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13 Hours: The Secret Soldiers Of Benghazi

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kritiken.de Redaktion 03.03.2016
13 Hours: The Secret Soldiers Of Benghazi© Paramount Pictures Germany
A ca. 1275 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

13 Hours: The Secret Soldiers Of Benghazi - Gewalt, Erzählmacht und die moderne Kriegsrepräsentation

Einleitung

Michael Bays 13 Hours: The Secret Soldiers Of Benghazi tritt in einen öffentlichen Diskurs ein, der längst über das Kino hinausgeht: Die filmische Rekonstruktion eines realen Anschlags, die Darstellung privater Militärs und die politische Instrumentalisierung von Ereignissen. Der Film ist deshalb relevant, weil er nicht nur ein Ereignis wiederholt, sondern eine bestimmte Erzählhaltung über Sicherheit, Verantwortung und Medienrepräsentation formt. In einem Jahr, in dem öffentliche Debatten über Außenpolitik und nationale Sicherheit hochgekocht waren, fungiert Bay mit seinem Film als Katalysator für Fragen nach Authentizität, Heroisierung und filmischer Moral.

Für Bay selbst markiert 13 Hours eine Verschiebung im Ton: Weg vom großflächigen, oft comic-haft überhöhten Blockbuster-Spektakel hin zu einer engeren, bedrängenden Kriegschronik, die in ihrer Nähe zum Körper und Geräusch mehr an klassische Kriegsfilme erinnert als an vergangene Transformers-Produktionen. Dennoch bleibt die Regiehandschrift erkennbar - eine Präferenz für intensive Bildrhythmen, gesteigerte akustische Präsenz und eine Inszenierung von Aktion als physischem, beinahe choreografischem Ereignis.

Der gesellschaftliche Hintergrund des Films ist zwingend: Die Anschläge in Bengasi 2012 wurden zu einem Brennpunkt innenpolitischer Auseinandersetzungen in den USA. Ein Spielfilm, der diese Geschehnisse dramatisiert, operiert also nicht im luftleeren Raum, sondern innerhalb eines dicht verwobenen Netzes aus Medienberichten, politischen Narrativen und persönlichem Leid. Bay versucht, diesen Knoten filmisch aufzubrechen, wobei die filmischen Mittel selbst Teil der Debatte werden: Wie sehr darf oder muss ein Film das ‚Wahre‘ beanspruchen, wenn er doch in erster Linie ein erzählerisches Medium ist?

Kurzüberblick zur Produktion

13 Hours ist eine Adaption der gleichnamigen Sachbuchvorlage von Mitchell Zuckoff und wurde von Michael Bay inszeniert, einem Regisseur, der für seine ausgeprägte visuelle Handschrift und seine Vorliebe für kinetische Action bekannt ist. Im Vergleich zu Bays früheren Produktionen arbeitet der Film mit einem vergleichsweise moderaten Produktionsbudget, was ihn dazu zwingt, Intensität über opulente Effekte zu erzeugen. Die Produktion betont handwerkliche Umsetzung: dichte Sets, praktisches Arrangement der Gefechtssequenzen und eine Klanggestaltung, die das Chaos von nächtlichen Angriffen unmittelbar erfahrbar macht.

Die Umstände der Entstehung - ein Film über einen umstrittenen Vorfall, realitätsnahe Schilderung und mediale Aufmerksamkeit - haben die Produktionsentscheidungen beeinflusst. Statt einer entpersonifizierten Kriegsmaschinerie setzt die Kamera häufig auf Nahaufnahme und Augenhöhe, auf eine dokumentarische Attitüde, die Authentizität suggeriert. In Bays Gesamtwerk nimmt 13 Hours damit eine Sonderstellung ein: Es ist weniger auf Show als auf unmittelbare, körperliche Präsenz angelegt und zeigt damit eine andere Facette seiner inszenatorischen Möglichkeiten.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

John Krasinski, bekannt einem breiten Publikum durch die Serie The Office, übernimmt in 13 Hours eine tragende Rolle als Teil eines Teams privater Sicherheitskräfte. Krasinski verlagert hier sein öffentliches Image vom komödiantischen zu einem körperlich präsenten, ernsthaften Part, der sich in Extremsituationen bewähren muss. Pablo Schreiber, der durch diverse Fernsehauftritte - unter anderem in der Serie Orange Is the New Black und in späteren Jahren American Gods - Profil gewann, bringt eine rauere, militärische Autorität in die Ensemblebesetzung.

David Giuntoli, Toby Stephens und Max Martini ergänzen das Ensemble mit unterschiedlichen Akzentuierungen: Giuntoli, vom Fernsehen kommend, liefert eine pragmatische, zugängliche Präsenz; Stephens, ein erfahrener britischer Darsteller mit Theater- und Fernsehvergangenheit, bringt eine disziplinierte Schärfe; Martini verweist mit seiner physisch präsenten Darstellung auf die konkrete, oft handwerkliche Seite des Kriegerdaseins. Das Ensemble arbeitet weniger mit individuellem Star-Pathos als mit kollektivem Körper- und Ablaufbewusstsein: Die Figuren sind in erster Linie Angehörige eines kleinen militärischen Apparats, deren Identität durch Ausbildung, Kameradschaft und Handeln bestimmt wird.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film konzentriert sich auf die Ereignisse rund um die Angriffe auf amerikanische Einrichtungen in Bengasi. Im Zentrum steht ein kleines, privates Sicherheitskommando, das mit der Verteidigung einer diplomatischen Mission und anschließender Rettungs- und Abwehrhandlungen beauftragt ist. Die Erzählstruktur bleibt dicht am Geschehen: Zeitraffungen vermeiden größere narrative Abstraktionen zugunsten eines unmittelbaren Eindrucks von Konfrontation und Überforderung.

Der dramatische Konflikt ergibt sich aus der Spannung zwischen staatlicher Verantwortung und der unmittelbaren Pflicht der Männer vor Ort, zwischen Befehlskette und improvisierter Selbstbehauptung. Die Figuren sind weniger Einzelschicksale als Repräsentanten einer bestimmten Rolle in einem militärischen und politischen Gefüge. Tonal ist der Film rau, knapp und gedrängt: Er vermeidet melodramatische Überhöhung zugunsten einer direkten Darstellung von Stress, Lärm und taktischer Entscheidung in Extremsituationen.

Zentrale Themen und Motive

13 Hours stellt Fragen nach dem Verhältnis von Wahrheit und Erzählung. Indem der Film eine militärische Perspektive privilegiert, thematisiert er die Konstruktion von Helden- und Opferbildern in öffentlichen Erinnerungen. Demokratische Kontrolle, die Privatisierung von Gewalt und die Ambivalenz von Professionalität und improvisatorischem Handeln erscheinen als durchgehende Motive. Der Film lenkt den Blick zudem auf das Kollektivische: Kameradschaft, Routine und das mechanische Abarbeiten von Prozeduren werden als Überlebensstrategien inszeniert.

Auf einer formalen Ebene interessiert Bay sich für die Ästhetik von Gewalt: Wie verändert cineastische Nähe die Wahrnehmung von Kampf? Wie sehr determiniert Schnitt tempo und Moralwahrnehmung? Der Film zeigt, dass die Choreographie von Gefechtsszenen nicht nur ästhetische Fragen aufwirft, sondern ethische: Welche Handlungen werden sichtbar gemacht, welche bleiben unsichtbar, und wie formt diese Sichtbarkeit das öffentliche Urteil über historische Ereignisse? 13 Hours ist damit weniger ein narrativer Schlussstrich als ein filmisches Angebot zur Auseinandersetzung mit Erinnerung, Verantwortung und der Macht des Blicks.

Filmkritik von Peter Osteried

Michael Bay mal realistisch: 13 Hours!

Mit all seinen Ausflügen ins Reich der Transformers vergisst man bisweilen, dass Michael Bay durchaus mehr kann, als ein paar Roboter in Pose zu setzen. Natürlich war und ist das Visuelle schon immer der Dreh- und Angelpunkt von Bays Werk gewesen, er hat mitunter aber auch Geschichten zu erzählen, für die er eine Passion empfindet.

Eine solche ist 13 Hours. The Secret Soldiers of Benghazi, der wie schon Pearl Harbor und Pain & Gain auf realen Ereignissen basiert. Anders als diese beiden Filme setzt Bay hier aber noch mehr auf eine akkurate Umsetzung der wahren Geschichte. Er hat einen intensiven und nachwirkenden Film erschaffen, über den Regisseur William Friedkin sagte: „Dies ist ein kraftvoller Film, der wichtige Fragen aufwirft, die beantwortet werden müssen.“

Der 11. September des Jahres 2012: Elf Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center wird das US-General-Konsulat in Bengasi, Libyen, attackiert. Washington weigert sich jedoch, einen eindeutigen Rettungsbefehl auszusprechen, weswegen ein Team privater Sicherheitskräfte beschließt, selbst aktiv zu werden – auch ohne offiziellen Auftrag oder Sanktionierung. Sie sind in einem geheimen CIA-Stützpunkt stationiert, der nahe der Botschaft ist. Die ehemaligen Soldaten Jack (John Krasinski), Rone (James Badge Dale), Tanto (Pablo Schreiber), Boon (David Denman), Oz (Max Martini) und Glen (Toby Stephens) nicht nur ihr Leben, sondern missachten auch Befehle. Denn bei der US-Regierung ist man bereit, die Botschaft aufzugeben, wenn man dafür die Existenz des CIA-Stützpunkts geheim halten kann. Was folgt, ist ein 13-stündiger Einsatz, der Geschichte geschrieben hat.

Bays Filmen kann man nur selten attestieren, dass sie mehr als nur Oberfläche bieten. Hier ist das anders, denn er zeigt in detaillierter Form, wie dieser schicksalsträchtige Tag ablief und verzichtet dabei auf eine simple Schwarzweißzeichnung. So ist es nicht nur ein Regierungsoffizieller, dem Schuld daran in die Schuhe geschoben wird, dass der Einsatzbefehl nicht erging. Vielmehr zeigt man, dass das damalige Klima so war, dass es letzten Endes Bürokratie war, die zu diesem Ergebnis führte.

So hat Bays Film auch nicht alle Antworten, aber er stellt die richtigen Fragen, womit ihm etwas gelingt, was nur dem besten Kino vorbehalten ist: Einen Nerv beim Publikum zu treffen, der dazu führt, dass reale Ereignisse noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden.

Mag sein, dass Bay sich auch weiterhin mit Transformers-Filmen verschwendet, mit 13 Hours. The Secret Soldiers of Benghazi hat er aber gezeigt, dass er zu weit mehr fähig ist. Dies ist intensives, eindringliches und den Zuschauer nicht zur Ruhe kommendes Kino - eine Tour de Force, die eine zutiefst amerikanische Geschichte erzählt, aber auch universell gültig ist.

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