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The Strange Colour Of Your Body's Tears

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kritiken.de Redaktion 13.11.2014
The Strange Colour Of Your Body's Tears© Drop-Out Cinema
A ca. 927 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

The Strange Colour Of Your Body's Tears - Ein visuell-dissonantes Nachbild des italienischen Giallo

Einleitung

The Strange Colour Of Your Body's Tears tritt als ein Film auf, der weniger eine klassische Erzählung anstrebt als das Erzeugen eines anhaltenden Sinneseindrucks. Seit seiner Veröffentlichung 2014 hat sich der Film als ein Werk herausgestellt, das die Grenzen zwischen Thriller, experimentellem Kino und cinephiler Verbeugung verwischt. Seine Relevanz liegt nicht in einem neuen plot-technischen Zugriff auf das Genre, sondern in der radikalen Inszenierungssprache, die das Giallo-Erbe neu liest und in eine moderne, europäische Filmästhetik überträgt.

Innerhalb des filmischen Diskurses steht The Strange Colour Of Your Body's Tears für eine Bewegung, die Narrative zugunsten von Bild- und Klangarrangements dezentriert. Regisseurinnen und Regisseure, die mit diesem Ansatz arbeiten, sprechen ein Publikum an, das Kino als sensorische Erfahrung und ästhetische Konstruktion begreift. Der Film provoziert so die Frage, wie viel Handlung ein Thriller braucht, damit er noch als solcher funktioniert - und ob die Form selbst zur Quelle der Spannung werden kann.

Gleichzeitig ist das Werk ein Spiegel für einen Zeitgeist, der zwischen Retro-Nostalgie und postmoderner Montage pendelt. In einer Ära, in der Konsum und Bildproduktion alltäglich sind, richtet der Film den Blick auf die Mechanismen des Sehens und Erinnerns. Er wirkt wie eine Studie über Wahrnehmung in Zeiten visueller Überreizung - ein Thema, das unmittelbar anschlussfähig ist an die gegenwärtige Kultur der Bilder.

Kurzüberblick zur Produktion

The Strange Colour Of Your Body's Tears stammt von dem Regie-Duo Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich mit ihrem vorherigen Film Amer bereits als prägnante Stimmen im zeitgenössischen Genre-Kino etabliert hatten. Ihre Handschrift ist erkennbar in einer Vorliebe für stilisierte Bildkompositionen, scharfe Farbfilter und eine Montage, die Rhythmus und Ton über lineare Erzählung stellt. Zu den markanten Merkmalen gehört die Zusammenarbeit mit Kameraleuten und Sounddesignern, die das Bild nicht nur dokumentieren, sondern orchestrieren.

Als Koproduktion zwischen Belgien, Frankreich und Luxemburg realisiert, bewegt sich die Produktion im Bereich des internationalen Autorenkinos - finanziert durch eine Mischung aus Fördermitteln und arthouse-orientierten Produktionsfirmen. Sichtbar wird dies in der sorgfältigen materiellen Ausgestaltung des Sets und der Kameraarbeit, die trotz begrenzter Mittel eine opulente Sinnlichkeit erzeugt. Der Film positioniert sich damit klar als Kunstkino, das Genreerwartungen nutzt, um formalistische Experimente zu wagen.

Im Gesamtwerk von Cattet und Forzani markiert The Strange Colour Of Your Body's Tears einen weiteren Schritt in der Vertiefung ihrer ästhetischen Anliegen. Wo Amer bereits eine Art filmisches Notenblatt für ihre Vorlieben bot, treibt dieser Film die Techniken der Fragmentierung, der Wiederholung und der akzentuierten Farbdramaturgie konsequenter voran.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Klaus Tange übernimmt im Zentrum eine Rolle, die weniger als traditioneller Protagonist denn als motorische Präsenz fungiert. Seine Figur agiert häufig in dichter, physischer Nähe zu Kamera und Raum, was Tanges reduzierte, auf subtile Nuancen setzende Darstellung erforderlich macht. Die Besetzung arbeitet insgesamt mit Darstellern, die weniger durch Starpower als durch ihre Fähigkeit überzeugen, atmosphärische Dichte zu erzeugen.

Die übrigen Performerinnen und Performer - darunter Ursula Bedena, Joe Koener, Birgit Yew und Sam Louwyck - treten in einer Reihe von Begegnungen und Konstellationen auf, die eher typenhaft als psychologisch detailliert angelegt sind. Ehemalige Rollen oder gröbere Bekanntheit einzelner Beteiligter spielen für den Film eine untergeordnete Rolle; wichtig ist hier die Fähigkeit, in kinematischen Bildern zu existieren, statt psychologisch-schwere Charakterbögen zu tragen. Die Figuren fungieren also vielfach als Träger von Stimmung und Symbolik.

In dieser registerierten Ensemblearbeit bleibt Raum für kurze, prägnante Einprägungen einzelner Gesichter und Gesten - ein Prinzip, das den filmischen Fokus noch stärker auf Bild- und Raumkomposition legt.

Handlung (spoilerfrei!)

Auf der Ebene der Handlung lässt sich der Film knapp als die Suche eines Mannes nach seiner verschwundenen Partnerin beschreiben. Diese Suche dient weniger der Aufklärung eines Kriminalfalls als der Erkundung eines ambivalenten, labyrinthischen Wohnkomplexes, in dem jede Tür eine neue, oft widersprüchliche Begegnung bereithält. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Auseinanderfallen von Erwartung und Wahrnehmung - dem Drang, Zusammenhänge zu rekonstruieren, und dem filmischen Prinzip der Zerlegung und Mehrdeutigkeit.

Die zentralen Figuren sind eher Konstellationen von Blicken, Körpern und Stimmen als klassische Protagonisten mit linearer Entwicklung. Ton und Atmosphäre sind dicht, oft beklemmend und gleichzeitig verführerisch: Die Inszenierung bedient sich knalliger Farbflächen, akzentuierter Beleuchtung und einer Montage, die Rhythmen erzeugt, statt Kausalität zu erklären. Der Thriller lebt so vor allem von atmosphärischer Zwangsläufigkeit und der kumulativen Wirkung kleiner, wiederkehrender visueller und akustischer Motive.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films steht die Frage nach Sichtbarkeit und Verhüllung - was gesehen wird, was verborgen bleibt und wie Erinnerung und Begehren die Wahrnehmung formen. Das Motiv der Tür wiederholt sich als symbolisches Element - Übergänge, Barrieren und die Möglichkeit von Verwandlung liegen in ihr angelegt. Ebenso wichtig ist die Auseinandersetzung mit dem Körper als Objekt des Blicks: Der Titel verweist deutlich auf eine körperlich-sinnliche Dimension, die durch Farbe, Licht und Detailaufnahme moduliert wird.

Auf philosophischer Ebene berührt der Film Themen der Identität und der Fragmentierung des Selbst. Indem er Narrative auflöst, stellt er die Frage, ob kohärente Bedeutungen in einer Welt möglich sind, die durch visuelle Überstimulation und mediale Zirkulation geprägt ist. Gesellschaftlich lässt sich das Werk als Kommentar lesen auf urbane Isolation und die Entfremdung in anonymen Wohnstrukturen - Räume, in denen Nähe und Fremdheit dicht beieinanderliegen.

Schließlich operiert der Film als Reflexion über das Genre selbst: Er rekonstruiert und isoliert die ästhetischen Elemente des Thrillers und des Giallo, um sie sichtbar zu machen und ihren psychologischen Sog zu hinterfragen. In diesem Sinne ist The Strange Colour Of Your Body's Tears ein filmtheoretisches Experiment in Form und Sinnlichkeit - weniger ein Verbrechen, das aufgeklärt werden will, als ein Zustand, der erfahren werden muss.

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