen klassischer Stoffe wiederkehrt, wenn es darum geht, traditionelle Werte in moderne Narrative einzubetten.

Auf einer metaästhetischen Ebene beschäftigt sich der Film mit der Frage, wie nostalgische Bildwelten in eine globalisierte Konsumkultur eingespeist werden. Die Umwandlung einer kleinen, utopischen Dorfgemeinschaft in ein Produkt der zeitgenössischen Popkultur wirft Fragen nach Authentizität und Kommerzialisierung auf - und nach der Rolle von Technologie bei der Emotionalisierung von Markencharakteren. Psychologisch gesehen spielen Identitätsbildung und die Suche nach Anerkennung eine zentrale Rolle, ohne jedoch in tiefere, ambivalente Konflikte vorzudringen.

Die Schlümpfe 2 steht damit für eine spezifische Form des modernen Familienfilms - eines, das zwischen altvertrauter Erzählung und kommerzieller Zweckmäßigkeit oszilliert und das Publikum weniger provoziert als beruhigt. Als kulturelles Artefakt bietet der Film Raum für Reflexionen über die Bedingungen zeitgenössischer Adaption und die Mechanik der Nostalgie im Zeitalter des Franchise-Kinos.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Stetig auf der Suche nach Stoffen oder Figuren, deren Reaktivierung lohnenswert erscheint, nahm sich Hollywood 2011 der Schlümpfe an, jener blauen Wesen, die 1958 in einem Comic des Belgiers Peyo das Licht der Welt erblickten und sich seitdem in unterschiedlichen medialen Ausprägungen einen Platz in der Populärkultur sichern konnten. Ihre umfassende Beliebtheit dürfte der ausschlaggebende Grund für die Wiederbelebung des Schlumpf-Universums gewesen sein, das in einer modernisierten Version als Mischung aus Animations- und Realfilm auf die Leinwände kam. Die Schlümpfe werden dort recht schnell aus ihrem ursprünglichen Kontext, der fantastischen Welt Schlumpfhausens, gelöst und müssen in der realen Welt New Yorks ein actionreiches Abenteuer bestehen. Technisch ansprechend umgesetzt, avancierte der rasante, gleichwohl selten innovative Familienspaß zu einem veritablen Kassenerfolg, der eine Fortsetzung unumgänglich machte. Der zweite Film knüpft nahtlos an das Erfolgsrezept des Vorgängers an, verlagert das Geschehen allerdings in die französische Metropole Paris.

Während die Schlümpfe am Ende des ersten Teils durch ein magisches Portal nach Schlumpfhausen zurückkehren können, bleibt der böse Zauberer Gargamel (Hank Azaria) gefangen in der menschlichen Realität. Als seine Zauberkräfte zufällig entdeckt werden, steigt er zum Liebling der Massen auf und tritt mit magischen Shows einen Siegeszug um den Globus an, der ihn schließlich nach Paris führt. Sein pathologisches Interesse an den Schlümpfen hat er trotz des unerwarteten Erfolgs nicht verloren. Und so erschafft er zwei schlumpfähnliche, Lümmel genannte Wesen, von denen er sich die Kreation der sagenumwobenen Schlumpf-Essenz erhofft. Als dieses Vorhaben jedoch scheitert, entführt Gargamel kurzerhand Schlumpfine, die die geheime Zauberformel kennt. In großer Sorge um das kleine Mädchen bricht Papa Schlumpf mit Clumsy, Muffi und Beauty auf nach New York zu ihren menschlichen Freunden Patrick (Neil Patrick Harris) und Grace Winslow (Jayma Mays), die gerade den Geburtstag ihres Sohnes Blue (Jacob Tremblay) feiern, zu dem auch Patricks Stiefvater Victor (Brendan Gleeson) angereist ist. Gemeinsam mit Familie Winslow machen sich die Schlümpfe auf den Weg nach Paris, um Schlumpfine zu retten.

Schon das erste 3D-Schlumpf-Abenteuer setzt sich, freilich in eingängiger Weise, mit identitätsstiftenden Fragen auseinander, was wenig verwundern muss, da der Name eines jeden Schlumpfes dessen Rolle anzeigt. Ausgerechnet der bedauernswert tollpatschige und oft gemiedene Clumsy macht in „Die Schlümpfe“ die Erfahrung, dass es durchaus möglich ist, sich über die festgelegten Eigenschaften hinwegzusetzen, und kann sich zum rettenden Held aufschwingen, ohne den die Geschichte kein gutes Ende genommen hätte.

Im Nachfolger rückt nun Schlumpfine in den Fokus des Interesses. Sie ist das einzige Mädchen in Schlumpfhausen und fühlt sich daher nicht immer wohl in ihrer Haut. Umso nachvollziehbarer, wenn man ihren Ursprung bedenkt: Denn einst wurde sie von Gargamel geschaffen, um die Schlümpfe in eine Falle zu locken. Dank der Gutmütigkeit Papa Schlumpfs fand sie allerdings Aufnahme in den Kreis der blauen Wesen. Schlumpfines Herkunft und ihre sich zunehmend verfestigende Unsicherheit bilden den emotionalen Aufhänger des neuen Abenteuers. Während das Mädchen anfangs noch hofft, bald von ihren Freunden gerettet zu werden, gelingt es den von Gargamel auf sie angesetzten Lümmeln zunehmend, ihr Vertrauen zu gewinnen. Der gemeinsame Ursprung – immerhin schenkte ihnen der böse Zauberer das Leben – lässt ein Gefühl der Verbundenheit entstehen und führt letztlich zu einer freundschaftlichen Beziehung. Bezeichnenderweise gerät an diesem Punkt selbst Papa Schlumpf, der im ersten Teil noch als allwissender und fürsorglicher Übervater erscheint, in eine emotionale Krise, die er erst mit Hilfe seines menschlichen Freundes Patrick bewältigen kann – eine interessante Umkehrung im Vergleich zum Vorgänger, wo Papa Schlumpf den zweifelnden jungen Mann überzeugen muss, seine baldige Vaterrolle mit Zuversicht anzunehmen.

Ebenso direkt und gradlinig entfaltet sich der emotionale Nebenstrang rund um Familie Winslow, der dieses Mal allerdings glaubwürdiger und geschickter in die Geschichte integriert wird. Ähnlich wie Schlumpfine kämpft auch Patrick mit seiner Vergangenheit. Denn bis heute hat er es nicht verwunden, dass sein leiblicher Vater der Familie den Rücken kehrte. Seinen aufgedrehten Stiefvater Victor will der junge Mann als Ersatz nicht akzeptieren und ist daher wenig begeistert, dass er die Winslows nach Paris begleitet. Wie es die familientaugliche Dramaturgie verlangt, findet, nach den üblichen Verwicklungen, eben dort eine schrittweise Annäherung statt.

Ehefrau Grace und Sohn Blue spielen nicht nur, was die emotionale Reise betrifft, eine untergeordnete Rolle. Auch die in der Haupthandlung stattfindende fieberhafte Suche nach Schlumpfine geht zumeist an ihnen vorbei. Hier müssen sich Papa Schlumpf und seine blauen Begleiter sowie Patrick und Victor beweisen. Bei den Schlümpfen setzen vor allem Beauty, dessen Eitelkeit ungeahnten Nutzen bringt, und der missmutige Muffi Akzente, der einen positiven Stimmungsumschwung erfährt. Rasante und tricktechnisch überzeugend umgesetzte Actionpassagen sorgen einmal mehr für Kurzweil, können aber nicht kaschieren, dass die Geschichte insgesamt recht überraschungsarm daherkommt.

Auch die im Animationsgenre fast schon obligatorischen Verweise auf andere Filme, popkulturelle Errungenschaften und Zeitgeistphänomene finden Eingang in die Handlung. Neben offensichtlichen Anspielungen auf „Armageddon – Das jüngste Gericht“, „Titanic“ und „Pinocchio“ werden der allmächtige Status von Facebook, der nach wie vor grassierende Wahn um Celebritys und die manchmal hypochondrische Sorge heutiger Eltern hinsichtlich der korrekten Ernährung ihrer Kinder aufgegriffen. Diese bisweilen etwas beliebig eingestreuten Bezüge dürften eher die älteren Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Wie nicht anders zu erwarten und durch den Vorgänger bereits angelegt, bietet „Die Schlümpfe 2“ vor allem eins: grundsolide, an der Oberfläche operierende Familienunterhaltung, die moralisch erbauende Botschaften vermittelt, ohne erzählerisch oder figurentechnisch über den Durchschnitt hinauszukommen. Aller Voraussicht nach wird sich das auch im bereits angekündigten dritten Teil nicht nennenswert ändern.

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