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What the Fuck heißt REDIRECTED

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kritiken.de Redaktion 07.05.2015
What the Fuck heißt REDIRECTED© FilmConfect Home Entertainment GmbH
A ca. 888 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten  📋 Inhalt

What the Fuck heißt REDIRECTED - Schwarzkomik, Gewalt und postkoloniale Grenzräume

Einleitung

What the Fuck heißt REDIRECTED präsentiert sich nicht nur als laute Genreübung, sondern als ein Film, der die Mechanik moderner Actionkomik mit einer rohen Sozialtopographie verbindet. Seit seiner Veröffentlichung am 07.05.2015 tritt der Film in einen Diskurs über die Aneignung britischer Gangsterästhetik durch osteuropäische Produktionsbedingungen - eine Konstellation, die Fragen nach Authentizität, kulturellem Export und dem Bild von „Peripherie“ in populärem Kino aufwirft.

Die Relevanz des Films liegt weniger in narrativer Originalität als in seiner Positionierung als transnationales Artefakt. In einem Moment, in dem europäisches Kino zunehmend auf Co-Produktionen setzt, fungiert REDIRECTED als Fallbeispiel dafür, wie Subgenres - hier der raue britische Kleinkriminellenfilm - durch lokale Produktion, Schauplätze und Schauspielensembles umgedeutet werden können. Der Titel allein, provozierend und fragmentarisch, markiert die Spannung zwischen angloamerikanischem Genrecode und osteuropäischer Bildrealität.

Als Beitrag zu einem jüngeren Trend von Filmen, die Gewalt, Komik und kulturelle Missverständnisse miteinander koppeln, bietet REDIRECTED eine Folie für zeitgenössische Debatten über Männlichkeitsdarstellungen, Grenzerfahrungen und die Ökonomie des Schocks. Die Tonalität ist häufig derb und ironisch, doch hinter der Oberfläche arbeitet der Film mit einer spezifischen Sensibilität gegenüber Raum, Sprache und dem sinnlich erlebten Fremdsein.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte der litauische Filmemacher Emilis V?lyvis, dessen Handschrift sich durch eine Vorliebe für schwarzhumorige Überzeichnung und eine direkte visuelle Sprache auszeichnet. V?lyvis nutzt in seinen Arbeiten oft genretypische Elemente - Gewalt, Stakkato-Schnitt, markante musikalische Akzente - und verschiebt sie in einen sozial-narrativen Kontext, der lokale Topographien und subkulturelle Eigenheiten herausarbeitet.

REDIRECTED entstand als britisch-litauische Ko-Produktion und verweist damit auf eine pragmatische Form des europäischen Kinos - internationale Finanzierung, gemischte Besetzungen und Dreharbeiten an Schauplätzen, die sowohl exotisierend als auch dokumentarisch wirken. Solche Umstände fördern einen rauen, oft improvisiert wirkenden Stil, der Budgetrestriktionen nicht verleugnet, aber zugleich zu einer ästhetischen Direktheit führt. Die Bildsprache lebt von einem ungeschönten Realismus, der durch prägnante Schnittfolgen und eine betonte Montage von Gewalt- und Komikszenen akzentuiert wird.

In der Reihenfolge seines Gesamtwerks nimmt REDIRECTED eine Rolle als Brückenschlag ein - es ist ein Film, der V?lyvis' Neigung zur Groteske in ein international lesbares Genrekorsett legt und damit sowohl seine nationale Verankerung als auch seine Ambitionen auf ein größeres Publikum sichtbar macht.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Das Ensemble verbindet bekannte britische Gesichter mit regionalen Talenten. Vinnie Jones fungiert als archetypischer Präsenzmann - sein unverwechselbares raues Timbre und seine physische Autorität rufen die Erinnerung an frühere Gangsterrollen herauf. Jones steht für die externe Referenz des Films - die britische Gangsterästhetik, die hier gespiegelt und gebrochen wird.

Scot Williams übernimmt in der Tradition seiner Rollenarbeit die Funktion des Kontrastcharakters - weniger archetypisch körperlich als performativ vernetzt mit den Codes des Kleinkriminellen und des Kumpels. Neben ihnen bilden Schauspieler wie Gil Darnell und Oliver Jackson Figuren, die zwischen Loyalität und Selbstinteresse oszillieren und damit die dramatische Spannung tragen.

Die litauischen und osteuropäischen Darsteller - etwa Vytautas Sapranauskas, Artur Smolyaninov und Vita Siauciunaite - bringen eine lokale Authentizität und eine andere rhythmische Lesart von Präsenz mit. Ihre Figuren sind nicht nur Kulisse, sondern aktive Motoren der Handlung; sie markieren sprachliche und kulturelle Gegengewichte, die das Ensemblespiel in Richtung einer polyphonen Dynamik verschieben.

Handlung (spoilerfrei!)

REDIRECTED erzählt von einer Gruppe britischer Kleingangster, deren geplantes Verbrechen in ein desaströses Abenteuer mündet - sie finden sich weitab von ihrer Heimat, in einer Umgebung, die ihnen fremd ist und zugleich ungewohnte Härte auferlegt. Die Prämisse funktioniert als klassisches Fish-out-of-water-Szenario, das die Figuren einem unwirtlichen Milieu aussetzt, in dem Alliierte zu Feinden werden und die einfache Logik der kriminellen Chuzpe nicht mehr greift.

Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus Existenzfragen - Überleben, Loyalität und die Erhaltung eines Codes in einer Umgebung, die diese Codes unterwandert. Die zentralen Figuren sind weniger Helden im klassischen Sinn als Typen, deren Männlichkeitsperformanz, Hierarchien und Schwächen im Verlauf der Irrfahrt sichtbar werden. Dabei ist der Ton des Films ambivalent - er verbindet rohe Gewalt mit komödiantischem Timing, die Atmosphäre ist dicht, manchmal beklemmend, oft rasant und von einer derben Ironie durchzogen.

Räumliche und sprachliche Barrieren fungieren als kontinuierliche Reibungsflächen; die Erzählung bewegt sich zwischen urbanen Schauplätzen und ländlichen Zwischenräumen, wobei die Kamera wie ein Kommentar auf die Desorientierung der Protagonisten reagiert.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Identität und Entfremdung - nicht als abstrakte Theorien, sondern als konkrete Erfahrung von Menschen, die ihre Codes und Sicherheiten verlieren. REDIRECTED fragt, wie Männlichkeit unter Druck reagiert, wie Solidarität in prekären Situationen aushandelt wird und welche Rolle Gewalt als Mittel der Kommunikation spielt - als Sprache, als letztes Argument und als theatrales Element.

Ein wiederkehrendes Motiv ist das des Grenzraums - territorial, sprachlich und moralisch. Die Figuren bewegen sich in einer Zone, die nicht nur geographisch entfernt ist, sondern auch gesellschaftlich ambivalent: ein postsozialistischer Raum, der zugleich Versprechen und Bedrohung darstellt. Die Interaktion zwischen westlichen und östlichen Codes legt eine postkoloniale Lesart nahe - es geht um kulturelle Aneignung, ökonomische Ungleichheit und die Vergegenständlichung von Globalisierungsfolgen im Kleinen.

Formal interessiert sich der Film für die Choreographie von Aktion und Reaktion - Kameraführung und Schnitt betonen rhythmische Kontraste, während wiederkehrende Motive wie Fluchtwege, Waffen und der Austausch von Sprache zu Leitbildern werden. So erzeugt REDIRECTED eine Erzählung, die weniger moralische Antworten bietet als vielmehr ein Panorama aus Eskalation, Komik und Verunsicherung - ein Spiegel dessen, wie Gegenwartskino mit Gewalt und Humor als Ästhetiken der Distanz arbeitet.

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