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Codename UNCLE

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kritiken.de Redaktion 13.08.2015
Codename UNCLE© Warner Bros. GmbH
A ca. 1285 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Codename UNCLE - Kalte Kriegs-Eleganz und Ritchie’s handwerkliche Neuverhandlung des klassischen Agentenfilms im Mainstreamkino

Einleitung

Codename UNCLE kehrt eine Ikone des Fernsehzeitalters in die Kinoleinwand zurück und rekonstruiert den Agentenfilm der 1960er Jahre als sorgfältig komponierte Pop-Archäologie. Der Film steht damit nicht bloß als Remake eines Titels, sondern als Versuch, eine historische Form - ihre Gesten, ihren Witz und ihre Ästhetik - mit zeitgenössischer Regieführung zu koppeln. Diese Verknüpfung macht den Film relevant: Er fragt danach, wie nostalgische Sehnsucht und moderne Produktionstechnik einander bedingen, ohne sich in bloßer Imitation zu verlieren.

In einer Gegenwart, in der Spionagefiktionen zwischen hyperrealen Thrillern und ironisierten Retrospektiven pendeln, tritt Codename UNCLE als Auslotung jener Spannungen hervor. Er bietet nicht nur Action und Stil, sondern auch eine Bühne für Fragen nach Authentizität und Inszenierung - nach dem, was an hellem Chrom und maßgeschneiderten Anzügen Substanzhaftes bleibt. Damit reflektiert der Film zugleich den Anspruch des Kinos, populäre Formen formal zu erneuern.

Die Tonalität des Films ist feuilletonistisch interessant, weil er Genreklischees mit einer leichten, doch kalkulierten Distanz behandelt. Diese Distanz erlaubt es ihm, die Kalte Kriegs-Rhetorik als Bühnenbild zu behandeln und das Verhältnis von Politik und Persona zu untersuchen. In dieser Einbettung wird Codename UNCLE zu einem Spiegel seiner Entstehungszeit - nicht zuletzt in Fragen, wie Filmindustrie und Publikum historische Mythen heute wiederverwerten.

Kurzüberblick zur Produktion

Codename UNCLE ist ein studio-finanziertes, international ausgerichtetes Genreprojekt, das auf der gleichnamigen Fernsehserie der 1960er Jahre basiert. Die Produktion verfolgt das klassische Ziel, einen bekannten Markennamen in ein zeitgemäßes, kinotaugliches Format zu überführen, wobei Produktionsdesign und Kostümierung deutlich in den Vordergrund treten. Das Ergebnis ist ein Hochglanzprodukt, das die ästhetischen Codes der Sixties - Muster, Möbel, Autos und Musik - als narrativ produktive Elemente nutzt.

Regisseur Guy Ritchie bringt in dieses Setting seine markante Handschrift ein - weniger in Form roher Gangsterpoetik als durch eine rhythmische Präzision von Bild und Schnitt und durch eine Vorliebe für choreografierte Actionszenen. Für Ritchie ist der Film eine Wendung weg von seiner frühen, britisch-urbanen Gangsterästhetik hin zu einem polierten, internationalen Agentenfilm. Produziert im Kontext großer Studios, zeigt das Projekt zugleich die Ökonomie des zeitgenössischen Kinos - Formbewusstsein wird hier als Verkaufsargument inszeniert.

Innerhalb des Schaffens von Ritchie nimmt der Film daher eine Brückenfunktion ein. Er verknüpft die spielerische Montagekunst des Regisseurs mit einem historischen Fundus und demonstriert, wie populäre Referenzen ins Heute überführt werden können, ohne die eigenwilligen Rhythmus- und Stilmittel des Regisseurs vollständig aufzugeben.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung koppelt etablierte und aufstrebende Profile: Henry Cavill, bekannt geworden durch seine komprimierte Präsenz in großen Franchise-Rollen, übernimmt die Figur des charmant-seriösen Agenten, deren Kaliber zwischen Charme und Professionalität pendelt. Armie Hammer fungiert als sein kongenialer Kontrapunkt - der stoische, weniger sprachmächtige Partner von anderer politischer Herkunft. Die Dynamik der beiden bildet das magnetische Zentrum des Films und beruht weniger auf plot-getriebener Konfliktlösung als auf performativer Chemie.

Alicia Vikander tritt als kluge, eigenständige Frau in Erscheinung, deren Rolle mehr ist als Beiwerk einer Männerdynamik; sie bringt eine andere Form von Agency in das Erzählfeld. Elizabeth Debicki verkörpert die archetypische Femme fatale, deren elegante Kälte als narrativer Motor fungiert. Hugh Grant und Jared Harris besetzen Nebenpartien, die das institutionelle Rückgrat der Spionagewelt repräsentieren - mal mit ironischem Unterton, mal mit melancholischer Autorität. Selbst Nebenrollen und prominente Cameos werden bewusst als Stilelemente eingesetzt, um die Welt des Films zu bevölkern.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film spielt im Kontext der Kalten Kriegs-Szenerie der 1960er Jahre und verknüpft internationale Spannungen mit einem klassischen Agentenplot. Zwei gegensätzliche Agenten - aus entgegengesetzten Lagern stammend - sehen sich gezwungen, zusammenzuarbeiten, um einer übergreifenden Bedrohung zu begegnen. Diese Grundkonstellation entfaltet sich weniger als politisches Lehrstück denn als Bühne für Verwandlung: Misstrauen, Höflichkeit und professionelle Eitelkeit werden zu Spannungsquellen.

Im Zentrum steht der dramatische Konflikt zwischen persönlicher Loyalität und institutioneller Pflicht, between performativer Coolness and the exigencies of survival. Zentrale Figuren sind die beiden Agenten, eine junge Frau mit eigener Agenda und eine antagonistischer Figur mit charismatischer Präsenz. Tonal bewegt sich der Film zwischen leichtem, ironischem Witz und der lakonischen Ernsthaftigkeit eines klassischen Spionagefilms; Atmosphäre entsteht aus einer Kombination von stilisierter Eleganz und präzise gesetzten Aktionen.

Zentrale Themen und Motive

Codename UNCLE stellt Fragen zur Inszenierung von Identität in Zeiten geopolitischer Spannung - wie sehr sind Rollen bloße Masken, mit denen Individuen Operationen und Allianzen verhandeln? Spionage wird hier als theatralische Praxis gedacht; Vertrauen ist weniger naturgegeben als performativ. Die Figurendynamik thematisiert, in welcher Weise Freundschaft und Solidarität über ideologische Gräben hinweg möglich sind, und wie persönliche Chemie institutionelle Logik subvertieren kann.

Visuell und erzählerisch arbeitet der Film mit wiederkehrenden Motiven: Ästhetische Referenzen an die Sixties, kostümierte Körpersprache, und eine Choreografie aus Entrée- und Exit-Momenten, die Spionage als Abfolge von Auftritten begreifbar macht. Zugleich stellt der Film Fragen nach Geschlechterverhältnissen in einem Genre, das traditionell männliche Souveränität feiert - die weiblichen Figuren sind nicht nur Objekte politischer Intrige, sondern Entitäten mit eigener Handlungsfähigkeit.

Schließlich lässt sich eine meta-kulturelle Lesart anbieten: Codename UNCLE reflektiert die Sehnsucht nach klaren Erzählformen in einer Gegenwart, die ambivalent gegenüber historischen Narrativen ist. Der Film verhandelt die Spannung zwischen Nostalgie und Aktualisierung, zwischen dem Bedürfnis nach Stil als kurzzeitiger Flucht und der Verantwortung, Geschichte nicht nur zu romantisieren. In diesem Spannungsfeld liegt sein filmischer Reiz - und seine kulturjournalistische Relevanz.

Filmkritik von Peter Osteried

Der Beginn von Codename U.N.C.L.E.

Die Agenten Napoleon Solo und Illya Kuryakin sind aus dem kollektiven Gedächtnis längst verschwunden. In den 1960er Jahren waren sie die Stars einer eigenen Serie und erlebten Abenteuer, die sogar jene von James Bond alt aussehen ließen – und das mit einem Fernsehbudget. Dafür überzog man kräftig und setzte auf eine schräge Stimmung. Nun gibt es den Film zur Serie, und man hätte befürchten können, dass Guy Ritchie eine Parodie daraus macht. Aber weit gefehlt: Codename U.N.C.L.E. ist eine wunderbar leichte, herrlich amüsante Actionkomödie.

Napoleon Solo (Henry Cavill) ist der beste CIA-Agent und Illya Kuryakin (Armie Hammer) der beste KGB-Agent. Nun müssen beide zusammenarbeiten, weil Altnazis an einer Atombombe bauen, mit der sie die Welt in den Abgrund reißen müssen. Doch dazu benötigen die Agenten die Hilfe der ostdeutschen Mechanikerin Gaby (Alicia Vikander), deren Vater der verschwundene Wissenschaftler ist, der unter Zwang die Bombe bauen soll.

Man sieht schon, die Geschichte mag vielleicht nicht besonders originell sein – solche und ähnliche Plots gab es schon zahlreich in den Eurospy-Filmen der 1960er Jahre –, aber es ist die Umsetzung, die zählt. Guy Ritchie lässt Codename U.N.C.L.E. nicht zur Komödie oder gar zur Parodie verkommen. Er hat den Humor passgenau eingearbeitet. Dieser ergibt sich aus Situationen, ist immer natürlich und besteht zum guten Teil auch aus dem Konkurrenzkampf, der sich zwischen den ungleichen Partnern entwickelt.

Die Chemie zwischen Cavill und Hammer ist großartig, ergänzt durch die forsche Vikander. Cavill hat hier zudem die Gelegenheit, eine Bond-ähnliche Rolle zu spielen. Immerhin war er vor der Verpflichtung von Daniel Craig kurz davor, 007 zu werden. Nun als Napoleon Solo. Und was soll man sagen? Es ist gut, dass Cavill nicht Bond wurde, denn Solo liegt ihm deutlich mehr, speziell im Tandem mit Hammer, der hier auch eine andere Seite von sich zum Vorschein bringt.

Sicherlich sind die Schurkenfiguren dagegen stark klischiert, aber sie funktionieren innerhalb einer solch überbordenden Geschichte recht gut. Toll an Codename U.N.C.L.E. ist zudem auch, dass Ritchie sehr toll mit dem Retrochic umgeht. Er benutzt immer wieder Techniken, die auch in die 1960er Jahre gepasst hätten. Dabei gestaltet er seinen Film aber durchaus modern, nur dass er eben auch genau weiß, wie man den Retrochic gewinnbringend einsetzt. Codename U.N.C.L.E. ist großes Blockbuster-Kino, das nicht den Fehler begeht, auf Spektakel zu setzen, auch wenn es reichlich Action gibt. Stattdessen lebt der Film von seinen Figuren, die eine ganze Reihe sicherlich tragen. In dem Sinne: Her mit dem Sequel!

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