Das Papiergeld-Paradoxon: Wie die Fiktion die Welt baute

Das Papiergeld-Paradoxon: Wie die Fiktion die Welt baute

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Inhalt:
  1. Die Sehnsucht als Rohstoff
  2. Die geniale Sucht

Hören wir auf, das Geldsystem mit moralinsauren Begriffen wie „Gier“ oder „Schuld“ zu belegen. Das Papiergeld war keine Erfindung der Buchhalter, es war die Erfindung der ultimativen Droge. Gold und Silber waren zu träge, zu schwerfällig, zu real, um den menschlichen Geist zu entzünden. Sie waren das Baldrian der Ökonomie. Erst das Geld aus dem Nichts hat den Zünder betätigt.

Die Sehnsucht als Rohstoff

Papiergeld ist das Adrenalin der Sehnsucht. Es hat uns mit einer künstlichen Energie versorgt, die es in der Natur gar nicht gibt. Wir haben den Mangel an Edelmetallen durch den Überfluss an Träumen ersetzt. Erst als wir anfingen, das „Nichts“ zu drucken, hatten wir genug Treibstoff, um die Welt in Brand zu setzen. Es war der Fix, den wir brauchten, um aus der biologischen Sackgasse von Fressen-Schlafen-Sex auszubrechen.

Die geniale Sucht

Wer heute nach der Golddeckung ruft, fordert den kalten Entzug für eine Zivilisation, die nur durch den Rausch der unendlichen Wertschöpfung existiert. Wir haben uns eine Welt gebaut, die auf dem Versprechen basiert, dass morgen mehr da sein wird als heute – eine kollektive Halluzination, die so stark ist, dass sie Städte aus dem Wüstensand stampft und Sonden zum Mars schickt. Das Papiergeld ist der herbeigeführte Herzschlag einer Spezies, die ohne diesen künstlichen Druck niemals über den Rand ihrer Höhle hinausgeblickt hätte. Wir sind Junkies der Zukunft, und das Geld ist unsere Nadel.