- Der geheime Pakt mit dem Erzfeind
- Ein verfassungswidriger Schattenkrieg und der Verrat am eigenen Volk
- Der Tag, an dem das Kartenhaus einstürzte
- Das blutige Schweigen der Zeugen
- Ein System ohne Gewissen und die Illusion der Gerechtigkeit
- Bedeutende Quellen zur Iran-Contra-Affäre
Staunen Sie noch über die aktuellen Schlagzeilen zum Iran oder beschleicht Sie das Gefühl, dass das Bild von „Gut gegen Böse“ Risse bekommt? Während uns heute moralische Überlegenheit und „Wertegemeinschaften“ gepredigt werden, zeigt ein Blick in die Abgründe der Geschichte das wahre Gesicht der Macht. In unserem neuen Dossier auf kritiken.de rekonstruieren wir die Iran-Contra-Affäre: Ein staatliches Kartell aus illegalem Waffenhandel mit dem Erzfeind, der verbotenen Finanzierung von Todesschwadronen und einem von der CIA geschützten Kokainschmuggel, der die eigenen Städte vergiftete. Erfahren Sie, wie weit ein System geht, um seine Interessen zu schützen und warum Zeugen, die zu viel wussten, oft einen tödlichen Preis zahlten. Wachen Sie auf und blicken Sie hinter die Kulissen der Kriegspropaganda. Denn wer die Mechanismen von gestern versteht, durchschaut die Lügen von heute.
Staunen Sie auch über die aktuellen Entwicklungen auf der Weltbühne? Wundern Sie sich über eine Berichterstattung, die uns tagtäglich ein glattpoliertes Bild von Gut gegen Böse verkaufen will? Vielleicht überkommt auch Sie manchmal dieser nagende Zweifel, ob die Realität wirklich so schwarzweiß ist, wie sie in den Abendnachrichten präsentiert wird. Glauben Sie noch jeder Schlagzeile der Massenmedien oder können Sie sich vorstellen, dass hinter den Kulissen ein hochgefährliches Katz und Maus Spiel aus Kriegspropaganda und Desinformation getrieben wird? Wenn Sie sich diese Fragen stellen, liegen Sie goldrichtig. Denn das, was wir heute erleben, ist kein Zufall und schon gar nichts Neues.
Seit der Antike ist die gezielte Manipulation der öffentlichen Meinung ein tragendes Standbein jeder militärischen Auseinandersetzung. Wer den Krieg gewinnen will, muss zuerst die Köpfe der Menschen gewinnen. Doch in unserer modernen Zeit hat diese Praxis eine Perfektion erreicht, die den normalen Bürger oft ratlos zurücklässt. Es geht heute um weit mehr als nur um falsche Informationen oder ein paar verdrehte Fakten. Es geht um das mühsam aufrechterhaltene Märchen vom Westen als dem strahlenden Leuchtturm der Wahrheit, der Demokratie und der unantastbaren moralischen Überlegenheit. Uns wird suggeriert, dass unsere Seite stets auf der Basis von Transparenz und Menschenrechten agiert, während das Böse immer nur woanders zu finden ist.
Doch werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, stellt sich die Frage, wie viel von diesem Leuchten eigentlich echt ist. Nichts könnte weiter von der kindlichen Realität eines gutgläubigen Bürgers entfernt sein als die tatsächliche Praxis staatlicher Machtausübung. Während uns in Sonntagsreden hehre Werte und völkerrechtliche Prinzipien gepredigt werden, operieren Regierungen und ihre Apparate in Schattenreichen, die jedes Gesetz und jede menschliche Moral verhöhnen. Wer heute noch glaubt, dass unsere Seite starr nach den Regeln spielt, unterliegt einer gefährlichen Illusion. Diese Illusion wird von einer gigantischen Maschinerie aus PR Agenturen, Spin Doctoren und willfährigen Medienhäusern genährt, deren einzige Aufgabe es ist, das schmutzige Handwerk der Macht in ein moralisches Gewand zu kleiden.
Man verkauft uns Kriege als Friedensmissionen und den Bruch von Gesetzen als notwendiges Übel für die Sicherheit. Doch wenn wir die Mechanismen der Macht wirklich verstehen wollen, müssen wir den schweren Vorhang der Propaganda wegziehen. Wir müssen dorthin blicken, wo der Staat sein wahres Gesicht zeigt, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Es ist ein Gesicht, das tief gezeichnet ist von eiskaltem Zynismus, grenzenloser Gier und einer kriminellen Energie, die jedes private Verbrechersyndikat in den Schatten stellt.
Um zu begreifen, dass dies keine Theorie, sondern historische Tatsache ist, reicht ein Blick auf das wohl drastischste Beispiel staatlicher Kriminalität in der Moderne. Die Geschichte der Iran Contra Affäre ist das ultimative Lehrstück darüber, wie ein Staat zum Kartell wird. Hier verschmelzen Waffenhandel, Drogenhandel und Hochverrat zu einem Geflecht, das die gesamte Weltöffentlichkeit über Jahre hinweg schamlos belogen hat. Es ist die Geschichte vom Ende einer Illusion und dem Erlöschen jenes Leuchtturms, an den so viele von uns so gerne glauben wollten.
Der geheime Pakt mit dem Erzfeind
In den achtziger Jahren wurde ein System entlarvt, das bis heute als Mahnmal für staatliche Doppelmoral steht. Es bewies zweifelsfrei, dass Regierungen bereit sind, jedes Gesetz, jede Moral und jedes Versprechen an das eigene Volk zu opfern, wenn es den dunklen Interessen der Mächtigen dient. Die US-Regierung unter Ronald Reagan inszenierte sich auf der Weltbühne als unerbittlicher Gegner des Terrors. Sie brandmarkte den Iran öffentlich als den gefährlichsten Außenposten des radikalen Extremismus und führte mit erhobenem Zeigefinger ein striktes internationales Waffenembargo an. Doch während die Weltöffentlichkeit mit pathetischen Reden über Freiheit und Sicherheit beschallt wurde, spielten sich hinter den verschlossenen Türen des Weißen Hauses Szenen ab, die jeden Gedanken an einen funktionierenden Rechtsstaat verhöhnen.
Unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit und in absoluter Geheimhaltung wurde ein Netzwerk geknüpft, das an krimineller Energie kaum zu übertreffen war. Man entschied sich, illegal modernste militärische Hochtechnologie an genau jenes Regime zu liefern, das man vor den Kameras als den Erzfeind der freien Welt verteufelte. Als offizieller Rechtfertigungsgrund für diesen Verrat an den eigenen Prinzipien musste die Freilassung amerikanischer Geiseln im Libanon herhalten, die von pro-iranischen Milizen festgehalten wurden. Doch hinter dieser vermeintlich humanitären Fassade der Rettungsmission verbarg sich ein eiskaltes, geopolitisches Kalkül, das weit über das Schicksal einzelner Bürger hinausging.
Tausende hochmoderne Panzerabwehrraketen und Flugabwehrsysteme flossen in geheimen Frachtmaschinen direkt nach Teheran. Es ist eine bittere Ironie der Geschichte: Während junge amerikanische Soldaten weltweit darauf eingeschworen wurden, den islamischen Extremismus mit ihrem Leben zu bekämpfen, lieferte ihr eigener Oberbefehlshaber im Verborgenen genau die Hardware, die diesen Kampf auf der Gegenseite erst ermöglichte. Dies war nicht nur ein politischer Fehler, es war ein direkter Schlag ins Gesicht jedes Bürgers, der noch an die Integrität seiner Führung glaubte. Es war Verrat in seiner reinsten Form.
Doch der eigentliche, tiefgreifende Skandal lag in der perfiden Logik der Finanzierung. Die Gewinne aus diesen illegalen Waffendeals in Höhe von vielen Millionen Dollar flossen niemals in den offiziellen Staatshaushalt, wo sie einer parlamentarischen Kontrolle unterlegen hätten. Stattdessen schuf man eine kriminelle Infrastruktur aus einem Geflecht von Briefkastenfirmen, undurchsichtigen Mittelsmännern und geheimen Schweizer Nummernkonten. Dieses Geld wurde gezielt umgeleitet, um eine Operation zu finanzieren, die der US-Kongress nach langen Debatten und aufgrund schwerster Bedenken ausdrücklich unter Strafe verboten hatte. Es war die Geburtsstunde einer Schattenarmee, die völlig losgelöst von demokratischer Legitimation agierte und bewies, dass die Exekutive sich längst über das Volk und seine Gesetze erhoben hatte.
Ein verfassungswidriger Schattenkrieg und der Verrat am eigenen Volk
Das Ziel dieser geheimen Gelder war die massive Bewaffnung der sogenannten Contras in Nicaragua. Es handelte sich um eine rechtsgerichtete Guerillatruppe, die mit äußerster Brutalität gegen die sandinistische Regierung kämpfte. Der US-Kongress hatte nach Berichten über schwere Menschenrechtsverletzungen durch die Contras das sogenannte Boland-Amendment verabschiedet – ein Gesetz, das jede weitere finanzielle oder militärische Unterstützung dieser Einheiten durch US-Behörden ausdrücklich unter Strafe stellte. Doch die Reagan-Administration und ihr Sicherheitsapparat fühlten sich an diese demokratischen Fesseln nicht gebunden. In einem Akt, der nur als verfassungswidriger Staatsstreich von innen bezeichnet werden kann, setzte sich die Exekutive einfach über die Legislative hinweg. Es entstand ein Staat im Staate, eine Schattenregierung, die völlig losgelöst von jeglicher Rechenschaftspflicht gegenüber dem Volk oder seinen gewählten Vertretern agierte.
Dieses kriminelle Konstrukt erreichte seinen absoluten, moralischen Tiefpunkt, als der nationale Sicherheitsapparat begann, die eigene Bevölkerung auf dem Altar geopolitischer Machtspiele zu opfern. Da die Millionen aus den iranischen Waffengeschäften allein nicht ausreichten, um den illegalen Krieg in Mittelamerika dauerhaft zu finanzieren, suchte man nach weiteren Einnahmequellen – und fand sie im organisierten Drogenhandel. Um den verbotenen Krieg in Nicaragua am Leben zu halten, öffneten Geheimdienste und Militär die Tore für den großflächigen Import von Kokain in die Vereinigten Staaten.
Während das Präsidentenpaar vor den Kameras der Weltöffentlichkeit pathetisch den Krieg gegen die Drogen ausrief und die Jugend mit Slogans zur Abkehr von Rauschmitteln beschwor, lieferte die CIA im Hintergrund die notwendige logistische Infrastruktur für die internationalen Drogenkartelle. Es war ein eiskalter Logistik-Deal: Flugzeuge, die Waffen für die Contras nach Mittelamerika brachten, kehrten mit tonnenweise Kokain im Bauch zurück. Diese Maschinen landeten oft auf US-Militärflughäfen, die keiner zivilen Kontrolle unterlagen und an denen kein Zollbeamter Fragen stellte.
Dieses staatlich geschützte Gift flutete in der Folge die Straßen der amerikanischen Großstädte und löste die verheerende Crack-Epidemie aus, die das soziale Gefüge der USA bis in die Grundfesten erschütterte. Ganze Stadtteile wurden innerhalb kürzester Zeit zerstört, Millionen von Familien wurden durch Sucht und Kriminalität auseinandergerissen und eine bis dahin ungekannte Welle der Gewalt wurde entfesselt. Der vermeintliche Leuchtturm der Freiheit und die moralische Instanz des Westens vergifteten buchstäblich ihre eigenen Kinder, nur um einen schmutzigen Stellvertreterkrieg in der Ferne zu finanzieren. Investigative Journalisten und spätere Untersuchungsausschüsse bewiesen zweifelsfrei, dass die Geheimdienste von diesen mörderischen Geschäften nicht nur wussten, sondern sie aktiv schützten und förderten, solange die Profite verlässlich in die schwarzen Kassen der Contra-Finanzierung flossen. Es war der ultimative Beweis dafür, dass für die Strategen der Macht ein Menschenleben nichts wert ist, wenn es den Interessen des Tiefen Staates im Weg steht.
Der Tag, an dem das Kartenhaus einstürzte
Über Jahre hinweg glich die Außenpolitik der Reagan-Administration einem riskanten Schattenspiel. Doch am 3. November 1986 riss der Vorhang auf eine Weise, die niemand in Washington vorhergesehen hatte. Nicht etwa die US-Presse, sondern die libanesische Wochenzeitung Al-Shiraa brachte die Lawine ins Rollen. Sie enthüllte, dass die USA entgegen aller öffentlichen Schwüre, niemals mit Terrorstaaten zu verhandeln, heimlich Raketen und Ersatzteile an den Iran geliefert hatten. Das Ziel war ein klassischer „Waffentausch gegen Geiseln“: Teheran sollte seinen Einfluss auf die Hisbollah im Libanon nutzen, um dort festgehaltene Amerikaner freizubekommen. Für Präsident Ronald Reagan war dies der moralische Offenbarungseid, da er seine gesamte Präsidentschaft auf einer harten Linie gegen den Terrorismus aufgebaut hatte.
Das „Diversion Memo“: Vom diplomatischen Fehler zum Verfassungsbruch
Während das Weiße Haus noch versuchte, die Iran-Connection als „strategische Öffnung“ zu verkaufen, stießen Ermittler des Justizministeriums am 22. November 1986 auf ein noch dunkleres Geheimnis. In den Unterlagen von Oberstleutnant Oliver North, einem Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats (NSC), fanden sie das berüchtigte „Diversion Memo“. Dieses Dokument belegte, dass die Gewinne aus den iranischen Waffengeschäften (rund 18 Millionen Dollar) illegal abgezweigt worden waren, um die rechtsgerichteten Contras in Nicaragua zu finanzieren. Dies war ein direkter Bruch des Boland-Amendments, eines Gesetzes, mit dem der US-Kongress jede militärische Hilfe für die Contras ausdrücklich verboten hatte. Damit war die Affäre kein bloßer politischer Skandal mehr, sondern ein systematischer Angriff auf die Verfassung und das Budgetrecht des Parlaments.
Die Tower-Kommission: Ein vernichtendes Urteil über das Chaos
Um den drohenden Forderungen nach einem Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) zuvorzukommen, setzte Reagan die Tower-Kommission ein. Ihr Bericht vom Februar 1987 zeichnete ein erschreckendes Bild der Regierungsführung. Die Kommission stellte fest, dass eine kleine Gruppe von „Schattenkriegern“ im NSC eine private Außenpolitik betrieben hatte – völlig entkoppelt von Außenministerium, CIA und Kongress. Das Urteil über Reagan selbst war ambivalent, aber verheerend: Er habe zwar keinen direkten Befehl zum Gesetzesbruch gegeben, aber durch seine „distanzierte“ Amtsführung ein Klima geschaffen, in dem seine Berater schalten und walten konnten, wie sie wollten. Die Kontrolle über das Weiße Haus war den gewählten Vertretern entglitten.
Das Medienspektakel: Wenn der Senat zur Bühne wird
Im Mai 1987 begannen die gemeinsamen öffentlichen Anhörungen des Senats und des Repräsentantenhauses. Millionen Amerikaner verfolgten die Aussagen live im Fernsehen. Es war die Geburtsstunde der modernen Polit-Inszenierung.
Der Hauptzeuge, Oliver North, erschien in voller Marine-Uniform und präsentierte sich als patriotischer Sündenbock. Er gab unumwunden zu, Dokumente geschreddert zu haben, während die Ermittler bereits im Vorzimmer warteten. Sein Vorgesetzter, Admiral John Poindexter, lieferte die wohl berühmteste Verteidigung der Affäre: Er habe den Präsidenten absichtlich nicht informiert, um diesem eine „glaubhafte Abstreitbarkeit“ (plausible deniability) zu ermöglichen.
Der erloschene Leuchtturm: Ein Erbe des Misstrauens
Die Untersuchungskommissionen im Senat legten eine „Architektur der Täuschung“ offen, die bis heute nachwirkt. Sie bewiesen, dass eine geheime Exekutive innerhalb der US-Regierung entstanden war, die sich über Gesetze hinwegsetzte, wenn diese ihren Zielen im Weg standen. Obwohl Reagan politisch überlebte, blieb ein tiefer Riss im Vertrauen der Bürger zurück. Der „Leuchtturm der Wahrheit“, das Ideal einer transparenten Demokratie, war durch die Schatten der Iran-Contra-Affäre dauerhaft verdunkelt worden. Am Ende standen elf Verurteilungen von Regierungsbeamten – und die schmerzhafte Erkenntnis, dass die mächtigste Nation der Welt von einer Hinterzimmer-Clique am Kongress vorbeigesteuert worden war.
Das blutige Schweigen der Zeugen
Ein Verbrechen dieser Größenordnung lässt sich nur durch absolute Skrupellosigkeit vertuschen. Wer die Mauer des Schweigens durchbrechen wollte oder zur Gefahr für das System wurde, bezahlte oft einen hohen Preis. Die Geschichte der Iran-Contra-Affäre ist gepflastert mit Schicksalen, die uns zeigen, wie gefährlich die Wahrheit für jene sein kann, die sie ans Licht bringen wollen.
Gary Webb:Der Mann, der die CIA-Drogenverbindungen entlarvte: Niemand verkörpert das Risiko der Wahrheitssuche besser als der investigative Journalist Gary Webb. In seiner Artikelserie „Dark Alliance“ dokumentierte er akribisch, wie die CIA den Kokainhandel der Contras schützte. Die Reaktion des Systems war vernichtend: Er wurde medial hingerichtet und beruflich völlig isoliert. Im Jahr 2004 fand man ihn schließlich tot auf – mit zwei Schüssen im Kopf. Dass die Behörden diesen Fall offiziell als Selbstmord einstuften, stellt eine medizinische Absurdität dar und diente der Öffentlichkeit als makabre Warnung: Wer sich mit dem tiefen Staat anlegt, findet keinen Schutz im Gesetz.
Danny Casolaro:Das Rätsel um das Hotelzimmer in Martinsburg: Ein ähnliches Schicksal ereilte den Journalisten Danny Casolaro. Er arbeitete an einer umfassenden Untersuchung namens „The Octopus“, die Iran-Contra als Teil einer noch viel größeren, globalen Verschwörung staatlicher Geheimdienste sah. Im Jahr 1991 wurde er in einem Hotelzimmer mit tief aufgeschlitzten Handgelenken gefunden. Seine gesamten Rechercheunterlagen waren spurlos verschwunden. Obwohl Freunde von massiven Todesdrohungen unmittelbar vor seinem Tod berichteten, wurde der Fall schnell als Suizid zu den Akten gelegt.
Robert McFarlane:Die Verzweiflung im Zentrum der Macht: Doch die Opfer finden sich nicht nur unter Journalisten, sondern auch innerhalb des engsten Machtzirkels. Robert McFarlane, der ehemalige Sicherheitsberater des Präsidenten, stand unter gewaltigem Druck. Kurz bevor er umfassend vor einem Untersuchungsausschuss aussagen sollte, versuchte er im Februar 1987, sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen. Ob es die Last des Verrats an seinen eigenen Idealen war oder der Druck jener, die seine Aussage verhindern wollten, bleibt bis heute ein dunkles Kapitel der Affäre.
William Casey:Der Tod, der die Geheimnisse begrub: Das vielleicht „gelegenste“ Ableben in dieser Chronik ist das von CIA-Direktor William Casey. Er galt als einer der Hauptarchitekten des gesamten Konstrukts aus Waffen- und Drogengeschäften. Exakt zwei Tage vor seiner geplanten, entscheidenden Aussage vor dem Kongress verstarb er an den Folgen eines Hirntumors. Mit ihm verschwanden die tiefsten Geheimnisse der Operation buchstäblich im Grab, noch bevor er unter Eid zur Rechenschaft gezogen werden konnte.
Ein System ohne Gewissen und die Illusion der Gerechtigkeit
Wenn Sie das nächste Mal eine aufwendig produzierte Reportage über „Wertegemeinschaften“, „regelbasierte Weltordnungen“ oder die „Überlegenheit transparenter Demokratien“ sehen, dann halten Sie einen Moment inne. Lassen Sie die Bilder der Nachrichten auf sich wirken, aber rufen Sie sich gleichzeitig die harten Fakten der Iran-Contra-Affäre ins Gedächtnis. Denken Sie an die tausenden Raketen, die heimlich an einen erklärten Erzfeind geliefert wurden, während man öffentlich das Schwert der Vergeltung schwang. Denken Sie an die Tonnen von Kokain, die mit staatlicher Duldung die eigenen Städte überrollten, und an die zahllosen zerstörten Existenzen, die dieser Politik zum Opfer fielen. Diese Affäre war kein bedauerlicher Unfall der Geschichte und auch kein isoliertes Versagen einzelner „schwarzer Schafe“ in der Verwaltung. Sie war die radikale Offenbarung eines Systems, das im Kern keine moralischen Grenzen und keine Gesetze kennt, sobald der Erhalt der eigenen Macht oder geopolitische Dominanz auf dem Spiel stehen. Es wurde deutlich, dass die Verfassung und der Wille des Volkes für die Architekten im Hintergrund lediglich lästige Hindernisse sind, die man mit krimineller Energie und geschickter PR einfach umgeht.
Besonders erschütternd ist der Blick auf die Konsequenzen oder besser gesagt, auf das Ausbleiben derselben. In einem echten Rechtsstaat hätten die Verantwortlichen für Hochverrat, illegalen Waffenhandel und die Verschwörung zum Drogenschmuggel für Jahrzehnte hinter Gittern verschwinden müssen. Doch die Realität der Macht sieht anders aus. Die Drahtzieher und ausführenden Organe wurden am Ende fast ausnahmslos begnadigt, rehabilitiert oder machten in den folgenden Regierungen sogar steile Karrieren. Die juristische Aufarbeitung wurde zu einer Farce, die lediglich dazu diente, die Wogen der öffentlichen Empörung zu glätten, während die Strukturen im Verborgenen unangetastet blieben. Die Botschaft, die dieses System an uns Bürger sendet, ist so zynisch wie klar: Die Wahrheit ist ein dehnbarer Begriff, ein Werkzeug der Massenpsychologie, das so lange funktioniert, wie die Propagandamaschine auf Hochtouren läuft. Wer sich jedoch weigert, die verabreichte Realität kritiklos zu schlucken, wer zu tief gräbt oder die unangenehmen Fragen zur Unzeit stellt, der erfährt die volle Härte der Repression. Das Schicksal derer, die für ihren Mut mit dem Leben bezahlten, zeigt uns, dass der Staat im Zweifelsfall bereit ist, jeden Zeugen zu eliminieren, der das Fundament der Lüge ins Wanken bringen könnte.
Wir müssen uns von der kindlichen Vorstellung verabschieden, dass politische Macht per se an Moral gebunden ist. Die Iran-Contra-Affäre hat die Maske der Tugendhaftigkeit ein für alle Mal heruntergerissen. Sie lehrt uns, dass wir nicht darauf warten dürfen, dass uns die Wahrheit auf dem Silbertablett serviert wird. Wir müssen lernen, zwischen den Zeilen zu lesen, die Interessen hinter den Schlagzeilen zu erkennen und den Mut aufzubringen, an der offiziellen Erzählung zu zweifeln. Wachen Sie auf und blicken Sie der Realität ins Auge: Der vermeintliche Leuchtturm der moralischen Führung ist schon lange erloschen was bleibt, ist das kalte Kalkül eines Systems, das nur sich selbst verpflichtet ist.
Bedeutende Quellen zur Iran-Contra-Affäre
- Der Tower-Kommission-Bericht (1987): Der offizielle Bericht des von Präsident Reagan eingesetzten Untersuchungsausschusses (Tower Commission Report).
- Bericht der Kongress-Untersuchungsausschüsse (1987): Das umfassende gemeinsame Ergebnis von Senat und Repräsentantenhaus (S. Rept. No. 100-216).
- Abschlussbericht des Independent Counsel (Walsh Report): Der detaillierte Bericht des Sonderermittlers Lawrence Walsh über die strafrechtlichen Aspekte.
- National Security Decision Directive 77 (1983): Ein frühes Schlüsseldokument zur Steuerung der Öffentlichkeitsarbeit und Geheimoperationen.
- Das "Covert Action Finding" (Januar 1986): Die von Reagan unterzeichnete Genehmigung für geheime Waffenverkäufe an den Iran.
- Boland-Amendments: Die Gesetzestexte (insb. Boland II), die jegliche Unterstützung der Contras durch US-Behörden untersagten.
Wissenschaftliche Standardwerke und Bücher
- Theodore Draper: "A Very Thin Line": Gilt als eines der detailliertesten Standardwerke über die Verflechtungen der Affäre.
- Malcolm Byrne: "Iran-Contra: Reagan's Scandal...": Eine moderne Aufarbeitung unter Einbeziehung vieler deklassifizierter Dokumente.
- Robert McFarlane: "Special Trust": Die Autobiografie des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters und Mitwissers.
- Jeffrey Toobin: "Opening Arguments": Ein Blick aus der Perspektive der Ermittler des Sonderbeauftragten.
- Alan McPherson: "The Breach: Iran-Contra and the Assault on American Democracy": Eine aktuelle Analyse der Auswirkungen auf die US-Demokratie.
Digitale Archive und Sammlungen
- National Security Archive (George Washington University): Die weltweit umfangreichste Sammlung deklassifizierter Dokumente zur Affäre (The Iran-Contra Affair: The Making of a Scandal).
- Ronald Reagan Presidential Library: Archiv für interne Memos, Handnotizen und Tagebucheinträge der Reagan-Administration.
- Brown University: "Understanding the Iran-Contra Affairs": Eine umfangreiche Bildungsressource mit Primärquellen und Zeitleisten.
- CIA FOIA Reading Room: Online-Archiv der CIA mit freigegebenen Geheimdienstberichten und Fernschreiben aus dieser Zeit.
- Die Identitätsfalle: Warum Sie nicht der Staat sind sondern sein Untertan
- Im Zeugenstand der Zapfsäule: Eine Spurensuche im Dickicht der Ölpreise
- Das Erwachen: Warum Ihr Glaube an das Völkerrecht eine kindliche Fantasie bleibt
- Die Akte Iran: Vom Hoffnungsträger zum Pulverfass
- Die Maschinerie der Ohnmacht: Das Echo von 1618 bis heute
- Die Illusion der Mehrheit: Über die statistische Deformierung politischer Legitimation in Deutschland
- Das Petroleum-Imperium: Die Symbiose von Öl, Dollar und globaler Herrschaft
- Der Präventivschlag: Die Anatomie des Faustrechts
- Der Geld-Code: Wie Richard Werner die geheime Macht der Banken enttarnte
- Stellenanzeigen-Wahnsinn: Von der Kunst, niemanden zu finden, während man die Welt rettet
