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Devil's Due - Teufelsbrut

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kritiken.de Redaktion 08.05.2014
Devil's Due - Teufelsbrut © Fox Deutschland
A ca. 1496 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Devil's Due - Teufelsbrut: Dämonische Mutterschaft, moderne Angst und die Logik des Found-Footage

Einleitung

Devil's Due - Teufelsbrut tritt in eine vertraute, aber produktive Nische des zeitgenössischen Horrorkinos: die Kombination aus dokumentarischer Ästhetik und religiöser Bedrohung. Der Film nutzt die Formen des Found-Footage, um eine Erzählung über ungeheure Intimität zu erzählen - Schwangerschaft, Partnerschaft und die Verletzlichkeit des privaten Raums werden zu Schauplätzen kollektiver Ängste. In einer Epoche, in der Überwachung, medizinische Eingriffe und mediale Vermittlung privaten Schmerz und öffentliche Panik gleichermaßen prägen, erscheint das Sujet als Spiegel aktueller Unsicherheiten.

Für die Regisseure, die mit dem Projekt ihren Schritt aus dem kurzformatigen, anthologischen Horror in die abendfüllende Spielzeit vollzogen, ist der Film sowohl Weiterführung als auch Experiment. Die filmische Sprache bleibt bewusst reduziert, setzt auf Nähe und vermeintliche Authentizität, um einen Kontrast zwischen dem Alltäglichen und dem Übersinnlichen zu erzeugen. Diese Formwahl ist kein bloßes Stilmittel, sondern Teil einer Ästhetik, die glaubwürdige Identifikation fordert und zugleich Misstrauen gegenüber dem Gesehenen schürt.

Die Relevanz des Films liegt weniger in der Erfindung neuer Schockeffekte als in seiner Verschränkung von Körperpolitik und religiöser Imagination. In einer Zeit, in der Debatten über Reproduktionsrechte, medizinisches Vertrauen und die Rolle der Medien omnipräsent sind, fungiert der Film als kultureller Verweis auf latente gesellschaftliche Konflikte. Er fragt implizit nach Verantwortlichkeit, nach öffentlicher Einmischung in private Vorgänge und nach der Fragilität von Gewissheiten, wenn das Alltägliche ins Monströse kippt.

Kurzüberblick zur Produktion

Devil's Due entstand unter der Regie eines jungen Regieduos, das zuvor im Kurzfilm und in Horror-Anthologien Aufmerksamkeit gewonnen hatte. Ihre Handschrift verbindet den dokumentarischen Blick mit einer ökonomischen Erzählweise: lange Einstellungen, subjektive Kamera und die Inszenierung von Off-Stimmen. Diese formale Zurückhaltung zielt darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Bildwelt zu steigern und das Publikum in eine unmittelbare Erfahrung zu ziehen.

Die Produktionsumstände sind typisch für viele Genreprojekte der 2010er Jahre - moderates Budget, Studioverbreitung und die Hoffnung, durch klares Konzept und starkes Marketing ein breites Publikum zu erreichen. Die Wahl des Found-Footage-Formats diente dabei nicht allein ästhetischen, sondern auch ökonomischen Zwecken: geringere Anforderungen an konventionelles Set-Design, die Möglichkeit, Nähe zu erzeugen, und die Aussicht auf virale Verbreitung über mediale Kanäle.

Im Gesamtwerk der Regisseure markiert der Film einen Übergang von kollaborativen Kurzformaten zu konventioneller Spielfilmlänge. Er zeigt, wie die ästhetischen Strategien kleinerer, experimenteller Projekte in das kommerzielle Horrorkino überführt werden können, ohne ihre radikale Nähe zum Zuschauer völlig aufzugeben. Das Ergebnis ist eine Produktion, die sowohl die Rezeptionsbedingungen des modernen Horrors reflektiert als auch deren Marktmechaniken nutzt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum stehen zwei junge Hauptdarsteller, deren bisherige Karriere vor allem aus Serien- und Independent-Erfahrungen bekannt ist. Der männliche Hauptdarsteller hat sich einem Publikum durch eine prominente Rolle in einer populären US-Fernsehserie bekannt gemacht und bringt die Ambivalenz eines vermeintlich verlässlichen Partners in die Figur ein. Seine Gegenfigur, die weibliche Protagonistin, entstammt dem Umfeld serieller Dramaformate und trägt die narrative Last der körperlichen und psychischen Veränderung.

Die Besetzung setzt bewusst auf Gesichter, die Vertrautheit signalisieren, ohne zu sehr mit einem celebrity-Image zu überlagern. Unterstützt werden die beiden von einem Ensemble aus Nebendarstellern und Nachwuchsschauspielerinnen, die institutionelle und familiäre Beziehungsfelder ausloten - Freunde, medizinisches Personal und Angehörige, die als Resonanzkörper für die eskalierenden Ereignisse fungieren. Die Leistung der Darsteller ruht weniger auf gestischer Exzessivität als auf der Verkörperung von Unsicherheit: leise Blicke, abwehrende Gesten und die subtile Aushöhlung alltäglicher Routine.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film begleitet ein junges Paar von einem scheinbar unbeschwerten Beginn in eine Phase der Zuspitzung: eine Flucht ins Private verwandelt sich nach und nach in einen Schauplatz des Unerklärlichen. Die narrative Struktur folgt dokumentarischen Fragmenten - Heimvideos, Krankheitsberichte und subjektive Aufzeichnungen -, die zusammen ein Bild in Fragmenten zeichnen. Das dramaturgische Interesse liegt weniger in exzentrischen Set-Pieces als in der Zuspitzung eines einzigen, zentralen Konflikts: der Konfrontation mit einer Invasion in die Sphäre des Leibes und der Intimität.

Der dramatische Kern entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen Vertrauen und Misstrauen. Die Protagonisten sehen sich nicht allein mit körperlichen Veränderungen konfrontiert, sondern mit einer sozialen Reaktion, die von Skepsis bis zur Panik reicht. Daraus entfaltet sich ein Konflikt, der persönliche Beziehungen, medizinische Autoritäten und gesellschaftliche Normen berührt. Tonalität und Atmosphäre bleiben beharrlich: eine Mischung aus klinischer Kühle, voyeuristischer Nähe und latentem Entsetzen, die das Zuschauerverhältnis stets irritiert.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films steht die Frage nach Autonomie über den eigenen Körper und nach der Verletzlichkeit intimer Räume. Die Schwangerschaft fungiert als Metapher für Kontrollverlust und als Katalysator, an dem sich kulturelle Projektionen entzünden. Es geht um die Furcht vor dem Fremden im Inneren, die Projektion kollektivierter Mythen auf individuelle Schicksale und die Art, wie Medien und religiöse Diskurse Ängste verstärken oder kanalisieren.

Philosophisch lässt sich der Film als Untersuchung der Grenze zwischen Realität und Darstellung lesen. Das Found-Footage-Format verspricht Authentizität und untergräbt sie zugleich, indem es auf Manipulation und Perspektivität verweist. Psychologisch öffnet sich ein Feld, in dem Paranoia und Fürsorge kaum zu unterscheiden sind; gesellschaftlich reflektiert der Film die Resonanz auf Themen wie Reproduktionspolitik, medizinisches Misstrauen und die Rolle religiöser Symbolik in säkularen Gesellschaften.

Motivisch arbeitet die Erzählung mit wiederkehrenden Bildern von Beobachtung und Eingriff: Kameras im privaten Raum, medizinische Instrumente, rituelle Andeutungen. Diese Motive bündeln sich zu einer Erzählung, die weniger die Ontologie des Bösen diskutiert als die sozialen Bedingungen, unter denen das Böse sichtbar wird. So wird Devil's Due - Teufelsbrut zu einem Kapitel im größeren Diskurs des Genrekinos über Körperlichkeit, Kontrolle und die politische Dimension des Schreckens.

Filmkritik von Peter Osteried

Was tun, wenn man mit der Teufelsbrut schwanger geht? Alles filmen natürlich!

Was lässt sich über einen Film sagen, wenn der beste Aspekt an ihm der ist, dass ein virales Video entstanden ist, das auf den Kinostart neugierig machen sollte, aber so viel amüsanter ist als der Film selbst? Das virale Video zeigte einen Kinderwagen, der sich von allein bewegt. Darin ein Baby mit ziemlich hässlichen Gesichtszügen. Und drum herum Leute, die von dem Satansbalg richtig erschreckt werden. Das macht mächtig Spaß. Weit, weit mehr als Devil’s Due.

Samantha (Alison Miller) und Zach (Zach Gilford) haben geheiratet. Sie machen Flitterwochen in der Dominikanischen Republik und erfreuen sich ihres Lebens. Als sie eine Underground-Party besuchen, haben sie jedoch einen Blackout. Das Videomaterial, das sie aufgenommen haben, zeigt ein paar Aufnahmen einer Art religiösen Rituals. Aber die zwei denken sich nichts dabei. Nach ihrer Rückkehr in die Staaten merkt Samantha, dass sie schwanger ist – und das, obwohl sie regelmäßig die Pille nimmt. Aber egal, das Paar freut sich auf den Nachwuchs. Alles ist in Ordnung. Anfangs zumindest, aber dann beginnt Samantha, sich ungewöhnlich zu benehmen. Die Vegetarierin isst im Supermarkt rohes Fleisch, andere werdende Mütter in ihrer Nähe haben Krämpfe und Priester spucken Blut. Das lässt Samantha, die gar nicht schwanger werden wollte, nachdenken. Irgendetwas stimmt nicht. Was hat es mit dem Baby in ihrem Leib auf sich?

Als Zuschauer weiß man das sofort, weil dem Film ein Bibelzitat vorangestellt ist, das sich mit dem Antichrist befasst. Der ist es also, der in Samantha heranwächst. Im Endeffekt ist Devil’s Due damit Rosemarys Baby, aber eben im Found-Footage-Format. Nur seiner Technik wegen zählt dieser Film aber zum Found-Footage-Genre. Es ist die Erzählung aus erster Hand, weil der Ehemann praktisch immer eine Kamera dabei hat, um für die Nachkommenschaft zu dokumentieren, wie die Eltern früher so waren. Der „Anspruch“, real zu sein, den die meisten Filme, die dieses Format nutzen, gerne postulieren, ist hier gar nicht gegeben.

Ein anderer positiver Aspekt ist, dass hier nicht Newcomer eingesetzt wurden, sondern man Schauspieler verpflichtete, die auch wissen, was sie tun. Sie sind sicherlich keine großen Stars, aber man hat sie allesamt schon häufig in Film und Fernsehen gesehen. Wo Newcomer aufgrund mangelnder Erfahrungen durchaus Defizite aufweisen können, ist dies hier nicht der Fall. Vor allem Alison Miller ist hier zu erwähnen. Sie liefert eine feine, glaubwürdige, nicht überzogene Darstellung einer Mutter ab, die Angst vor dem entwickelt, was in ihr heranwächst.

Der Film leidet aber natürlich an denselben Problemen, die den meisten Found-Footage-Formaten inhärent sind. Hier ist es weniger das Wackeln der Kamera – das hält sich noch in Grenzen – als vielmehr der unglaublich langweilige Einstieg in den Film. In den ersten 20 Minuten hat Devil’s Due den Charme eines Urlaubsvideos von Leuten, die man gar nicht kennt. Das Interesse, das man dafür aufwenden will, ist darum naturgemäß ausgesprochen gering.

Die Teufelsbrut-Handlung wiederum lässt kein Klischee aus. Er ist in der Beziehung sehr vorhersehbar. Überraschungen gibt es nicht, Schockmomente auch eher weniger. Gerade für solche sind Filme dieser Couleur aber ideal. Immerhin weißt der Streifen aber ein Mindestmaß an Atmosphäre auf und schafft zum Ende hin ein paar Szenen, deren übernatürlicher Charakter durch das Found-Footage-Format effektiv eingefangen wird. Aufgrund dieser Momente erwartet man eigentlich ein Ende, das wirklich überzeugen kann. Wenn dieses Filmformat eine echte Stärke hat, dann ist es in der Regel der Schluss, der so viel interessanter ist als alles, was zuvor gekommen ist. In diesem Fall gilt dies aber nicht. Dem Spannungsaufbau wird das Ende nicht gerecht. Es ist schlichtweg medioker und bietet keinerlei Überraschung.

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