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Winter's Tale

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kritiken.de Redaktion 13.02.2014
Winter's Tale© Warner Bros. GmbH
A ca. 1506 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Winter's Tale - Eine fabelhafte Allegorie zwischen Erlösung, Verfall und modernem urbanem Mythos

Einleitung

Winter's Tale ist ein filmisches Unterfangen, das sich an einem literarisch ambitionierten Stoff misst und damit eine Reihe von Fragen an das Kino der 2010er Jahre stellt. Die Verfilmung eines dichten, vielfach kommentierten Romans verlangt nach einer Tonhoheit, die zugleich neurologisch und poetisch denken kann - eine Herausforderung, die das Projekt sowohl in seiner Konzeption als auch in seiner Rezeption prägte. In einer Ära, in der große Studios zunehmend nach erzählerischer Herkunft für spektakuläre Bilder suchen, markiert Winter's Tale den Versuch, Mythos und Melodram in einer zeitgenössischen Großstadterzählung zu verbinden.

Die Relevanz des Films liegt weniger in seiner Nähe zum Mainstream-Kino als vielmehr in seinem Anspruch, metaphysische Fragen in eine populäre Form zu übersetzen. Als Stoff über Schuld, Vergebung und die Möglichkeit des Wunders berührt er kulturelle Sehnsüchte nach Sinnstiftung in urbanen Räumen. Zugleich verweist die Adaption auf den literarischen Kanon, aus dem das Kino immer wieder schöpft, und darauf, wie filmische Sprache mit den Mitteln von Bild, Montage und Ton versucht, eine prosaische Dichte in räumliche Bilder zu überführen.

Im weiteren Kontext des Filmschaffens seiner Macher stellt Winter's Tale einen bemerkenswerten Schritt dar. Der Regisseur, bisher vor allem als Drehbuchautor und Produzent bekannt, nutzt hier seine erste Regiearbeit, um diejenigen narrativen Topoi zu verfolgen, die sein schriftstellerisches Profil geprägt haben: große Figuren, moralische Konflikte und eine Präferenz für dramatische Offenheit. Das Ergebnis ist ein Werk, das sich dem Zeitgeist fügsam gegenüberstellt und zugleich eine Gegenbewegung zum nüchternen Realismus des gegenwärtigen Erzählkinos anbietet - eine Rückkehr zur großen, sinnbefrachteten Erzählung im Gewand moderner Effekte.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Regiearbeit hinter Winter's Tale markiert für den verantwortlichen Filmemacher den Übergang von der Schreibstube auf den Regiestuhl. Seine Handschrift, so wie sie in früheren Drehbüchern erkennbar wurde, zeichnet sich durch die Kombination aus melodramatischer Intensität und großen philosophischen Ambitionen aus. Als Regisseur tritt er nun in den Vordergrund mit dem Versuch, diese Tendenzen in ein konsistentes filmisches Vokabular zu überführen - ein Vokabular, das zwischen naturalistischer Detailarbeit und stilisierten, fast märchenhaften Bildern oszilliert.

Die Produktionsumstände sind von der Ambition geprägt, einen komplexen, zeitlich verschobenen Stoff für ein breites Publikum zu adaptieren. Die Inszenierung verlangt nach aufwendigen Sets, visuellen Effekten und einer Ausstattung, die historische Andeutungen mit urbaner Gegenwart verbindet. Als Studioprojekt mit prominenter Besetzung positioniert sich der Film als mittleres bis großes Commitment, das die Schwierigkeiten literarischer Verdichtung und die Anforderungen kommerzieller Sichtbarkeit ausbalancieren muss.

In der filmischen Karriere des Regisseurs bleibt Winter's Tale ein Schlüsselwerk: kein routiniertes Genreprodukt, sondern ein deklaratives Statement eines Autors, der seine Vorlieben - romantische gesellschaftliche Kontraste, metaphysische Fragestellungen, theatralische Gegenspieler - in seinem ersten Langfilm zusammenführt. Seine Stellung ist damit ambivalent - gleichzeitig persönliche Visitenkarte und exemplarischer Versuch, literarische Ambition in ein filmisches Format zu überführen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung des Films setzt auf ein Ensemble, das zwischen etablierten Stars und jüngeren Gesichtern vermittelt. Colin Farrell übernimmt die zentrale Rolle des idealistisch-gestörten Protagonisten und verkörpert damit die klassische Figur des liebenden Außenseiters, dessen Widersprüchlichkeit dem Film seinen emotionalen Kern gibt. Seine Karriere, geprägt von Rollen, die zwischen Härte und Zartheit schwanken, macht ihn zu einem geeigneten Repräsentanten dieser Ambivalenz.

Jessica Brown Findlay, bekannt geworden durch präzise gezeichnete Periodenrollen, bringt die fragile, fast überirdische Qualität in die Figur der jungen Geliebten - eine Präsenz, die mehr symbolische Funktion hat als simple psychologische Komplexität. Russell Crowe tritt als gedehnte, theatralische Antagonistenfigur auf, seine Gestalt erinnert an die opernhafte Bösewicht-Tradition, die im Kontrast zur poetischen Grundstimmung des Films steht.

Jennifer Connelly und William Hurt, beide Schauspieler mit einem reichen Repertoire an gewichtigen Charakterrollen, verleihen dem Ensemble eine institutionelle Gravitas. Ihre früheren Arbeiten in psychologisch anspruchsvollen Dramen und Biografien liefern den Kontext für die Rolle als moralische Instanzen und soziale Bezugspunkte im Gefüge der Erzählung. Will Smith und Matt Bomer tragen als prominente Nebenfiguren dazu bei, dem Film eine gegenwärtige Popularität und vielschichtige Stimmfärbungen zu geben, während Kevin Durand die physische Bedrohung repräsentiert, die der Fantasie des Films eine raue Kante verleiht.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von einer unwahrscheinlichen Verbindung zwischen einem Kleinkriminellen und einer geheimnisvollen jungen Frau im Setting einer mythisch vergrößerten Metropole. Die Handlung entfaltet sich über Zeitschichten hinweg und verknüpft persönliche Schicksale mit größeren, beinahe metaphysischen Kräften. Im Zentrum steht der dramatische Konflikt zwischen dem Verlangen nach Liebe und Versöhnung einerseits und destruktiven Mächten andererseits, die auf unterschiedliche Weise um Besitz, Macht und Vergeltung ringen.

Die Erzählung stellt Figurenkonstellationen gegenüber, deren Beziehungen weniger weltliche Logik als poetische Notwendigkeit folgen. Der Ton ist dabei lyrisch, gelegentlich pathetisch, und die Atmosphäre pendelt zwischen melancholischer Elegie und urbanem Realismus. Visuell wie narrativ sucht der Film nach Gleichgewicht zwischen Intimität und Monumentalität; die Stadt fungiert dabei weniger als bloßer Schauplatz denn als aktiver Mitspieler der Geschichte.

Zentrale Themen und Motive

Winter's Tale kreist um Fragen von Erlösung, Schuld und der Bedingtheit des Wunders. Der Film stellt die Möglichkeit in den Raum, dass Zärtlichkeit und Vergebung gegennatürliche Fähigkeiten besitzen, die sozialen Raum transformieren können. Zugleich verhandelt er die Spannungen zwischen Schicksal und freiem Willen - in welcher Form kann ein Individuum gegen die ihm zugeschriebenen Bahnen ankämpfen, und welche Kosten sind mit einem erfolgreichen Aufbruch verbunden?

Weitere Motivstränge betreffen die Mythologisierung der Stadt, die Verdichtung von Zeitlichkeit zu einem erzählerischen Reservoir und die Symbolik von Winter, Licht und Heilung. Wiederkehrende Bilder von Zerfall und Erneuerung illustrieren die psychologische Landschaft der Figuren, während die narrative Stimme und die gelegentlichen übernatürlichen Elemente das philosophische Substrat akzentuieren. So entsteht ein Film, der weniger eine eindeutige Antwort liefert als vielmehr ein dichtes Feld fragender Bilder und Situationen eröffnet - ein Versuch, die großen Fragen in der Sprache des Kinos hörbar und sichtbar zu machen.

Filmkritik von Peter Osteried

Akiva Goldsman erzählt mit Winter’s Tale eine magische Geschichte

Für Autor und Regisseur Akiva Goldsman war die Verfilmung von Mark Helprins Roman Winter’s Tale immer ein Passionsprojekt. Über Jahre hinweg hat er es verfolgt, Schauspieler begeistert, dann wieder verloren, ein Budget bewilligt und dann halbiert bekommen. Nun hat er den Stoff jedoch filmische Wirklichkeit werden lassen – und präsentiert eine Geschichte von magischer Schönheit, genau richtig für den Valentinstag. Ein Film, der nicht nur für Frauen, sondern auch die männlichen Begleiter viel zu bieten hat. Denn das Fantasy-Märchen ist stark besetzt und wartet mit dem ewigen Kampf von Gut gegen Böse auf, auch wenn vor allem eine unsterbliche Romanze im Mittelpunkt steht.

Es ist das Jahr 1914. Der Dieb Peter Lake ist vor Pearly Soames und seinen Männern auf der Flucht. Soames will seinen ehemaligen Protegé ins Jenseits befördern, aber bislang ist Peter immer die Flucht gelungen. Als es eng zu werden droht, kommt ihm ein weißes Pferd zu Hilfe, das ihn von seinen Häschern wegbringt - auf höchst dramatische, spektakuläre und schlichtweg magische Art und Weise.

Peter lernt schließlich Beverly Penn kennen. Ausgerechnet, als er in ihr Haus einbricht. Die totkranke junge Frau ist ihm gegenüber freundlich. Was beide wie ein Schlag trifft, ist Liebe auf den ersten Blick.

Peter und Beverly wollen ihr Leben miteinander verbringen, so lange oder kurz es auch sein mag. Aber was hat Beverlys Vater dazu zu sagen? Und schwebt Beverly nicht in großer Gefahr, weil Pearly über sie an Peter herankommen will?

Diese Fragen beantworten sich schon zur Halbzeit des Films. Bis dahin hat man eine der wohl schönsten Romanzen des Jahres miterleben dürfen und muss sich zugleich fragen, wie diese Geschichte wohl weitergehen wird.

Höchst überraschend, muss man sagen, aber mehr sollte man auch nicht wissen. Wer den Roman nicht schon gelesen hat, der sollte sich von dieser die Zeiten überdauernden Geschichte mitreißen lassen, denn sie bietet weit mehr, als auf den ersten Blick offenkundig wird.

Winter’s Tale ist eine große Geschichte über den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse, mit dem Menschen als Spielfiguren, mit denen man mal gewinnt, mal verliert. Was Goldsman hier bietet, ist Film gewordene Poesie, die leicht im Kitsch versinken könnte, sich aber dieses Schicksals erwehrt, indem der Film immer wieder überrascht, aber auch die Figuren so liebevoll gestaltet sind, dass man einerseits sofort mit ihnen mitleidet, andererseits sich mit ihnen mitfreut.

Exzellent ausgestattet und traumhaft schön gefilmt, ist Winter’s Tale bis in die Nebenrollen namhaft besetzt. Colin Farrell (zurzeit auch in Saving Mr. Banks zu sehen) ist ein Ganove mit Herz, die aus Downtown Abbey bekannte Jessica Brown Findlay eine junge Frau, die das Leben in all seinen Facetten spüren will. Darüber hinaus hat man Russell Crowe als schurkischen Pearly, William Hurt als Beverlys Vater und Will Smith in einer grandiosen Nebenrolle. Smith ist zwar nur in zwei Szenen zu sehen, treibt den Film aber immens voran und liefert eine Darstellung ab, die man mit der Viggo Mortensens in einem seiner ersten Filme vergleichen könnte. Doch auch hier gilt: Zuviel sollten Sie im Vorfeld gar nicht wissen.

Winter’s Tale entfaltet am Ehesten dann seine immense Wirkung, wenn man sich unbedarft von der kunstvoll erzählten, schönen Geschichte mitreißen lassen kann. Das Ergebnis ist ein Fantasy-Film, der zur Weihnachtszeit auch gut aufgehoben gewesen wäre, rund um den Valentinstag aber auch ein perfektes Date-Movie ist.

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