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The Wolf of Wall Street

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kritiken.de Redaktion 16.01.2014
The Wolf of Wall Street© Universal Pictures Germany
A ca. 2443 Worte Lesezeit ca. 9 Minuten  📋 Inhalt

The Wolf of Wall Street als Spiegel der Gier - Scorseses Theater der ökonomischen Exzesse

Einleitung

The Wolf of Wall Street steht in der Gegenwartskultur als provokantes Porträt einer Ära, in der Finanzmärkte und Medienwelten gleichermaßen zur Bühne für Selbstdarstellung und Ausschweifung wurden. Der Film führt nicht nur eine historische Figur vor, sondern spiegelt die Dynamiken eines Systems, das Erfolg als performativen Mythos begreift. Seine Relevanz speist sich aus der fortdauernden Debatte über Verantwortung, Moral und die Verführungskraft ökonomischer Machtzentren.

Als Werk eines routinierten Regisseurs lässt der Film sich weniger als historisches Dokument lesen denn als ästhetische Verhandlung: Wie inszeniert man Habgier, wie visualisiert man kollektive Betäubung und welche filmischen Mittel eignen sich, um moralische Ambivalenz nicht zu verharmlosen? Das Interesse liegt dabei weniger in der Chronologie der Ereignisse als in der performativen Qualität des Begehrens und der Mechanismen der Verführung.

Der Film erschien zu einem Zeitpunkt, in dem die Nachwirkungen der Finanzkrise noch nachwirkten und die öffentliche Wahrnehmung von Wall Street ambivalent war. Diese Zeitgeistbindung verleiht der Erzählung eine doppelte Bedeutung: Sie dekonstruiert glamourisierte Erfolgsgeschichten und zeigt zugleich, wie mediale Erzählungen Marktlogiken naturalisieren. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die filmische Sprache des Werks: brillant, überspitzend und provokant.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Martin Scorsese, dessen Handschrift in Rhythmus, Kameraführung und narrativer Ironisierung unverkennbar bleibt. Scorsese nimmt hier bekannte Mittel aus seinen früheren Gangsterfilmen und anwendet sie auf die Welt der Finanzspekulation: Stimme aus dem Off, schnelle Montage, elegante Tracking-Shots und die feine Balance zwischen Komik und Gewalt. Die Arbeit mit langjährigen Kollaborateuren im technischen Bereich verleiht dem Film eine polierte, aber zugleich zügellose Ästhetik.

Hergestellt wurde der Film in einem Studioumfeld mit erheblichem Budget, umgesetzt von Produktionsgesellschaften, die grosstechnisch operieren können. Die aufwendigen Kulissen und Locations, das präzise Szenenbild und die opulente Ausstattung spiegeln die ökonomische Überfülle, die das Sujet verlangt. Drehbuchautorisch basierte die Vorlage auf Memoiren und wurde für die Leinwand komprimiert und zugespitzt, um die inneren Mechanismen der Protagonistengruppe besser sichtbar zu machen.

Innerhalb von Scorseses Gesamtwerk markiert The Wolf of Wall Street eine späte, aber konsequente Fortsetzung seiner thematischen Erkundung von Ehrgeiz, Verbrechen und moralischem Preis. Der Film steht in einer Linie mit früheren Arbeiten, die sich mit Aufstieg und Fall beschäftigen, weicht jedoch in Ton und Tempo zugunsten einer beißenden Satire ab, die weniger Tragödie als performatives Spektakel betont.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Leonardo DiCaprio, dessen Zusammenarbeit mit Scorsese bereits mehrere Filme umfasst. Hier übernimmt er die Rolle des charismatischen und manipulativen Protagonisten, dessen Verführungskraft und Dereguliertheit die Dramaturgie antreiben. DiCaprio typisiert nicht nur eine Figur, er macht aus Sprache und Körperhaltung das Instrument einer ökonomischen Verführung.

Jonah Hill zeigt eine ungewohnte Bandbreite, indem er eine Nebenfigur als gleichberechtigten Motor kollektiver Maßlosigkeit ausstattet. Margot Robbie liefert eine prägnante Darstellung einer Frau, die zwischen glamouröser Oberfläche und privater Erosion oszilliert und damit eine weibliche Perspektive auf das von Männern dominierte Milieu einbringt. Matthew McConaughey fungiert in einer kurzen, aber prägnanten Sequenz als Katalysator einer bestimmten Mentalität - ein Beispiel, wie Nebenrollen in diesem Film starke stilistische Akzente setzen können.

Die Ensemblebesetzung erweitert das Spektrum: Erfahrene Charakterdarsteller übernehmen Funktionen, die weniger psychologische Tiefe als soziale Dekoration und funktionale Antriebskraft liefern. Zusammen formen die Darsteller ein dichtes Geflecht, das die kollektive Energie einer Verkaufsmaschinerie sichtbar macht.

Handlung (spoilerfrei!)

Der filmische Plot folgt dem Aufstieg einer Figur aus dem Umfeld von Börsenhandel und aggressivem Telefonvertrieb, ihrer Gründung eines eigenen Unternehmens und den ritualisierten Formen des Erfolgs, die sich in Parties, Luxus und rücksichtsloser Selbstdarstellung manifestieren. Die Erzählung ist weniger linear als episodisch angelegt; sie montiert Höhepunkte und Exzesse zu einer Abfolge, die das Tempo und die Sogwirkung des Milieus nachzeichnet.

Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall zwischen privater Gier und öffentlicher Ordnung, zwischen individueller Hybris und systemischen Grenzen. Zentrale Figuren agieren in einem Kosmos, in dem moralische Grenzen austauschbar erscheinen und Loyalität eher als taktisches Moment denn als ethische Kategorie verstanden wird.

Ton und Atmosphäre sind ambivalent: Die Inszenierung ist zugleich verführerisch und entlarvend. Die Kameraführung und der Schnitt erzeugen eine Sogwirkung, die das Publikum in die Dynamik hineinzieht, dabei aber immer auch einen Spiegel vorhält. Die Spannung entsteht daraus, dass der Film die Faszination der Exzesse ausspielt, ohne sie naiv zu glorifizieren.

Zentrale Themen und Motive

Zentrales Thema ist die Ökonomie der Verführung: Wie werden Menschen überzeugt zu kaufen, zu investieren, zu folgen? Der Film verhandelt die Sprache des Verkaufs als performative Praxis und zeigt, wie psychologische Mechanismen und rhetorische Techniken ökonomische Wirklichkeit konstituieren. Die Frage nach Verantwortung durchzieht die Erzählung auf mehreren Ebenen - individuell, kollektiv und institutionell.

Philosophisch verschränkt der Film Fragen nach Identität und Inszenierung: Erfolg erscheint als Konstruktion, als dauerhafte Bühnenleistung, die das Selbst aushöhlt. Psychologisch untersucht die Arbeit Gruppendynamiken, Suchtverhalten und die Entkopplung von Handeln und Gewissensreflexion. Gesellschaftlich tritt der Film als Spiegel einer Kultur hervor, die Risiko, Spekulation und Selbstdarstellung belohnt.

Formale Motive unterstützen diese Befunde: Stimme aus dem Off, Montage, musikgestützte Kontrapunkte und die ironische Distanzierung der Kamera erzeugen ein zweischneidiges Bild - sie machen das System attraktiv und zeigen zugleich seine Fragilität. Der Film lädt damit nicht zu einer moralischen Simplifizierung ein, sondern zu einer ästhetischen und intellektuellen Auseinandersetzung mit dem modernen Kapitalismus und seinen Rhetoriken.

Filmkritik von Maurice Lahde

Das Schlafmittel Methaqualon, auch Quaaludes oder Ludes genannt, hat eine Eigenart, die es bis zu seinem Verbot 1984 zu einer Modedroge machte: Ist die einsetzende Müdigkeit erst einmal überwunden, wird man enthemmt und geil. Knapp dreißig Jahre später bekommt dieses Medikament nun mit „The Wolf of Wall Street“ ein filmisches Denkmal gesetzt: Nicht nur futtern Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) und seine Broker-Kollegen die weißen Pillen unentwegt „wie M&Ms“, der Film selbst befindet sich, wenn er seine berauschten Figuren drei Stunden lang beim Geldscheffeln und Geldverschwenden, beim Feiern und Ficken zeigt, im Stadium inszenatorischer und visueller Entfesselung. Dabei verliert Martin Scorsese aber, anders als Belfort, im Exzess nicht die Beherrschung. Wenn er dessen achtlos durch den Raum geschleuderte goldene Armbanduhr in Zeitlupe einfängt und für ein paar Sekunden nur ihr lautes Ticken den Kinosaal füllt, hält er inne und zeigt: Das Glücksspiel dieses Helden ist ein Spiel auf begrenzte Zeit – und die unerbittlich auf den Absturz zutreibende Erzählbewegung ist schon aus anderen Filmen Scorseses vertraut.

„The Wolf of Wall Street“ ist ein Verwandter der beiden 1990er-Jahre-Zentralwerke „GoodFellas“ (1990) und „Casino“ (1995), eine ins Satirische gewendete Börsen-Variation der epischen Gangstergeschichte. Allen drei Filmen liegt die (Auto-)Biografie eines realen Verbrechers zugrunde, und die Lebenslinien des Mobsters Henry Hill, des Spielhöllen-Magnaten Sam Rothstein und des Börsenmaklers Belfort folgen einer vergleichbaren Kurve: frühe Faszination von Reichtum und Macht, schnelles Lernen, steiler Aufstieg, wachsende Hybris, unaufhaltsamer Fall. Selbst in den ungestüm vor die Wand fahrenden Beziehungen zu ihren Ehefrauen finden sich Parallelen. Und wie seine Vorgänger folgt „The Wolf of Wall Street“ weniger einer dramatischen Aktstruktur, als Kulminationspunkte aus dem Leben seines Protagonisten in einer atemlosen Episodenfolge aneinanderzureihen – unterlegt von zweifelhaften Konfessionen des Helden aus dem Off, der mit seinen kaputten Moralvorstellungen um die Komplizenschaft des Publikums buhlt.

Zwar geht es an Belforts Arbeitsplatz weniger blutig zu als bei der Mafia – er selbst bezeichnet die Telefone im Dauereinsatz als „Waffen“ –, doch sind die Spielregeln nicht weniger gnadenlos. Nur anfangs noch mit halbherzigem Skrupel versehen, entdeckt der Nachwuchsmakler schnell sein Naturtalent, Scheiße als Gold zu verkaufen, und grundiert sein irrsinnig schnell wachsendes Vermögen auf dem skrupellosen Betrug an unbedarften Anlegern aus der Unterschicht. Als Charakter ist er noch mehr als seine Vorgänger eine leere Hülle, an die Stelle eines wie bigott auch immer gearteten Gangster-Wertesystems tritt die unverhohlene Gier um der Gier willen – wie sein FBI-Verfolger einmal süffisant anmerkt, hat Belfort nicht einmal mehr einen familiären Grund dafür, so zu sein, wie er ist. Die Paranoia, die noch Henry Hill plagte, geht dem vor Selbstgewissheit strotzenden Broker selbst auf dem Gipfel der Drogensucht vollständig ab. Eine tragische Dimension hat er nicht mehr, und entsprechend bleibt der Tonfall des Films im Angesicht der kapitalistischen Grausamkeit stets heiter und überdreht.

Wenn Belfort feist grinsend behauptet, seine Firma sei identisch mit Amerika, und sein Kollege Donnie (Jonah Hill) nur wenige Szenen später die Faust gegen den verhassten (Rechts)staat erhebt und „Fuck USA! Fuck USA!“ skandiert, dann fassen diese beiden Momente den Grad der Desillusionierung zusammen, in den Scorsese den amerikanischen Traum treibt: eine Leerformel, in der vom Aufstiegsgedanken nichts übrig bleibt als ein darwinistisches Nach-oben-Kämpfen, vom „pursuit of happiness“ nichts als animalische Vergnügungssucht, die man beim besten Willen nicht mehr Hedonismus nennen mag. Beim rekordverdächtigen Gebrauch des F-Wortes in „The Wolf of Wall Street“ macht es keinen Unterschied, ob damit der nächste Geschlechtsakt oder die nächste Abzockerei gemeint ist.

Die Ineinssetzung von Sex, Drogen und Geld, die der Film betreibt, zeigt aber auch die Grenzen seiner Kapitalismuskritik. Gegenüber „Casino“, der das System der Geldbewegungen bis zu den Schaltstellen der Macht verfolgte, fällt „The Wolf of Wall Street“ an Komplexität ab. Kapitalismus ist hier – nicht nur weil gleich im ersten Bild ein Löwe durchs Büro spaziert – buchstäblich Raubtierkapitalismus, ein Spiel triebgesteuerter Maniacs. Und so zeitgemäß der Wall-Street-Stoff in der von Finanzkrisen gebeutelten Welt scheint, gegenüber den in noch viel surrealeren Dimensionen angesiedelten monetären Verwerfungen seit 2008 mutet die Episode, die Scorsese erzählt, nahezu atavistisch an.

Vor allem betreibt der Film eine so konsequente wie unterhaltsame Aus- und Bloßstellung der Maßlosigkeit. Belforts von keinerlei Schamgefühl getrübter Lust am Reichsein entspricht eine furiose Over-the-Top-Inszenierung, die Orgie auf Orgie, Exzess auf Exzess folgen lässt – die neben vielen freizügigen Sexszenen und immensen materialen Schauwerten aber vor allem mit einer Unzahl überraschender Pointen und brillanter Kabinettstückchen fesselt. Wenn Leonardo DiCaprios schauspielerische Tour de Force in einem irrwitzigen Versuch gipfelt, im Zustand der Drogenparalyse über eine Treppe in ein Auto zu klettern und nach Hause zu fahren, so ist das nur eine von vielen Szenen, denen der Eingang in die Unvergesslichkeits-Schatzkiste gewiss ist. „The Wolf of Wall Street“ ist einer der bisher energiegeladensten und wildesten Hollywoodfilme des Jahrzehnts und zeigt den 71-jährigen Martin Scorsese auf der Höhe seiner Schaffenskraft.

Filmkritik von Peter Osteried

Leonardo Di Caprio ist ein Wolf unter Lämmern

Gordon Gekko, die Hauptfigur aus Wall Street, war so etwas wie ein Vorbild für Jordan Belfort. Schnell reich werden, den Reichtum immer weiter mehren und keinen Gedanken an die Opfer verschwenden. Das war Gordon Gekko. Ebenso war Jordan Belfort im wahren Leben. Mit der Ausnahme, dass er den Reichtum auf eine Weise nutzte, wie es Gordon Gekko nicht in seinen kühnsten Träumen gewagt hätte. Belfort lebte in purer Dekadenz.

Jordan Belfort (Leonardo Di Caprio) wollte immer reich werden. Der Weg zum Reichtum? Das Makeln an der Wall Street, aber sein erster Tag als Broker ist alles andere als ein ruhmreicher. Ein schwarzer Montag, stürzende Kurse und die Arbeitslosigkeit sind die Highlights eines einzigen Tages. Aber Belfort gibt nicht auf. Er fängt in einer Pennystock-Klitsche in Long Island an und macht dort richtig viel Geld.

Das ist der Anfang einer großen Erfolgsgeschichte. Belfort gründet mit Freunden seine eigene Firma, die Geschäfte laufen immer rosiger, der Erfolg wird immer phänomenaler, aber eine Menge Kunden bleiben dabei auf der Strecke. Damit nicht genug glaubt Belfort, dass er schlauer als das System ist. Insiderhandel, Kursmanipulation, Geldwäsche – bei Belfort gibt es nichts, was es nicht gibt. Und das inmitten eines ewig währenden Rausches, in dem er alles konsumiert, was er in die Finger bekommt. Es ist die Party seines Lebens, aber kann die Feier ewig weitergehen?

Martin Scorseses neuester Film ist ein Lieblingsprojekt von Leonardo Di Caprio, der 2007 Belforts Buch gelesen hat und weniger von der dekadenten Lebensgeschichte, als vielmehr von der Schonungslosigkeit, mit der der heutige Motivationstrainer auf sein Leben zurückblickte. Jordan Belfort ist kein sympathischer Mann, aber charismatisch und elektrisierend, das ist er auf jeden Fall. Und Di Caprio spielt ihn mit der fahrigen Energie eines Mannes, der zwischen Genie und Wahnsinn wandelt. The Wolf of Wall Streetist Di Caprios Show, der Film, der ihm vielleicht einen Oscar einbringen könnte. Verdient hätte er ihn ohnehin schon längst, was er hier jedoch im Zwischenreich von exzellentem Drehbuch und wildem Improvisieren abliefert, ist die Krönung seiner bisherigen Karriere.

Im Grunde mag man Jordan Belfort nicht. Wegen dem, was er tut, weniger wegen dem, wer er ist. Er steht in einer Reihe mit Henry Hill aus Goodfellas und George Jung aus Blow, ein Gauner, nur dass er in einem Metier tätig ist, bei dem am Ende nicht lebenslänglich schwedische Gardinen warten. Sie alle sind vom schnellen Geld verführt worden, und mehr noch: Sie haben das Talent, schnell Geld zu machen. Sieht man dem Treiben in The Wolf of Wall Streetzu, dann ist man sehr schnell vom Exzess erschlagen. Hier ist alles höher, weiter, schneller, besser, größer – der amerikanische Traum in Reinkultur, aber mit allem, was dazugehört, um blitzschnell zum Albtraum zu werden.

Fasziniert sieht man dem Aufstieg und (weichem) Fall zu, wohlwissend, dass das der Weg ist, denn diese Geschichte nur nehmen kann. Der Film macht es dem Zuschauer relativ leicht, in diese Welt und von den Figuren in ihren Bann gezogen zu werden. Er gaukelt ein opferloses Verbrechen vor. Oder anders ausgedrückt: An die Opfer wird nur selten ein Gedanke verschwendet. Woher das Geld für den Lebensstil von Jordan und seinen Freunden kommt? Mehrheitlich von denen, die es sich nicht leisten können, welches zu verlieren. So ist der Film, der seinen Höhepunkt zur Mitte der 90er Jahre hat, aktueller denn je. Er zeigt einen entfesselten Raubtierkapitalismus, der mit virtuellem Geld spielt, bei dem aber im Grunde nur die Vermittler reich werden, während nach ihnen die Sintflut kommt.

Das hätte in den Händen eines geringeren Regisseurs ein Film mit Holzhammerbotschaft werden können, aber in Martin Scorseses virtuosen Händen wird aus diesem Börsenreigen ein erstaunlich verspielter Film, der den Zuschauer in die Position eines Kunden drängt, der von Jordan Belfort umgarnt wird. Beiläufig erzählt Belfort aus dem Off seine Geschichte, und immer wieder durchbricht die Figur die vierte Wand, um den Zuschauer direkt anzusprechen. Er verkauft den Film an das Publikum. Drei Stunden geballter Wahnsinn, ein Blick in eine Welt, die den meisten verschlossen und unglaublich erscheint, die jedoch mit Drogen, Alkohol, Geld und Sex so reizvoll ist, dass man sich ihr nicht entziehen kann.

The Wolf of Wall Street ist vergnüglich, es gibt hier mehr zu lachen, als in den meisten Komödien, aber seine Ernsthaftigkeit gibt er dafür nicht auf. Wenn überhaupt, könnte man dem Film vorwerfen, dass man den Mittelteil des Dreistünders ein wenig hätte straffen können, aber letzten Endes fühlt man sich in dieser Welt wohl und genießt jede Minute. Vielleicht auch deswegen, weil sie so weit abseits der gelebten Normalität des Zuschauers ist, dass ein dreistündiger Trip ins Haifischbecken der Finanzjongleure so prickelnd ist wie der Schampus, der auf Feiern und Orgien in Strömen fließt.

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