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22 Jump Street

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kritiken.de Redaktion 31.07.2014
22 Jump Street© Sony Pictures Germany
A ca. 1996 Worte Lesezeit ca. 7 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

22 Jump Street als Selbstreflexion des Buddy-Cop-Kinos - Komödie zwischen Parodie und Identität

Einleitung

22 Jump Street steht weniger für eine simple Fortsetzung als für eine filmische Abrechnung mit den eigenen Konventionen. In einer Zeit, in der Blockbuster-Franchises systematisch Erwartungshaltungen reproduzieren, treten Phil Lord und Christopher Miller mit ihrem Sequel nicht nur als Entertainer, sondern als Kommentatoren des Genres auf. Der Film verhandelt auf ironische Weise, wie Freundschaft, Männlichkeit und die Regeln des Buddy-Cop-Kinos heute inszeniert werden müssen, um noch glaubwürdig zu erscheinen.

Relevanz gewinnt der Film dadurch, dass er Komödie und Selbstverortung zugleich betreibt: Er nutzt das vertraute Gerüst einer Action-Komödie, um Provokantes über Identitäten und Rollenzuschreibungen zu sagen, ohne dabei in didaktische Modulationen zu verfallen. In einem Kinojahr, das von Reboots und sicher kalkulierten Fortsetzungen geprägt ist, markiert 22 Jump Street einen Moment, in dem die Sequenz selbst zum Thema wird und damit das Verhältnis von Kulturindustrie und Publikum reflektiert.

Die Tonalität des Films - laut, schnell und ironisch unterlegt mit einem popkulturellen Befund - entspricht dem jüngeren Repertoire seiner Schöpfer. Lord und Miller nähren sich weniger von nostalgischer Verklärung als von einem produktiven Umgang mit Postmoderne: Zitate, Parodien und das bewusste Aufbrechen filmischer Erwartungen bilden die Mittel, mit denen der Film seine Relevanz behauptet. So wird 22 Jump Street zur thematischen Schnittstelle zwischen Kommerz und Reflexion.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte erneut das Duo Phil Lord und Christopher Miller, das sich in den vergangenen Jahren als Architekt eines ironisch-selbstbewussten Popkinos etabliert hat. Nach dem Überraschungserfolg von 21 Jump Street setzten die Regisseure das Konzept fort und intensivierten zugleich die metatextuellen Elemente, die ihr Werk kennzeichnen. Ihre Handschrift ist geprägt von schneller Montage, selbstbewusster Genremischung und einem Comedy-Timing, das auf bewusster Brechung von Erwartungen basiert.

Hinter dem Film stehen große Studios, die Bereitschaft, in etablierte Marken zu investieren, und das kalkulierte Risiko, eine Fortsetzung zu produzieren, die sich bewusst gegen die naive Fortführungslogik vieler Sequels wendet. Mit einem mittleren Hollywood-Budget inszenierten Lord und Miller ein Werk, das sowohl die Bühne für aufwendige Stunts als auch für dialogische Schlagabtausche bietet. Die Produktionsbedingungen erlaubten es, die kinetische Ästhetik der Action mit der Präzision komödiantischer Set-Pieces zu verbinden.

Im Gesamtwerk der Regisseure nimmt 22 Jump Street eine Sonderrolle ein: Es ist kein originäres Autorenkino und doch eines der persönlichsten Projekte des Duos, weil es die formalen Mittel nutzt, um über die Gattungsregeln selbst nachzudenken. Die filmische Strategie, Humor als kritische Kategorie einzusetzen, zieht sich durch ihre Arbeit und erreicht in diesem Sequel eine konzentrierte, fast spielerische Ausformulierung.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum stehen Jonah Hill und Channing Tatum, deren Chemie das emotionale und komische Rückgrat bildet. Jonah Hill, zuvor in Filmen wie Superbad und Moneyball bekannt geworden, verleiht seinem Part eine neurotische Verletzlichkeit, die den Charakter als intellektuell unsicheren Gegenpol positioniert. Channing Tatum, der seine Karriere über Tänzer- und Actionrollen zur Popikone ausbaute, spielt die physische Komponente der Partnerschaft: Ruhe, Körperlichkeit und eine stoische Komik gegenüber dem emotionalen Tumult seines Partners.

Ice Cube kehrt in einer Autoritätsrolle zurück und fungiert als strukturierendes Element zwischen den Extremen der beiden Protagonisten. Jillian Bell und Amber Stevens treten als starke Nebenfiguren auf, die das Universum der College-Umgebung prägen und zugleich als Spiegel für die Entwicklungsprozesse der Hauptfiguren dienen. Peter Stormare und Wyatt Russell sind als Gegenspieler und Ambivalenzträger präsent, deren Einsatz weniger in psychologischer Tiefe liegt als in der Erweiterung des Tonraums: von absurdem Witz bis zu ernsterer Bedrohung.

Die Nebenbesetzung, darunter komödiantische Talente wie The Lucas Brothers und prägnante Charakterdarsteller, unterstützt die strukturelle Absicht des Films: ein Ensemble, das nicht nur Pointen trägt, sondern auch die thematischen Gegensätze von Anpassung und Authentizität auslotet.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film folgt dem bekannten Duo aus einer vorangegangenen Ermittlung, das erneut untergetaucht wird - diesmal in eine College-Umgebung. Die narrativen Konstanten bleiben: zwei kontrastierende Charaktere, die gezwungen sind, als Team zu funktionieren, und eine Aufgabe, die sie in eine fremde soziale Sphäre versetzt. Ausgehend von dieser Prämisse entwickelt sich ein Geflecht aus Verwechslungen, sozialen Prüfungen und actiongeladenen Momenten.

Der dramatische Konflikt des Films entspringt weniger einem klassischen Good-versus-Evil-Schema als dem interpersonellen Spannungsfeld: Wie verändert Einbettung in neue soziale Rollen das Selbstverständnis der Protagonisten? Welche Kompromisse sind nötig, um einer Mission nachzugehen, und welche Identitäten werden dabei ausgehandelt? Die zentralen Figuren bleiben die beiden Undercover-Polizisten, ihr Gegenüber sind sowohl die institutionellen Erwartungen als auch die jugendlichen Milieus, in die sie eintreten.

Tonalität und Atmosphäre oszillieren zwischen lakonischer Satire, physischer Komik und actionorientierter Dynamik. Die Stimmung ist bewusst überdreht, zugleich jedoch mit einem Grad an Selbstbeobachtung ausgestattet, der dem Film eine zusätzliche intellektuelle Dimension verleiht.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt 22 Jump Street Fragen nach Identität, Authentizität und Performativität. Der Film untersucht, wie Rollen - berufliche, soziale, geschlechtliche - angenommen, interpretiert und instrumentiert werden. Diese Auseinandersetzung manifestiert sich nicht nur im Dialog, sondern in inszenatorischen Mitteln: Kostümierung, Mise-en-Scène und die choreografische Nutzung des Körpers als Ausdrucksträger.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Metaebene: Das Sequel thematisiert Sequels. Indem es seine eigene Fortführungslogik zum Gegenstand macht, kommentiert der Film die Mechaniken der Hollywood-Produktion und die Erwartungen eines konsumierten Publikums. Das führt zu einem doppelten Blick: Auf der einen Seite die Oberfläche der Komödie, auf der anderen die Reflexion über die Bedingungen, die diese Oberfläche erst möglich machen.

Schließlich berührt der Film gesellschaftliche Fragen, etwa das Spannungsfeld zwischen institutioneller Macht und individueller Moral oder die Art und Weise, wie Jugendkulturen von außen beobachtet und instrumentiert werden. 22 Jump Street bleibt dabei kein moralisierender Text; vielmehr nutzt er Komik als analytisches Werkzeug, um dissonante Wahrheiten über Identität und Zugehörigkeit sichtbar zu machen.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Die Chemie stimmt bei „22 Jump Street“

Ein Sequel, das die Geschichte des Vorgängers noch einmal erzählt, lediglich das Umfeld abwandelt und diverse alte Gags recycelt – eigentlich lässt „22 Jump Street“ nichts Gutes vermuten. Phil Lord und Christopher Miller (gemeinsam verantwortlich für den diesjährigen Animationshit „The LEGO Movie“) beweisen jedoch, dass derartige Voraussetzungen einer gelungen Buddy-Komödie nicht im Wege stehen müssen. Zwei Jahre nach dem Kassenschlager „21 Jump Street“, der auf dem Konzept der gleichnamigen US-Fernsehserie (1987-1991) basiert, schickt das umtriebige Regie-Duo die ungleichen Polizeibeamten Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) erneut in eine Undercover-Mission, mit durchaus überraschendem Ausgang: Der Film ist noch witziger als Teil eins.

Erst vor kurzem haben Schmidt und Jenko im Zuge des Spezialprogramms „21 Jump Street“ ein Highschool-Drogennetzwerk gesprengt. Ein Erfolg, der die Karrieren der beiden Kumpels allerdings nicht voranbringt. Als sie eine Dealer-Gang entwischen lassen, müssen die Jung-Polizisten zum Rapport. Noch einmal sollen sie ihre Tauglichkeit bei einer verdeckten Ermittlung unter Beweis stellen. Denn mit „22 Jump Street“ läuft schon das nächste Sonderprojekt an. Schmidt und Jenko finden sich schließlich an einem hiesigen College wieder, an dem eine neue Droge namens „WhyPhy“ („Wi-Fi“ gesprochen) zum Tod einer Studentin geführt hat. Während die Partner nach den Hintermännern Ausschau halten, tauchen sie immer mehr in das verlockende Hochschulleben ein und gehen dabei zunehmend getrennte Wege.

Wie der Vorgänger, der sich selbst und die TV-Serie auf die Schippe nimmt, schlägt auch das Sequel einen durchweg ironischen Tonfall an. Lord und Miller spielen mit den Konventionen von Buddy Movie, College-Klamotte und Actionkomödie und arbeiten sich gleichzeitig am zweifelhaften Ruf von Fortsetzungsfilmen ab. Schon die in Grundzügen übereinstimmende Handlung persifliert bewusst das Prinzip der Wiederholung, das im Hollywood-Kino heute leider allgegenwärtig ist. Offen diskutieren die Figuren die Parallelen zum früheren Fall. Und nicht von ungefähr platzieren die Macher recht früh einen augenzwinkernden Hinweis auf einen dritten Teil. Nur um diesen während des Abspanns gewitzt zu unterlaufen (sitzen bleiben lohnt sich allemal!).

Bei so viel Selbstbeschau muss es nicht verwundern, dass auch die übliche Sequels-müssen-bombastischer-sein-Attitüde durch den Kakao gezogen wird. Auffallend ist etwa der deutlich actionreichere Einstieg in das Geschehen oder die merkliche Aufwertung der Einsatzzentrale. Alles ist größer, moderner und damit visuell beeindruckender. Obschon das Parodieren ungeschriebener Filmgesetze lange Zeit erfrischend wirkt, machen sich zum Ende hin einige Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Spätestens im krachenden Showdown, dessen Actioneinlagen etwas selbstzweckhaft daherkommen, schlägt die Ironie in Berechnung um.

Plot-technisch bewegt sich „22 Jump Street“ – sicher gewollt – auf überschaubarem Niveau. Die erzählte Geschichte ist hanebüchen, kann aber trotzdem unterhalten, da sie die beiden Hauptdarsteller nahezu perfekt in Stellung bringt. Körperliche Unterschiede – hier der dickliche Schmidt, dort der muskelbepackte Jenko – werden gezielt genutzt, um herrlich absurde Situationen heraufzubeschwören. So etwa beim Einbruch in das Haus einer Studentenverbindung. Während Jenko behände das Dach erklimmt, fährt Schmidt, über eine Seilwinde gesichert, in quälend langsamem Tempo nach oben. Die Chemie zwischen Hill und Tatum (beide auch als Produzenten involviert) stimmt. Das unterstreichen nicht zuletzt die Momente, in denen das Drehbuch die emotionale Entzweiung der Polizistenfreunde ein wenig holprig anbahnt. Mit ihrem Zusammenspiel reißen die Mimen das Ruder herum und machen die Entwicklung halbwegs glaubwürdig. Begeistern kann vor allem Jonah Hill, der gleich mehrfach zu darstellerischer Höchstform aufläuft, beispielweise in einer reichlich komischen Poetry-Slam-Szene.

Für viele Lacher sorgt außerdem der, im Vergleich zum Vorgänger, etwas umfangreichere Auftritt von Ice Cube. Als cholerischer, ständig fluchender Vorgesetzter Captain Dickson bildet er erneut einen treffenden Gegenpart zum befreundeten Undercover-Gespann und ist dieses Mal sogar Dreh- und Angelpunkt eines spaßig-überdrehten Nebenstrangs.

Selbst wenn einige der pubertären Anzüglichkeiten über das Ziel hinausschießen, macht „22 Jump Street“ erstaunlich viel Laune und dürfte Fans des ersten Teils zu regelrechten Begeisterungsstürmen hinreißen.

Filmkritik von Peter Osteried

Die beiden Fahrrad-Cops sind wieder da: 22 Jump Street ist der vielleicht lustigste Film des Jahres

Sequels sind nur selten so gut wie das Original. Das wissen auch Phil Lord und Christopher Miller, die sich mit 22 Jump Street jedoch angeschickt haben, diese Regel nicht nur zu brechen, sondern Sequels als Ganzes durch den Kakao zu ziehen. Im Grunde ist es immer so: Es gibt dieselbe Geschichte, aber leicht variiert, und einfach viel, viel größer. Dieser Regel folgen auch Lord und Miller, stellen die Sequeleritis im Hollywood-Denken total auf den Kopf.

Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) sollen wieder undercover ermitteln, diesmal aber nicht mehr an der High School – immerhin sieht Jenko steinalt aus –, sondern am College. Dort starb eine Studentin nach Nutzung einer neuartigen Droge, weswegen Jenko und Schmidt herausfinden sollen, wer für Produktion und Vertrieb zuständig ist. So finden sich Jenko und Schmidt also in Vorlesungen wieder, aber privat kriselt es zwischen den Freunden. Denn Jenko versteht sich super mit dem etwas behäbigen Quarterback Zook. Um sich zu trösten, stürzt sich Schmidt in eine Affäre, ohne zu ahnen, mit wem er da gerade anbandelt.

Die Krimihandlung vergisst 22 Jump Street weitestgehend. Klar, es wird ermittelt, aber dieser Aspekt des Films interessiert noch nicht mal die Macher. Wenn, dann im Grunde nur, um als Meta-Fiktion fortwährend Kommentare auf das Prinzip von Sequels abzugeben und sich selbst zu kommentieren. Viele der Dialoge in diesem Film sind zweideutiger Natur. Sie zielen auf die Haupthandlung ab, sind aber auch bissige Kommentierung dessen, was bei einem Sequel erwartet wird.

Der Humor ist dabei wieder in gesamter Bandbreite vorhanden, von albern bis tiefsinnig, von abstrus bis derb, von zum Schreien komisch bis unangenehm. Der Film punktet dabei nicht immer, aber häufig. Weit häufiger als es bei den meisten anderen Komödien der Fall ist. Das Ergebnis ist darum ein umwerfend spaßiger Sommer-Kracher, der im Grunde weniger eine Actionkomödie ist, obwohl es mehr als genug Action und Humor gibt, sondern in erster Linie ein kurioser Beziehungsfilm, in dem die beiden Hauptfiguren zwar „nur“ Freunde sind, aber irgendwie doch wie die reinsten Liebhaber daherkommen.

Die Macher versüßen dem Publikum sogar den Abspann. Hier gibt es schon mal die Poster der kommenden Filme zu sehen, in denen bissig gezeigt wird, wie irre die Ideen so mancher Sequels werden, je weiter die Nummerierung fortschreitet. Einen 23 Jump Street würden wir uns aber dann doch gerne gefallen lassen, gibt es da doch auch genügend Möglichkeiten, um in die Meta-Ebene vorzustoßen. Immerhin ist es häufig der Fall, dass der dritte Teil einer Trilogie qualitativ abfällt. Daraus lässt sich doch sicher Kapital schlagen, wenn Jenko und Schmidt erneut in einer fast baugleichen Krimi-Handlung wie in 21 Jump Street und 22 Jump Street ermitteln.

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