R.E.D. 2 als Studie des gealterten Actionhelden - Nostalgie, Ironie und berufene Professionalität
Einleitung
R.E.D. 2 tritt in eine filmische Zone ein, in der das Genre sich selbst reflektiert: ein Ensemble aus Veteranen der Action- und Charakterkunst, das die Abnützung des Heldentums ebenso ironisiert wie rekonstruiert. Der Film ist nicht bloß eine Fortsetzung im kommerziellen Sinn, sondern ein kulturelles Statement über die Persistenz eines Berufsstandes, der im Ruhestand noch längst nicht verstummt. In dieser Doppelrolle als Unterhaltung und Kommentar findet die Produktion ihren Reiz.
In einer Zeit, in der Superhelden-Jugend dominieren und Franchise-Maschinen das Kino bestimmen, wirkt R.E.D. 2 wie ein Gegenentwurf. Er erzählt von Menschen, die ihre Fähigkeiten lange vor dem Social-Media-Zeitalter geschärft haben, und stellt diese Erfahrung gegen die glatte Effizienz moderner Gewaltästhetik. Damit spricht der Film ein Publikum an, das einerseits nostalgisch auf filmische Archetypen blickt und andererseits empfänglich ist für eine ironische Distanzierung von eben jenen Mythen.
Die Relevanz des Films liegt weniger in seiner narrativen Innovation als in seiner Besetzung und Tonalität. Das Ensemble - prominente Namen aus unterschiedlichen Generationen und Schauspieltraditionen - verwandelt eine kommerzielle Actionkomödie in ein Tableau gelebter Filmgeschichte. R.E.D. 2 nutzt dieses Personal nicht nur als Werbemittel, sondern als dramatisches Material, das Fragen von Alter, Erinnerung und beruflicher Identität verhandelt.
Feuilletonistisch gelesen, ist der Film ein Studienobjekt für die Arten, wie Hollywood mit der eigenen Vergangenheit umgeht. Er verbindet Pastiche, Buddy-Komödie und Spionage-Garnitur zu einer Struktur, die weniger auf Subversion als auf nuancierte Reibungen zwischen Genreerwartung und Figurenbiographie setzt.
Kurzüberblick zur Produktion
Regie führte Dean Parisot, dessen Handschrift sich bereits in Werken wie Galaxy Quest zeigte: eine Affinität zur Mischung aus Genre-Gebrauch und ironischer Selbstverortung. Parisot nähert sich R.E.D. 2 mit der Absicht, Tempo und Gefühlshaushalt auszubalancieren, wobei die Kameraarbeit und der Schnitt weniger auf stilistische Extravaganzen setzen als auf die Beobachtung der Figurenkonstellationen in Bewegung.
Die Produktion bewegt sich im Rahmen konventioneller Hollywood-Finanzierung und -Strukturen - ein Studioprojekt mit dem Anspruch, ein breit zugängliches, international vermarktbares Actionprodukt zu sein. Auffällig ist die Investition in starbesetzte Nebenrollen und Schauplätze, die dem Film einen europäischen Touch und eine gewisse Produktionswechselwirkung verleihen. Diese Umstände prägen die Form: großzügige Actionszenen, schnelle Ortswechsel und ein erzählerisches Tempo, das stets die Ensemblechemie im Auge behält.
Im Gesamtwerk des Regisseurs fügt sich R.E.D. 2 als konsequente Fortsetzung einer Karriere, die zwischen Genre-Spielereien und massenkompatiblen Handlungsbögen oszilliert. Parisot bleibt dem leichten Ton verpflichtet, versucht aber zugleich, dem Cast Raum zur Charakterzeichnung zu geben, was den Film über reines Schablonen-Kino hinaushebt.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Bruce Willis fungiert als Zentrum des Ensembles in der Rolle des Frank Moses - eine Figur, die den Archetyp des abgeklärten, pragmatischen Profis fortschreibt, den Willis seit Die Hard geprägt hat. Seine Präsenz ist weniger auf heroische Überhöhung angelegt als auf die glaubhafte Verkörperung eines Mannes, der mit Erfahrung statt mit jugendlicher Wucht operiert.
John Malkovich bringt seine vertraute Mischung aus Exzentrik und Verletzlichkeit in die Figur des Marvin Boggs. Malkovich gestaltet den Paranoiden, dessen Misstrauen gegenüber jeder Institution komische wie tragische Züge annimmt. Mary-Louise Parker vervollständigt den Kern als Sarah Ross, eine Figur, die zwischen Involviertheit und moralischer Distanz oszilliert und dem Film emotionale Gravitationspunkte liefert.
Helen Mirren und Catherine Zeta-Jones spielen auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Erwartungshorizont weiblicher Rollen im Actionkino. Mirren bringt eine würdige und souveräne Präsenz in eine Rolle, die Sex-Appeal und tödliche Effizienz gleichermaßen erlaubt, während Zeta-Jones die klassische Femme fatale in zeitgenössischer Verpackung verkörpert. Beide verleihen dem Film eine selbstbewusste Geschlechterdynamik, die Altersfragen und Attraktivitätsnormen humorvoll unterminiert.
Handlung (spoilerfrei!)
R.E.D. 2 setzt die Geschichte einer Gruppe ehemaliger Geheimdienstler fort, die sich widerwillig wieder dem Geschäft stellen müssen. Auslöser ist eine Kette von Vorfällen, die das ruhige Leben der Protagonisten stört und sie auf eine internationale Spur führt. Die Erzählung bewegt sich an mehreren Schauplätzen und verknüpft Verfolgungsjagden, verdeckte Operationen und zwischenmenschliche Auseinandersetzungen zu einem rhythmisch getakteten Plot.
Im Zentrum steht der dramatische Konflikt zwischen dem Bedürfnis der Figuren nach Rückzug und der unaufhörlichen Erwartung ihrer beruflichen Brauchbarkeit. Die zentralen Figuren agieren als ein Kollektiv, dessen interpersonelle Dynamik wichtiger ist als ein einzelner Showdown. Tonal balanciert der Film zwischen lakonischem Humor und handfester Action, wobei die Atmosphäre immer wieder in ironische Brechungen abdriftet, die das Genre zugleich ehren und karikieren.
Zentrale Themen und Motive
Der Film stellt elementare Fragen nach Identität und Zweck: Was bleibt von einem Beruf, wenn die Welt sich verändert? R.E.D. 2 lotet die Ambivalenz aus, ob Erfahrung eine Ressource oder ein Relikt ist. Dabei erscheint der Ruhestand nicht als Ende, sondern als eine Phase, in der berufliche Muster weiterhin Determinanten des Handelns bleiben.
Eine philosophische Dimension liegt in der Auseinandersetzung mit Erinnerung und Mythos. Die Protagonisten tragen ihre persönliche Geschichte als Referenzrahmen, die das gegenwärtige Handeln erklärt und zugleich problematisiert. Der Film reflektiert darüber, wie Erzählungen über Heldentum konstruiert werden und welche Rolle Alter und Reputation in der öffentlichen Wahrnehmung spielen.
Gesellschaftlich gelesen, wirft R.E.D. 2 einen satirischen Blick auf das Post-Cold-War-Spionagebild und die Globalisierungsmuster moderner Sicherheitspolitik. Psychologisch interessant ist die Darstellung von Loyalität und Misstrauen innerhalb eines ehemaligen Berufsnetzwerks: Bindungen gelten als Ressourcen, Misstrauen als Überlebensstrategie. So entsteht ein Film, der trotz seines Unterhaltungsanspruchs ein feines Gespür für die Ambiguitäten beruflicher Existenz bewahrt.
Filmkritik von Josef Lommer
Was haben uns die Achtziger nicht alles beschert: Hard-Boiled-Heroes wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger haben schwitzende, pulsierende Männlichkeit auf die Leinwand gebracht und der Popkultur ein entrücktes Bild von Heldentum beschert. Auch heute kommt Hollywood nicht über seine Kolosse hinweg, und Archetypen wie Vin Diesel dürfen noch mit dem x-ten Aufguss ihrer Action-Franchises beachtliche Zuschauerzahlen verbuchen. Doch zum Glück beginnt man auch im amerikanischen Mainstream, über die produzierten Bilder nachzudenken. Die ironische Brechung des Actionhelden ist keine Seltenheit mehr, selbst die eingangs Genannten haben dies in der The Expendables-Reihe (2010-2012) durchexerziert. Auch der nicht minder berüchtigte Bruce Willis hat ein derartiges Spiel mit dem Klischee getrieben. Als betagter CIA-Agent im Ruhestand kämpfte er sich in R.E.D. (2010) mit einem Team aus gealterten, aber dennoch denkwürdigen Geheimdienstlern durch eine haarsträubende Verschwörungsgeschichte. Über Falten durfte hier nicht geklagt werden.
Mit R.E.D. hatte der deutsche Regisseur Robert Schwendtke einen soliden Genrespaß aus dem Ärmel geschüttelt, der nicht nur ein großes Publikum für sich gewinnen konnte, sondern sich dank viel trockenem Humor und sympathischer Selbstironie angenehm aus dem Gros der Hollywood-Reißer hervortat. Lose basierte der Film auf einem Comic der Graphic-Novel-Künstler Warren Ellis und Cully Hammer. Für die Kinoadaption wurde noch eine Horde charismatischer Irrer hinzuerfunden, die das starke Epizentrum dieses bitterbösen Spektakels bildeten. Auch dieses Mal braucht sie Frank Moses alle wieder, denn schon nach wenigen Minuten ist klar: Das mit dem Ruhestand wird einfach nichts. Gerade noch muss er gemeinsam mit seiner Partnerin Sarah (Mary-Louise Parker) den offiziellen Tod des alten Kollegen Marvin (John Malkovich) beklagen, da macht die CIA schon wieder Ärger: Frank soll Teil einer ominösen Operation gewesen sein, bei der eine Atombombe zum Verschwinden gebracht wurde.
R.E.D. 2 ist kein Film, dem man einer scharfen Analyse von Story und Logik unterziehen sollte. Dean Parisots Actionkomödie ist ein skurriles Figurentheater, um das sämtliche Elemente angeordnet werden. Das ist auch in Ordnung, denn mehr will der Film gar nicht. Das krude, aber sehr flotte Drehbuch von Erich und Jon Hoeber, die bereits für das Skript des ersten Teils verantwortlich zeichneten, vernachlässigt eine stringente Erzählung zugunsten einer überschwänglichen Parade der Kuriositäten. Aller Grobmaschigkeit der Story zum Trotz ist den Autoren dabei ein gehöriges Maß an Originalität und Mut zum Morbiden zuzugestehen. Da darf man schon mal über eine Toilettenwand in den Kreml einbrechen oder während eines Telefongesprächs das letzte Opfer in der Badewanne mit Säure auflösen. Auf die Grenzen von Ratio und gutem Geschmack wird hier feierlich gespuckt.
R.E.D. 2 hält sich ansonsten nicht lange mit Neuerungen auf, man vertraut vielmehr strikt auf das Erfolgsrezept des Vorgängers. Dass die Figuren in diesem zweiten Teil kaum weiterentwickelt werden, bleibt dann trotz atemloser Inszenierung und einigen bizarren Einfällen ein Manko. Auch das Motiv des Älterwerdens stellt die Fortsetzung in den Hintergrund. Die Einnahme eines halben Dutzends Tabletten zum Frühstück und die Telefongespräche mit der Pensionskasse bleiben hier aus. Gesteigert wurden dagegen die Over-the-Top-Actionmomente, die nun mit noch mehr Getöse und Freude an der Überzeichnung daherkommen. Bei einer Laufzeit von knapp zwei Stunden verbucht R.E.D. 2 dadurch nur wenige Durchhänger. Was dem Senioren-Shootout zudem ein immenses Tempo verleiht, sind die stetigen Ortswechsel, die die Gesamtstruktur des Films gestalten und mit denen das Skript erfolgreiche Ablenkungsmanöver von seinem geringen Interesse am Ausbau der Charaktere vollzieht. Gut also, dass nicht lange gefackelt wird. Dem ganzen Treiben noch inhaltlich zu folgen wird zwar zunehmend kompliziert, doch eigentlich haben wir eh schon vergessen, worum es ursprünglich mal ging. Und so ist R.E.D. 2 nicht mehr als ein bloßer Aufguss, jedoch einer, bei dem man sich erneut an den verschrobenen Figuren laben darf, die allesamt noch einmal effektiv aufgewärmt werden und ihre bekannten Rollen zugewiesen bekommen. Zum Glück lenkt der gelungene Auftritt von Neuzugang Anthony Hopkins etwas von der Wiederholung des Immergleichen ab. So steht Parisots Fortsetzung zwar auf wackeligen Beinen, bietet aber wieder eine unterhaltsame Freakshow. Wenn Moses und Victoria in die Abteilung für Geisteskranke eines Londoner Gefängnisses einbrechen, wird man einen Gedanken einfach nicht los: wie gut sie doch da hineinpassen.
Schräge Ideen, eine temporeiche Inszenierung und die altbewährten skurrilen Figuren machen diesen Aufstand der Alten trotz Schwächen zu einem brachialen Kinovergnügen, das mitzureißen weiß.
Filmkritik von Mattes Teschabai
Die Arbeit im Fernseh-Alltag macht entspannt. Nach langer Serien-Aktivität („Justified“, „Modern Family“, „Monk“) macht Regisseur Dean Parisot („Galaxy Quest“) sich an R.E.D. 2 und formt die leutselige Unschuld des Allstar-Casts, als auch den zynisch hohen Bodycount zu einer bodenlos trockenen Actionsatire mit dem ruhig plappernden Unterhaltungswert eines lange fälligen Klassentreffens. Bruce Willis, Helen Mirren und John Malkovich wirken in ihrer Brutalität noch menschenfeindlicher und in ihrer Unbedarftheit noch gewinnender als im ersten Teil. Außerdem darf Anthony Hopkins seinem eigenen Hannibal Lecter Tribut zollen. Mary-Louise Parker garniert den brutalen Trubel an Bruce Willis´ Seite mit der nötigen romantischen Pragmatik, die Catherine Zeta-Jones zeitweise durcheinander bringen darf. R.E.D. 2 gewinnt durch seine gesprächige Bedeutungslosigkeit und seine prominente Beiläufigkeit.
Eigentlich versucht Frank (Bruce Willis) seine Freundin Sarah (Mary-Louise Parker) gerade davon zu überzeugen, dass ein pensionierter Agent ein besserer Mensch ist, als eine aktive Killermaschine. Weil sie das anders sieht, ist sie ganz entzückt als Franks Kumpel Marvin (John Malkovich) auftaucht. Jahrelanger Agentendienst unter LSD-Einfluss machen Ruhestand für Marvin zu einem Ding der Unmöglichkeit. Er möchte Frank davon überzeugen, dass sie wieder einmal gesucht werden, weil man sie für die lang verjährte „Operation Nightshade“ verantwortlich macht. Als tatsächlich der brutale Jack Horton (Neal McDonough) auftaucht, um ihn zu töten, wird auch Frank misstrauisch. Als ferner die alte Freundin Victoria (Helen Mirren) anruft, um fairerweise durchzugeben, sie hätte gerade dem MI6 zugesagt, Frank und Marvin zu töten, und außerdem der weltbeste Killer Han Cho Bay (Byung-hun Lee) hinter ihnen her sei, da muss auch Frank einsehen, dass der Wahnsinn wieder losgeht.
Das Drehbuch besticht durch seine Undurchsichtigkeit, durch ein geselliges Desinteresse am verwobenen Geschehen. Selten geht es darum, was „Nightshade“ eigentlich ist – eine gefährliche Biowaffe – sondern viel mehr darum, ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen und inmitten eines Kugelhagels gemeinsame Erinnerungen hochleben zu lassen. Professionell sein heißt, entspannt sein. Bei den alten Kumpels läuft immer alles wie geschmiert. Spannung bietet die Beziehung zwischen Sarah und Frank – oder wie Marvin es auf den Punkt bringt, als Frank ihm erklären möchte, dass Frauen und Verdeckte Operationen zwei verschiedene Dinge sind: „No, grasshopper, they´re not!“ So wird jede Action- oder Folterszene zu einer Bewährungsprüfung für Frank und Sarah.
Als dann auch noch Franks Ex auftaucht, der KGB-Vamp Katja (Chatherine Zeta-Jones), mutiert ein aufwendiges Setpiece in der Pariser Innenstadt zum rasanten Buhlen um den begehrten Frank und schnell ist vergessen, dass es gerade eigentlich um die Verfolgung des Weinkenners und Massenmörders „The Frog“ (herrlich: David Thewlis) geht. Die doppelbödigen Running Gags um Beziehung, Freundschaft und Agenten-Alltag sind allanwesend und verlegen das Geschehen fast vollends auf die private Ebene. Das ist kein Novum, natürlich verwebt im Grunde jedes Drehbuch äußere und innere Handlung der Helden. Das Unterhaltsame am R.E.D.-Kosmos ist aber die trockene Respektlosigkeit der Figuren gegenüber der äußeren Handlung, ihre tiefenentspannte Haltung gegenüber jeder Krise und Explosion.
Wir schauen ein paar zynischen, überbezahlten, mit allen Wassern gewaschenen Schauspielern dabei zu, wie sie sich genüsslich über das Action-Genre auslassen und nebenbei auch noch einen Film drehen. R.E.D. 2 ist eine Schelmtat, die nur funktionieren kann, weil wir es mit alten Hasen vom besten Schlag zu tun haben. Das ewige Kommentieren mag bei weitem nicht Jedermanns Sache sein, doch es kann durchaus Spaß machen wie diese gesetzten Gesichter ihre gewachsene Persona in den Dienst des Absurden stellen und aus Action-Allgemeinplätzen ein paar Pointen herausholen können. Auch wenn Sniper-Erotik nicht gerade originell sein mag, so hat es doch etwas sehr gediegenes, wenn Brian Cox als russischer Lover seiner geliebten Helen Mirren süffisant gesteht, es gäbe nichts schöneres als ihre gekrümmten Zehen beim Abschuss ihres Gewehres, als sie gerade aus sicherer Entfernung ein paar russische Agenten ausknipst.
In einer Welt, in der das Töten keine qualitative, sondern eine quantitative, fast rhythmische Frage ist – kann da irgendeine Moral diskutiert werden? Die Gewaltdarstellung ist, wie schon beim Vorgänger, gleichzeitig bieder und poppig. Die Trennung zwischen Gut und Böse wird zur reinen Ansichtssache, weil sowieso einfach alle Morden. In Bezug auf das Morden und Sterben ist „R.E.D. 2“ ein Märchen, was Marvin früh im Film deutlich macht, indem er die Reversibilität des Todes beweist und von den Toten wieder aufersteht. Innerhalb dieses Mord-Märchens übernehmen die Alten die Aufgabe, den Jungen soziale und romantische Integrität beizubringen. So versucht Victoria dem hitzigen Einzelgänger-Killer Han beizubringen, dass Freundschaft wichtiger ist als persönliche Vendetta und ein eigenes Flugzeug. Frank sieht ein, dass er Sarah beibringen muss, zu töten, wenn er nicht will, dass seine Freundin immerzu andere Männer küsst, um aus einem gefährlichen Schlamassel zu kommen.
Anthony Hopkins bringt im letzten Drittel so etwas wie eine ernste Note in diesen satirischen Agentenzirkus. Er spielt einen Irren – und das möchte was heißen, in einer Welt in der die Normalen Menschenleichen mit Säure neutralisieren, während sie mit alten Freunden über Beziehungen quatschen. Als einzige Figur scheint er tragisch, weil getrieben. Hiermit lässt „R.E.D. 2“ sich dann doch noch innerhalb seiner Süffisanz und Geschwindigkeit auf einen nachdenklichen Punkt ein, was natürlich irgendwie nicht so ganz hinhaut. Da wurde die Waffe gerade in eine dadaistische Chiffre des Alltags verwandelt und der Brutalität der Stachel gezogen und plötzlich hält doch wieder der missionarische Gedanke Einzug? Egal – niemand sollte versuchen aus R.E.D. 2 etwas zu lernen. Wem die „Expendables“ zu prollig waren, der schaue sich diese mondäne Schnösel-Fraktion an. Die Zukunft des Actionfilms ist weder hier noch dort zu finden. Spaß macht´s trotzdem.

